Schatz, könntest du mich nach Hause fahren? Nach einem langen Arbeitstag hoffte Jutta verzweifelt, die vierzigminütige Busfahrt zu vermeiden.
Liebling, könntest du mich von der Arbeit abholen? Jutta rief ihren Mann an, betend, sie müsste nicht in dem ratternden Bus sitzen.
Bin beschäftigt, knurrte er kurz. Im Hintergrund lief der Fernseher also war Klaus definitiv zu Hause.
Es schnürte ihr die Kehle zu. Ihre Ehe stand am Abgrund, dabei hatte er sie vor einem halben Jahr noch auf Händen getragen. Was hatte sich so schnell geändert? Jutta verstand es nicht.
Sie kümmerte sich um ihre Figur, verbrachte Stunden im Fitnessstudio. Sie kochte hervorragend kein Wunder, arbeitete sie doch in einem beliebten Restaurant. Nie verlangte sie Geld, machte keine Szene, erfüllte ihm jeden Wunsch
Du wirst ihm bald langweilig werden, warnte die Mutter, während sie Juttas Klagen anhörte. Man kann einem Mann nicht immer nach dem Mund reden.
Ich liebe ihn einfach, flüsterte Jutta hilflos. Und er liebt mich
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Trotzdem bin ich ihm langweilig geworden. Jutta biss sich auf die Lippe, während sie durch den Browserverlauf scrollte. Klaus verbrachte seine gesamte Freizeit auf Dating-Plattformen, schrieb gleichzeitig mit mehreren Frauen. Warum konnte er nicht einfach mit mir reden? Ich hätte es verstanden. Warum quält er sich mit einer Frau, die er nicht liebt?
Also, Scheidung. Sie war stark, sie würde überleben. Aber so einfach würde sie ihn nicht ziehen lassen. Eine kleine Rache hatte er verdient
Noch am selben Abend meldete sie sich auf derselben Seite an, fand ihn und schrieb ihm. Ihr Profilbild stahl sie aus dem Internet, bearbeitete es leicht und wusste, er würde anbeißen. Und er biss an.
Es folgte eine stürmische Nachrichtenflut. Klaus beteuerte, er sei unverheiratet, bereit für ernsthafte Beziehungen und Kinder. Er lobte seinen eigenen Charakter in den höchsten Tönen, was Jutta Tränen ins Gesicht trieb. Sie wusste schließlich, wie schwer er zu ertragen war.
Lass uns treffen, schrieb sie und hielt den Atem an.
Klar!, antwortete er binnen Sekunden. Aber meine Schwester wohnt gerade bei mir, lernt für Prüfungen. Also neutraler Ort, und dann Hotel?
Wirklich?, schnappte Jutta nach Luft. Denkst du, jede Frau springt sofort mit dir ins Bett? Jeder Normale wäre beleidigt! Aber ihr kam es gelegen.
Oder bei mir? Ich wohne allein außerhalb. Keine Störungen, schrieb sie, unsicher, ob er zustimmen würde.
Perfekt!, jubelte Klaus. Vermutlich, weil er kein Geld ausgeben musste. Adress und Uhrzeit?
Musterstraße 25, zehn Uhr abends. Passt?
Klar! Ich komme wie auf Flügeln der Liebe.
Um neun tat Klaus plötzlich, als rufe die Arbeit. Er suchte verzweifelt nach seinen Autoschlüsseln. Hast du sie gesehen?
Lagen auf der Kommode, sagte Jutta unschuldig, während sie die Schlüssel in ihrer Tasche umklammerte. Vielleicht hat die Katze sie?
Sie wartete nicht auf ihn. Wozu? Die Zeit nutzte sie sinnvoll sie packte ihre Sachen. Glücklicherweise besaß sie eine eigene Wohnung, geerbt von der Oma. Einzig der Scheidungsantrag lag sichtbar auf dem Tisch.
Klaus kam erst am Morgen zurück, wütend wie nie. Nicht nur, dass die Fahrt ewig gedauert hatte die attraktive Angelika von der Datingseite war nicht da.
Die Adresse stimmte, das Haus auch. Aber statt des Models öffnete ihm eine Frau, dreimal so groß wie er, halb transparent bekleidet. Er hätte alles dafür gegeben, dieses Bild zu vergessen.
Er entkam nur knapp! Wieder musste er ein Taxi rufen, das ewig auf sich warten ließ. Der Fahrer war seltsam, fuhr ihn erst einmal in die Irre Eine tolle Nacht.
Erst als er die Wohnung betrat und den Scheidungsantrag sah, begriff er, wer hinter alldem steckte. Daneben stand, mit Lippenstift geschrieben: *Dieses süße Rache*



