Die Gartenfreundin Zäzilie Timofeew war eine beeindruckende Dame, die auch im fortgeschrittenen Alter noch die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zog. Das schmeichelte ihr, doch auf eine neue Beziehung ließ sie sich nicht ein – sie genoss ihre Unabhängigkeit nach all den Jahren als Witwe. Mehr Zeit für sich, weniger Sorgen. „Zäzilie, warum bist du denn immer allein? Nicht mal eine Katze hast du!“, seufzte Nachbarin und Freundin Annemarie Nikolajevna. „Stirbst du eines Tages, weiß es niemand!“ „Aber du doch!“, entgegnete Zäzilie schmunzelnd. „Wir sehen uns jeden Tag – wenn nicht, bist du einfach in meiner Wohnung, Schlüssel hast du ja!“ Doch als Annemarie schwer erkrankte, holten ihre Kinder sie zu sich. Zäzilie war plötzlich ganz allein. „Mama, zieh doch zu uns!“, bat der ältere Sohn. „Hier kümmern wir uns um dich und die Enkel würden sich freuen!“ Doch Zäzilie wollte ihre geliebte Wohnung nicht verlassen, selbst für die Familie. Sie wusste, dort gäbe es wenig Platz und wollte niemandem zur Last fallen. Der jüngere Sohn, Berufssoldat, war oft außer Haus – ein Umzug zu ihm war ausgeschlossen. Also ging Zäzilie kurzerhand in die Tierhandlung. Während sie dort nach einem pelzigen Begleiter ausschaute, stieß sie auf einen Herrn, der Vogelfutter kaufte. „Oh, Entschuldigung!“ rief Zäzilie verlegen. „Ach was, das macht doch nichts!“, antwortete der modisch gekleidete ältere Herr im schicken Mantel – Mark Anton. Er stellte sich galant vor und begleitete Zäzilie mit ihrer neuen Katze am Arm zum Ausgang. Es stellte sich heraus, dass sie viel gemeinsam hatten: Sie liebten Theater, Serien über starke Frauen und Spaziergänge im Park. „Wissen Sie, ich habe eine wunderbare Schrebergartenparzelle!“, schwärmte Mark Anton. „Jetzt im Herbst ist zwar wenig los, aber im Frühling – vielleicht möchten Sie mal mitkommen?“ Zäzilie war begeistert. Sie verabredeten sich fürs Theater, Mark Anton erschien mit einem Strauß Gerbera. Sie spazierten im Park, er brachte Chrysanthemen mit. Sie verstanden sich blendend! So verging fast ein Monat mit Theaterbesuchen und Parkspaziergängen, bis Mark Anton sich erkältete. „Zäzilie, entschuldigen Sie, ich kann heute nicht kommen – bin krank!“ „Kein Problem!“, sagte Zäzilie entschlossen. Sie kochte ihr berühmtes Hühnersüppchen, brachte Marmelade vorbei, und pflegte Mark Anton – der sich dankbar zeigte. Doch als Mark wieder gesund war, wurden die Blumen seltener und zum Tee gab es öfter günstige Kekse. Zäzilie merkte, dass Mark vor allem ihre Kochkünste genoss – von Gegenseitigkeit war wenig zu spüren. Einzig die Aussicht auf den Frühling und die Einladung zur Gartenparzelle tröstete sie: „Wart’s ab, Zäzilie, dir wird’s gefallen – frische Luft, Vogelgesang, pure Schönheit!“ Endlich kam der Tag des Ausflugs. Zäzilie zog ihren schicken Hosenanzug und eine große Sonnenhut an, Mark erschien in Arbeitsklamotten, Gummistiefeln und alter Angelmütze. Nach langer Fahrt standen sie vor einem verwilderten Zaun, dahinter einige mickrige Obstbäume und eine windschiefe Gartenhütte. „Was ist das?“, fragte Zäzilie perplex. „Meine Schrebergarten-Parzelle!“, verkündete Mark stolz. „Du kannst dich im Schuppen umziehen – und dir eine Schaufel aussuchen!“ „Wieso Schaufel?“, rief Zäzilie entrüstet. „Warum hast du mich überhaupt hierher gebracht?“ „Na, um den Garten umzugraben! Wofür geht man sonst auf die Parzelle? Im Herbst ernte ich und teile mit dir!“ Zäzilie brach in schallendes Gelächter aus. „Danke, Mark Anton, aber ich fahre zurück! Die ganze Winterzeit hast du ohnehin von meinen Kochkünsten gelebt – für deinen Garten reiche ich nicht mehr!“ Mark rief ihr nach: „Soll ich dich etwa einfach nur so auf meine Parzelle einladen? Ich geb dir Theater, Spaziergänge, sogar Ernte… und das alles gratis? Was für Frauen heutzutage!“ Zurück in ihrer Wohnung, kochte Zäzilie sich einen großen Tee, holte das letzte Glas Himbeermarmelade hervor und schmiegte sich an ihren Kater, Baris. „So ist’s recht, Baris“, seufzte sie und strich ihm über’s Fell, „in meinem Alter ist es besser, die Freundschaft mit einer Katze zu genießen!“

Gartenfreund

Brunhilde Schneider ist eine beeindruckende Dame. Trotz ihres hohen Alters zieht sie immer noch die Blicke der Herren auf sich. Ihr gefällt diese Aufmerksamkeit, doch sie ist nicht in Eile, mit Gegenliebe zu reagieren. Nach Jahren als Witwe hat sie sich daran gewöhnt, allein zu leben und findet daran sogar Gefallen mehr freie Zeit, weniger Verpflichtungen.

Ach Brunhilde, warum bist du immer allein!, seufzt ihre Nachbarin und Freundin Edeltraud Müller. Du hast ja nicht mal einen Kater! Stirbst du, merkt es keiner!

Und du dann?, wundert sich Brunhilde Schneider über die ‘Fürsorge’. Wir sehen uns doch jeden Tag! Wenn du mich nicht siehst, bin ich wohl gestorben! Dann weißt du es. Und du hast auch meinen Wohnungsschlüssel, falls was ist.

Doch zu Brunhildes großem Leidwesen wird Edeltraud schwer krank. Nach Rücksprache nimmt ihre Familie die alte Dame zu sich. Brunhilde bleibt ganz auf sich allein gestellt.

Mutti, zieh doch zu uns!, lädt ihr ältester Sohn Thomas herzlich ein. Du musst hier nicht so allein sitzen! Bei uns ist immer was los, du siehst öfter die Enkel!

Aber Brunhilde will ihre geliebte Wohnung in Berlin nicht verlassen, auch nicht für die Familie. Sie weiß, dass Thomas’ Wohnung zu klein ist, um ihr ein eigenes Zimmer zu bieten, und sie möchte niemanden stören nicht die Kinder, nicht die Enkel.

Ihr jüngster Sohn Uwe ist bei der Bundeswehr und ständig in verschiedenen Kasernen; ein Umzug zu ihm kommt gar nicht infrage. Nach ein paar Tagen Überlegung besucht Brunhilde das Zoofachgeschäft in der Nähe.

Als sie gerade nach einem pelzigen Gefährten sucht, stößt sie versehentlich mit einem eleganten Herrn zusammen, der Vogelfutter aussucht.

Oh, entschuldigen Sie!, ruft Brunhilde erschrocken.

Aber bitte! Kein Grund sich zu entschuldigen!, beruhigt sie der charmante ältere Herr in trendigem Mantel, blitzblanken Schuhen und altmodischem Hut, während er Brunhilde von Kopf bis Fuß mustert. So einer wundervollen Dame braucht doch gar nichts leid zu tun! Ich war unachtsam. Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Hans-Dieter Liebermann. Der Mann verbeugt sich galant.

Brunhilde Schneider, errötet sie leicht.

Gemeinsam verlassen sie das Geschäft. Brunhilde trägt einen Korb mit ihrem neuen kleinen Kater und Hans-Dieter stützt sie fürsorglich.

Sie haben überraschend viele Gemeinsamkeiten: Beide lieben das Theater, Fernsehserien über starke Frauen, Spaziergänge im Park und Ausflüge ins Grüne.

Wissen Sie, Brunhilde, erzählt Hans-Dieter begeistert, ich habe ein wundervolles Wochenendhaus am Wannsee! Jetzt im Herbst ist dort nicht viel los, aber im Frühjahr Ich würde Sie gerne dorthin einladen!

Das ist aber nett!, freut sich Brunhilde.

Sie vereinbaren, am Wochenende zusammen ins Deutsche Theater zu gehen. Hans-Dieter erscheint mit einem kleinen Strauß frischer Gerbera.

Ich wollte etwas Romantisches bringen, murmelt er verlegen, am liebsten deutsche Wildblumen wie Margeriten, aber die haben sie hier nicht nur die importierten.

Ach, Hans-Dieter, das wäre nicht nötig gewesen!, errötet Brunhilde erneut.

Unter der Woche spazieren sie gemeinsam durch den Volkspark, Hans-Dieter bringt eine Chrysantheme mit. Sie schlendern durch die Alleen, bis sie fast durchgefroren sind, und unterhalten sich ununterbrochen, als kennen sie sich schon ewig.

Das folgende Wochenende: erneut Theater, erneut Gerbera. Unter der Woche Spaziergang und Chrysantheme. So vergeht ein Monat, bis Hans-Dieter sich erkältet.

Brunhildchen, bitte entschuldige, ich kann heute leider nicht mit dir spazieren gehen, ich bin richtig krank!, krächzt er am Telefon.

Oh Gott! Sag mir deine Adresse, ich bring dir meine legendäre Hühnersuppe! Die macht jeden wieder gesund!

Ach, Brunhilde, das wäre zu viel der Mühe! Ich bin wirklich nicht in der Verfassung, Besuch zu empfangen und ich will dich doch nicht anstecken!

Einwände zählt nicht!, erklärt sie entschlossen und macht sich an die Suppe.

Neben der Suppe packt sie ein Glas selbstgemachte Himbeermarmelade ein.

Hans-Dieter empfängt sie im flauschigen Bademantel über gestreifter Pyjama, einen Schal um den Hals gewickelt. Dankbar nimmt er die Leckereien entgegen und bittet sie in die Küche.

Ich habe gerade Wasser für Tee aufgesetzt, aber leider nichts dazu. Ich komme kaum aus dem Haus!, erklärt er.

Kein Problem! Iss lieber die Suppe, solange sie heiß ist!, sagt Brunhilde und beobachtet, wie Hans-Dieter mit großem Appetit ihren Eintopf isst und sie dabei ganz normalen Tee schlürft. Nach der Suppe und Tee mit Himbeermarmelade schläft er ein. Brunhilde deckt ihn liebevoll zu und geht nach Hause.

Hans-Dieter braucht lange zum Gesundwerden. Jeden Tag bringt Brunhilde ihm Suppe und etwas zum Tee. Er nimmt alles dankend und entschuldigt sich, dass er nichts zum Bewirten hat.

Wenn ich wieder fit bin, Brunhildchen, schmeiße ich ein großes Fest für uns!, verspricht er voller Elan und drückt ihre Hand.

Endlich ist Hans-Dieter wieder gesund. Er lädt Brunhilde sofort ins Theater ein wie immer mit einem Sträußchen Gerbera und beide genießen die Vorstellung. Brunhilde hofft, dass alles wieder wie vorher wird. Doch Hans-Dieter seufzt.

Weißt du, Brunhildchen, ich bin nicht mehr der Jüngste und stecke Erkältungen schlecht weg. Wenn ich weiter so unterwegs bin, liege ich wahrscheinlich ständig flach! Es ist ja jetzt Winter.

Vielleicht kommst du stattdessen zu mir?, schlägt Brunhilde zögernd vor.

Das ist mir irgendwie unangenehm, murmelt Hans-Dieter.

Ach was, das ist ganz normal.

Einige Monate später merkt Brunhilde, dass sie immer erschöpfter ist. Hans-Dieter kommt fast täglich und sie gibt sich Mühe, ihn köstlich zu bekochen. Sie weiß, wie schwer es für einen alleinstehenden Mann ist, sich so gut zu ernähren wie verheiratete und verwöhnte Herren also will sie ihm etwas gönnen.

Hans-Dieter schlemmt ihre Apfelkuchen, ihre Suppen, ihre Frikadellen, nimmt auch gerne mal einen Behälter zum Mitnehmen aber mit Gegenleistungen tut er sich schwer. Blumen gibt es nur noch selten, und statt feiner Pralinen zum Tee steht auf einmal billiges Supermarktgebäck auf dem Tisch.

Brunhilde merkt, dass er sie ausnutzt. Gleichzeitig schämt sie sich für ihre kleinen Erwartungen. Vielleicht begreift er wirklich nicht, dass man bei einer Dame auch mal nicht mit leeren Händen auftauchen sollte? Und wie sagt man das, ohne dass es peinlich wird?

Nur der Gedanke an das Wochenendhaus beruhigt sie Hans-Dieter wartet sehnsüchtig auf den Frühling, um Brunhilde endlich dorthin einzuladen.

Warte ab, Brunhildchen! Es wird dir gefallen frische Luft, Vogelgezwitscher, Natur pur!

Endlich kommt der Frühling. An einem Abend, als Hans-Dieter nach einer deftigen Suppe und süßem Kuchen halb liegend auf Brunhildes Sofa entspannt, eröffnet er ihr, dass es am kommenden Wochenende zum Wochenendhaus geht.

Na endlich!, atmet Brunhilde erleichtert auf.

Am frühen Samstagmorgen kleidet sich Brunhilde schick feiner Hosenanzug, große Hutkrempe und erwartet Hans-Dieter. Er mustert sie seltsam, sagt aber nichts. Er selbst erscheint im Blaumann, Gummistiefeln und altem Anglerhut.

Die Fahrt dauert lange. Endlich erreicht der Wagen die Gartenkolonie. Brunhilde sieht voller Verwunderung den schiefen Zaun, schwächliche Obstbäumchen und eine windschiefe Holzlaube.

Was ist das?, fragt sie ungläubig.

Das ist mein Wochenendhaus!, antwortet Hans-Dieter stolz. Du kannst dich im Schuppen umziehen und dir eine Schaufel aussuchen!

Eine Schaufel?!, Brunhilde ist entsetzt. Warum bin ich hierher gefahren?

Wieso? Dafür fährt man doch zum Garten zum Umgraben! Erst das Beet, dann wird gepflanzt, und im Herbst teilen wir die Ernte!

Brunhilde dreht sich zu Hans-Dieter und beginnt laut zu lachen sie lacht tränenreich, herzlich und befreit.

Nein danke, Hans-Dieter, ich fahre nach Hause! Es reicht, dass du den Winter bei mir abgesessen hast! Und deinen Garten mach ich garantiert nicht! Lachend macht sie sich auf den Weg zur Bushaltestelle.

Soll ich dich etwa einfach so ins Wochenendhaus kutschieren?, ruft Hans-Dieter ihr hinterher. Was für Frauen heute! Ich hab sie ins Theater eingeladen, auf Spaziergänge, will sogar die Ernte teilen Alles umsonst, oder was?

Zu Hause angekommen, macht sich Brunhilde einen großen Becher Tee und holt das restliche Himbeermarmelade vom letzten Jahr hervor. Prompt springt ihr riesiger, flauschiger Kater Fritz auf den Schoß und schnurrt laut.

Siehst du, Fritz, streichelt Brunhilde den Kater, in meinem Alter ist ein Kater die beste Gesellschaft, die es gibt!Fritz blinzelt sie klug an und stößt sein Köpfchen gegen ihre Hand. Brunhilde lächelt und lehnt sich im Sessel zurück. Während draußen der Frühling erwacht, summt sie eine Melodie, die sie von früher kennt. Nachdenklich sieht sie aus dem Fenster auf die Kastanienallee, wo die ersten Knospen sprießen. Sie spürt, wie leicht ihr Herz geworden ist, ganz frei und voller neuen Lebens.

Am Nachmittag klingelt das Telefon es ist Edeltraud, die inzwischen wieder etwas gesundet ist. Brunhilde, erzähl! Wie wars im Wochenendhaus?

Brunhilde lacht so herzlich, dass ihre Freundin das Lachen sofort ansteckt. Ach, Edeltraud, ich sage dir: Das Beste am Tag war Fritz auf meinem Schoß. Und das Himbeermarmelade.

So sitzen Brunhilde und Fritz da, während die Sonne sich durch die Wolken schiebt. In ihrem Herzen weiß sie: Das Leben ist herrlich solange man weiß, wann man die Gartenschaufel beiseitelegt und den Becher Tee einfach genießt.

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Homy
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Die Gartenfreundin Zäzilie Timofeew war eine beeindruckende Dame, die auch im fortgeschrittenen Alter noch die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zog. Das schmeichelte ihr, doch auf eine neue Beziehung ließ sie sich nicht ein – sie genoss ihre Unabhängigkeit nach all den Jahren als Witwe. Mehr Zeit für sich, weniger Sorgen. „Zäzilie, warum bist du denn immer allein? Nicht mal eine Katze hast du!“, seufzte Nachbarin und Freundin Annemarie Nikolajevna. „Stirbst du eines Tages, weiß es niemand!“ „Aber du doch!“, entgegnete Zäzilie schmunzelnd. „Wir sehen uns jeden Tag – wenn nicht, bist du einfach in meiner Wohnung, Schlüssel hast du ja!“ Doch als Annemarie schwer erkrankte, holten ihre Kinder sie zu sich. Zäzilie war plötzlich ganz allein. „Mama, zieh doch zu uns!“, bat der ältere Sohn. „Hier kümmern wir uns um dich und die Enkel würden sich freuen!“ Doch Zäzilie wollte ihre geliebte Wohnung nicht verlassen, selbst für die Familie. Sie wusste, dort gäbe es wenig Platz und wollte niemandem zur Last fallen. Der jüngere Sohn, Berufssoldat, war oft außer Haus – ein Umzug zu ihm war ausgeschlossen. Also ging Zäzilie kurzerhand in die Tierhandlung. Während sie dort nach einem pelzigen Begleiter ausschaute, stieß sie auf einen Herrn, der Vogelfutter kaufte. „Oh, Entschuldigung!“ rief Zäzilie verlegen. „Ach was, das macht doch nichts!“, antwortete der modisch gekleidete ältere Herr im schicken Mantel – Mark Anton. Er stellte sich galant vor und begleitete Zäzilie mit ihrer neuen Katze am Arm zum Ausgang. Es stellte sich heraus, dass sie viel gemeinsam hatten: Sie liebten Theater, Serien über starke Frauen und Spaziergänge im Park. „Wissen Sie, ich habe eine wunderbare Schrebergartenparzelle!“, schwärmte Mark Anton. „Jetzt im Herbst ist zwar wenig los, aber im Frühling – vielleicht möchten Sie mal mitkommen?“ Zäzilie war begeistert. Sie verabredeten sich fürs Theater, Mark Anton erschien mit einem Strauß Gerbera. Sie spazierten im Park, er brachte Chrysanthemen mit. Sie verstanden sich blendend! So verging fast ein Monat mit Theaterbesuchen und Parkspaziergängen, bis Mark Anton sich erkältete. „Zäzilie, entschuldigen Sie, ich kann heute nicht kommen – bin krank!“ „Kein Problem!“, sagte Zäzilie entschlossen. Sie kochte ihr berühmtes Hühnersüppchen, brachte Marmelade vorbei, und pflegte Mark Anton – der sich dankbar zeigte. Doch als Mark wieder gesund war, wurden die Blumen seltener und zum Tee gab es öfter günstige Kekse. Zäzilie merkte, dass Mark vor allem ihre Kochkünste genoss – von Gegenseitigkeit war wenig zu spüren. Einzig die Aussicht auf den Frühling und die Einladung zur Gartenparzelle tröstete sie: „Wart’s ab, Zäzilie, dir wird’s gefallen – frische Luft, Vogelgesang, pure Schönheit!“ Endlich kam der Tag des Ausflugs. Zäzilie zog ihren schicken Hosenanzug und eine große Sonnenhut an, Mark erschien in Arbeitsklamotten, Gummistiefeln und alter Angelmütze. Nach langer Fahrt standen sie vor einem verwilderten Zaun, dahinter einige mickrige Obstbäume und eine windschiefe Gartenhütte. „Was ist das?“, fragte Zäzilie perplex. „Meine Schrebergarten-Parzelle!“, verkündete Mark stolz. „Du kannst dich im Schuppen umziehen – und dir eine Schaufel aussuchen!“ „Wieso Schaufel?“, rief Zäzilie entrüstet. „Warum hast du mich überhaupt hierher gebracht?“ „Na, um den Garten umzugraben! Wofür geht man sonst auf die Parzelle? Im Herbst ernte ich und teile mit dir!“ Zäzilie brach in schallendes Gelächter aus. „Danke, Mark Anton, aber ich fahre zurück! Die ganze Winterzeit hast du ohnehin von meinen Kochkünsten gelebt – für deinen Garten reiche ich nicht mehr!“ Mark rief ihr nach: „Soll ich dich etwa einfach nur so auf meine Parzelle einladen? Ich geb dir Theater, Spaziergänge, sogar Ernte… und das alles gratis? Was für Frauen heutzutage!“ Zurück in ihrer Wohnung, kochte Zäzilie sich einen großen Tee, holte das letzte Glas Himbeermarmelade hervor und schmiegte sich an ihren Kater, Baris. „So ist’s recht, Baris“, seufzte sie und strich ihm über’s Fell, „in meinem Alter ist es besser, die Freundschaft mit einer Katze zu genießen!“
Seniorin Kämpft, Um Sich Aufzuraffen und Mit einer Schüssel Brot in Den Garten Zu Gehen.