Also, ich bin jetzt echt schon lange verheiratet, weißt du? Ich hab meinen Mann damals an der Uni in München kennengelernt. Da gabs für mich niemand anderen ich hab mich für ihn entschieden, und bei ihm bin ich auch geblieben. Bin wohl so ein altmodischer Typ, der treu zu einem Mann hält und nicht heimlich anderen nachschaut.
Wir haben dann im dritten Studienjahr geheiratet. Total jung und noch recht unerfahren. Ob das damals schon richtig große Liebe war, kann ich gar nicht genau sagen aber wohl schon, sonst wären wir ja nicht all die Jahre zusammen geblieben. Von unseren Kommilitonen wurden wir aber immer als Vorzeigepaar hingestellt, obwohl wir nicht die einzigen waren, die zusammen waren. Ich glaub das lag daran, dass wir wirklich immer zusammengehalten haben, egal wie schwer es manchmal war.
Im vierten Jahr haben wir dann schon ein Kind bekommen. Das Studium haben wir trotzdem nicht hingeschmissen. Viele Dozenten hatten echt Verständnis, und wir sind auch immer respektvoll geblieben. Durch viel Durchhaltevermögen haben wir dann unseren Abschluss gemacht und das natürlich ordentlich gefeiert. Mein Mann hat mir immer geholfen, den Haushalt haben wir uns geteilt.
Einen anderen Mann konnte ich mir gar nicht vorstellen. Mein Mann war mein Ideal, mein Seelenverwandter. Wir haben uns total ergänzt und richtig gestritten haben wir fast nie. Irgendwie hab ich immer gedacht, in so einer Harmonie müssten Kinder einfach glücklich werden. Also haben wir nach zwei Jahren noch eine Tochter bekommen.
Warum auch nicht? Ich hatte einen liebevollen Mann, einen gesunden, selbstständigen Sohn so eine kleine Tochter hat unser Glück abgerundet.
Man könnte meinen, ich war die glücklichste Frau auf der Welt. Mein Mann hat mich geliebt und mich unterstützt. Trotz seiner Schichtarbeit ist er immer nach Hause gekommen, hat mit den Kleinen gespielt und mir so auch Zeit für mich verschafft. Niemand hätte gedacht, dass es Ärger geben könnte bis ich plötzlich gemerkt hab, dass er total abweisend wurde.
Er fing an, länger im Büro zu bleiben und hat an mir rumgenörgelt. Ständig war er genervt, hat mich kritisiert. Einmal, als ich einfach nur gefragt hab, wie es ihm geht, meinte er: Dein Job ist es, Kartoffelsalat zu machen, den Kindern die Nase zu putzen und nachts dem Ehemann zu gefallen.
Mit so einer Einstellung hatte ich ehrlich gesagt keine Lust mehr, überhaupt ins Schlafzimmer zu gehen oder Hausfrau zu spielen. Ich dachte ja, er würde sich mal besinnen und benehmen, aber stattdessen wurde alles nur schlimmer. Irgendwann hat er angefangen, abends zu trinken und kam manchmal nachts nicht nach Hause. Aus dem liebevollen Papa wurde ein echter Tyrann.
Eines Tages kam er heim und hat mich richtig angeschrien:
Ich hab die Nase voll von schreienden Kindern und deinen ollen Jogginghosen! Ich war nie stolz auf dich, nie hast du dich für mich geschminkt oder mal hübsch gemacht. Ich will nirgendwo mit dir hingehen, weil du so ungepflegt bist! Du willst immer nur Geld, keiner fragt mich, was ich eigentlich will!
Ich hab dann seine Mutter angerufen, aber die hat natürlich gleich ihn verteidigt und mich angefleht, bloß keine Scheidung einzureichen. Mir hats dann gereicht, ich hab meine Sachen gepackt und bin mit den Kindern in eine kleine Mietwohnung gezogen. Eine Freundin hat mir geholfen, meine Tochter im Kindergarten unterzubringen, ich hab noch einen Nebenjob angenommen. Leicht ist das echt nicht, aber wir schlagen uns durch. Wenigstens muss ich mir keine Sorgen mehr machen, dass uns einer die Hand ausrutscht!
Beim Gericht kam dann raus, dass mein Mann psychisch krank ist. Seine Eltern hatten das extra vor mir verheimlicht. Sie haben unsere Beziehung sogar richtig befeuert, weil ich scheinbar so perfekt zu ihrem labilen Sohn gepasst habe: still und anpassungsfähig. Seine Mutter hat ihn damals sogar in Berlin behandeln lassen, aber das hat nicht geholfen. Später hat er dann Tabletten genommen, damit er irgendwie klarkommt. Klar tut er mir leid, aber mit einem völlig instabilen Mann in einer Wohnung zu leben das geht einfach nicht. Hauptsache, seine Krankheit vererbt sich nicht an unsere Kinder.





