**Tagebucheintrag**
*”Die wird es noch bereuen!”*
Das dachte mir Matthias, als seine Frau unerwartet verkündete, die Scheidung einzureichen. Dabei war gestern noch alles in Ordnung sie wusch seine Socken und bügelte seine Hemden! Und heute? Scheidung! Ohne jeden Grund! Matthias arbeitete, schlug sie nicht, ging kaum fremd und trank nur maßvoll.
*”Was fehlt der blöden Kuh eigentlich?!”* Er fluchte innerlich. *”Hat sie sich etwa einen anderen Typen angelacht? Die! Sie wird es noch bereuen! Sie wird heulend zurückkriechen! Ich werds ihr zeigen! Dann wird sies verstehen aber dann ist es zu spät!”*
Während er in Flüchen dachte, wiederholte seine Frau nur, was sie seit Jahren sagte:
*”Ich kann nicht mehr alles alleine schultern! Ich arbeite, wasche, putze, koche, kümmere mich um das Kind. Ich bin erschöpft! Du isst mehr, als du nach Hause bringst! Als du letztens drei Tage verschwunden warst, hab ich gemerkt: Ohne dich ist mein Leben leichter! Kein Chaos, keine ständigen Mahlzeiten für dich Timo und ich brauchen kein gebratenes Fleisch! Ohne dich bleibt sogar der Herd sauber: Ich koche Gulasch für zwei Tage, und keiner frisst es ohne Beilage auf! Ich will endlich frei atmen können! Ich mag mich selbst nicht mehr, wenn du da bist! Mit dir ist mir alles peinlich, teuer, anstrengend und einfach nur schrecklich!”*
*”Wann hast du Timo das letzte Mal vorgelesen? Nie? Wann bist du mit ihm spazieren gegangen? Hast du ihn je gebadet? Was hört er von dir außer Geh weg, ich bin müde? Weißt du, in welche Schule er geht? Wie seine Erzieherin heißt? Wann die Vorschule beginnt? Du interessierst dich nicht für dein Kind! Ihr wohnt zusammen, aber du redest nicht mal mit ihm! Er sieht entweder einen betrunkenen Vater auf dem Sofa mit einer Bierflasche oder einen schlafenden! Was für ein Vorbild ist das? Wann hat er Geburtstag? Nein? Was bringst du uns überhaupt? Ich will nicht mehr mit dir leben!”*
*”Wird ihr das nicht langweilig, immer dasselbe zu jammern?”*, wunderte sich Matthias noch gestern. Diese endlose Leier hörte er jeden Abend, während er Frikadellen direkt aus der Pfanne aß. *”Typisches Frauengejammer”*, dachte er. *”Sie hat einfach zu viel Freizeit.”*
Und dann das heute reicht sie die Scheidung ein! Aus heiterem Himmel!
*”Sie wird es bereuen! Glaubt sie wirklich, ein anderer will sie? Eine dreijährige, über dreißigjährige Frau! Wenn ich jetzt gehe, wird sie in zwei Tagen betteln, dass ich zurückkomme! Und dann überlege ich es mir!”*
*”Ich hab deine Sachen gepackt. Ich will dich nicht mehr sehen. Geh!”*
*”Na gut!”* Matthias kaute an einer Bratwurst. *”Ich gehe. Aber ob ich zurückkomme, steht in den Sternen!”*
Er gab ihr eine letzte Chance, es sich anders zu überlegen zog langsam die Schuhe an, raschelte mit den Tüten, zögerte an der Tür. Doch sie blieb stur. *”Was für eine Dickköpfige!”*, dachte er verärgert, ärgerte sich, dass er nicht noch zwei Würstchen mitnahm, und verließ die Wohnung.
Zu seiner Mutter also. Die fing sofort an zu nörgeln: Was passiert sei, warum sie ihn rausgeworfen habe, was er getan habe
*”Doch, es geht! Sie kann mich einfach so rausschmeißen!”*, erklärte Matthias. *”Ich habe alles für die Familie getan! Geld nach Hause gebracht! Aber ihr war es nie genug! Immer neue Schuhe, immer ein neuer Mantel! Sie will einen reichen Mann! Vielleicht hat sie schon einen! Deshalb wirft sie mich raus! Ich hab ihr nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt!”*
Die Mutter rang die Hände und rief Julia an. Doch das Gespräch brachte nichts niemand rief Matthias zurück.
*”Na warte! Sie wird es bereuen! Wo findet sie so einen Mann wie mich? Wer will sie schon mit Kind?”*, sinnierte er, während er im Supermarkt nach Aktionsbier suchte.
Bei der ersten Gerichtssitzung hatte Julia sich herausgeputzt neuer Haarschnitt, Make-up. Sie sah gut aus. Lächelte. Antwortete nervös: Es gebe schon lange keine Familie mehr. Alles allein, keine Hilfe, keine Unterstützung. *”Typisches Frauengerede”*, murmelte Matthias und versuchte, das Zittern in den Händen zu unterdrücken. Ein Katerbier wäre gut gewesen, aber vor Gericht traute er sich nicht.
Die Richterin natürlich eine Frau fragte spitz:
*”Trinken Sie regelmäßig Alkohol?”*
*”Ich trinke gar nicht!”*, fuhr er auf. *”Höchstens zwei Bier abends nach der Arbeit! Jetzt nur wegen dem Stress meine Frau hat mich verlassen!”*
*”Verstehe.”*
Drei Monate Bedenkzeit. Matthias musterte seine fast-Ex-Frau: *”Bereut sie immer noch nicht?”*
*”Bist du etwa ständig betrunken?”*, verzog sie angewidert das Gesicht. Nein, bereut hatte sie wohl noch nicht.
*”Na gut, ich warte!”*, beschloss er. *”Mal sehen, wie sie in drei Monaten heult! Ohne Mann! Auf den Knien wird sie rutschen!”* Er malte sich aus, wie Julia ihn zurückhaben wollte. Und er ablehnte. Nur unter seinen Bedingungen würde er zurückkommen!
Doch in den drei Monaten unternahm Julia nichts. Keine Anrufe, keine Nachrichten. Als gäbe es ihn nicht.
*”Bestimmt hat sie einen anderen!”* Doch vorsichtige Nachfragen bei gemeinsamen Bekannten und ein Blick in soziale Medien brachten nichts. Alle sagten, sie habe niemanden.
Also bereitete sich Matthias auf seinen Triumph vor: Jetzt würde sie endlich begreifen, wie schwer das Leben ohne Mann war.
*”Sie wird heulen!”*, träumte er. Sogar seiner Mutter sagte er:
*”Natürlich nimmt sie die Klage zurück! Sie hat ihren Fehler eingesehen!”*
Doch bei der nächsten Verhandlung lächelte Julia nicht mehr. Sie war ernst, antwortete knapp. Aber sie blieb bei der Scheidung. *”Sie wartet, dass ich darum bitte!”*, dachte Matthias. *”Darauf kann sie warten!”*
Und plötzlich waren sie geschieden. Matthias hatte nicht mal widersprochen. Nur eine unangenehme Frage kam auf:
*”Bei wem bleibt das Kind? Gibt es Anträge?”* Natürlich meldete Julia sich:
*”Bei mir. Sein Vater hat sich nie für ihn interessiert. Fragen Sie ihn, wann sein Sohn Geburtstag hat.”*
*”Herr Schneider, wann hat Ihr Sohn Geburtstag?”*, fragte die Richterin hämisch.
Matthias griff nach den Unterlagen da stand es doch irgendwo.
*”Nicht nachschauen!”*, grinste sie. *”Typisch Frauen-Justiz!”*
*”Dritter Juni!”*, platzte er heraus.
*”Heute! Heute hat Timo Geburtstag!”*, schnaubte Julia. *”Sieben Jahre! Und du weißt es nicht mal! Es ist der sechste Juni!”*
*”Haben Sie ihn wenigstens am dritten gratuliert?”*, fragte die Richterin spöttisch.
Warum gab man Frauen solche Ämter? Dieser verdammte Feminismus! Matthias schwieg.
*”Hat der Vater Einwände gegen das Sorgerecht?”*
*”Nein!”*, rief er gekränkt.
Natürlich bekam Julia das Kind. *”Und jetzt noch Unterhalt!”*, dachte Matthias bitter. Doch dann straffte er sich: *”Gleich bricht sie zusammen! Ihr Leben ist ruiniert! Eine geschiedene Frau mit Kind wer will die schon?”*
Doch dann sah er Julia auf den Stufen des Gerichts mit einer Freundin reden:
*”Tanja! Was machst du hier?”*
*”Ach, nur ein Termin. Und du?”*
*”Ich bin geschieden! Endlich frei!”* Und sie lachte!
Lachte! Matthias traute seinen Augen nicht. Ihr Leben war gerade zerbrochen, und sie lachte! *”Frauen haben wirklich kein Hirn! Kein vernünftiges Wesen lacht an so einem Tag! Sie braucht dringend eine psychologische Begutachtung!”*
Er stürmte zu ihr:
*”Ich dachte, du weinst, aber dir ist alles egal?! Du wirst es bereuen! Ich verklage dich! Die Wohnung! Und Timo! Ich zeigs dir!”*
*”Die Wohnung gehört meiner Oma. Und warum interessierst du dich plötzlich für Timo?”*, fragte Julia ruhig.
*”Was ist passiert?!”* Matthias redete weiter: Sie habe die Familie zerstört, das Kind um seinen Vater gebracht, ihn ausgenutzt, rausgeworfen, einen anderen gefunden, und jetzt bleibe sie allein mit vierzig Katzen.
Und selbst als Julia längst gegangen war, murmelte er: *”Die wird es noch bereuen!”*




