Bekannte wollten auf unserer Autofahrt mitfahren und versprachen, sich an den Kosten zu beteiligen. Am Ziel sagten sie: „Ihr wärt doch sowieso gefahren.“

Alles begann mit der ganz normalen Planung unseres Sommerurlaubs. Meine Frau Jana und ich, unser zuverlässiger SUV, eine Route von über tausend Kilometern Richtung Süden und diese süße Vorfreude auf die Reise. Wir lieben das Autofahren im Urlaub dieses Gefühl von Freiheit, spontan anhalten zu können, Umwege einlegen, wenn uns etwas lockt. Keine starren Fahrpläne, keine schreienden Kinder hinter der Zugtrennwand, keine stornierten Flüge.

Diesmal allerdings begingen wir einen verhängnisvollen Fehler wir sprachen offen über unsere Pläne.

Bei einem geselligen Abendessen mit Freunden erwähnte ich unbedacht, dass wir in zwei Wochen nach Bayern fahren mit dem Auto.

Ach echt, an welchem Tag denn?, meldete sich sofort das Pärchen Mirko und Annemarie von gegenüber.

Wir kannten sie nur flüchtig, gemeinsame Bekannte eben.

Am fünfzehnten gehts los, antwortete ich ahnungslos.

Perfekt, das passt ja! Wir haben ab dem sechzehnten auch Urlaub. Eigentlich wollten wir mit dem Zug fahren, aber es gibt nur noch Plätze neben der Toilette Katastrophe! Können wir bei euch mitfahren? Sprit teilen wir uns natürlich, zusammen ists lustiger, wir sind total unkompliziert.

Ich warf Jana einen Blick zu ihre Augen sagten klar: am liebsten nein. Ich stotterte, dass unser Auto ziemlich voll sei und wir gemütlich und mit vielen Pausen fahren.

Ach komm schon, unser Koffer ist winzig! Und finanziell machts mega Sinn. Spritpreise sind ein Witz, gemeinsam sparen wir die Hälfte. Wir kennen uns doch, helft uns!

Wir sagten zu der Spar-Argument war einfach zu verlockend, und ein direktes Nein lag uns fern. Diese Nachgiebigkeit sollte sich die nächsten zwei Wochen rächen.

Gutes Herz manchmal schlechte Reise
Wir verabredeten uns für fünf Uhr morgens vor unserem Haus. Jana und ich standen pünktlich da, der Kofferraum ordentlich gepackt: unsere Taschen, Wasser, Werkzeug, ein paar Decken. Mirko und Annemarie ließen sich fast vierzig Minuten Zeit.

Das Taxi hat so ewig gebraucht, sagte Annemarie, ohne ein Wort des Bedauerns, während sie einen riesigen Koffer und mehrere Tüten mit Snacks heranschleppte.

Wir hatten doch abgemacht: bitte nur das Nötigste, platzte es aus mir heraus.

Naja, sie ist halt eine Frau, braucht Auswahl, grinste Mirko.

Also, Tetris im Kofferraum.

Nach einer knappen Stunde ging der Stress los. Annemarie wurde schlecht Klimaanlage an. Zehn Minuten später fror Mirko. Meine Musik passte nicht. Dann unzählige Stopps: Kaffee, Toilette, Beine vertreten, Raucherpause.

Die von mir sorgfältig geplante Route um Staus zu vermeiden löste sich auf. Statt weniger Pausen wurde es zur endlosen Fahrerei wie in einem Linienbus.

Die Spitze kam an der Tankstelle.

Ich tankte voll knapp 115 Euro, rechne nach, gehe zum Auto. Mirko kaut an einem Leberkäsbrötchen.

Wie machen wir das mit dem Sprit?, frage ich.

Ach, lass uns das am Ende abrechnen, das wird sonst zu kompliziert, winkte er ab.

Das gefiel mir gar nicht, aber Jana meinte leise: Reg dich nicht auf, am Ziel kann man das ja klären. Auch die Mautgebühren zahlte ich kein Kommentar von ihnen.

Unterwegs knabberten sie ihre Brote, die Krümel verteilten sich über die Sitze. Auf Bitten, Rücksicht zu nehmen, winkten sie nur ab: Entspann dich, das Auto kann ja gesaugt werden.

Wir kamen nachts erschöpft an, weniger wegen der Fahrstrecke als vielmehr durch diese Begleitung.

Aber ihr wärt doch eh gefahren!
Am nächsten Morgen holte ich mein Notizbuch heraus, indem ich alle Ausgaben festhielt.

Also, Sprit: 380 Euro, Maut: 80 Euro, insgesamt also 460 Euro. Hälfte sind 230.

Mirko verschluckte sich am Kaffee, Annemarie starrte überrascht.

Du willst jetzt echt über 200 Euro? Im Ernst?, meinte sie.

Genau, wir hatten doch Abmachung: alles teilen, erwiderte ich.

Mirko seufzte: Aber du wärst doch sowieso gefahren! Die Spritkosten hättest du auch ohne uns gehabt. Das Auto ist ja deins. Wir haben nur die Plätze genutzt, die frei waren.

Moment mal, konterte ich, wir haben es abgesprochen. Ich hatte Mehrbelastung, hab euch transportiert, euer Gepäck, auf eure Stopps Rücksicht genommen, das ist doch fair!

Ach was, war doch lustig, so gemeinsam. Wir dachten, das wäre so unter Freunden. Hättest du das früher gesagt, hätten wir einen Mitfahrservice genommen.

Jana platzte der Kragen: Jemand anders hätte euch nach zehn Minuten rausgeworfen, ehrlich.

Mirko zuckte die Schultern: Wir können vielleicht 30, 40 Euro geben, symbolisch. Aber den halben Betrag das ist doch Unsinn. Wir haben ein knappes Urlaubsbudget.

Ich stand auf.

Lasst das Geld stecken. Ich betrachte das als Einladung. Aber zurück fahrt ihr selbst.

Wie bitte?!, fuhr Mirko auf. Wir hatten doch Hin- UND Rückfahrt vereinbart!

Unter der Bedingung gemeinsamer Kosten. Ihr habts gebrochen. Schönen Urlaub.

Zehn Tage Urlaub getrennte Wege
Obwohl wir im selben Ort wohnten, sahen wir uns die nächsten Tage kaum. Ein paar Mal am Strand, Ignoranz auf beiden Seiten.

Am Tag vor unserer Rückfahrt bekam ich eine Nachricht von Mirko: Okay, wir geben euch 100 Euro pro Strecke, fahren wir wieder zusammen? Annemarie verträgt Busfahrten schlecht.

Ich antwortete nicht.

Wir packten in Ruhe, tankten voll, kontrollierten das Öl und fuhren entspannt im Morgengrauen zurück. Eigene Musik, nur die Stopps, die wir wollten, herrliche Stille.

Später hörte ich von Bekannten, wie unfair ich doch gewesen wäre. Ich hätte sie im Stich gelassen und alles nur wegen etwas Geld. Sie hätten mit diversen Bussen samt Umsteigen ewig gebraucht und deutlich mehr bezahlt.

Doch wir gewannen eine Erfahrung, die mehr wert ist als jeder Betrag: Wer seine Grenzen nicht wahrt, zahlt mit seiner Lebensqualität. Heute lehnen wir jede Mitfahrgelegenheit freundlich, aber bestimmt ab. Manche Entscheidungen machen das Leben einfach besser.

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Homy
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