Sie kamen an die Tür und sagten zu ihm:

Sie kamen damals ans Gartentor und sagten ihr:
Großmutter, es tut uns leid, aber Sie müssen das Haus verlassen.
Wohin soll ich denn gehen, Kind, im hohen Alter? Ach Gott, was mache ich nur
So sagten sie es.
Kalt.
Ohne ihr in die Augen zu sehen.

An jenem Morgen fegte Großmutter Gertrud den Hof. Sie war über 70 Jahre alt, ihr ganzes Leben hatte sie in den vier Wänden dieses kleinen Hauses verbracht. Hier waren ihre Kinder geboren worden. Hier war ihr Mann gestorben. Hier hatte sie all ihre Freude und all ihr Leid erlebt.

Plötzlich wurde das Tor aufgerissen.
Zwei Männer im Anzug, mit Papieren unterm Arm, betraten ohne ein Wort zu fragen den Hof.
Sind Sie Gertrud Wittmann?
Ja, das bin ich antwortete sie und zog ihr Kopftuch fester.
Wir müssen Ihnen mitteilen, dass auf diesem Grundstück eine neue Durchgangsstraße gebaut werden soll.
Ihr Haus steht leider auf der geplanten Strecke.

Gertrud blinzelte heftig.
Wie meinen Sie ich soll weggehen?
Sie werden entschädigt, gnädige Frau. Sie erhalten Geld.
Wohin soll ich denn gehen, Kind im Alter?
Hier ist mein Zuhause
Einer von ihnen seufzte genervt.
Gnädige Frau, wir sprechen hier nicht mehr über ein Zuhause.
Das ist bloß ein Grundstück.
Gefühle zählen in solchen Fällen nicht.
Die Worte trafen sie härter als die Nachricht selbst.
Habe ich denn nicht einmal das Recht, zu fragen murmelte sie leise.
Sie haben das Recht zu unterschreiben, sobald man es Ihnen sagt, erwiderte der andere schroff.
Bitte machen Sie keine Umstände.

Gertrud setzte sich auf die Bank am Haus.
Etwas in ihrer Brust schien zu zerbrechen.
Nachdem sie gegangen waren, wirkte das Haus plötzlich kleiner.
Zerbrechlicher.
Sie ging von Zimmer zu Zimmer, streichelte die Wände, die alten Kruzifixe, den rissigen Küchentisch.
Wohin soll ich noch gehen, Herrgott?

Die Nachricht verbreitete sich rasch im Dorf.
Etwas begann zu brennen.
Nachbarn kamen vorbei.
Zuerst zwei, dann zehn.
Bald war das ganze Dorf da.
Wie können sie die alte Gertrud vor die Tür setzen?
Die Frau, die nie jemandem etwas abverlangt hat?
Sollen sie die Straße verlegen!
Als die Behörden zurückkehrten, fanden sie sie nicht mehr allein vor.
Das Tor war voller Menschen.
Jung und Alt. Kinder sogar.

Hier geht niemand weg!
Ihr könnt nicht das Leben eines Menschen überrollen!
Einer der Beamten erhob die Stimme:
Das Gesetz ist Gesetz!
Ein Gesetz ohne Mitgefühl ist keine Gerechtigkeit! rief jemand aus der Menge.
Gertrud stand in der Tür. Klein. Aber aufrecht.
Ich verlange kein Geld sagte sie mit leiser Stimme.
Nur, dass ich dort sterben darf, wo ich gelebt habe.

Stille.
Die Tage vergingen.
Petitionen. Die Lokalzeitung berichtete. Öffentlicher Druck.
Eines Morgens kam jemand anderes.
Ohne Arroganz. Ohne schroffes Wort.
Das Projekt wird geändert.
Die Trasse wird verlegt.
Hier wird nichts gebaut.
Gertrud begriff erst langsam.
Heißt das ich darf bleiben?
Sie bleiben.

Der Hof jubelte. Manche weinten.
Andere fielen sich in die Arme.
Gertrud lehnte sich ans Tor und flüsterte:
Danke, lieber Gott dass du mich nicht allein gelassen hast.

An jenem Abend war das Dorf nicht bloß ein Ort.
Es war eine Familie.
Denn manchmal endet eine große Straße vor einem kleinen Haus
wenn Menschen nie vergessen, was HEIMAT bedeutet.

Wärst du damals auch ans Tor von Großmutter Gertrud gegangen?
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Teile diese Geschichte es gibt Dinge, die dürfen nicht vergessen werden.

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Homy
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