Auf der Straße sah ich zufällig, wie meine Tochter mit meinem Enkel in schmutziger Kleidung um Almos…

Liebes Tagebuch,

es gibt Tage, an denen das Schicksal dich vor eine ungeahnte Prüfung stellt. Heute war für mich so ein Tag, und ich kann es immer noch nicht ganz fassen. Ich saß im Auto auf dem Ring in München, zurück von einem anstrengenden Termin im Klinikum, wollte eigentlich nur nach Hause und meine Ruhe haben. Mein Kopf schwirrte von Sorgen, ich hatte einfach keine Kraft mehr.

Da sah ich sie, mitten in der Menschenmenge an der großen Kreuzung. Eine Frau, abgemagert, barfuß, mit zerzausten Haaren, das Kind eng an sich gedrückt, mit ausgestreckter Hand, wie eine von so vielen Bettlerinnen. Mein erster Reflex war, weiterzufahren doch dann traf mich der Schock: Das war meine Tochter Johanna. Und mit ihr mein kleiner Enkel Emil.

Ich konnte es kaum glauben. Johanna, die ich doch vor zwei Jahren zusammen mit meinem verstorbenen Mann mit einer Wohnung, einem Auto und etwas Startkapital ausgestattet hatte, stand jetzt hier verwahrlost, voller Scham, als befürchtete sie, ich könnte sie erkennen.

Ich ließ das Fenster herunter. Johanna? Sie zuckte zusammen, versteckte gleich ihr Gesicht. Papa, bitte, tu so, als hättest du mich nicht gesehen bitte! Doch dazu war ich nicht fähig. Ich stieg aus, der Verkehr um mich herum war mir vollkommen egal.

Steig ein, sagte ich, bitte.

Hinten hupte schon jemand ungeduldig, aber ich half ihr und Emil in den Wagen. Ich stellte die Klimaanlage höher, schaute sie im Rückspiegel an. Wo ist eure Wohnung? Und das Auto? Wo ist das Geld hin, das ich dir überwiesen habe? Was ist geschehen und wo steckt Sebastian? Es tat mir leid, wie vorwurfsvoll das klang aber ich platzte förmlich vor Sorge.

Johanna schwieg. Eine Träne bahnte sich ihren Weg über ihr Gesicht. Sebastian und seine Mutter Sie haben alles an sich genommen. Die Wohnung, das Auto, selbst das Sparbuch, alles. Sie haben uns rausgeworfen. Als ich protestieren wollte, hat seine Mutter mir gedroht, Emil wegzunehmen Da hatte ich nur noch Angst.

Ich parkte spontan am Straßenrand, sah sie an. Statt zu schimpfen, nahm ich einfach nur ihre Hand. So kalt und dünn mein armer Schatz.

Weine nicht, Johanna. Ich kümmere mich darum.

Und was ich dann tat, hat das gesamte Umfeld in Entsetzen versetzt.

Ich habe sie nicht nach Hause gebracht. Nein, ich fuhr direkt zur nächsten Polizeistation. Johanna wurde blass vor Angst: Papa, lass das sein, sie haben gesagt, wir können nichts beweisen. Aber ich erklärte: Doch, wir können. Die Wohnung läuft auf meinen Namen.

Wir fuhren also gemeinsam mit der Polizei zu der Wohnung in Schwabing dem Zuhause, das ich Johanna einst überschrieben hatte, und aus dem sie mit Kind verstoßen wurde.

Sebastian öffnete die Tür als er die Beamten sah, sprossen ihm die Schweißperlen auf die Stirn. Seine Mutter fing sofort an zu schreien, sie hätte hier jedes Recht, alles sei legal, sie sei schließlich die Schwiegermutter.

Ohne ein Wort zeigte ich die Unterlagen. Die Beweise: Diese Personen halten sich unrechtmäßig in meiner Wohnung auf, das Geld, das ich meiner Tochter überwiesen habe, wurde unterschlagen, das Auto gewaltsam an sich gerissen.

Plötzlich war es still. Die Polizisten stellten gezielte Fragen, sprachen mit beiden. Nach zehn Minuten klickten die Handschellen bei Sebastian. Auch seine Mutter wurde abgeführt, sie kreischte, sträubte sich, alles vergeblich.

Noch in derselben Woche bekam Johanna alles zurück: die Wohnung, das Auto, das Geld schwarz auf weiß, mit Stempel und Unterschrift.

Ich sah sie an, wie sie Emil drückte, und zum ersten Mal seit Ewigkeiten lächelte.

Doch damit nicht genug: Ich habe meine Kontakte genutzt, damit das Verfahren nicht eingestellt wird. Das war keine Familiensache, sondern Betrug, Drohung und das widerrechtliche Rausschmeißen einer Mutter mit Kind.

Ich werde alles dafür tun, dass Sebastian und seine Mutter dafür zur Verantwortung gezogen werden.

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Homy
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