„Gefällt es euch nicht, dass ich meine eigene Familie will? Ich bin vor euch geflohen, habe angefangen, mein eigenes Leben aufzubauen – und kaum komme ich zur Ruhe, seid ihr da und macht wieder alles wie früher!“ „Zina, mach dir keine Sorgen! Ich weiß, dass es als Städterin auf dem Dorf nicht einfach sein wird, aber ich helfe dir!“, versuchte Dimitri seine Freundin zu beruhigen. „Ich schaffe das, du musst nur an meiner Seite sein!“ Zina war hin- und hergerissen. Warum habe ich mich bloß in einen Dorfjungen verliebt? Und dann auch noch so sehr, dass mir die Knie weich werden! Sie ist mittlerweile 28 und hat eine erfolgreiche Karriere, während der 30-jährige Dimitri viele Verwandte und ein eigenes Haus auf dem Land hat, keine 30 Kilometer von München entfernt. Kennengelernt hatten sich die beiden im Freizeitpark im Englischen Garten – Dimitri war zufällig dort gelandet, während seine Mutter in der Kaufingerstraße shoppen war, Zinas Freundinnen hatten sie mitgeschleppt. Sie tauschten Nummern aus, fingen an zu schreiben. Dimitri versuchte immer, Zina zu überraschen, besuchte sie in der Stadt, war aufmerksam und zuvorkommend – und Zina taute auf. Außerdem war er – im Gegensatz zu anderen Männern – ehrlich, offenherzig und gutmütig! Wenig später machte Dimitri ihr auf bayerisch schlicht, aber herzlich einen Antrag – und Zina sagte Ja. „Na dann, mein Kind, probier’s! Dimitri ist fleißig und nett – wenn’s nicht läuft, komm einfach zurück nach München“, meinte Zinas Mutter. Zina hatte nichts zu verlieren. Dank Homeoffice konnte sie ihren Job von überall machen und mit 28 musste sie nicht mehr alles richtig machen. Außerdem, sagt man, ist auf dem Land ja die Luft viel besser! Aber … „In welcher Rolle soll ich eigentlich aufs Land fahren?“, fragte sie Dimitri. „Als meine Verlobte. In einem Jahr heiraten wir, dann fahren wir schön in die Flitterwochen. Bis dahin hab ich sicher genug gespart, damit wir uns keine Sorgen ums Geld machen müssen“, sagte Dimitri verlegen. „Ich weiß ja, dass du anderes gewöhnt bist.“ Es klang alles gut, aber irgendwas ließ Zina nicht los. Was, das wusste sie selbst nicht – also dachte sie: Augen zu und durch! So nahm Zina eine Woche Urlaub, packte ihren kleinen Koffer, schloss ihre geliebte Zwei-Zimmer-Wohnung in Schwabing ab, für die sie lange gespart hatte, stieg ins Auto und fuhr ins Dorf, wo Dimitri schon auf sie wartete. Der erste Abend gefiel ihr. Es war Sommer; gemeinsam arbeiteten sie im Gemüsegarten, kochten zusammen und waren ein gutes Team. „Schatz, meine Eltern kommen zu Besuch!“, rief Dimitri am Freitagabend, als er früher von der Arbeit heimkam als sonst. „Warum das?“, fragte Zina irritiert. „Sie wollen uns kennenlernen – und mithelfen. Außerdem kommt mein Bruder Vlad mit Frau.“, sagte er aufgeregt. „Wie lange bleiben sie?“, fragte Zina erschrocken. „Hoffentlich nicht zu lange! Keine Sorge, wir schaffen das, zusammen“, beruhigte Dimitri sie. Doch Zinas Nervosität wuchs. „Kind, das ist eine Prüfung. Schaffst du es, bleibst du – wenn’s nicht geht, komm zurück. Hauptsache, du hast immer eine Tür offen!“, meinte Zinas Mutter am Telefon. „Mach’s, wie es dir passt – die werden sich schon dran gewöhnen. Oder eben nicht. Das ist dann Dimitris Problem.“ Was soll’s, dachte Zina – ich bin ja nicht mal seine Frau! Gerade deckte sie den Tisch, da fuhr draußen das Auto vor. „Sie sind da!“, rief Dimitri. Sie begrüßten die Gäste. „Na, Grüß Gott, Schwiegertochter!“, sagte eine große, korpulente Frau im bunten Kleid, mit kurzem dunklem Haar und schwarzen Wimpern, lächelte schief und drückte erst mal ihren Sohn. Ihr Mann, ebenfalls stattlich und gemütlich, begrüßte Dimitri und nickte Zina zu. Vlad, Dimitris Bruder, war noch jung, ein Spaßvogel, aber Vlads Frau, eine junge, bayerisch-blonde Schönheit, schaute Zina mit einer Mischung aus Skepsis und Neid an, wandte sich dann aber an ihren Mann: „Was glotzt du? Pack mit an!“, rief sie und ging zum Auto. Zina bat alle zu Tisch – vielleicht entspannte sich ja die Stimmung bei gutem Essen, schließlich konnte sie kochen! „Na, das ist ja mal ein Empfang!“, lobte Schwiegermutter Maria. Vater Peter fand alles lecker. „Und was ist das? Hähnchen? Wer bereitet denn das so zu? Sowas isst man doch nicht!“, nörgelte Vlads Frau Elena und stocherte lustlos im Teller. „Das ist sehr lecker!“, empörte sich Vlad. „Dir geht’s nur ums Essen. Egal, was!“, fauchte Elena zurück. Dimitri warf Zina einen entschuldigenden Blick zu. „Elena, benimm dich mal! Und, hör auf so zu sticheln! Zina hat sich Mühe gegeben“, mischte sich Dimitri ein. „Und wer tauft das Kind bloß Zina? Wie unsere Kuh – die hieß auch so!“, stichelte Elena. Zina kicherte. „Was gibt’s?“, fragte Dimitri leise. „Meine Freundin hat ne Meerschweinchendame namens Elena“, flüsterte Zina zurück, aber alle hörten es. Maria war wenig begeistert, die Männer hatten Mühe, ihr Lachen zu unterdrücken, während Elena regelrecht zu kochen schien. „Wer bist du eigentlich? Wieso erlaubst du dir sowas?“, keifte sie Zina an. „Weil du’s auch kannst. Ich dachte, so sprichst du immer mit Leuten.“, zuckte Zina nur die Schultern. Vlad schaute amüsiert zu. „Ich bin Vlads Ehefrau – also rechtmäßig! Und du? Nur Mitbewohnerin!“, fauchte Elena und stand auf. „Dafür bin ich wenigstens höflich, wenn ich irgendwo zu Besuch bin“, konterte Zina. „Aber ich bin nicht deinetwegen da!“, grinste Elena überheblich. „Ich hab dich aber nicht eingeladen“, ließ Dimitri nicht locker. „Und, wie lange wollt ihr eigentlich bleiben?“ Stille. „Wir zeigen deinem Stadtpüppchen mal das Landleben. Dann sehen wir weiter!“, sagte Maria. „Mama, lass gut sein. Wir haben das auch alleine hinbekommen.“, entgegnete Dimitri. „Na klar, hast dir die faule Stadt-Mieze ins Haus geholt. Bin gespannt, wie lange das gut geht!“, stichelte Elena. „Eine faule haben wir hier im Haus – aber das ist sicher nicht Zina“, hielt Dimitri dagegen. „So, und jetzt: Danke fürs Essen, wir räumen ab. Ihr könnt schon mal entspannen.“ Hand in Hand räumten sie unter den spitzen Blicken der Familie ab. Zina dachte: Es ist wichtig, wenn jemand hinter dir steht – einen guten Rückhalt zu haben. Sie würde sich nicht unterkriegen lassen. Und zur Not hatte sie ja immer noch ihr Zuhause in München. Am Samstagmorgen war die Idylle vorbei. „Wieso schläft ihr noch? Hier wird nicht bis mittags geschlafen! Und Frühstück sollte auch schon fertig sein!“, bellte Schwiegermutter Maria und stürmte ins Schlafzimmer. Zina schaute verzweifelt auf ihr Handy: acht Uhr! „Maria, im Kühlschrank findest du alles fürs Frühstück. Ich zieh mich schnell an, ja?“, meinte Zina und zog die Decke höher. „Na sowas – Diva ist auch noch! Wer was im Kühlschrank ist, muss auch gemacht werden. Aufstehen!“, schimpfte Maria, verließ verärgert das Zimmer und warf die Tür laut zu. Zina zog sich an, machte sich frisch. „Na, du bist ja schon wach?“, begrüßte sie Dimitri an der Pfanne. „Wenn ich sie nicht geweckt hätte, würde sie noch pennen!“, kicherte Maria. Zina biss sich auf die Zunge. „Mama, warum gehst du überhaupt ins Schlafzimmer? Ich hatte dich doch gebeten …“, wunderte sich Dimitri. „Faulheit und Unfähigkeit scheint ja bei uns öfter vorzukommen“, lästerte Elena. „Niemand hat dich gefragt!“, giftete Zina. „Tja, so ist das Landleben: Früh aufstehen. Und wenn ihr schon ne Kuh habt – um sechs muss gemolken werden!“, lästerte Elena. „Eine Kuh werden wir nicht anschaffen“, meinte Dimitri ruhig. „Wie jetzt? Milch, Sahne … Ach so! Zina kann ja gar nicht melken! Muss früh aufstehen – das kann sie sicher nicht“, lachte Elena. „Du auch nicht, und trotzdem überlebst du irgendwie“, grinste Dimitri. „Seit Zina da ist, bist du mürrisch!“, polterte Maria. „Ich fahr wieder nach Hause. Wenn der Zirkus hier durch ist, ruf an.“, platzte es aus Zina heraus. „Was? Seitdem du hier bist, hat mein Sohn keine Zeit mehr für uns! Ruinierst die Familie!“, fauchte Maria. „Genug!“, donnerte Dimitri. „Gefällt euch nicht, dass ich meine eigene Familie will? Ich bin vor euch geflohen, hab mein Leben aufgebaut – und kaum klappt’s mal, seid ihr da und macht wieder alles wie früher!“ „Aber Sohn, du hast doch total den Kopf verloren! Gibst alles für die da aus! Sie will doch nur dein Geld!“, jammerte Maria. „Sie sitzt dir auf dem Nacken – wir wollen dich nur retten!“ „Mama, Zina verdient selbst ihr Geld – und ich spare fürs Hochzeitsfest. Wollt ihr wirklich Glück? Dann fahrt jetzt heim! Und kommt nur noch mit Einladung – besonders du, Elena!“ Die Familie war schockiert. „Na, dann entscheid dich: Ich oder diese …!“, forderte Maria. „Elena habt ihr doch auch akzeptiert …“, seufzte Dimitri. „Vergleich mich nicht!“, keifte Elena. Vater Peter und Bruder Vlad verfolgten das Schauspiel neugierig. „Und?“, drängte Maria. „Ich entscheide mich fürs Glück!“, erwiderte Dimitri. Maria ging wutentbrannt, Elena folgte ihr. Die Koffer ließ sie ihrem Mann zurück. „Wenn was ist, sind wir auf deiner Seite!“, grinste Vater Peter. „Um Mama kümmern wir uns!“ Vlad umarmte Dimitri. „Pass auf dein Glück auf. Wir müssen was ändern in der Familie!“ Mit diesen Worten fuhr die Familie nach Hause – und Zina merkte: Dimitri meint es ernst. Zusammen packten sie wieder alles an. Zina unterstützte ihren Mann. Und auch Vlad sorgte für gute Stimmung: „Mama, Elena! Wir haben euch eine Kuh gekauft!“, grinste er. „Wie bitte?“, runzelte Maria die Stirn. „Elena melkt jetzt morgens um sechs – gehört zum Landleben!“, meinte Vlad grinsend. „Vlad, das ist nicht lustig!“, fauchte Elena. „Ihr wolltet doch Zina immer das Landleben beibringen – jetzt dürft ihr ran!“, feixte Vater Peter. „Und Frühstück gibt’s ab jetzt immer um sieben! Keine Semmeln, was Warmes! Bauern stehen früh auf!“ Und so begann das “Landleben-Training” für die Schwiegermutter und die Schwägerin! Was sie Zina gesagt hatten, fiel ihnen nun selbst auf die Füße. Und als es um den eigenen Unterhalt ging, mussten sie erkennen: Mit Zinas Können konnten sie nicht mithalten – dafür fehlte die Ausbildung und die Zeit. Maria vertrug sich wieder mit Dimitri, aber zu Besuch kam sie nur vorsichtig – wer weiß, was Zina noch alles kann? Und Dimitri machte Zina schließlich einen romantischen Antrag. Die Hochzeit wurde ein rauschendes Fest! Und Maria und Elena haben Zina zwar nie geliebt – aber schweigen lieber, denn sie wissen: Es ist gefährlich, sich mit Zina anzulegen. Zina ist glücklich! Die beiden meistern weiterhin alles gemeinsam und für Gäste sind sie jetzt bestens gewappnet!

Gefällt es euch etwa nicht, dass ich eine eigene Familie haben will? Ich bin vor euch geflohen, habe angefangen, mein eigenes Leben aufzubauen, und kaum seid ihr da, ist alles wieder wie früher
Katherina, mach dir doch nicht so viele Sorgen! Ich weiß, das Leben auf dem Land ist eine Umstellung für eine Städterin wie dich. Aber ich helfe dir! Hans versuchte, sie zu beruhigen. Ich kriege das hin. Bleib einfach an meiner Seite!

Damals war Katherina ziemlich durcheinander.
Warum nur hatte sie sich ausgerechnet in einen Mann vom Dorf verliebt? Und dann auch noch so sehr, dass ihr regelrecht die Knie weich wurden!

Sie war schon achtundzwanzig Jahre alt, steckte mitten in einer erfolgreichen Karriere, während der dreißigjährige Hans aus einer großen Familie stammte und ein eigenes Haus am Dorfrand unweit von München besaß.

Kennengelernt hatten sie sich durch Zufall in einem Vergnügungspark; Hans war herumspaziert, während seine Mutter einkaufen war, und Katherinas Freundinnen hatten sie dorthin mitgenommen.

Sie tauschten Nummern aus und begannen, sich regelmäßig zu schreiben. Hans reiste oft in die Stadt, bemühte sich, Katherina zu überraschen, war aufmerksam und stets hilfsbereit, sodass Katherina allmählich dahinschmolz.
Anders als die anderen Männer, die sie kannte, war Hans ehrlich, offenherzig und freundlich!

Bald schon machte Hans ihr einen Heiratsantrag und Katherina willigte ein.

Na, meine Tochter? Versuch es ruhig. Hans ist ein solider Kerl, fleißig und verlässlich, meinte Katherinas Mutter. Und falls es nicht funktioniert, kommst du einfach zurück in die Stadt.

Zu verlieren hatte Katherina wenig. Sie konnte inzwischen auch aus dem Homeoffice arbeiten diese neue Arbeitsweise wurde in ihrer Firma immer mehr zur Norm. Achtundzwanzig war auch kein Kind mehr, und vom Land hieß es, die Luft sei dort viel sauberer! Nur

Hans, was wäre ich denn eigentlich auf dem Land? fragte Katherina nachdenklich.

Meine Verlobte. In einem Jahr heiraten wir und machen eine schöne Hochzeitsreise. Bis dahin spare ich fleißig, damit wir uns um das Geld keine Sorgen machen müssen, sagte Hans etwas verschämt. Ich weiß ja, du bist anderes gewohnt.

Eigentlich war alles richtig und vernünftig, und doch hatte Katherina ein mulmiges Gefühl. Aber genauer festmachen konnte sie es nicht also beschloss sie, einfach mal zu probieren!

So packte sie kurzerhand in ihrem wohlverdienten Wochenurlaub einen Koffer, schloss ihre hart erarbeitete Zweizimmerwohnung ab und machte sich in ihrem Auto aufs Land, wo Hans sie bereits erwartete.

Der erste Abend auf dem Dorf gefiel ihr.
Es war ein heißer Sommer, sie bewässerten zusammen fröhlich den kleinen Gemüsegarten und bereiteten gemeinsam das Abendessen zu. Zu zweit ging einfach alles schneller.

Liebling, meine Eltern kommen uns besuchen! rief Hans an einem Freitag ungewohnt früh, als er von der Arbeit heimkam.

Wozu? fragte Katherina überrascht.

Sie wollen uns kennenlernen und helfen auch ein wenig mit. Mein Bruder und seine Frau bringen sie mit, Hans tigerte aufgeregt durchs Zimmer.

Wie lange bleiben sie denn? fragte Katherina ängstlich.

Hoffentlich nur kurz! erwiderte Hans, und sah sie beruhigend an. Keine Sorge. Das geht schon.

Nach diesen Worten war Katherina nur noch nervöser.

Du schaffst das schon. Betrachte es als Prüfung. Bestehst du sie nicht, kommst du zurück. Am wichtigsten ist, dass du immer eine Tür offen hast! scherzte ihre Mutter. Mach es so, wie du dich wohlfühlst. Sie müssen sich daran gewöhnen. Oder eben nicht. Das ist dann Hans Sache.

Warum eigentlich so die Aufregung? Außerdem bin ich ja noch gar nicht seine Ehefrau!, beruhigte sich Katherina schnell.

Sie deckte gerade den Tisch, als draußen ein Wagen hielt.

Sie sind da! Hans betrat die Küche.
Die beiden gingen hinaus, um ihre Gäste zu begrüßen.

Na, hallo, Schwiegertochter! sagte Gertrud, eine große, stattliche Frau mit modisch kurzem, dunklem Haar und schwarzen Wimpern, und umarmte ihren Sohn herzlich.

Ihr Mann, ebenso kräftig und mit Bauchansatz, nickte Hans und Katherina zu.

Der große, fröhliche Bruder machte auf spaßige Art Bekanntschaft mit Katherina, doch dessen Frau, eine junge, rosige Blondine, musterte die hübsche und elegante Verlobte nur kühl, bevor sie sich an ihren Ehemann wandte.

Nun los, steh hier nicht rum! Trag mal die Koffer rein! befahl sie ihm und ging zum Auto.

Katherina bat alle zu Tisch in der Hoffnung, dass bei gutem Essen jeder auftauen und die Stimmung sich entspannen würde. Kochen konnte sie ja!

Ihr habt euch wirklich Mühe gegeben! Ein Festessen, lobte Gertrud.

Peter, der Vater, grunzte anerkennend.

Was ist das? Hähnchen? Wer kocht denn so was? nörgelte Helene, die Schwägerin, und stocherte im Essen. Kaum auszuhalten, was man sich heute alles ausdenkt!

Unrecht tust du ihr! Es schmeckt ausgezeichnet! entgegnete Vlad, ihr Mann, ärgerlich und blickte sie böse an.

Hauptsache, du bist satt, egal womit, schnappte Helene zurück und ließ demonstrativ ihre Gabel sinken.

Hans schaute Katherina entschuldigend an.
Helene, ein bisschen mehr Respekt, bitte! Und hör auf zu sticheln! Katherina hat sich Mühe gegeben!

Und wer nennt sein Kind schon Katherina? So hieß auch mal unsere Kuh! giftete Helene zurück.
Katherina musste leise kichern.

Was hast du? raunte Hans ihr zu.

Die Meerschweinchen meiner Freundin heißen auch Helene, erwiderte Katherina leise,
doch alle hatten es gehört.

Gertrud schaute missbilligend, die Männer mussten das Lachen unterdrücken, doch Helene kochte.

Für wen hältst du dich eigentlich? knurrte sie.

Nun ja, du darfsts ja auch. Ich dachte, das ist der Umgangston, den du gern pflegst, konterte Katherina schulterzuckend.

Vlad war sichtlich beeindruckt.

Ich bin Vlads Ehefrau, ganz offiziell! Und du? Nur die Freundin! sprang Helene auf. Gertrud nickte zufrieden.

Wenigstens habe ich Manieren und benehme mich als Gast, entgegnete Katherina scharf.

Ich bin nicht deinetwegen hier! grinste Helene höhnisch.

Ich habe dich auch nicht eingeladen, ließ Hans nicht locker, nun unverkennbar verärgert. Wie lange gedenkt ihr eigentlich zu bleiben?
Totenstille am Tisch. Alle starrten ihn an.

Wir bringen eurer Großstadt-Prinzessin das Landleben bei, dann ziehen wir wieder ab, meinte Gertrud schließlich.

Ach, lasst das. Wir haben das doch ganz gut allein hinbekommen, und werden das auch weiterhin, gab Hans zurück.

Klar, ein weiteres faules Großstadtmädel im Haus wie lange willst du das wohl aushalten? spottete Helene.

Die Faulpelze in diesem Haus kann ich an einer Hand abzählen, und du bist ganz sicher die einzige, entgegnete Hans. So, liebe Gäste danke für das Essen, ihr könnt euch nun ausruhen.

Er reichte Katherina die Hand, und unter den verdutzten Blicken der anderen begannen sie gemeinsam, abzuräumen.

Katherina dachte: Einen starken Rückhalt zu haben heißt Geborgenheit und Sicherheit. Und sie schwor, hier würde sich niemand auf ihr herumtrampeln! Und wenn alles schiefgeht? Weg zurück in die Stadt gab es immer.

Der Samstagmorgen begann weniger erfreulich.

Warum wird hier so lange geschlafen? Auf dem Land steht man vor dem Mittag auf! rauschte Gertrud ins Zimmer. Frühstück sollte längst fertig sein!

Katherina starrte verwirrt aufs Handy.
Acht Uhr morgens!

Frau Gertrud, alles fürs Frühstück ist im Kühlschrank, rief Katherina unter der Decke hervor. Darf ich mich wenigstens vorher anziehen?

Ach, wie vornehm! winkte Gertrud ab. Das Zeug im Kühlschrank macht sich nicht von selbst aufstehen!

Sie knallte die Tür zu. Katherina zog sich an und ging in die Küche.

Guten Morgen, Liebes, du bist schon wach? begrüßte Hans, der am Herd stand.

Klar. Ohne ihren Krach wäre ich noch im Bett, zischte Gertrud giftig.

Katherina biss sich auf die Lippen.
Mama, warum kommst du überhaupt in unser Schlafzimmer? fragte Hans wütend. Ich habe dich wirklich darum gebeten!

Bei uns zu Hause gibt es ja nicht nur dumme, sondern auch faule Leute, scheints! feixte Helene.

Niemand hat dich nach deiner Meinung gefragt! schoss Katherina zurück.

Was ist denn? So ist das Landleben früh. Wenn erst eine Kuh im Stall steht, muss die um sechs gemolken werden! spottete Helene.

Wir planen keine Kuh anzuschaffen, sagte Hans ruhig.

Und warum nicht? Eigene Milch, Butter ach ja, Katherina kann bestimmt keine Kühe melken! Und fürs frühe Aufstehen ist sie auch zu fein! lachte Helene.

Du kannst es genauso wenig und überlebst auch, grinste Hans.

Seit Katherina da ist, bist du nur noch schlecht gelaunt, verteidigte Gertrud ihre Schwiegertochter.

Hans, ich fahre zurück! Sag Bescheid, wenn diese Show vorbei ist, sagte Katherina.

Was? Du bist schuld, dass mein Sohn sich von der Familie entfernt hat! Er kommt kaum noch vorbei, meldet sich nicht und du willst, dass wir dich mit offenen Armen aufnehmen? Du zerstörst unsere Familie! rief Gertrud empört.

Genug! donnerte Hans. Schlagartig wurde es ruhig.

Gefällt es euch wirklich nicht, dass ich eine eigene Familie will? Ich habe mich von euch gelöst und mein eigenes Leben aufgebaut, und ihr tretet wieder alles nieder!

Mein Sohn, du gibst dein ganzes Geld und deine Zeit nur noch für sie aus! Sie will doch bloß dein Geld! stöhnte Gertrud. Sie sitzt dir auf der Tasche, und du lässt alles mit dir machen! Wir wollen dich nur retten, weil wir dein Glück wollen!

Mama? Katherina sorgt selbst für sich, ich spare nur fürs Fest, sagte Hans und hielt Katherina fest. Wollt ihr Glück? Fahrt heim! Und kommt nur noch auf Einladung vor allem du, Helene!

Während die Verwandten noch nach Worten suchten, zog Hans Katherina sanft ins Schlafzimmer. Dann kehrte er zurück; die Familie packte hastig ihre Koffer.

Hans, jetzt entscheide dich: Sie oder ich! verlangte Gertrud.

Ihr habt doch Helene auch akzeptiert, sagte Hans enttäuscht.

Das kann man ja wohl nicht vergleichen! keifte Helene.

Der Vater und der Bruder beobachteten alles gespannt.

Nun? drängte Gertrud.

Ich wähle das Glück! rief Hans und schaute seine Mutter herausfordernd an.

Für mich hast du keinen Sohn mehr! murmelte Gertrud und verließ das Haus, die Koffer ließ sie ihren Mann tragen. Helene trottete schmollend hinterher.

Wir stehen zu dir, keine Angst! lächelte der Vater gutmütig. Deine Mutter nehme ich mir schon vor!

Vlad umarmte Hans.
Hüte dein Glück! Wir müssen in unserer Familie etwas umstellen!

Und so fuhren sie davon.
Katherina war zwar peinlich berührt, aber sie verstand nun endgültig, wie ernst es Hans mit ihr meinte.

Sie erledigten weiterhin alles gemeinsam, und Katherina bemühte sich, ihren Mann zu stärken sie wusste, wie schwer es für ihn war.
Doch in Vlads Familie daheim ging es jetzt erst richtig rund.

Mama, Helene! Rate mal, was wir für euch gekauft haben eine Kuh! grinste Vlad.

Was? Bist du übergeschnappt? rief Gertrud ungläubig.

Nein, Helene geht jeden Morgen raus, melkt und bringt sie auf die Weide, gab Vlad trocken zurück.

Vlad, das ist doch nicht dein Ernst! Helene wurde blass.

Ihr habt doch immer Katherina gedrängt also machts mal vor! Peter zuckte die Schultern. Und Mutter: Frühstück bereit um sieben, mit was Warmem zum Sattwerden, keine Brote. Auf dem Land steht man früh auf!

Und so begann die Erziehung der Damen!
Jetzt wurde zurückgegeben, was sie Katherina vorgeworfen hatten.
Gertrud merkte schließlich, dass sie es mit Katherina übertrieben hatte, denn nun wurden auch von ihr und Helene plötzlich genauso viel Engagement und Fleiß verlangt wie von Katherina.
Nur: Die Ausbildung fehlte, und der Bauernhof war inzwischen ziemlich groß!

Keine Zeit für nichts!
Irgendwann versöhnte sich Gertrud doch mit Hans, besuchte die beiden allerdings nur selten wer weiß, was Katherina noch alles konnte?

Schließlich fasste Hans sich ein Herz und machte Katherina den lang ersehnten Heiratsantrag.
Und das Hochzeitsfest war ausgelassen wie kaum ein anderes!

Man konnte nicht behaupten, dass Gertrud und Helene Katherina je ins Herz schlossen. Doch sie hielten sich lieber zurück. Es war sicherer so.

Und Katherina war glücklich! Sie meisterten weiterhin alles zusammen, halfen einander und hatten keine Angst mehr vor ungebetenen GästenSo kam es, dass Katherina an manchen Abenden im bunten Schein der Lichterketten auf der Veranda saß, den Duft von frischer Erde und Sommerblumen in der Nase. Sie lachte, weil Hans wieder eine neue, verschrobene Erfindung für den Garten ausprobierte; sie lachte, weil sie wusste, dass sie angekommen war. Das Dorf hatte sie nicht verändert aber vielleicht war sie es gewesen, die dem Dorf ein winziges Stück neue Welt gezeigt hatte.

Im ersten Frühling nach der Hochzeit legte sie ein Beet nur mit Sonnenblumen an, direkt vor dem Haus. Damit das Glück schon an der Türschwelle wartet, erklärte sie Hans augenzwinkernd. Die Ehe war nicht immer einfach, aber getragen von Respekt, Humor und kleinen Zugeständnissen sorgten sie dafür, dass jeder Streit rasch im Lachen endete.

Manchmal gingen sie gemeinsam abends spazieren, sahen den Nebel über den Feldern tanzen und hielten sich schweigend an den Händen. Es war kein Märchen, dafür zu echt, zu lebendig, manchmal zu laut. Doch es war ihr Leben und Katherina hätte es nicht tauschen wollen.

Als eines Tages Helene überraschend mit einem selbstgebackenen Kuchen vor der Tür stand, murmelte Katherina nur: Bitte, komm herein. Sie lachten gemeinsam, auch wenn bis heute manchmal klar blieb, dass manche Dinge sich nie ganz ändern würden.

Aber das war auch nicht nötig. Es war genug, dass das Leben auf dem Land seinen eigenen, unerwarteten Zauber zeigte. Und in Katherinas Herz war inzwischen ein Platz, an dem sowohl Landleben als auch Eigenständigkeit nebeneinander wohnten und in jeder Sonnenblume vor dem Haus spiegelte sich ein Stück ihres ganz neuen Glücks.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

„Gefällt es euch nicht, dass ich meine eigene Familie will? Ich bin vor euch geflohen, habe angefangen, mein eigenes Leben aufzubauen – und kaum komme ich zur Ruhe, seid ihr da und macht wieder alles wie früher!“ „Zina, mach dir keine Sorgen! Ich weiß, dass es als Städterin auf dem Dorf nicht einfach sein wird, aber ich helfe dir!“, versuchte Dimitri seine Freundin zu beruhigen. „Ich schaffe das, du musst nur an meiner Seite sein!“ Zina war hin- und hergerissen. Warum habe ich mich bloß in einen Dorfjungen verliebt? Und dann auch noch so sehr, dass mir die Knie weich werden! Sie ist mittlerweile 28 und hat eine erfolgreiche Karriere, während der 30-jährige Dimitri viele Verwandte und ein eigenes Haus auf dem Land hat, keine 30 Kilometer von München entfernt. Kennengelernt hatten sich die beiden im Freizeitpark im Englischen Garten – Dimitri war zufällig dort gelandet, während seine Mutter in der Kaufingerstraße shoppen war, Zinas Freundinnen hatten sie mitgeschleppt. Sie tauschten Nummern aus, fingen an zu schreiben. Dimitri versuchte immer, Zina zu überraschen, besuchte sie in der Stadt, war aufmerksam und zuvorkommend – und Zina taute auf. Außerdem war er – im Gegensatz zu anderen Männern – ehrlich, offenherzig und gutmütig! Wenig später machte Dimitri ihr auf bayerisch schlicht, aber herzlich einen Antrag – und Zina sagte Ja. „Na dann, mein Kind, probier’s! Dimitri ist fleißig und nett – wenn’s nicht läuft, komm einfach zurück nach München“, meinte Zinas Mutter. Zina hatte nichts zu verlieren. Dank Homeoffice konnte sie ihren Job von überall machen und mit 28 musste sie nicht mehr alles richtig machen. Außerdem, sagt man, ist auf dem Land ja die Luft viel besser! Aber … „In welcher Rolle soll ich eigentlich aufs Land fahren?“, fragte sie Dimitri. „Als meine Verlobte. In einem Jahr heiraten wir, dann fahren wir schön in die Flitterwochen. Bis dahin hab ich sicher genug gespart, damit wir uns keine Sorgen ums Geld machen müssen“, sagte Dimitri verlegen. „Ich weiß ja, dass du anderes gewöhnt bist.“ Es klang alles gut, aber irgendwas ließ Zina nicht los. Was, das wusste sie selbst nicht – also dachte sie: Augen zu und durch! So nahm Zina eine Woche Urlaub, packte ihren kleinen Koffer, schloss ihre geliebte Zwei-Zimmer-Wohnung in Schwabing ab, für die sie lange gespart hatte, stieg ins Auto und fuhr ins Dorf, wo Dimitri schon auf sie wartete. Der erste Abend gefiel ihr. Es war Sommer; gemeinsam arbeiteten sie im Gemüsegarten, kochten zusammen und waren ein gutes Team. „Schatz, meine Eltern kommen zu Besuch!“, rief Dimitri am Freitagabend, als er früher von der Arbeit heimkam als sonst. „Warum das?“, fragte Zina irritiert. „Sie wollen uns kennenlernen – und mithelfen. Außerdem kommt mein Bruder Vlad mit Frau.“, sagte er aufgeregt. „Wie lange bleiben sie?“, fragte Zina erschrocken. „Hoffentlich nicht zu lange! Keine Sorge, wir schaffen das, zusammen“, beruhigte Dimitri sie. Doch Zinas Nervosität wuchs. „Kind, das ist eine Prüfung. Schaffst du es, bleibst du – wenn’s nicht geht, komm zurück. Hauptsache, du hast immer eine Tür offen!“, meinte Zinas Mutter am Telefon. „Mach’s, wie es dir passt – die werden sich schon dran gewöhnen. Oder eben nicht. Das ist dann Dimitris Problem.“ Was soll’s, dachte Zina – ich bin ja nicht mal seine Frau! Gerade deckte sie den Tisch, da fuhr draußen das Auto vor. „Sie sind da!“, rief Dimitri. Sie begrüßten die Gäste. „Na, Grüß Gott, Schwiegertochter!“, sagte eine große, korpulente Frau im bunten Kleid, mit kurzem dunklem Haar und schwarzen Wimpern, lächelte schief und drückte erst mal ihren Sohn. Ihr Mann, ebenfalls stattlich und gemütlich, begrüßte Dimitri und nickte Zina zu. Vlad, Dimitris Bruder, war noch jung, ein Spaßvogel, aber Vlads Frau, eine junge, bayerisch-blonde Schönheit, schaute Zina mit einer Mischung aus Skepsis und Neid an, wandte sich dann aber an ihren Mann: „Was glotzt du? Pack mit an!“, rief sie und ging zum Auto. Zina bat alle zu Tisch – vielleicht entspannte sich ja die Stimmung bei gutem Essen, schließlich konnte sie kochen! „Na, das ist ja mal ein Empfang!“, lobte Schwiegermutter Maria. Vater Peter fand alles lecker. „Und was ist das? Hähnchen? Wer bereitet denn das so zu? Sowas isst man doch nicht!“, nörgelte Vlads Frau Elena und stocherte lustlos im Teller. „Das ist sehr lecker!“, empörte sich Vlad. „Dir geht’s nur ums Essen. Egal, was!“, fauchte Elena zurück. Dimitri warf Zina einen entschuldigenden Blick zu. „Elena, benimm dich mal! Und, hör auf so zu sticheln! Zina hat sich Mühe gegeben“, mischte sich Dimitri ein. „Und wer tauft das Kind bloß Zina? Wie unsere Kuh – die hieß auch so!“, stichelte Elena. Zina kicherte. „Was gibt’s?“, fragte Dimitri leise. „Meine Freundin hat ne Meerschweinchendame namens Elena“, flüsterte Zina zurück, aber alle hörten es. Maria war wenig begeistert, die Männer hatten Mühe, ihr Lachen zu unterdrücken, während Elena regelrecht zu kochen schien. „Wer bist du eigentlich? Wieso erlaubst du dir sowas?“, keifte sie Zina an. „Weil du’s auch kannst. Ich dachte, so sprichst du immer mit Leuten.“, zuckte Zina nur die Schultern. Vlad schaute amüsiert zu. „Ich bin Vlads Ehefrau – also rechtmäßig! Und du? Nur Mitbewohnerin!“, fauchte Elena und stand auf. „Dafür bin ich wenigstens höflich, wenn ich irgendwo zu Besuch bin“, konterte Zina. „Aber ich bin nicht deinetwegen da!“, grinste Elena überheblich. „Ich hab dich aber nicht eingeladen“, ließ Dimitri nicht locker. „Und, wie lange wollt ihr eigentlich bleiben?“ Stille. „Wir zeigen deinem Stadtpüppchen mal das Landleben. Dann sehen wir weiter!“, sagte Maria. „Mama, lass gut sein. Wir haben das auch alleine hinbekommen.“, entgegnete Dimitri. „Na klar, hast dir die faule Stadt-Mieze ins Haus geholt. Bin gespannt, wie lange das gut geht!“, stichelte Elena. „Eine faule haben wir hier im Haus – aber das ist sicher nicht Zina“, hielt Dimitri dagegen. „So, und jetzt: Danke fürs Essen, wir räumen ab. Ihr könnt schon mal entspannen.“ Hand in Hand räumten sie unter den spitzen Blicken der Familie ab. Zina dachte: Es ist wichtig, wenn jemand hinter dir steht – einen guten Rückhalt zu haben. Sie würde sich nicht unterkriegen lassen. Und zur Not hatte sie ja immer noch ihr Zuhause in München. Am Samstagmorgen war die Idylle vorbei. „Wieso schläft ihr noch? Hier wird nicht bis mittags geschlafen! Und Frühstück sollte auch schon fertig sein!“, bellte Schwiegermutter Maria und stürmte ins Schlafzimmer. Zina schaute verzweifelt auf ihr Handy: acht Uhr! „Maria, im Kühlschrank findest du alles fürs Frühstück. Ich zieh mich schnell an, ja?“, meinte Zina und zog die Decke höher. „Na sowas – Diva ist auch noch! Wer was im Kühlschrank ist, muss auch gemacht werden. Aufstehen!“, schimpfte Maria, verließ verärgert das Zimmer und warf die Tür laut zu. Zina zog sich an, machte sich frisch. „Na, du bist ja schon wach?“, begrüßte sie Dimitri an der Pfanne. „Wenn ich sie nicht geweckt hätte, würde sie noch pennen!“, kicherte Maria. Zina biss sich auf die Zunge. „Mama, warum gehst du überhaupt ins Schlafzimmer? Ich hatte dich doch gebeten …“, wunderte sich Dimitri. „Faulheit und Unfähigkeit scheint ja bei uns öfter vorzukommen“, lästerte Elena. „Niemand hat dich gefragt!“, giftete Zina. „Tja, so ist das Landleben: Früh aufstehen. Und wenn ihr schon ne Kuh habt – um sechs muss gemolken werden!“, lästerte Elena. „Eine Kuh werden wir nicht anschaffen“, meinte Dimitri ruhig. „Wie jetzt? Milch, Sahne … Ach so! Zina kann ja gar nicht melken! Muss früh aufstehen – das kann sie sicher nicht“, lachte Elena. „Du auch nicht, und trotzdem überlebst du irgendwie“, grinste Dimitri. „Seit Zina da ist, bist du mürrisch!“, polterte Maria. „Ich fahr wieder nach Hause. Wenn der Zirkus hier durch ist, ruf an.“, platzte es aus Zina heraus. „Was? Seitdem du hier bist, hat mein Sohn keine Zeit mehr für uns! Ruinierst die Familie!“, fauchte Maria. „Genug!“, donnerte Dimitri. „Gefällt euch nicht, dass ich meine eigene Familie will? Ich bin vor euch geflohen, hab mein Leben aufgebaut – und kaum klappt’s mal, seid ihr da und macht wieder alles wie früher!“ „Aber Sohn, du hast doch total den Kopf verloren! Gibst alles für die da aus! Sie will doch nur dein Geld!“, jammerte Maria. „Sie sitzt dir auf dem Nacken – wir wollen dich nur retten!“ „Mama, Zina verdient selbst ihr Geld – und ich spare fürs Hochzeitsfest. Wollt ihr wirklich Glück? Dann fahrt jetzt heim! Und kommt nur noch mit Einladung – besonders du, Elena!“ Die Familie war schockiert. „Na, dann entscheid dich: Ich oder diese …!“, forderte Maria. „Elena habt ihr doch auch akzeptiert …“, seufzte Dimitri. „Vergleich mich nicht!“, keifte Elena. Vater Peter und Bruder Vlad verfolgten das Schauspiel neugierig. „Und?“, drängte Maria. „Ich entscheide mich fürs Glück!“, erwiderte Dimitri. Maria ging wutentbrannt, Elena folgte ihr. Die Koffer ließ sie ihrem Mann zurück. „Wenn was ist, sind wir auf deiner Seite!“, grinste Vater Peter. „Um Mama kümmern wir uns!“ Vlad umarmte Dimitri. „Pass auf dein Glück auf. Wir müssen was ändern in der Familie!“ Mit diesen Worten fuhr die Familie nach Hause – und Zina merkte: Dimitri meint es ernst. Zusammen packten sie wieder alles an. Zina unterstützte ihren Mann. Und auch Vlad sorgte für gute Stimmung: „Mama, Elena! Wir haben euch eine Kuh gekauft!“, grinste er. „Wie bitte?“, runzelte Maria die Stirn. „Elena melkt jetzt morgens um sechs – gehört zum Landleben!“, meinte Vlad grinsend. „Vlad, das ist nicht lustig!“, fauchte Elena. „Ihr wolltet doch Zina immer das Landleben beibringen – jetzt dürft ihr ran!“, feixte Vater Peter. „Und Frühstück gibt’s ab jetzt immer um sieben! Keine Semmeln, was Warmes! Bauern stehen früh auf!“ Und so begann das “Landleben-Training” für die Schwiegermutter und die Schwägerin! Was sie Zina gesagt hatten, fiel ihnen nun selbst auf die Füße. Und als es um den eigenen Unterhalt ging, mussten sie erkennen: Mit Zinas Können konnten sie nicht mithalten – dafür fehlte die Ausbildung und die Zeit. Maria vertrug sich wieder mit Dimitri, aber zu Besuch kam sie nur vorsichtig – wer weiß, was Zina noch alles kann? Und Dimitri machte Zina schließlich einen romantischen Antrag. Die Hochzeit wurde ein rauschendes Fest! Und Maria und Elena haben Zina zwar nie geliebt – aber schweigen lieber, denn sie wissen: Es ist gefährlich, sich mit Zina anzulegen. Zina ist glücklich! Die beiden meistern weiterhin alles gemeinsam und für Gäste sind sie jetzt bestens gewappnet!
Komm nicht rein, das ist mein Leben!