Als plötzlich die Schwiegermutter durch die Wohnungstür stürmte: „Na, liebe Schwiegertochter, welche Geheimnisse hast du eigentlich vor deinem Mann?“ – Ein Familienstreit um eine vererbte Wohnung in München und den Umgang mit Geld, der die ganze Familie in Aufruhr versetzt

Die Glocke ertönte In die Wohnung stürmte ohne Gruß und nachdem sie ihren Sohn beiseite geschoben hatte die Schwiegermutter hinein. Na, erzähl mal, liebe Schwiegertochter, welche Geheimnisse hast du vor deinem Mann? Mutter! Was ist denn los, Mutter?

Damals, als Friedrich eines Abends nach Hause kam, herrschte in der Wohnung eine ungewohnte Stille. Seine Frau, Gerlinde, hatte ihn am Morgen wissen lassen, dass sie wegen einer außerplanmäßigen Überprüfung auf der Arbeit länger bleiben müsse.

Er schlenderte in die Küche, warf einen Blick in den Kühlschrank das Abendessen fehlte. Seufzend setzte er den Wasserkocher auf, machte sich zwei belegte Brote und ließ sich damit vor dem Fernseher nieder.

Einige Minuten zappte er durch das Programm, bis er endlich einen Sender mit einem Fußballspiel fand. Doch sein ruhiges Abendessen wurde jäh unterbrochen.

Es klingelte, und auf dem Flur erschien Friedrichs Mutter, Frau Hilde Baumgartner. Sie rauschte in die Wohnung, grüßte nicht einmal und schob ihren Sohn achtlos zur Seite.

Friedrich, du hörst mir jetzt mal gut zu! Das hat mir die Margarete erzählt.

Was ist denn passiert, Mutter?, fragte er erstaunt.

Die Sache ist die: Deine Frau, diese Gerlinde, hat noch eine weitere Wohnung, die sie vermietet und das Geld steckt sie ein!

Ach, Mutter, warum hörst du dauernd auf diese verrückte Margarete? Die sammelt im ganzen Stadtteil nur Gerüchte, und du glaubst jedes Wort.

Ich weiß wohl, dass Margarete gerne übertreibt, aber diesmal stimmts! Die Nichte von Margaretes Nachbarin wohnt jetzt in Gerlindes Wohnung.

Die junge Frau ist frisch verheiratet, jetzt wohnen sie dort zur Miete. Sie zahlen Gerlinde achthundert Euro im Monat und freuen sich noch, dass es so günstig ist! Und das Hauptsächliche: Sie vermietet die Wohnung schon seit zwei Jahren, und das ist nicht das erste Pärchen!

Friedrich runzelte die Stirn. Interessant Aber warum hat sie mir das nie erzählt?

Frag sie selber, wenn sie nach Hause kommt! Aber ich sage dir: Deine Frau legt sich ein Polster an. Bald hat sie genug Geld und lässt dich sitzen. Und vorher nimmt sie dich noch ordentlich aus!, polterte Frau Baumgartner.

Gerlinde kam erst anderthalb Stunden später nach Hause. Friedrich und seine Mutter warteten bereits auf sie. Hilde Baumgartner beschloss zu bleiben sie wollte unbedingt wissen, wie Gerlinde sich erklären würde. Um nicht untätig zu sein, hatte sie bereits das Abendessen gekocht und dem Sohn serviert.

Als Gerlinde das Wohnzimmer betrat, schauten ihr zwei strenge Augenpaare entgegen.

Es begann die Schwiegermutter:

Na, erzähl mal, liebe Schwiegertochter, welche Geheimnisse hast du vor deinem Mann?

Keine, soweit ich weiß, erwiderte Gerlinde ruhig.

Keine, sagst du? Und wie ist es dann mit deiner Wohnung in der Schillerstraße, Haus Nummer siebenunddreißig?

Was hat meine Wohnung mit Geheimnissen zu tun?, fragte Gerlinde verwundert.

Du vermietest sie und versteckst das Geld vor deinem Mann, behauptete Frau Baumgartner.

Ist das wahr, Gerlinde?, meldete sich nun auch Friedrich. Woher hast du eigentlich die Wohnung? Und weshalb hast du mir nie gesagt, dass du sie vermietest? Mich interessiert außerdem, wofür du das Geld verwendest.

Die Wohnung gehörte meiner Großtante Irmgard, die Schwester meiner Mutter. Also eine Verwandte, schwierige Familienverhältnisse

Irmgard ist schon fast drei Jahre tot. Ich habe es dir erzählt, Friedrich. Damals hast du nur gesagt, dass ich jetzt nicht mehr ständig bei der alten Dame vorbeischauen müsste.

Und als ich dich gebeten habe, mir bei der Beerdigung zu helfen, meintest du, du seist auf der Arbeit total eingespannt und hättest keine Zeit.

Warum hat sie dir die Wohnung vererbt?, erkundigte sich die Schwiegermutter neugierig.

Vermutlich, weil sonst niemand mehr zu ihr gekommen ist, erwiderte Gerlinde nüchtern.

Und warum hast du Friedrich nichts von der Erbschaft gesagt?, forschte Frau Baumgartner weiter.

Warum sollte ich? Was hat Friedrich denn mit meinem Erbe zu tun?

Wie bitte?, polterte die Schwiegermutter. Immerhin ist er doch dein Ehemann!

Na und?

Tust du nur so naiv, oder bist dus wirklich?, fragte Frau Baumgartner. Das Geld aus der Vermietung der Wohnung hätte in den Familienhaushalt gehört, doch du gibst es nur für dich aus!

Natürlich! Das ist mein gutes Recht. Was ich erbe, ist mein persönliches Eigentum. Alles, was ich daraus einnehme ob Verkauf oder Miete bleibt mein Eigentum. Ich muss niemandem Rechenschaft ablegen, sagte Gerlinde fest.

Friedrich war sichtlich enttäuscht: Gerlinde, ich habe letztes Jahr meinen Wagen reparieren lassen, viel Geld investiert zwei Jahresprämien! Dabei hattest du Geld und hast es mir nicht einmal gesagt?

Friedrich, der Wagen gehört dir. Du fährst ihn. Jedes Mal, wenn ich dich bitte, mich mitzunehmen, bist du angeblich beschäftigt oder der Weg passt dir nicht. Lieber schickst du mich mit dem Taxi los.

Letztes Jahr hast du mich exakt dreimal gefahren: einmal zum Markt vor Silvester, das zweite Mal hast du mich von der Arbeit mitgenommen, weil du deinen Schlüssel vergessen hattest, und das dritte Mal zum Arzt, als ich mir den Knöchel verstaucht habe.

Warum sollte ich also dein Auto auf meine Kosten reparieren lassen, wenn ich es praktisch nie nutze?

Und wieviel hast du nun schon bei Seite gelegt?, mischte sich die Schwiegermutter wieder ein. Wahrscheinlich schon ein Vermögen.

Wenigstens etwas, aber kein Vermögen. Sag mal, Friedrich, weißt du eigentlich noch, dass du zwei Studentinnen als Töchter hast? Wann hast du ihnen das letzte Mal Geld überwiesen?, fragte Gerlinde.

Ach, sie arbeiten ja schließlich selbst, erwiderte Friedrich verteidigend.

Sie studieren und jobben nebenbei! Aber richtig leben können sie davon nicht. Würden sie alles allein bezahlen, hätten sie keine Zeit mehr zum Lernen.

Weshalb hast du mir denn niemals gesagt, dass du geerbt hast?, fragte er schließlich erneut.

Weil ich damals schon wusste, dass ihr mich dann so ins Kreuzverhör nehmt wie heute. Und noch einen Grund gibt es: Ich habe gesehen, was passiert, wenn deine Mutter sich in fremdes Eigentum einmischt wie damals mit deinem Bruder und seiner Frau Ilse.

Was soll das heißen, ich hätte mich eingemischt?

Wie sonst? Ihr habt Ilse ein Jahr lang bearbeitet: Was willst du mit der alten Wohnung? Lass sie uns verkaufen, dann kaufen wir einen Garten. Im Sommer könnten wir dann schön Luft holen. Die Wohnung wurde verkauft und der Garten gekauft eingetragen natürlich auf deinen Namen, Hilde. Und Ilse kann nur noch mit eurer Erlaubnis dorthin. Eigene Freunde einladen ist sowieso tabu aber hacken auf den Gemüsebeeten darf sie. So, danke, so etwas brauche ich nicht!

Dreist bist du, Gerlinde!, schrie Hilde Baumgartner. Denkst nur an dich!

Ich habe nur von euch gelernt, Frau Baumgartner, erwiderte Gerlinde gelassen.

Friedrich, hast du das gehört? Deine Frau beleidigt mich!

Soll sie doch! Ich sage doch nur die Wahrheit! Kaum erfahrt ihr von meinem Erbe, steht ihr schon in der Tür. Wozu?, fragte Gerlinde.

Um es Friedrich zu erzählen!

Hast du ja nun. Und jetzt?

Verlange ich, dass du das Geld nicht vor der Familie versteckst, sondern es einbringst!

Das tue ich längst für genau die Dinge, die ich für notwendig halte. Aber nicht für Friedrichs Auto, und gewiss nicht für den Umbau deines Gartens!

Wir hätten doch gemeinsam besprechen können, wofür das Geld genutzt wird, warf die Schwiegermutter ein.

Meint ihr wirklich, dass ich mit sechsundvierzig Jahren nicht selbst mit meinem Geld umgehen kann?

Man darf nicht nur an sich denken!, rief Hilde aus.

Und an wen denn sonst? An dich? Deshalb habe ich es verschwiegen damit ich das Geld für mich und meine Kinder ausgeben kann!

Das wird auch so bleiben. Am besten, du vergisst, dass ich überhaupt geerbt habe, Frau Baumgartner, sagte Gerlinde bestimmt.

Das heißt, du gibst das Geld allein aus?

So ist es.

Und teilst nicht mit deinem Mann?, fragte die Schwiegermutter.

Teile ich, wenn ich es für richtig halte. Ich habe gesagt alles wird für meine Familie ausgegeben.

Und ich gehöre nicht zur Familie?

Frau Baumgartner, meine Familie das sind mein Mann, unsere Kinder und ich. Alle anderen sind Verwandte!, antwortete Gerlinde.

So ist es Frau Baumgartner nie gelungen, Gerlinde etwas zu entlocken. Doch sie gab nicht auf und suchte immer wieder neue Anlässe, um wie sie selbst meinte ihren gerechten Anteil zu bekommen.

Doch all ihre Versuche prallten von Gerlinde ab. Zu ihr passte der altdeutsche Spruch: Wo sie sitzt, da bleibt sie auch sitzenFrau Baumgartner schnaubte, griff nach ihrer Handtasche und stapfte zur Tür. Dort drehte sie sich noch einmal um, den Zeigefinger warnend erhoben. Du wirst schon sehen, Gerlinde! Am Schluss steht jeder allein da ohne Familie und Sie verstummte, als sie Friedrichs Blick sah erschöpft und ein wenig beschämt.

Gerlinde jedoch schloss ruhig die Tür hinter ihr und lehnte sich dagegen. Friedrich erhob sich. Für einen Moment herrschte Schweigen zwischen ihnen, nur das Ticken der Wohnzimmeruhr war zu hören.

Dann trat er zu Gerlinde, suchte ihren Blick. Vielleicht war ich zu bequem, sagte er. Und hab zu viel als selbstverständlich genommen. Er senkte den Blick und schmunzelte dann schwach. Ich wusste nie, wie viel du eigentlich auf dich nimmst oder wie viel du zurückhältst, um unseren Mädchen zu helfen.

Gerlinde hob die Schultern. Ich hab nie verstanden, warum alles offen auf dem Küchentisch liegen sollte. Ich wollte Frieden und dass wenigstens meine Kinder wissen: Auf mich ist Verlass.

Friedrich legte vorsichtig eine Hand auf ihre Schulter. Vielleicht fangen wir ja nochmal von vorn an. Nicht als Kontrolleure, sondern als Partner. Er lachte leise. Ich erzähle dir auch, wenn ich das nächste Mal ins Auto investiere und vielleicht fährst du mit.

Gerlinde lächelte zum ersten Mal an diesem Abend. Wenn du versprichst, dich nicht zu beschweren, wie schief ich einparke, erwiderte sie, und beide begannen herzlich zu lachen.

Im Flur aber, wo noch immer der Duft von Frau Baumgartners Gulasch hing, blühte etwas auf, das den ganzen Abend gefehlt hatte: das Gefühl, dass diese Familie der Wahrheit vielleicht mehr gewachsen war als allen unausgesprochenen Geheimnissen früherer Zeiten.

Und während draußen der Frühling endlich begann, beschlossen Gerlinde und Friedrich, die Türen zueinander nicht länger zu verschließen und ihren Töchtern unmissverständlich zu zeigen, dass Familie, mit all ihren Eigenheiten, mehr ist als nur geteiltes Erbe.

So hatte Gerlinde, ohne es zu planen, ein wenig mehr gewonnen als ein kleines Vermögen nämlich das Recht, in ihrer eigenen Geschichte die Hauptrolle zu spielen.

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Homy
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Als plötzlich die Schwiegermutter durch die Wohnungstür stürmte: „Na, liebe Schwiegertochter, welche Geheimnisse hast du eigentlich vor deinem Mann?“ – Ein Familienstreit um eine vererbte Wohnung in München und den Umgang mit Geld, der die ganze Familie in Aufruhr versetzt
Asche auf der Veranda