Geh weg von mir! Ich habe dir nie versprochen, dich zu heiraten – eigentlich weiß ich nicht einmal, …

Geh weg von mir! Ich habe dir nie versprochen, dich zu heiraten! Und überhaupt, ich weiß nicht mal, von wem das Kind ist.

Vielleicht ist es ja gar nicht meines? Also, mach, was du willst, ich werde wohl jetzt gehen. So sprach Markus zur fassungslosen Veronika.

Sie stand da und konnte weder ihren Ohren noch ihren Augen trauen War das wirklich der Markus, der sie geliebt und ihr die Sterne vom Himmel geholt hatte?

War das jener Markus, der sie Vroni nannte und den Himmel auf Erden versprach?

Vor ihr stand ein fremder, leicht ratloser und deshalb wütender Mann. Vroni weinte eine Woche lang und winkte Markus für immer zum Abschied.

Doch in ihrem Alter sie war schon fünfunddreißig und mit ihrer Unauffälligkeit, was bedeutete, dass ihre Chancen auf das große Glück gering waren, fasste sie einen Entschluss: Sie wollte das Kind bekommen.

Zur rechten Zeit brachte sie ein schreiendes Mädchen zur Welt. Sie nannte sie Greta.

Greta wuchs ruhig auf, machte keine Probleme, bereitete ihrer Mutter kaum Sorgen. Sie schien zu verstehen, dass Schreien auch nichts brachte bekommen würde sie eh nichts extra.

Vroni kümmerte sich zwar nicht schlecht um ihre Tochter: Es gab stets Essen, Kleidung und ab und zu auch ein Spielzeug. Aber Liebe? Richtig mütterliche Wärme spürte Greta nie.

Schmusen, in den Arm nehmen, gemeinsam in den Park gehen das gab es nicht.

Greta streckte oft die Hände nach ihrer Mutter aus, doch Vroni wich ihr aus sie sei müde, habe zu viel zu tun oder Kopfschmerzen. Der Mutterinstinkt erwachte wohl nie in ihr

Als Greta sieben Jahre alt war, geschah etwas Unerwartetes: Vroni lernte einen Mann kennen.

Sie holte ihn sogar zu sich nach Hause! Im ganzen Dorf wurde getuschelt: Diese Vroni, so leichtsinnig.

Ein Mann ohne festen Job, aus Bayern hergezogen, keiner weiß, wo er wirklich wohnt ein Glücksritter oder vielleicht gar ein Betrüger! Das seien Geschichten

Vroni arbeitete im Dorfladen, und er, Thomas hieß er, half manchmal beim Entladen der Lieferwagen. Sie kamen sich näher.

Bald darauf bat Vroni Thomas, bei ihr einzuziehen. Die Nachbarn rümpften die Nase: Ein Fremder im Haus! Wer weiß, was der im Schilde führte.

An Greta hätte sie denken sollen, tuschelten die Leute. Noch dazu war er ein Schweigsamer. Das muss etwas zu bedeuten haben!

Doch Vroni hörte auf niemanden. Sie wusste wohl, es könnte ihre letzte Chance auf Glück sein.

Mit der Zeit veränderte sich das Bild, das die Nachbarn von Thomas hatten. Das Haus war seit Jahren heruntergekommen. Doch Thomas, handwerklich geschickt, reparierte zuerst den Eingang, dann das Dach, später den Gartenzaun.

Jeden Tag machte er etwas und das Haus blühte auf. Die Leute merkten, dass Thomas goldene Hände hatte, und baten ihn um Hilfe. Er sagte dann:

Bist du alt oder knapp bei Kasse, helfe ich dir umsonst. Sonst kostet es halt ein paar Euro oder ein Glas selbstgemachte Marmelade.

Mal gabs Geld, mal Gemüse, mal Fleisch, mal Eier dafür.

Vroni hatte zwar einen Gemüsegarten, aber keine Tiere ohne Mann ließ sich das nicht stemmen. Früher war Milch oder Sahne selten in Grettis Becher.

Doch nun gab es Butter, gute Milch, Rahm immer im Kühlschrank.

Thomas war ein richtiger Alleskönner wie man sagt: Er näht, er erntet, er baut.

Und Veronika, die nie als Schönheit galt, blühte mit ihm richtig auf: Sie wurde fröhlicher, ihr Blick weicher.

Auch mit Greta wurde sie freundlicher, zeigte manchmal sogar ein Lächeln mit Grübchen, die vorher niemand kannte. Und Greta ging ja inzwischen in die Schule.

Eines Tages saß sie auf der Treppe und beobachtete, wie Thomas im Hof arbeitete alles gelang ihm. Dann ging sie zu ihrer Freundin ins Nachbarhaus und spielte so lange, dass sie erst am Abend zurückkam. Als sie durch das Gartentor trat, blieb sie wie angewurzelt stehen.

Mitten im Hof stand eine Schaukel! Sie bewegte sich leise im Wind und schien sie direkt einzuladen.

Ist das für mich? Thomas, haben Sie das für mich gebaut? Eine Schaukel?! Greta konnte es kaum glauben.

Natürlich, Greti! Die ist nur für dich! lachte der sonst so stille Thomas.

Greta setzte sich, schwang sich hoch und der Wind pfiff ihr um die Ohren nie war sie glücklicher.

Da Vroni früh zur Arbeit musste, übernahm Thomas das Kochen. Frühstück, Mittagessen, auch Kuchen und Aufläufe! Er brachte Greta bei, wie man kocht und den Tisch schön deckt. Erst da zeigte sich, wie talentiert er wirklich war.

Im Winter, wenn es früh dunkel wurde, holte Thomas Greta von der Schule ab, trug ihren Ranzen und erzählte ihr von seinem Leben:

Wie er seine schwer kranke Mutter bis zum Ende pflegte und sogar seine Wohnung verkaufte, um ihr zu helfen.

Wie der eigene Bruder ihn schließlich aus dem Elternhaus trickste und er alles verlor. Das musst du wissen, damit du Menschen besser einschätzen kannst, sagte er.

Er brachte ihr das Angeln bei. Im Sommer gingen sie morgens gemeinsam an die Isar und warteten still auf den ersten Biss so lernte Greta Geduld.

Bald kaufte Thomas ihr ein kleines Fahrrad und übte mit ihr das Fahren. Verletzt sie sich die Knie, tupft er Jod darauf.

Thomas, das Mädchen schlägt sich noch den Kopf an! mahnte die Mutter.

Lass sie. Sie muss lernen zu stürzen und immer wieder aufzustehen.

An Silvester schenkte er Greta die ersten richtigen Schlittschuhe. Am Abend saßen sie alle zusammen am Tisch, den Thomas und Greta gemeinsam festlich gedeckt hatten. Sie warteten auf die Mitternachtsglocken, lachten, stoßen an. Es war schön und es schmeckte allen.

Am Neujahrsmorgen wurde das Haus von Gretas Freudenschreien geweckt.

Schlittschuhe! Juhu! Ich habe echte weiße Schlittschuhe! Danke, danke! rief sie, als sie das prächtige Geschenk unter dem Tannenbaum entdeckte.

Tränen des Glücks kullerten über ihr Gesicht. Später gingen sie gemeinsam zum See, Thomas räumte das Eis frei und half ihr, Schlittschuhlaufen zu lernen. Sie fiel oft, doch Thomas half ihr geduldig immer wieder hoch, bis sie sicher auf den Kufen stand.

Als sie schließlich ein paar Meter fahren konnte, jubelte Greta laut vor Freude. Am Heimweg warf sie sich in seine Arme:

Danke für alles! Danke, Papa

Jetzt war es Thomas, der weinte vor Glück. Er wischte sich verstohlen die Tränen ab, doch sie gefroren sofort in der Winterluft.

Greta wurde erwachsen. Sie zog für das Studium nach München und hatte, wie so viele, ihre Schwierigkeiten. Aber Thomas war immer für sie da.

Er war auf ihrer Abschlussfeier, brachte ihr regelmäßig volle Taschen mit Lebensmitteln, damit sie es in der Stadt leichter hatte.

Er führte sie zum Altar, als Greta heiratete. Gemeinsam mit ihrem Mann stand er vor dem Kreißsaal, als die ersten Enkelkinder kamen, umarmte sie und liebte sie mehr als mancher eigene Vater.

Und dann ging auch Thomas fort so wie wir alle eines Tages gehen. Greta und ihre Mutter standen am Grab und Greti warf einen letzten Blick und eine Handvoll heimische Erde.

Leb wohl, Papa. Du warst der beste Vater der Welt. Ich werde dich nie vergessen

Er blieb für immer in ihrem Herzen. Nicht als Thomas, der Stiefvater, sondern als VATER.

Denn Vater ist manchmal nicht der, der dich zeugt, sondern der, der dich großzieht, deine Sorgen und Freuden teilt. Der, der immer bei dir istAls sie vom Friedhof zurückkehrten, schien die Wintersonne blass durch den Nebel. Vroni nahm Gretas Hand, hielt sie erstmals wirklich fest. Für einen Moment begriffen sie beide: Das Glück, das sie erlebt hatten, war keines, das man ein zweites Mal erwarten durfte. Aber es hatte gereicht für ein Leben, vielleicht für zwei.

Am Abend wurde es friedlich still im alten Haus. Greta schlenderte durch die Zimmer, überall Spuren von Thomas: der abgewetzte Werkzeugkasten auf der Fensterbank, das von ihm selbst gefertigte Schaukelpferd am Herd, der duftende, von ihm gebaute Schrank. Plötzlich bemerkte sie, wie vertraut ihr alles war jeder Nagel, jedes Möbelstück erzählte von Liebe, Geduld und Wärme.

Sie trat hinaus in den Garten, wo die alte Schaukel noch leise im Wind schaukelte. Greta setzte sich, schwang sich behutsam an jetzt eine erwachsene Frau, spürte aber für einen Augenblick dieselbe Geborgenheit des Mädchens von damals.

Sie hob den Blick in den klaren Himmel und flüsterte: Ich werde weiter schaukeln, Papa. Und wenn der Wind mich trägt, weiß ich, dass du da bist.

Da wehte es zärtlich durch die Apfelbäume, und irgendwo in der Dunkelheit sang ein Vogel als wüsste er, dass eine große Liebe niemals wirklich vergeht.

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Homy
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Geh weg von mir! Ich habe dir nie versprochen, dich zu heiraten – eigentlich weiß ich nicht einmal, …
Mein Mann warf mich mit drei Kindern in ein altes Dorf, und eine Woche später entdeckte ich dort etwas, das mein Leben für immer veränderte.