Ein chaotischer Kleiderschrank, Haufen von ungebügelten Hemden und saure Suppe im Kühlschrank das ist unser Zuhause. Neulich habe ich versucht, ganz behutsam mit meiner Frau darüber zu reden, aber irgendwie kam dabei auch gleich Gegenwind auf.
Ich hab mich damals auf den ersten Blick in Katharina verliebt. Sie hatte irgendwas ganz Besonderes an sich, dieser Mix aus Intelligenz, Ausstrahlung und einer gewissen Ordnungsliebe zumindest dachte ich das damals. Ich war wirklich total happy, dass ich so eine Frau an meiner Seite habe, und hab dann auch recht schnell um ihre Hand angehalten.
Wir haben dann beschlossen, zusammenzuziehen, und direkt von Anfang an hat Katharina mir klargemacht, dass sie das mit dem Haushalt nicht wirklich ihr Ding ist. Sie wollte sich lieber auf ihre Karriere konzentrieren und die Hausarbeit absolut gleichberechtigt aufteilen. Ich fand das eigentlich nur fair und hab zugestimmt, weil ich dachte, das kriegen wir schon hin. Dass das mal so aus dem Ruder läuft, konnte ich ja nicht ahnen.
Am Anfang hat sie sich auch noch wirklich Mühe gegeben, aber alles in allem hat sich das dann irgendwie geändert. Nach einem halben Jahr war klar: Ihr Job lief nicht ansatzweise so, wie sie sich das gewünscht hatte sie hatte ne halbe Stelle in ner unbekannten Firma, Gehalt kam unregelmäßig und die Arbeitszeiten waren ständig anders. Geld, das reinkam, ging gefühlt sofort für irgendwelchen Kleinkram drauf. Ich hab derweil immer weiter geschuftet, von morgens bis abends. Nur an die lautstark propagierte Aufgabenteilung hat sie sich immer gern erinnert ihre eigenen Aufgaben allerdings öfter mal gnadenlos ignoriert.
Je mehr Zeit vergangen ist, desto weniger Enthusiasmus hatte sie für den Haushalt, und die Wohnung wurde immer unordentlicher. Was mich echt gewundert hat: Plötzlich war ich schuld, weil ich angeblich zu wenig geholfen habe. Das hat mich echt getroffen, weil ich doch ohnehin schon unter der Woche kaum Zeit für mich hatte und dann auch noch Haushalt.
Unsere Regel war eigentlich ganz klar: beide machen gleich viel. Aber spätestens, als unser Kind kam, wurde daraus gar nichts mehr. Ich hatte eigentlich gehofft, dass Katharina in der Elternzeit wieder ein bisschen mehr daheim wuppt, doch das Gegenteil war der Fall. Es ist teilweise so weit gegangen, dass ich mich gefragt habe, ob es ohne sie besser laufen würde. Streitereien gehören mittlerweile fest zum Tagesablauf dazu.
Ich versuch wirklich, ihre Seite zu verstehen und mich in sie hineinzuversetzen. Aber ich kann den Gedanken nicht abschütteln, dass meine Bedürfnisse völlig untergehen. Ich krieg Arbeit und Haushalt unter einen Hut und wünsche mir einfach nur mal kurz durchzuatmen.
Manchmal frag ich mich, was Katharina eigentlich tagsüber macht, wenn sie Elternzeit hat warum sie es nicht schafft, mal das Abendessen vorzubereiten oder die Wohnung ein bisschen auf Vordermann zu bringen. Unsere Kleine ist ja erst zwei Monate alt und schläft die meiste Zeit. In der Zeit würd ich zumindest ein bisschen was wegbekommen. Und ich fang jetzt schon an zu grübeln, wie das mal werden soll, wenn noch ein Kind kommt. Ich stehe wirklich auf Gleichberechtigung und dass man sich unterstützt, aber ich hab das Gefühl, dass dieses Prinzip an ihr ein bisschen vorbeigeht.
Ich will nicht, dass unsere Familie daran zerbricht ich lieb meine Tochter über alles. Aber ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, wie lange ich diese Situation noch aushalte. Ich hab keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll. Sag mal, was meinst du auf wessen Seite stehst du hier eigentlich?





