Beate hatte ihren Mann schon eine ganze Weile im Verdacht, dass da irgendwas nicht stimmt. Immer diese “späten Meetings”, endlose Touren “ins Lager, weil noch Werkzeuge fehlen” und dann ständig Gerüche, die sich mit Parfum oder Benzin einfach nicht erklären ließen. Sie schwieg und beobachtete, so typisch deutsch halt, bis sie irgendwann einen Privatdetektiv beauftragte. Der versprach, das Ganze in nur wenigen Tagen aufzuklären.
Und dann heute Morgen eine knappe SMS vom Detektiv. Eine Adresse, sonst nichts. Fahren Sie sofort hin. Es ist wichtig. Sie müssen das mit eigenen Augen sehen.
Sie sitzt also im Auto, tuckert fast eine Stunde raus, immer weiter aus München raus und über die Landstraßen. Mit jedem Kilometer wird die Straße schmaler, plötzlich nur noch ein Waldweg und das Navi streikt. Ihr Herz springt fast aus der Brust, glaub mir. Sie hat sich eingeredet, dass sie jetzt gleich ein kleines Häuschen im Grünen findet vielleicht das Liebesnest einer Affäre, vielleicht den Wagen ihres Mannes am Zaun, so was halt.
Aber als sie zwischen den Bäumen plötzlich dieses alte Backsteingebäude sieht, wird ihr anders. Da ist zum einen Panik, zum anderen fast eine körperliche Leere. Es sieht verlassen aus, irgendwas zwischen Schuppen und altem Lagerhaus. Kein Auto weit und breit, keine Menschenseele.
Beate steigt aus, Handy fest in der Hand, bereit, im Notfall gleich den Detektiv oder sogar die Polizei zu rufen. Die Tür hängt nur noch schief in den Angeln, als hätte vor ihr jemand ganz schnell das Weite gesucht.
Aber das, was sie drinnen findet, hat überhaupt nichts mit Untreue zu tun jedenfalls nicht mit der, die sie sich in den wildesten Nächten ausgemalt hatte.
Sie schiebt die quietschende Tür auf, alles riecht nach Feuchtigkeit und altem Metall. Auf dem Boden liegt überall Dreck, aber in der Ecke ist eine merkwürdig ordentliche Holzplatte. Mit zitternden Händen tastet sie daran entlang auf einmal rutscht das Brett nach hinten weg.
Dahinter ein schmaler Raum. Und auf einer alten, fleckigen Matratze sitzt eine Frau, blass, ausgemergelt, am Fuß eine schwere Kette.
Beate erstarrt. Die Fremde hebt langsam den Kopf, als ob jede Bewegung weh tun würde.
Du bist seine Frau?, haucht sie. Du solltest nicht hier sein. Er sagte, du würdest nie etwas erfahren.
Wer? Beates Stimme bricht fast ab.
Die Frau wendet das Gesicht ab, ihre Stimme wird rau: Dein Mann. Er hält mich hier jetzt schon sieben Monate fest. Er sucht einen Ersatz.
Beate bemerkt zum ersten Mal das Tablett mit Suppe auf dem Boden die Suppe ist sogar noch warm. Irgendwer war also gerade erst hier.
Und genau in dem Moment hört sie Schritte hinter sich. Zum Glück kommt die Polizei der Detektiv hatte sie längst gerufen.





