3. Oktober 2020
Als eine Kollegin mich zu ihrer Hochzeit eingeladen hat, war ich gerade erst etwas mehr als vier Monate im Verlag angestellt. Wir sind von Anfang an richtig gute Freundinnen geworden. Ihren Verlobten kannte ich bis dahin nicht. Trotzdem habe ich die Einladung angenommen ehrlich gesagt vor allem, weil ich mein neues Kleid ausführen wollte. Außer mir hatte sie noch ein paar andere Kollegen eingeladen, und wir sind gemeinsam zur Feier gegangen. An dem Tag haben wir uns leider etwas verspätet und kamen erst an, als alle Gäste schon an den Tischen saßen. Wir sind vorsichtig und leise in den Saal geschlichen.
Im Festsaal waren mehr als hundert Gäste, alles wunderbar geschmückt, auf dem Tisch stapelten sich die Leckereien. Aber am meisten hat mich etwas anderes überwältigt: Als ich den Bräutigam sah, hat es mich wie ein Blitz getroffen. Ich war auf einen Schlag vollkommen verzaubert. Und das Beste das Gefühl war ganz eindeutig gegenseitig! Den ganzen Abend war mein Kopf wie benebelt, ich hatte ein flaues Gefühl im Bauch, das Herz schlug mir bis zum Hals. An Essen oder Trinken war für mich nicht zu denken.
Um nicht völlig den Verstand zu verlieren, habe ich beschlossen, ziemlich früh zu gehen. Mein Herz brannte, und ich dachte, ich müsse mich zu Hause erst mal beruhigen. Am nächsten Abend, als ich das Verlagsgebäude verließ, begegnete ich ihm erneut. Er wartete tatsächlich vor dem Haupteingang auf mich. Seine frisch angetraute Frau hatte Urlaub und war daher nicht im Verlag.
Er kam ganz schweigend auf mich zu, nahm meine Hand, führte mich zu seinem Wagen. Kein einziges Wort und dann fing er an mich zu küssen. Und ich hatte keine Kraft, mich ihm zu entziehen. Wir konnten gar nicht voneinander lassen, redeten, lachten und küssten uns stundenlang. Später sind wir noch zu mir gefahren und dort ist es passiert. Er versprach mir, sich scheiden zu lassen und mich zu heiraten. Genauso kam es auch. Noch am selben Abend fuhr er zu seiner Frau, redete mit ihr, packte seine Sachen und kam zurück zu mir. Was sie untereinander besprochen haben? Ich habe ihn nie gefragt.
Schon kurze Zeit später haben wir geheiratet und uns eine eigene Wohnung in München gekauft. Seit über drei Jahren sind wir jetzt verheiratet. Dass ich direkt gekündigt habe, versteht sich fast von selbst. Ich will gar nicht wissen, wie viele böse Worte damals über mich gefallen sind! Seine Ex-Frau arbeitete schon lange beim Verlag, und ich war eben die Neue. Natürlich hatten alle Mitleid mit ihr. Wie sie nun lebt? Wir reden nicht darüber.
Mein Mann und ich haben entschieden, dass wir ganz von vorne anfangen. Und ich bin so glücklich wie nie zuvor! Manche haben uns prophezeit, unsere Ehe würde nicht lange halten, aber wir beweisen jeden Tag das Gegenteil: Wir lieben uns, und es sind immer noch Schmetterlinge im Bauch. Nach allem, was passiert ist, weiß ich: Für das eigene Glück muss man kämpfen!





