Ich habe meine Schwägerin und ihren Sohn mit in den Urlaub genommen. Ich habe es tausendfach bereut.
Mein Mann und ich verbringen jedes Jahr unseren Sommerurlaub an der Ostsee. Seit ein paar Jahren fahren wir mit Freunden und unseren eigenen Autos an die Küste. Wir sind richtige Camper. Wir suchen uns einen schönen Strandabschnitt aus und schlagen dort unsere Zelte auf. Tagsüber schwimmen wir im Meer oder liegen in der Sonne. Abends sitzt die Gruppe dann am Lagerfeuer, jemand spielt Gitarre und wir genießen dazu ein Glas trockenen Riesling. Dieses Jahr hat sich auch meine Schwägerin, Heike, uns angeschlossen zusammen mit ihrem zweieinhalbjährigen Sohn.
Wir haben hin und her überlegt: Sollen wir sie wirklich mitnehmen oder nicht?
Leider haben wir uns überreden lassen. Im Nachhinein betrachtet war es nicht der Junge, sondern Heike, die all die Probleme verursacht hat. Es fing schon bei der Fahrt an: Heike wollte am liebsten stündlich anhalten, weil sie müde war und sich strecken musste. Deshalb sind wir erst sehr spät angekommen unsere Freunde hatten ihr Lager schon komplett aufgebaut und waren sogar schon im Wasser gewesen. Endlich waren wir da… und dann begann der zweite Akt. Meine Schwägerin war wütend:
Ich bleibe hier garantiert nicht!
Wieso nicht? Wir haben doch gesagt, dass wir campen!
Ich dachte, das heißt, wir suchen uns spontan eine Unterkunft, nicht, dass wir wirklich im Zelt schlafen. Ich dachte, ihr habt trotzdem Zimmer gebucht.
Mein Mann stöhnte: Warum hast du dann nicht gefragt, als wir Schlafsäcke und Isomatten eingepackt haben?
Also mussten wir für sie ein Zimmer mieten. Mein Mann ist dann jeden Tag hin und her gefahren, um sie abzuholen und abends wieder zurückzubringen. Und nicht nur das: Er musste mit ihr in Cafés und auf Märkte gehen, auf den Kleinen aufpassen, während sie von ihrer Arbeit entspannte.
Alle von uns haben auf den Jungen aufgepasst. Dabei war der Kleine wirklich pflegeleicht: Er hörte gut, rannte herum, plantschte im Wasser, aß alles und schlief am Tag tief und fest im Zelt. Ganz im Gegensatz zu seiner Mutter. Nächstes Jahr nehmen wir Heike sicher nicht mehr mit. Aber der Kleine darf gerne wiederkommen wenn seine Eltern es erlauben. Er ist wirklich ein kleiner Campingprofi.





