Letzte Warnung: Wenn du den Festsaal nicht wechselst, sage ich die Hochzeit ab! Nur zwei Wochen bis …

Letzter Warnschuss wenn du nicht den Festsaal wechselst, werde ich dich nicht heiraten, sagte meine Verlobte, während sie die Einladungen in den Händen hielt und zögerte, sie zu unterschreiben. Es waren nur noch zwei Wochen bis zur Hochzeit.

Was ist jetzt schon wieder los, Annika? fragte ich sie enttäuscht.

Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl!

Das kann ich mir vorstellen, entgegnete ich mit einem Versuch zu lächeln, man heiratet schließlich nicht jeden Tag. Die Aufregung ist ganz normal, das legt sich wieder. Alles wird gut, das verspreche ich dir!

Wie kannst du so etwas versprechen, wenn du es doch selbst nicht weißt? Ist es denn wirklich so schwer, mir entgegenzukommen? Wie soll unser gemeinsames Leben aussehen, wenn du jetzt schon nicht auf mich hörst?

Wir haben doch kein Geld im Überfluss, Liebling, sagte ich beleidigt, ich habe den Saal schon gebucht und den Großteil für das Festmenü und die Dekoration angezahlt. Bei einer Stornierung bekommen wir die Anzahlung nicht zurück.

Das ist nicht das Schlimmste, glaub mir doch einfach, Schatz.

Nein, ich glaube nicht an so einen Unsinn. Das wäre doch völlig unvernünftig. Und im schlimmsten Fall fällt dann unser Honeymoon nach Italien ins Wasser. Sag mir endlich, was denn eigentlich los ist.

Gut, hör zu. Und sag später nicht, dass es sowas nicht gibt. Nur weil du an sowas nicht glaubst, bedeutet es nicht, dass es das nicht gibt.

Ich verspreche es, sagte ich.

Bei uns auf der Arbeit gibt es seit kurzem eine merkwürdige Kollegin, namens Gertrud. Sie hält sich von allen fern, trägt nur Dunkles und scheint immer abwesend. Vor ein paar Tagen kam sie zu mir und sagte: Grüße von deiner Oma Käthe.

Was? Ich war fassungslos, denn meine Oma Käthe ist vor drei Jahren gestorben.

Willst du erfahren, wovor sie dich warnen möchte? fragte Gertrud mich und bat mich, nach Feierabend mit ihr zu sprechen. Ich willigte ein. Und das hat sie mir erzählt:

Das ist lange her. Damals wurde in unserer Stadt ein neues Restaurant mit Festsaal eröffnet.

Thomas arbeitete damals als Bauleiter auf der Baustelle und verdiente ordentlich. Er überraschte seine Verlobte, Margarete, indem er das Hochzeitsbankett genau dort veranstalten wollte. Sie willigte mit Freuden ein sie stammte aus einem kleinen Dorf, ihre Familie war arm und in einem Restaurant war sie noch nie gewesen. Sie wollte, dass ihre Verwandten etwas Besonderes erleben.

Am großen Tag strahlte die Braut im weißen Kleid samt Schleier. Auch der Bräutigam war top herausgeputzt.

Nach der Trauung fuhr der Korso mit dem Brautpaar und einem Reisebus voller Gäste zum Restaurant. Alle waren beeindruckt von der Pracht des Saals. Aber eine ältere Dame schüttelte nur den Kopf:

So viele künstliche Blumen zur Hochzeit, das bringt Unglück…

Doch keiner schenkte ihr Beachtung. Damals war Kunststoff überall im Trend Stoffe, Geschirr und vieles mehr. Außerdem hatten die Gäste eigene frische Blumen als Sträuße mitgebracht und sie in Vasen am Brauttisch aufgestellt.

Mitten im Fest, während des langsamen Hochzeitstanzes, passierte es dann: Der Strauß roter Rosen, der direkt vor Margarete stand, war auf einen Schlag welk und verdorrt. Die Bedienung entfernte ihn, und es wurde weitergefeiert.

Doch dann wurde der Braut übel. Sie verlor das Bewusstsein. Man öffnete die Fenster vielleicht lag es ja an der stickigen Luft. Doch schnell ging es ihr erneut schlecht. Es wurde gemurmelt:

Ob die wohl schwanger ist?

Hauptsache nicht krank, eine Schwangerschaft vergeht, witzelten andere.

Ich habe einen Blutfleck auf Margaretes Kleid gesehen, sagte ein Verwandter ihren Eltern.

Als sie nachsahen, war kein Fleck zu entdecken.

Bald machte ein neues Gerücht die Runde: Jemand habe eine seltsame Frau in schwarzer Kleidung an der Tür gesehen. Doch suchen konnte man, so viel man wollte, sie blieb verschwunden.

Für das junge Paar wurde die Hochzeitsnacht zum Albtraum. Sie konnten nicht schlafen das Gefühl, jemand Unsichtbares wäre im Zimmer, verfolgte sie. Es rauschte, es knarzte, und Thomas war sich sicher, dass sie beobachtet wurden.

Am nächsten Morgen waren beide völlig durch den Wind.

Solche Hochzeitsreisen wie heute gab es damals kaum das Brautpaar ging nach dem Fest gleich wieder seiner Arbeit nach. Aber Thomas kam nicht mal bis zum nächsten Wochenende: Er starb bei einem Autounfall. Er war ein erfahrener, vorsichtiger Fahrer, die Straße war trocken, das Wetter bestens keiner konnte sich erklären, wie er auf die Gegenfahrbahn geraten war.

Margarete verkraftete den Verlust nie, wurde immer schwächer. Und das Schlimmste: Ein Jahr später verließ sie eines Tages das Haus und kam nie zurück. Man suchte nach ihr, doch sie blieb spurlos verschwunden.

Interessante Gruselgeschichte, meinte ich, aber was hat das mit uns zu tun?

Es hat alles mit uns zu tun, schluchzte Annika, denn diese schreckliche Hochzeit fand im selben Restaurant, im selben Saal statt, den du gebucht hast!

Und? Solche Zufälle gibt es nun mal Was aber hat das mit uns zu tun?

Es heißt, das Restaurant wurde auf einem alten Friedhof errichtet. Und der Festsaal steht genau dort, wo das Grab einer Braut gewesen sein soll, die sich kurz nach ihrer Hochzeit das Leben nahm, nachdem sie ihren jungen Ehemann bei einer Affäre erwischt hatte. Nun verstehst du?

Ich glaube an solche Spukgeschichten nicht!

Ihre gequälte Seele holt sich nach jeder Hochzeit einen Bräutigam kurz danach und die Braut ein Jahr später. Irgendwann passiert es wieder. Was, wenn jetzt unsere Hochzeit an der Reihe wäre? Meine Oma hat mich sicherlich nicht umsonst aus dem Jenseits gewarnt!

An sowas glaube ich nicht, langsam reichte es mir mit Annikas Launen, wenn du mich nicht heiratest, dann nehme ich halt deine beste Freundin Eva. Unterschreib die Einladungen oder ich werde mein Versprechen wahrmachen!

Nach kurzem Zögern sagte Annika tatsächlich die Hochzeit ab. Besonders Annas Drohung, eine andere zu heiraten, machte sie stutzig und verletzte sie tief.

Und tatsächlich zog ich mein Versprechen durch. Und ihre Freundin Eva, eine Verräterin, nahm den Antrag an.

Es verging keine Woche, da erfüllte sich die Prophezeiung: Ich verunglückte bei einem Motorradunfall, weil die Bremsen versagten.

Annika hatte große Angst um Eva. So sehr sie ihr den Betrug nie verzieh, wollte sie vielleicht doch helfen, denn auch Evas Jahr stand nun bevor. Am nächsten Tag wollte sie die Kollegin Gertrud aufsuchen, um mehr zu erfahren doch die war schon weggezogen, wohnte nicht mehr unter ihrer angegebenen Adresse.

Gerüchten zufolge hatte sich diese verhängnisvolle Hochzeit in den 70er Jahren hier in Bayern ereignet. Beweise gab es keine damals wollte niemand, dass solche Dinge an die Öffentlichkeit gelangten.

Aber viele Einheimische kennen die Geschichte und flüstern davon bis heute…

Was ich aus all dem gelernt habe? Manchmal ist das Bauchgefühl wertvoller als jedes rationale Argument. Und vielleicht lohnt es sich, auf die leisen Warnungen im Leben zu hören, bevor man alles verliert.

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Homy
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