Meine Mutter kam, um mir mit meiner Tochter zu helfen, und ist geblieben. Ich weiß nicht, wie ich ihr sagen oder andeuten soll, dass es so nicht weitergeht

In letzter Zeit lebt meine Mutter allein. Nach der Scheidung von meinem Vater hat mein Bruder einige Zeit bei ihr gewohnt, ist dann aber zu seiner Freundin gezogen. Meine Mutter klagte mir darüber, dass es schwer sei, allein in einem großen Haus zu leben. Es sei beängstigend und einsam, und sie wünschte sich jemanden zum Reden. Ich hatte Mitleid mit ihr und schlug vor, dass sie zu ihrer Schwester ziehen könnte, die ebenfalls allein wohnt. Doch meine Mutter war davon nicht begeistert. Sie meinte, in ihrem Alter sei es schwer, mit jemandem anderen klarzukommen.

Als mein Bruder auszog, kam meine Mutter oft zu uns zu Besuch. Mal am Wochenende, mal mitten in der Woche. Wir haben sie immer herzlich empfangen und uns gefreut, wenn sie kam. Wann immer sich die Gelegenheit bot, besuchten wir sie auch. Wenn wir Freunde oder Verwandte besuchten, nahmen wir sie mit ins Gartenhaus. Wir taten alles, damit sie sich weniger alleine fühlte.

So lief es gut, bis mein Frau und ich unseren Sohn bekamen. Kurz nach meiner Rückkehr aus dem Krankenhaus bat meine Mutter unter dem Vorwand, uns mit dem Enkel zu helfen, bei uns zu bleiben. Ihre Argumente klangen überzeugend und wir stimmten schließlich zu. Tatsächlich hat sie uns sehr geholfen sie kümmerte sich um das Baby und unterstützte uns im Haushalt. Doch wir hatten nicht damit gerechnet, dass sie praktisch für immer bleiben würde. Zwei Monate sind vergangen, und sie denkt nicht daran, wieder auszuziehen. Sie begann sogar, davon zu reden, ihre Wohnung zu vermieten schließlich stünde sie ja nur leer…

Meine Frau und ich sind ihr sehr dankbar für ihre Unterstützung. Sie nimmt uns wirklich viel ab. Doch langsam wird uns ihre ständige Anwesenheit zu viel. Wir wünschen uns mehr Privatsphäre. Da sie Rentnerin ist, ist sie praktisch immer zuhause und beschäftigt sich ständig mit irgendetwas. Sie fängt an, unsere Sachen umzuräumen.

Besonders in der Küche stellt sie regelmäßig alles um, und uns fehlt der Freiraum. Wir hatten uns ja bewusst entschieden, als junge Familie alleine zu leben. Unsere Wohnung ist nicht gerade groß, erst recht nicht für eine zusätzliche Person. Wir können uns nicht einmal frei bewegen, wie wir möchten, was auf Dauer belastend ist. Außerdem mischt sich meine Mutter zunehmend in unser Leben ein und gibt Anweisungen, wie wir mit unserem Geld umgehen sollten. Manchmal macht sie meinem Frau Vorwürfe, dass ich nicht genug im Haushalt mache.

Ich habe mehrmals versucht, offen mit meiner Mutter zu reden. Ich habe ihr erklärt, dass junge Familien ihre eigenen vier Wände brauchen. Aber sie will meine Argumente nicht gelten lassen. Ihrer Meinung nach ist es ganz normal, mit der Mutter zusammenzuleben, besonders wenn ein Baby da ist schließlich sei das eine große Verantwortung, das allein gar nicht zu bewältigen sei. Ich weiß langsam nicht mehr, wie ich ihr klarmachen kann, dass sie uns inzwischen zur Last fällt. Es tut weh, weil sie eben meine Mutter ist und jetzt so einsam.

Doch letztlich kann niemand etwas dafür, dass sie sich von meinem Vater getrennt hat. Es steht ihr immer frei, neue Menschen kennenzulernen und sich ein neues Leben aufzubauen.

Heute habe ich wieder gemerkt: Als Sohn will ich helfen, aber ich muss auch meine kleine Familie schützen. Manchmal bedeutet Liebe eben, auch Grenzen zu ziehen für sich selbst und den anderen zuliebe.

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Homy
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