Sie zahlte mit der gleichen Münze zurück

Mit gleicher Münze zurückgezahlt

Sie haben kein Recht, sich in meinem Haus so aufzuführen! Alinas Stimme zitterte vor unterdrückter Wut. Sie stand im Flur und presste ihre Tasche an die Brust wie einen Schutzschild.

Das ist meine Wohnung, Helga! Meine!

In den Augen ihrer Schwiegermutter blitzte etwas, das an Verachtung grenzte.

Was soll ich denn tun, wenn du nicht einmal selbst rechtzeitig aufräumen kannst? zischte Helga durch die Zähne. Staub auf den Regalen, schmutziges Geschirr in der Spüle. Leben anständige Leute so?

Alina umklammerte den Griff ihrer Tasche so fest, dass ihre Knöchel weiß wurden. In ihrer Brust brodelte es vor Wut und Ohnmacht.

Ich arbeite, Helga! Ich habe nicht immer Zeit…
Für wichtige Dinge muss man sich Zeit nehmen, schnitt ihr Helga das Wort ab, warf stolz den Kopf zurück und ging zur Tür. Ich helfe euch nur, und du bist undankbar statt froh.

Die Tür schloss sich leise, und Alina blieb allein im Flur zurück. Die Stille der Wohnung lastete auf ihren Ohren, doch in ihr tobte immer noch ein Sturm. Sie warf ihre Schuhe von sich und ging ins Wohnzimmer, dann in die Küche, warf einen Blick ins Schlafzimmer. Überall waren Spuren von Helgas Fürsorge.

Und im Schlafzimmer… Hier hatte die Schwiegermutter die Aufräumarbeiten gerade erst beendet. Die Creme vom Nachttisch war verschwunden. Auf der Kommode stand nicht mehr die Figur aus dem Urlaub.

Alina lief wie ein gehetztes Tier durch die Wohnung. Ihre Hände zitterten vor Wut. Sie kam müde von der Arbeit zurück, wollte duschen, Tee aus ihrer Lieblingstasse trinken… Doch jetzt fand sie in ihrer eigenen Wohnung nichts mehr. Alles war an der falschen Stelle.

Das Schlüsselgeräusch an der Tür verriet, dass Paul von der Arbeit heimgekehrt war. Als er seine Frau mit verlorenem Blick mitten in der Küche stehen sah, wusste er sofort etwas war passiert.

Lina, was ist los? Er wollte sie umarmen, doch sie entzog sich ihm.
Deine Mutter war wieder hier! Alinas Stimme brach. Sie hat in unserem Schlafzimmer aufgeräumt! Im Schlafzimmer, Paul! Findest du das normal?

Paul seufzte tief und strich sich durch die Haare. Diese Geste kannte Alina er machte sie immer, wenn er nicht wusste, was er sagen sollte.

Lina, sie meint es doch nur gut…
Gut?! Alinas Augen verdunkelten sich. Ich finde mein Handyladekabel nicht! Meine Lieblingstasse steht nicht da, wo sie hingehört! Und die Handtücher hat sie irgendwo versteckt!

Paul versuchte, ihre Hände zu nehmen, doch sie trat ans Fenster.

Sie wirft ständig meine Sachen weg! Alina kämpfte gegen die Tränen. Dinge, die mir etwas bedeuten! Für sie ist es nur nutzloser Kram!
Lina, sie zeigt nur ihre Fürsorge, sagte Paul sanft. Bei ihr zu Hause hat alles seinen Platz…
Ich will diese Fürsorge nicht! Alina unterbrach ihn scharf. Ich bin müde, dass jemand anderes in meinem Haus herumwaltet! Deine Mutter entscheidet, was ich brauche und was nicht. Ich halte das nicht mehr aus!

Alina ließ sich auf einen Stuhl fallen und verbarg ihr Gesicht in den Händen. Ihre Schultern zitterten. Paul trat näher und umarmte sie vorsichtig.

Es tut mir leid, Schatz. Ich rede mit ihr, ja? Ich werde sie bitten, damit aufzuhören…

Alina lächelte bitter.

Und sie wird sicher auf dich hören. Als ob!

Paul beruhigte sie mühsam. Er machte ihr Tee, fand ihre Lieblingstasse sie stand ganz hinten im Schrank.

Doch Helga hörte nicht auf.

Drei Tage später kam Alina nach Hause und wusste sofort Helga war wieder da. In der Luft hing der schwere, süße Duft ihres Parfüms. In der Küche waren alle Vorratsgläser nach Größe sortiert. Alina öffnete den Kühlschrank alles war penibel geordnet.

Erschöpft sank sie aufs Sofa. Die Wut kochte in ihr, aber sie hatte keine Kraft für einen neuen Streit.

Eine Woche später wiederholte sich alles. Diesmal hatte Helga den Kleiderschrank aufgeräumt. Alles war neu sortiert. Alinas Lieblingskleid, das immer griffbereit hing, lag zerknittert im obersten Fach.

Alina stand vor dem offenen Schrank und schluckte die Tränen hinunter. Ihr Zuhause war kein sicherer Hafen mehr. Jeden Abend fragte sie sich war Helga heute da? Was hatte sie diesmal verändert, versteckt, weggeworfen?

Am Freitagabend klingelte das Telefon.

Ja, Mama… Natürlich… Am Samstag? Gut, wir kommen… Ja, ich sage es ihr.

Paul drehte sich mit schuldbewusstem Gesicht zu seiner Frau.

Mama hat uns morgen zum Abendessen eingeladen. Sie hat Neuigkeiten.

Alina erstarrte für einen Moment.

Müssen wir hingehen?
Lina, sei nicht albern. Sie gibt sich doch Mühe. Kocht immer etwas Leckeres.

Am Samstagabend stiegen sie die Treppe zu Helgas Wohnung hinauf. Fünfter Stock, kein Aufzug in der alten Plattenbauwohnung. Alina ging langsam, jede Stufe fiel ihr schwer. Sie wäre lieber überall anders gewesen bei der Arbeit, in der überfüllten U-Bahn, sogar beim Zahnarzt nur nicht hier.

Alles wird gut, drückte Paul ihre Hand. Mama hat deine Lieblingsgerichte gemacht. Und einen Kuchen gebacken, den du beim letzten Mal so mochtest.

Alina verzog sarkastisch den Mund.

Beim Essen sprach Helga nur mit ihrem Sohn. Erzählte von der Nachbarin, einer neuen Serie, den Preisen auf dem Markt. Alina saß schweigend da und stocherte lustlos im Essen herum.

Lina, bist du nicht hungrig? fragte Helga endlich.
Ich bin nur in Gedanken, antwortete Alina mechanisch.
Ach ja, Helga legte die Gabel beiseite und faltete die Hände. Ich habe tatsächlich Neuigkeiten. Gertrud und ich fahren ins Kurheim. Für zehn Tage, zur Erholung.
Tolle Idee, Mama! Paul freute sich. Du hast längst eine Pause verdient.
Ja, finde ich auch, nickte Helga und zog einen Schlüsselbund aus ihrer Schürzentasche. Hier, der Wohnungssschlüssel. Für alle Fälle. Und kommt bitte meine Blumen gießen.

Alina starrte auf die Schlüssel. Zwei an einem einfachen Ring. Langsam formte sich in ihrem Kopf ein Plan. Sie lächelte unwillkürlich.

Die ganze nächste Woche war Alina gut gelaunt. Ihre Kollegen bemerkten die Veränderung sie lächelte mehr, summte sogar vor sich hin.

Warum strahlst du so? fragte Paul am Mittwochabend. Gibts eine Gehaltserhöhung?

Alina lächelte geheimnisvoll und winkte ab:

Bin einfach gut drauf.

Am Tag vor Helgas Rückkehr verließ Alina früher die Arbeit. Sie hatte einen Arzttermin vorgeschützt.

Jetzt stand sie vor Helgas Wohnungstür, den Schlüssel in der Hand. Ihr Herz klopfte wie vor einer Prüfung. Jetzt bin ich dran, dachte Alina und drehte den Schlüssel im Schloss.

Am Sonntag holten sie Helga vom Bahnhof ab. Sie sah erholt aus, erzählte von Behandlungen, neuen Bekanntschaften, dem Essen.

Stellt euch vor, es gab Haferbrei mit Honig und Nüssen! Ich habe mir das Rezept notiert.

Alina schwieg auf dem Rücksitz. Ihr Magen verkrampfte sich vor Aufregung.
Helga öffnete die Wohnungstür und erstarrte. Eine Sekunde, noch eine. Sie trat ein, ihr Blick irrte durch den Flur.

Was… was ist das? Ihre Stimme zitterte.

Sie stürmte ins Wohnzimmer. Alles war sauber, aufgeräumt. Doch nichts stand am richtigen Platz.

Meine Figuren! Helga stürzte zum Vitrinenschrank. Wo sind meine Figuren?!

Sie durchsuchte die Zimmer, öffnete Schränke, Schubladen. Ihr Gesicht wurde purpurrot. Plötzlich drehte sie sich zu Alina um. In ihren Augen brannte Wut.

Du warst das! keuchte sie. Du hast das getan!

Alina hob stolz das Kinn. Ein leichtes Lächeln spielte um ihre Lippen.

Ja, ich, antwortete sie gelassen.
Dann tat sie überrascht:

Gefällt es dir nicht? Ich habe mich um dich gekümmert. Wollte nur das Beste. Damit du nach der Rückkehr nicht putzen musst.

Paul stand mit offenem Mund da, blickte zwischen Mutter und Frau hin und her. Doch er schwieg.

Und weißt du was? fuhr Alina im gleichen unschuldigen Ton fort. Ich habe deine alten Figuren aus der Vitrine weggeworfen. Und die Tassen auch. Du benutzt sie ja nie, sie sammeln nur Staub. Das ist doch nutzloser Kram! So wie du meine Sachen entsorgt hast.
Du hattest kein Recht! Helgas Stimme überschlug sich. Das ist mein Zuhause! Meine Sachen! Wie konntest du nur?!
Aber du hast auch in meinem Haus aufgeräumt, sagte Alina ruhig. Unangenehm, oder?
Paul! Helga wandte sich an ihren Sohn. Siehst du, was deine Frau tut?!

Paul öffnete den Mund, doch Alina kam ihm zuvor:

Oh, schau auf die Uhr! Wir müssen los, wir haben noch etwas vor. Sie nahm Paul am Arm. Aber ich komme wieder, Helga. Von jetzt an werde ich mich für jede Hilfe beim Aufräumen bedanken!

Ohne eine Antwort abzuwarten, zog sie ihren verdutzten Mann hinaus. Schweigend gingen sie die Treppe hinab. Erst draußen atmete Paul tief aus:

Mensch, Lina…

Alina lächelte. In ihrer Brust breitete sich zufriedene Wärme aus. Der Plan hatte perfekt funktioniert.

…Zwei Monate vergingen. In dieser Zeit betrat Helga ihre Wohnung kein einziges Mal.

Ich habe gewonnen, dachte Alina zufrieden.

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Homy
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Sie zahlte mit der gleichen Münze zurück
Papas Wünsche werden immer skurriler – Ich habe das Gefühl, er will seinen Geburtstag gar nicht mehr im Kreis der Familie feiern Jedes Jahr schwindet meine Lust auf Geburtstagsfeiern ein wenig mehr. Irgendwann merkt man, dass man nicht wirklich erwachsen wird, sondern einfach nur älter, und dass die ganze Party mitsamt Gästen eigentlich unnötige Ausgaben sind. Je älter ich werde, desto weniger Lust habe ich auf Geselligkeit – an meinem Geburtstag reicht mir mittlerweile ein Anruf von meinen Eltern mit guten Wünschen, ein Blumenstrauß von meinem Mann und selbstgemalte Karten von meinen Töchtern. Bei meinem Vater läuft das Ganze genau entgegengesetzt. Er ist jetzt siebenundsechzig, wird bald achtundsechzig und hat keine Lust mehr, seinen Geburtstag traditionell im Familienkreis zu verbringen, wie er es zwanzig Jahre lang getan hat. Viel lieber will er sich mit Freunden aus der Nachbarschaft auf ein Bier treffen und über alte Zeiten oder Geschäfte reden. Uns Kinder und Enkelkinder will er lieber nicht dabei haben. Als sich sein Verhalten zu ändern begann, äußerte er stattdessen materielle Wünsche oder wünschte sich Geld – was wir meistens erfüllen konnten, aber meine Cousine, die finanziell weniger gut dasteht, brachte das in unangenehme Situationen, denn die Geschenke, die mein Vater verlangte, waren für sie oft einfach nicht machbar. Selbst wenn einige Gäste absagen, legt mein Vater immer noch Wert darauf, dass wir die Enkel zu Hause lassen – entweder mit Babysitter oder sogar allein, weil er meint, er sei zu alt, hätte Kopfschmerzen und könne den Trubel nicht ertragen. Dass er seine Enkel eh selten sieht, scheint ihn überhaupt nicht zu stören. Diese Abneigung meines Vaters gegenüber Kindern schmerzt besonders meinen Mann. Er möchte deswegen am liebsten gar nicht mehr hingehen, und ich sehe mittlerweile auch keinen Sinn darin, jemanden zum Kaffeekranz zu engagieren. Vielleicht ist es verrückt zu denken, aber was, wenn mein Vater gar nicht alle um sich haben will und sich deshalb irgendwelche Wünsche einfallen lässt? Wenn keine Gäste erscheinen, geht er vielleicht mit seinen Freunden los, lässt Mama allein zurück – und letztlich sind wir es, die ihm seinen Ehrentag beschweren.