Mama, bitte versteh uns – wir möchten keine Kinder haben.

6. März

Heute denke ich viel an die Vergangenheit nach. Nach Emmas Geburt hat sich unser Leben grundlegend verändert. Ihr schwerer Geburtsverlauf hinterließ Spuren die Ärzte sagten ihr damals, dass sie keine weiteren Kinder bekommen könne. Als ich das zum ersten Mal hörte, wusste ich selbst nicht richtig, wie ich damit umgehen sollte. Wir hatten immer von einer großen Familie geträumt.

In den folgenden sechs Monaten wurde ich immer distanzierter zu Emma. Ich schäme mich, es jetzt zuzugeben, aber ich suchte Halt bei einer anderen Frau, Lena. Als Lena mir dann erzählte, dass sie Zwillinge erwartete, traf ich eine Entscheidung, die ich tief bereue: Ich verließ Emma und unsere kleine Tochter Katharina. Kälte beherrschte mich in jener Zeit, an Verantwortung dachte ich nicht.

Emma blieb mit Katharina alleine. Sie meisterte das Leben mit einer beeindruckenden Stärke. Katharina wuchs als aufgewecktes, neugieriges Kind heran. Sie liebte es seit frühester Kindheit, mit Puppen zu spielen sie saß oft im Zimmer, ordnete die Puppen im Kreis und brachte ihnen Unterricht. Emma war die ganze Zeit voller Stolz auf ihre Tochter.

In der Schule war Katharina beliebt, kam mit allen gut aus und war schnell zur Klassensprecherin gewählt worden. Später lernte sie einen jungen Mann kennen, Moritz, der allerdings recht eigen war. Sie machten fast alles zusammen: Festivals besuchen, zu Treffen der Jugendszene gehen. Katharina spielte Schlagzeug, Moritz Gitarre. Schon bald gründeten sie eine Band und hatten mit ihr sogar einige Auftritte der Erfolg folgte schnell. Sie lebten ein freies, sorgenloses Leben.

Emma machte sich mit den Jahren immer mehr Gedanken um die Zukunft ihrer Tochter. Sie sehnte sich danach, Oma zu werden. Katharina war inzwischen schon 29 Jahre alt.

Katharina, denkst du nicht, es ist Zeit, ein Kind zu bekommen?, fragte sie eines Abends.

Mama, soll ich wie Tante Brigitte werden? Vier Kinder, und ihr ganzer Kosmos dreht sich nur um sie. Ist das ein erfülltes Leben? Sie sitzt zu Hause, kocht, putzt, kümmert sich um die Kinder

Aber warum genau so wie deine Tante? Du kannst doch einfach ein Kind haben und trotzdem dein Leben führen.

Mama, bitte akzeptiere einfach, Kinder sind nicht unser Plan. Und wenn uns irgendwann der Wunsch überkommt, dann adoptieren wir vielleicht eins aus einem Heim.

Mit dem eigenen ist es aber doch etwas anderes. Überlegs dir, Katharina.

Ich will darüber nicht weiter reden, Mama.

Schließlich beschloss Katharina, ihrer Mutter reinen Wein einzuschenken. Vielleicht würde sich ihre Meinung mit der Zeit ändern. Vielleicht auch nicht. Heute weiß ich, wie viel Schmerz eine einzige Entscheidung hinterlassen kann nicht nur bei einem selbst, sondern bei allen, die man liebt. Verantwortung geht nie verloren sie holt einen immer ein.

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Homy
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Mama, bitte versteh uns – wir möchten keine Kinder haben.
Tanjahs Schuld