Sie ist mit ihrem Sohn zu ihrer Mutter nach München gezogen, doch er zeigt keinerlei Eile, sie zurückzuholen

Natürlich bin ich selbst schuld! schluchzt die Schwester meiner Freundin. Ich hätte nie gedacht, dass das so enden würde! Und jetzt weiß ich überhaupt nicht mehr weiter. Wie soll ich alles wieder geradebiegen, ohne mein Gesicht zu verlieren?

Meine Schwester hat vor ein paar Jahren geheiratet.

Nach der Hochzeit wurde entschieden, dass das junge Ehepaar bei der Mutter des Mannes einzieht. Unsere Mutter hat eine große Dreizimmerwohnung in München und nur einen Sohn.

Ich behalte ein Zimmer, die anderen gehören euch! meinte die Schwiegermutter damals großzügig. Wir sind doch alle vernünftige Leute, ich bin sicher, dass wir uns arrangieren. Im Notfall können wir immer noch ausziehen! beruhigte der zukünftige Ehemann seine Frau. Ich sehe kein Problem darin, es erst einmal gemeinsam zu probieren. Und wenn es nicht klappt, mieten wir halt eine eigene Wohnung

So zogen sie also ein. Doch bald zeigte sich, dass das Zusammenleben anspruchsvoller war als gedacht. Trotz bester Absichten gerieten Schwiegertochter und Schwiegermutter immer wieder aneinander. Unausgesprochene Kränkungen stauten sich auf, bis es häufiger zu lautstarken Auseinandersetzungen kam.

Du hast doch gesagt, wenn es nicht klappt, ziehen wir aus! weint die Frau ihrem Mann vor. Ach komm, das sind doch nur Kleinigkeiten! Wegen so etwas gleich alles hinschmeißen, ist doch total überzogen! winkt er ab, beinahe spöttisch.

Ein Jahr nach der Hochzeit geht die junge Frau in Mutterschutz und bringt wenig später einen kerngesunden Sohn zur Welt.

Die Geburt des Enkels fällt genau in die Zeit, in der die Schwiegermutter ihren alten Job in einer Münchner Firma aufgeben muss und noch keinen neuen findet. In ihrem Alter wollen Arbeitgeber keine neuen Mitarbeiter einstellen. So verbringen Schwiegertochter und Schwiegermutter plötzlich 24 Stunden am Tag gemeinsam in der Wohnung keine kann woandershin. Dadurch wird das Klima zu Hause immer angespannter.

Der Ehemann hingegen zuckt nur mit den Schultern. Schließlich ist er zu diesem Zeitpunkt der einzige Verdiener der Familie.

Wir können meine Mutter jetzt nicht hängen lassen, sie hat kein Einkommen mehr. Ich kann es mir auch nicht leisten, gleichzeitig eine Wohnung zu mieten und meine Mutter finanziell zu unterstützen. Wenn sie wieder einen Job hat, dann auch die neue Wohnung.

Aber die Geduld der jungen Frau reicht nicht so lange. Noch bevor die Schwiegermutter Arbeit findet, packt sie ihre und die Babys Sachen und zieht zurück zu ihrer eigenen Mutter in Augsburg. Beim Gehen sagt sie ihrem Mann, dass sie nie wieder einen Fuß in diese Wohnung setzen wird. Falls ihm etwas an seiner Familie liegt, muss er sich etwas überlegen.

Die Frau ist überzeugt, dass ihr Mann um ihre Rückkehr kämpfen wird. Doch sie täuscht sich gewaltig.

Es vergehen mehr als drei Monate, in denen sie bei ihrer Mutter lebt, ohne dass ihr Mann einen ernsthaften Versuch unternimmt, sie zurückzugewinnen. Er wohnt weiterhin mit seiner Mutter, hält per Videoanruf Kontakt zu Frau und Kind und besucht sie am Wochenende.

Die junge Ehe gleicht nun einer Wochenendbeziehung.

Der Mann wird weiterhin von beiden Frauen umsorgt; dazu kommt, dass seine Mutter ihren Sohn leidenschaftlich bemitleidet (denn laut ihr hat ihn die Heulsuse sitzen lassen) und er sich auch kaum ums Kind kümmern muss. Für ihn läuft alles bestens! Auch die Schwiegermutter hat eigentlich nichts verloren.

Die Frau jedoch verzweifelt immer mehr. Sie liebt ihren Mann, obwohl sie weiß, dass er sich nicht richtig verhält.

Was hast du denn erwartet, nachdem du gegangen bist? fragt er sie kühl. Du kannst ja wiederkommen, wenn du willst.

Vermutlich wird der Mann seine Mutter nicht verlassen und mit ihr in eine eigene Wohnung ziehen. Die Frau, die gerade in Elternzeit ist, hat verständlicherweise selbst keine Mittel dazu.

Wars das jetzt mit der Familie?

Was meint ihr: Gibt es für die Frau überhaupt eine Chance, unter diesen Umständen zur Schwiegermutter zurückzukehren und das Gesicht zu wahren?

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Homy
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