Im Ruhestand und von tiefer Einsamkeit erfasst: Erst im Alter wurde mir klar, dass ich mein Leben falsch gelebt habe

Also, ich erzähle dir das mal: Letztens habe ich da diesen Moment gehabt, wo ich realisiert habe, wie krass sich mein Leben eigentlich verändert hat, seit ich in Rente bin. Auf einmal ist es still um mich herum, und ich fühle mich einfach… ja, ziemlich einsam. Hätte nie gedacht, dass ich mal so über mein Leben nachdenken würde und dass ich wirklich bereue, wie ich es geführt habe.

Weißt du, viele glauben ja, dass Alleinsein das Schlimmste ist und echtes Glück nur da ist, wenn die ganze Familie um einen rumwuselt, mit all dem Chaos und dem Kram. Aber ich hab das nie so gesehen. Ich war immer zufrieden, für mich selbst zu leben ganz ohne Verpflichtungen. Keiner wollte was von mir, ich musste mich nur um mich kümmern.

Nach der Uni hab ich direkt bei einer richtig großen Reiseagentur in München angefangen. Da gings rund internationale Kunden, viel zu tun. Und dann habe ich noch ein bisschen als Model für eine bekannte Modemarke mitgemacht. Das war eine richtig gute Zeit, sag ich dir! Das Leben war aufregend, ich hab ordentlich Geld verdient, schön in Euro natürlich, und hatte einen großen Freundeskreis fast alle waren erfolgreich, unabhängig und, ja, recht wohlhabend.

Ich hab immer gedacht: Läuft doch! Ich hab viel von der Welt gesehen, ausgiebig gereist, schöne Sachen erlebt. Es gab schon Männer in meinem Leben, klar, und das war meistens auch schön aber wenn es mir zu viel wurde oder das Interesse nachließ, dann wars das eben. An Kinder hab ich nie ernsthaft gedacht. Ich hab gedacht: Warum sollte ich meine Freiheit dafür opfern? Und dann werde ich am Ende zu so einer Mutter, die sich um jede Kleinigkeit Sorgen macht? Ne, das war echt nichts für mich. Verantwortung hat mir immer ein bisschen Angst gemacht.

Tja, die Zeit vergeht halt schneller, als man denkt. Jetzt sitze ich hier, bin in Rente, hab mich nie wirklich fest gebunden, keine Kinder, keinen Mann… Jetzt, im Alter, kann ich nicht anders, als zuzugeben: Ein bisschen tuts schon weh, dass ich nie eine eigene Familie wollte. Erst wollte ich nicht, dann hatte ich keine Lust, dann später einfach keine Zeit und auf einmal war es zu spät.

Inzwischen schaue ich oft auf meine Schwester Ursula. Die hat zwei tolle Kinder, und jetzt auch schon drei Enkel. Ganz ehrlich, ich war früher ziemlich eingebildet und hab immer gedacht, ich weiß alles besser. Heute wünsche ich mir, ich hätte ein bisschen mehr auf sie gehört. Ich würde mein Leben am liebsten nochmal rumreißen versuchen, den Kontakt zu meiner Familie wieder zu stärken, Zeit mit den Enkeln zu verbringen. Und vielleicht treffe ich ja noch jemanden, dems genauso geht wie mir gemeinsam alt werden, eine kleine Familie gründen, so spät es auch ist. Wer weiß, vielleicht klappts ja doch nochmal für mich?

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Homy
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