Der zweite Heiratsantrag oder warum es so wichtig ist, Männern Geschenke zu machen

Das Ehepaar war nun schon seit acht Jahren verheiratet. Er tat alles für sie, sorgte für ihr Wohl, beschützte sie und verwöhnte sie gerne. Die Frau hörte von allen Seiten, was für einen wundervollen Ehemann sie doch hätte. Einst verlor sie ihren Ehering in der Nordsee, und noch in derselben Woche schenkte ihr Mann ihr einen neuen.

Damit jeder weiß, dass du vergeben bist und dass du mir gehörst, erklärte er ihr, als er ihr das Geschenk überreichte.

Die Frau genoss seine Aufmerksamkeit, ebenso wie die teuren Geschenke, die sie erhielt. Dennoch war sie, ohne es richtig zu bemerken, wie eine Mauer hinter ihrem Mann sie merkte kaum, dass sie ihm viel weniger zurückgab, als er ihr gab. Zu seinem Geburtstag schenkte sie ihm meist nichts weiter als ein romantisches Abendessen, während er sie stets mit einer besonderen und kostspieligen Gabe neben dem obligatorischen Rosenstrauß überraschte. Auch beim Kochen verwöhnte sie ihn selten mit kulinarischen Genüssen; sie dachte, beide wären nach der Arbeit oft zu müde und ein belegtes Brot oder etwas von einem Lieferdienst würde schon genügen.

Ihr Mann machte ihr das nie zum Vorwurf aber ihre Mutter schon.

Du bekommst schon den zweiten Ring, und dein Mann läuft immer noch ohne herum. Hast du nie daran gedacht, ihm in all den Jahren einen zu kaufen? Alle Frauen schauen ihm hinterher sie wissen ja nicht, dass er verheiratet ist.

Diese Worte trafen die Frau. Sie hasste es, wenn andere Frauen ihren Mann anschauten; sie wusste zu gut, dass er eigentlich viel zu attraktiv war, um unbemerkt zu bleiben. Dass das Fehlen des Ringes daran schuld sein könnte, war ihr gar nicht in den Sinn gekommen.

Damals hatten sie sich zur Hochzeit nur einen einzigen Ring für sie leisten können für ihn hatte er sich kurzerhand einen von einem Freund geborgt, den er gleich nach der Zeremonie zurückgab. Auch später, als sie sich diesen Luxus hätten leisten können, hatte er sich lange keinen eigenen Ehering gekauft.

Die Frau wartete nicht auf einen besonderen Anlass. Sie suchte sich einfach einen schlichten, goldenen Ring aus, ohne große Verzierungen, ging ins nächste Juweliergeschäft in München und kaufte ihn. Am Abend, als ihr Mann von der Arbeit heimkam, fand er auf dem Nachttisch ein kleines samtendes Kästchen, das dort auf ihn wartete.

Was ist denn das?, fragte er verblüfft. Hast du dir wieder etwas gegönnt?

Für dich, antwortete sie mit sanfter Stimme und bemühte sich, ihre Rührung zurückzuhalten.

Ihr Mann hatte wirklich nichts erwartet, aber als er das Kästchen öffnete, war er sichtlich bewegt.

Du hast ihn für mich gekauft? Er schob sich den Ring über den Finger und zog seine Frau fest in die Arme. Danke! Ich wollte dich eigentlich bitten, dass wir gemeinsam einen aussuchen, aber ihn direkt von dir geschenkt zu bekommen das ist etwas ganz Besonderes. Machst du mir etwa noch einmal einen Heiratsantrag?

Sie lachten beide, lagen sich lange in den Armen und gingen dann glücklich in die Küche, um gemeinsam das Abendessen zuzubereiten. Es war Freitag, und das Wochenende lag vor ihnen voller Vorfreude und liebevoller Gemeinsamkeit.

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Homy
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Der zweite Heiratsantrag oder warum es so wichtig ist, Männern Geschenke zu machen
Der AnhängerAls der alte Zug endlich zum Bahnhof rollte, spürte er, dass der Anhänger mehr Geheimnisse barg, als er je erwartet hatte.