Ist deine Frau wirklich so, wie du denkst?

Also, mein Freund, ich muss dir was erzählen Stell dir vor, mein Kollege auf der Arbeit hat mich völlig aus den Socken gehauen, als er mich im Auto einfach so fragte: “Thorsten, ist deine Frau wirklich die, für die du sie hältst?”
Ich war baff. “Was meinst du damit?”
Er seufzte. “Ich wollte es dir nicht am Hochzeitstag sagen Aber weißt du, dass deine frische Ehefrau eine Tochter hat?” Seine Frau, meine Johanna, sei Hebamme im Krankenhaus gewesen. Sie habe meine Franziska bei der Geburt gesehen erkennbar an einem Muttermal am Hals. “Sie hat das Kind damals zur Adoption freigegeben, vor fünf Jahren. Emilie, mit ihrem Mädchennamen: Meier.”
Ich saß da wie vor den Kopf geschlagen. Franziska war ja keine 18 mehr, als wir uns kennenlernten klar, sie hatte ein Leben vor mir. Aber ein Kind weggeben? Wie konnte sie das?
Ich musste es wissen. Durch Kontakte fand ich schnell das Kinderheim, wo Emilie lebte. Die Leiterin stellte mir ein kleines Mädchen mit strahlendem Lächeln vor und sofort fiel mir ihr Schielen auf. “Vier Jahre alt!”, rief sie frech. “Bist du mein Papa?”
Mein Herz zersprang. “Emilie, möchtest du Mama und Papa haben?” Ein dummer Satz, aber ich wollte sie einfach nur hochheben und mitnehmen. “Ja! Holst du mich ab?” Ihr Blick war so hoffnungsvoll.
“Ja, Schatz. Bald.” Ich küsste sie auf die Wange, während mir die Tränen kamen.
Zuhause konfrontierte ich Franziska. “Egal, was vorher war aber Emilie holen wir jetzt.”
“Hab ich da ein Mitspracherecht?”, fauchte sie. “Dieses komische Mädchen? Mit dem Schielen?”
“Sie ist dein Blut! Wir lassen sie operieren. Sie ist perfekt!” Doch Franziska blieb eiskalt. Am Ende rang ich ihr widerwillig das Ja ab.
Ein Jahr dauerte das Adoptionsverfahren. Ich besuchte Emilie oft wir wurden dicke Freunde. Franziska jedoch wehrte sich bis zuletzt. Als Emilie endlich einzog, war jedes Staubkörnchen im Wohnzimmer ein Wunder für sie. Die Augen-OP dauerte anderthalb Jahre, aber es klappte ohne Skalpell. Bald glich sie Franziska wie ein Wassertropfen. Zwei Schönheiten in meinem Leben!
Doch die Idylle riss. Emilie, vom Heimtrauma gezeichnet, schlief mit Kekspackungen unter dem Kopf. Franziska rollte nur die Augen. Streit wurde Alltag. “Warum hast du dieses Wilde mitgebracht?”, schrie sie einmal. “Sie wird nie normal!”
Meine Mutter hatte gewarnt: “Franziska ist falsch wie ein dreieuroschein.” Aber Liebe macht blind. Bis Emilie mir die Augen öffnete.
Ein Vorfall brachte das Fass zum Überlaufen: Emilie, fiebrig und schniefend, weigerte sich, ihre Puppe Lina loszulassen. Da riss Franziska ihr das Spielzeug weg und warf es aus dem Fenster! Achter Stock, kein Aufzug. Ich raste die Treppe hinunter, fand die Puppe kopfüber im Baum hängen, schneebedeckt wie ein Engel. Als ich zurückkam, schlief Emilie erschöpft, die Puppe an sich gedrückt. Franziska las seelenruhig eine Zeitschrift.
In dem Moment verdunstete meine Liebe. Sie war hübsch wie Bonbonpapier und ebenso hohl.
Die Scheidung war einfach. Emilie blieb bei mir; Franziska heiratete prompt einen Geschäftsmann. “Der tut mir leid”, schnaubte meine Mutter. “So eine Frau sollte keine Kinder haben.”
Emilie trauerte anfangs. Doch meine neue Frau Lisa gewann ihr Herz. Sie liebt Emilie und unseren kleinen Sohn Finn wie ihr Eigenes. Manchmal frag ich mich: Wie kann eine Mutter ihr Kind zweimal verlieren? Aber dann sehe ich, wie Emilie Lisas Hand hält und weiß: Manche Familien werden nicht geboren, sondern gefunden.
So, das wars. Manchmal kommt das Glück eben anders, als man denkt, oder?

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Homy
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