Meine Schwägerin war während unserer Renovierungsarbeiten im Urlaub in einem Wellnesshotel und nun möchte sie selbstverständlich in einer komfortablen Umgebung wohnen.
Ich hatte ihr damals vorgeschlagen, dass wir gemeinsam die Renovierungskosten teilen könnten, aber sie lehnte entschieden ab. Jetzt aber verlangt sie, bei uns zu wohnen, weil ihre Hälfte des Hauses kaum bewohnbar ist. Es liegt also einzig an ihren eigenen Entscheidungen!
Das Haus stammte ursprünglich von der Großmutter meines Mannes. Nach deren Tod erbten mein Mann und seine Schwester das Haus. Es war schon in die Jahre gekommen, aber wir entschieden uns dafür, das Haus zu renovieren und dort einzuziehen. Es gab zwei separate Eingänge, sodass zwei Familien problemlos dort wohnen konnten, ohne sich in die Quere zu kommen. Der Vorgarten und Garten waren zwar gemeinsam, aber beide Haushälften verfügten über dieselbe Anzahl an Zimmern.
Die Aufteilung des Erbes fand statt, als ich und mein Mann schon verheiratet waren. Alles verlief friedlich. Meine Schwiegermutter wollte das Haus nicht haben sie war an das Stadtleben gewöhnt. Sie sagte zu ihren Kindern: Macht damit, was ihr wollt.
Mein Mann reparierte zusammen mit dem Ehemann meiner Schwägerin das Dach und verstärkte die Fundamente. Weiter renovieren wollten wir gemeinsam, aber meine Schwägerin weigerte sich. Sie nannte das Haus eine Bruchbude, in die sie keinen Cent investieren wolle. Ihr Mann fügte sich, um Streit zu vermeiden.
Für mich und meinen Mann war klar, dass wir einziehen würden. Das Dorf lag unweit von München und wir hatten ein Auto Pendeln war also kein Problem. Außerdem hatten wir genug von unserer Einzimmerwohnung. Wir träumten schon lange von unserem eigenen kleinen Haus, aber einen kompletten Neubau hätten wir uns nicht leisten können.
Für meine Schwägerin war das Haus nur ein Feriendomizil. Sie wollte im Sommer kommen, grillen oder entspannen. Sie hat uns gleich gesagt, dass wir darauf nicht bauen sollten.
Innerhalb von vier Jahren haben wir unsere Hausseite komplett renoviert. Natürlich brauchten wir dafür einen Kredit, aber das war nebensächlich. Wir bauten ein Bad, installierten eine Heizung, erneuerten die Elektrik und tauschten die Fenster. Die Arbeit nahm kein Ende, aber wir hielten durch unser Traum sollte real werden.
Meine Schwägerin war fast immer unterwegs Sylt, die Alpen, Spanien. Sie kümmerte sich nicht darum, was aus ihrer Haushälfte wurde. Sie lebte für den Moment, für das Vergnügen. Dann wurde sie Mutter und blieb in Elternzeit.
Auf einmal waren die Reisen vorbei und das Geld knapper. Plötzlich fiel ihr wieder die geerbte Haushälfte ein. Mit Kleinkind wurde es zu eng in ihrer Stadtwohnung auf dem Land könnten sie ja hinaus ins Grüne.
Wir lebten zu der Zeit längst im Haus und hatten unsere Wohnung in München vermietet. An ihrer Hälfte hatten wir gar nichts verändert, aber sie war über die Jahre völlig heruntergekommen. Ohne Heizung war es selbst im Sommer nur schwer auszuhalten, und doch kam sie für einen Monat mit Koffer angereist. Sie bat, eine Woche bei uns zu bleiben ich ließ sie herein.
Ihr Sohn war laut und lebhaft, genauso wie seine Mutter, die sich nur nach ihren eigenen Wünschen richtete. Rücksicht nahm sie keine. Ich arbeite im Homeoffice die Unruhe störte mich enorm. Deshalb zog ich für eine Weile zu einer Freundin, die gerade verreist war und froh war, dass jemand auf das Haus aufpasste.
Fast einen Monat später kam ich erst zurück. Zwischenzeitlich musste ich auch meine eigene Mutter pflegen, die krank geworden war. Ehrlich gesagt, hatte ich meine Schwägerin schon vergessen ich war überzeugt, sie sei längst zurück in die Stadt gezogen.
Doch ich staunte nicht schlecht: Sie lebte immer noch bei uns und benahm sich, als gehöre ihr alles. Ich fragte, wann sie zu gedenken habe, auszuziehen.
Wohin soll ich denn mit einem kleinen Kind? Uns geht es hier doch gut, antwortete sie.
Morgen fahren wir dich zurück in die Stadt, sagte ich.
Ich habe keine Lust.
Wenn du nicht einmal die Zeit gefunden hast, hier sauberzumachen, dann geh bitte zurück. Hier ist kein Hotel.
Warum schmeißt du mich raus? Das ist auch mein Haus!
Deins ist hinter der Wand geh dorthin.
Sie probierte, ihren Mann auf ihre Seite zu ziehen, doch der meinte auch nur, dass sie schon viel zu lange bei uns wohne. Sie war beleidigt und zog schließlich ab. Keine zwei Stunden später rief auch schon meine Schwiegermutter an:
Du kannst sie doch nicht vor die Tür setzen, das ist auch ihr Eigentum!
Sie hätte in ihrer Hälfte bleiben können, da ist sie Herrin im Haus, entgegnete mein Mann.
Wie soll man denn da wohnen, mit Kind, ohne Heizung, Plumpsklo im Garten? Du hättest dich um deine Schwester kümmern können.
Mein Mann platzte fast vor Zorn und erklärte alles: Schon früher hätten wir vorgeschlagen, gemeinsam zu renovieren für alle wäre es günstiger gewesen. Doch seine Schwester hatte abgelehnt. Warum also müssten jetzt wir die Konsequenzen tragen?
Wir schlugen seiner Schwester vor, ihren Anteil an meine Mutter zu verkaufen. Sie war einverstanden, setzte aber einen Preis an, für den wir ein ganzes, top-renoviertes Haus hätten kaufen können. Das Angebot schlugen wir aus.
Seitdem gibt es dauernden Streit. Meine Schwiegermutter ist ständig beleidigt, und meine Schwägerin nennen wir sie Frieda macht uns das Leben schwer. Sie besucht uns kaum, aber wenn, veranstaltet sie lärmende Feiern und benimmt sich unmöglich.
Wir haben nun angefangen, einen Zaun zu bauen, um die Grundstücke endgültig zu trennen. Kompromisse machen wir keine mehr offenbar war das genau das, was Frieda eigentlich wollte.
Letztlich habe ich gelernt: Rücksicht und gute Absicht sollten nicht unbegrenzt ausgenutzt werden. Jeder ist für die Konsequenzen seiner Entscheidungen selbst verantwortlich und wer nicht bereit ist, gemeinsam zu handeln, darf von anderen keine Wunder erwarten.





