Mit klopfendem Herzen klopfte sie an die Tür – Stille war die einzige Antwort. Mit klopfendem Herzen klopfte Nijole an die Tür. Als sie keine Antwort erhielt, zog sie zögernd den Schlüssel aus ihrer Handtasche und schloss auf… Mein Gott, wie lange war sie nicht mehr hier gewesen! Alles war wie früher, nichts hatte sich verändert in diesem einst so vertrauten und geliebten Haus, und doch wirkte jetzt alles kalt und fremd. Fast ein Jahr war nach dem Streit mit Maxim vergangen. Früher hatten sie sich auch manchmal gestritten. Nijole nahm dann ihre kleine Tochter Sauli und ging unter Tränen zu ihrer Mutter. Meistens suchte Maxim sie am nächsten Tag schon versöhnlich wieder auf. Das Leben normalisierte sich, und der Frieden brachte sogar eine gewisse Frische in ihre Beziehung. Doch beim letzten Mal war alles anders… Nijole schob die Erinnerungen beiseite und ging entschlossen zum Schrank, um die benötigten Dokumente zu finden. Die Papiere lagen dort, sorgfältig von ihr selbst abgeheftet. Seit zwei Monaten war da ein junger Mann, der schon lange in sie verliebt war und nun intensiv um sie warb. Zwischen ihnen war noch nichts geschehen, aber letzte Woche hatte er offiziell um ihre Hand angehalten. Seitdem konnte Nijole kaum schlafen, etwas drückte auf ihr Herz, sie konnte keine Entscheidung treffen. Zuerst hatte sie geglaubt, das Missverständnis mit Maxim würde sich noch klären. Er würde wie immer an die Tür klopfen, ihr tief in die Seele sehen und sagen: „Ich habe dich so vermisst!“ Aber die Tage gingen dahin, die Monate verstrichen, und im Leben änderte sich nichts. Sie sah Maxim selten, er wurde immer kühler und distanzierter, eine Kluft entstand zwischen ihnen. Er kam nur noch wegen Sauli, nahm wortlos das Mädchen an die Hand und führte sie zu sich. Später brachte er sie still zurück. Sauli erzählte fröhlich, stolz auf die Geschenke ihres Vaters – sie drehte sich vor dem Spiegel in einem neuen Kleid oder zeigte neue Schuhe. Und Nijole erinnerte sich daran, wie Maxim’s Augen leuchteten, wenn er ihr früher etwas schenkte. Doch jetzt schaute er sie nicht einmal mehr an, sie fühlten sich unwohl miteinander, und sie zog sich eilig in ihr Zimmer zurück. Ihre Mutter, die sich um Maxim wenig Sorgen machte, sagte oft: „Was Gott gibt, ist immer das Beste.“ Allmählich begann auch Nijole, daran zu glauben. Tief durchatmend, warf Nijole einen letzten Blick durchs Zimmer und … erschrak: Auf dem Sofa schlief Maxim. Offenbar nach seiner Arbeitsschicht. Ihr erster Impuls war, schnell wieder zu gehen, aber etwas hielt sie zurück. Jedes Merkmal seines Gesichts war ihr schmerzlich vertraut, das müde Gesicht, der Bartschatten, die dunklen Ringe unter den Augen… Nijole setzte sich langsam neben ihn. Was wusste sie eigentlich von diesem Mann, mit dem sie so lange Seite an Seite gelebt hatte? Welche Gedanken verbargen sich hinter dieser gerunzelten Stirn? Vor ihrem inneren Auge erschien plötzlich Maxims junges Gesicht: Die reinen, jungenhaften Augen, das offene, warme Lächeln… Es war immer dieses Lächeln gewesen, das ihre Seele auf den Kopf gestellt hatte, damals hatte sie sich verliebt. War es möglich, dass dieser lächelnde Junge und der erschöpfte Mann ein und derselbe waren? Und doch war das alles gar nicht so lange her. Das strahlende Lächeln stand ihr wieder ganz deutlich vor Augen, so lebendig, als mache es ihr, Nijole, einen Vorwurf… Gott, wo war das alles geblieben? Sie blickte sich hilflos um, als suche sie den Schuldigen für ihr zerstörtes Leben. Ihr Herz schnürte sich zusammen, pochte, füllte sich mit schwermütigen Erinnerungen. Ihre einst so gemütliche, märchenhafte Welt war langsam überflutet worden von kleinen Vorwürfen, Kränkungen, Tränen und der Verzweiflung des Nichtverstehens. Der immerzu erschöpfte Maxim, der in drei Jobs arbeitete, um sie und Sauli zu versorgen und unabhängig zu bleiben… Nijole hatte genug Zeit, über alles nachzudenken und zu begreifen, dass es ihr einfach an Geduld, weiblicher Flexibilität und Weisheit gefehlt hatte… Dabei waren sie irgendwann einmal unendlich glücklich gewesen. Und das war keine Einbildung einer überreizten Fantasie. Nijole sprang auf, sie wollte sich das unbedingt beweisen. Ihr Blick fiel auf Maxims Hand, die auf… ihrem Hochzeitsalbum lag, auf dem Foto, das sie beide strahlend glücklich zeigte… Ihre Hand zitterte, und die Fotos glitten leise auf den Boden. Als sie sich umsah, erstarrte sie… Maxim blickte sie an. – Nijole, du bist zurückgekommen? – Seine Augen leuchteten vor Freude, und Nijole wurde bei dem Gedanken fast übel, dass sie vor einer halben Stunde vielleicht für immer gegangen wäre…

Mit einem nervösen Herzklopfen klopfte sie an die Tür. Die Stille antwortete zurück.
Mit zitternden Händen klopfte Friederike an die Tür. Nichts kein Laut war zu hören. Zögerlich kramte sie ihren Schlüssel aus der Handtasche und schob ihn ins Schloss Mein Gott, wie lange war sie nicht mehr hier gewesen! Alles sah genauso aus wie damals; nichts hatte sich verändert in diesem einst so warmen und geliebten Haus. Nur war jetzt alles kalt und fremd.
Fast ein Jahr war vergangen seit dem Streit mit Maximilian. Natürlich, Zoff hatten sie früher auch schon mal. Oft hatte Friederike in Tränen aufgelöst ihre Tochter Liesel mitgenommen und war zur Mutter nach Augsburg gefahren. Meistens stand Maximilian schon am nächsten Tag reumütig vor der Tür, weil er sie vermisste. Dann war die Welt schnell wieder in Ordnung, und der Frieden brachte sogar eine prickelnde Aufregung in den Ehealltag. Doch das letzte Mal war alles anders
Mit einem kräftigen Kopfschütteln verscheuchte Friederike die Erinnerungen und stapfte schnurstracks zum Wandschrank, wo irgendwo die wichtigen Unterlagen liegen mussten. Die Papiere waren noch immer ordentlich, von ihr selbst in einen blauen Ordner gepackt unangetastet. Seit zwei Monaten bemühte sich ein junger Mann, Jonas, der schon seit Ewigkeiten in Friederike verknallt war, besonders eifrig um sie. Bislang war noch nichts passiert, aber letzte Woche bat er ganz offiziell um ihre Hand.
Und die ganze letzte Woche lag Friederike schlaflos im Bett. Irgendetwas schnürte ihr das Herz zu, sie konnte sich einfach nicht entscheiden. Anfangs hatte sie gehofft, der Streit mit Maximilian würde sich wieder legen. Er würde wie früher an die Tür klopfen, sie durchdringend anschauen und sagen: Was hab ich dich vermisst!
Aber die Tage gingen ins Land, die Monate schlichen dahin und nichts änderte sich. Sie sah Maximilian kaum noch; er war kalt und distanziert geworden, eine unsichtbare Kluft trennte sie. Wenn überhaupt, kam er nur, um Liesel abzuholen. Schweigend nahm er ihre kleine Hand, ging mit ihr zum Spielplatz oder zum Bäcker, brachte sie später wortlos zurück. Liesel plapperte fröhlich drauflos, stolzierte mit der neuen Jacke oder den schicken Schuhen, die Papa mitgebracht hatte, vor dem Spiegel herum und schwärmte von Geschenken. Friederike ertappte sich dabei, wie sie daran dachte, wie Maximilians Augen früher geleuchtet hatten, wenn er ihr ein Geschenk überreichte. Jetzt schaute er sie kaum noch an; es war fast unangenehm, zusammen im Zimmer zu sein, und Friederike flüchtete meistens schnell in ihr eigenes Schlafzimmer. Ihre Mutter, die nie viel von Maximilian hielt, wiederholte immer gelassen: Was der Herrgott schickt, ist das Beste. Allmählich begann auch Friederike, daran zu glauben.
Sie holte tiefer Luft, sah sich mit einem Abschiedsblick im Zimmer um und fuhr erschrocken zusammen: Auf dem Sofa schlief Maximilian, offenbar nach der Nachtschicht. Ihr erster Impuls war, schnell wieder zu verschwinden. Doch etwas hielt sie fest, zwang sie, zurückzubleiben. Sie kannte jede Falte in seinem Gesicht, das Bartstoppeln, die dunklen Schatten unter den Augen, schmerzhaft vertraut Friederike setzte sich langsam neben ihn. Was wusste sie eigentlich noch über diesen Mann, mit dem sie jahrelang zusammengelebt hatte? Was dachte er, wenn er so finster vor sich hin starrte? Vor ihrem inneren Auge tauchte sein Gesicht von früher auf: reine, junge Augen, ein leuchtendes Lächeln Dieses Lächeln hatte damals ihr Herz auf den Kopf gestellt. Konnte wirklich dieser vor Lebensmüdigkeit gezeichnete Mann und der strahlende, junge Kerl ein und dieselbe Person sein? Und selbst damals war es doch gar nicht so lange her. Das Lächeln wurde wieder so lebendig, so echt fast wie ein Vorwurf, direkt an sie, Friederike
Herrje, wie war das alles verloren gegangen? Hilflos sah sie sich im Zimmer nach einem Schuldigen um irgendwo musste er doch sein, für ihr ganzes Schlamassel! Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen, schwoll an unter lauter schweren Erinnerungen. Aus ihrer einstigen Märchenwelt war nach und nach eine traurige Einöde voll kleiner Streitereien, Tränen und hilflosem Unverständnis geworden. Ein ewig erschöpfter Maximilian, der in drei Jobs schuftete, um sie und Liesel durchzubringen, damit sie bloß auf niemanden angewiesen sein mussten Friederike war es langsam klar geworden: Ihr hatte es einfach an Geduld, an weiblicher Nachsicht und an Klugheit gemangelt
Und dabei waren sie doch einmal wahnsinnig glücklich. Nein, das war kein Hirngespinst einer sentimental gewordenen Frau. Friederike stand abrupt auf sie musste es sich selbst beweisen! Ihr Blick fiel auf Maximilians Hand, die ausgestreckt auf wie passend ihrem gemeinsamen Hochzeitsalbum lag, auf ein Foto, auf dem sie einfach zum Umfallen glücklich waren
Ihr Hand zuckte, und die Fotos fielen mit leisem Rascheln auf den Teppich. Sie blickte sich gehetzt um da öffnete Maximilian die Augen.
Friederike, du bist zurück? Seine Augen glänzten, und Friederike wurde plötzlich ganz bang bei dem Gedanken, dass sie vor einer halben Stunde vielleicht für immer gegangen wäreIhre Stimme stockte, als er sie ansah, unsicher, zerbrechlich, und zum ersten Mal seit langer Zeit ohne jede Abwehr. Sie nickte nur stumm. Ein paar Herzschläge lag Schweigen über ihnen, schwer und voller Dinge, die niemals ausgesprochen worden waren.
Maximilian setzte sich auf, fuhr sich fahrig durchs Haar, als würde er versuchen, einen winzigen Rest von Fassung zu bewahren. Friederikes Blick glitt zu seinen Händen, grob und doch entschlossen, und sie spürte, dass gerade irgendetwas an ihr zog, schwer und unausweichlich.
“Liesel vermisst dich oft”, sagte er leise.
Sie schloss einen Moment die Augen. Es war das erste Mal seit Monaten, dass er ihren Namen so weich aussprach. “Ich… ich weiß,” flüsterte sie. Dann, tapferer: “Und ich vermisse alles. Dich. Uns.”
Der luftleere Raum atmete leise aufund mit ihm das alte Leben, das noch nicht ganz aus ihnen gewichen war. Sie betrachteten sich wie Fremde mit alten Erinnerungen im Gepäck. Und doch klang in ihm eine Hoffnung, die sie beide schon verloren wähnten.
“Damals,” begann Maximilian, “habe ich dich so sehr gebraucht. Aber ich wusste nicht, wie ich das zeigen soll.”
Eine Träne lief Friederike über die Wange. Sie lachte leise ein unsicheres, zittriges Lachen, das trotzdem hell klang. “Du warst immer schon zu stolz, Max.”
Er lächelte traurig. “Und du hast immer auf eine Umarmung beim Losgehen bestanden.”
Sie schob vorsichtig ihre Hand über die Sofalehne und legte sie auf seine. Sekunden blieben sie so zaghaft, auf der Grenze zwischen Vergangenheit und dem, was möglich war.
“Vielleicht”, sagte Friederike schließlich, sanft und vorsichtig, “könnten wir es langsam noch mal versuchen. Nicht für damals sondern für heute.” Ihre Stimme brach fast, aber sie fühlte sich plötzlich leicht.
Maximilian schloss ihre Hand, und in seinem Gesicht zuckte ein Schatten eines alten, geliebten Lächelns. “Aber nur, wenn du versprichst, wieder zu singen beim Abwasch,” murmelte er.
Sie lachte durch Tränen, voller Erleichterung. In diesem Moment, in dem der Tag neu zu dämmern schien, wussten sie beide: Sie waren nicht mehr dieselben wie früher aber vielleicht, nur vielleicht, konnten sie so etwas wie Glück neu erfinden.
Und Liesel, die plötzlich im Flur erschien und verwundert fragte: “Mama? Bist du wirklich da?” war das schönste Geschenk, das ihnen diese stille Stunde machen konnte.
Friederike zog ihr Kind an sich und blickte über Lilies dunkle Locken zu Maximilian hinüber. Seine Augen glänzten matt im Morgenlicht, aber irgendwo darin war wieder Wärme. Ihre Finger verschränkten sich um das kleine Händchen ihrer Tochter und die große Hand ihres Mannes. Nichts musste so werden wie früher.
Aber vielleicht, flüsterte das Herz, konnte jetzt alles gut werden auf eine neue, leise Weise. Und nach langer Zeit wieder spürte Friederike: Hier war sie daheim.

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Homy
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Mit klopfendem Herzen klopfte sie an die Tür – Stille war die einzige Antwort. Mit klopfendem Herzen klopfte Nijole an die Tür. Als sie keine Antwort erhielt, zog sie zögernd den Schlüssel aus ihrer Handtasche und schloss auf… Mein Gott, wie lange war sie nicht mehr hier gewesen! Alles war wie früher, nichts hatte sich verändert in diesem einst so vertrauten und geliebten Haus, und doch wirkte jetzt alles kalt und fremd. Fast ein Jahr war nach dem Streit mit Maxim vergangen. Früher hatten sie sich auch manchmal gestritten. Nijole nahm dann ihre kleine Tochter Sauli und ging unter Tränen zu ihrer Mutter. Meistens suchte Maxim sie am nächsten Tag schon versöhnlich wieder auf. Das Leben normalisierte sich, und der Frieden brachte sogar eine gewisse Frische in ihre Beziehung. Doch beim letzten Mal war alles anders… Nijole schob die Erinnerungen beiseite und ging entschlossen zum Schrank, um die benötigten Dokumente zu finden. Die Papiere lagen dort, sorgfältig von ihr selbst abgeheftet. Seit zwei Monaten war da ein junger Mann, der schon lange in sie verliebt war und nun intensiv um sie warb. Zwischen ihnen war noch nichts geschehen, aber letzte Woche hatte er offiziell um ihre Hand angehalten. Seitdem konnte Nijole kaum schlafen, etwas drückte auf ihr Herz, sie konnte keine Entscheidung treffen. Zuerst hatte sie geglaubt, das Missverständnis mit Maxim würde sich noch klären. Er würde wie immer an die Tür klopfen, ihr tief in die Seele sehen und sagen: „Ich habe dich so vermisst!“ Aber die Tage gingen dahin, die Monate verstrichen, und im Leben änderte sich nichts. Sie sah Maxim selten, er wurde immer kühler und distanzierter, eine Kluft entstand zwischen ihnen. Er kam nur noch wegen Sauli, nahm wortlos das Mädchen an die Hand und führte sie zu sich. Später brachte er sie still zurück. Sauli erzählte fröhlich, stolz auf die Geschenke ihres Vaters – sie drehte sich vor dem Spiegel in einem neuen Kleid oder zeigte neue Schuhe. Und Nijole erinnerte sich daran, wie Maxim’s Augen leuchteten, wenn er ihr früher etwas schenkte. Doch jetzt schaute er sie nicht einmal mehr an, sie fühlten sich unwohl miteinander, und sie zog sich eilig in ihr Zimmer zurück. Ihre Mutter, die sich um Maxim wenig Sorgen machte, sagte oft: „Was Gott gibt, ist immer das Beste.“ Allmählich begann auch Nijole, daran zu glauben. Tief durchatmend, warf Nijole einen letzten Blick durchs Zimmer und … erschrak: Auf dem Sofa schlief Maxim. Offenbar nach seiner Arbeitsschicht. Ihr erster Impuls war, schnell wieder zu gehen, aber etwas hielt sie zurück. Jedes Merkmal seines Gesichts war ihr schmerzlich vertraut, das müde Gesicht, der Bartschatten, die dunklen Ringe unter den Augen… Nijole setzte sich langsam neben ihn. Was wusste sie eigentlich von diesem Mann, mit dem sie so lange Seite an Seite gelebt hatte? Welche Gedanken verbargen sich hinter dieser gerunzelten Stirn? Vor ihrem inneren Auge erschien plötzlich Maxims junges Gesicht: Die reinen, jungenhaften Augen, das offene, warme Lächeln… Es war immer dieses Lächeln gewesen, das ihre Seele auf den Kopf gestellt hatte, damals hatte sie sich verliebt. War es möglich, dass dieser lächelnde Junge und der erschöpfte Mann ein und derselbe waren? Und doch war das alles gar nicht so lange her. Das strahlende Lächeln stand ihr wieder ganz deutlich vor Augen, so lebendig, als mache es ihr, Nijole, einen Vorwurf… Gott, wo war das alles geblieben? Sie blickte sich hilflos um, als suche sie den Schuldigen für ihr zerstörtes Leben. Ihr Herz schnürte sich zusammen, pochte, füllte sich mit schwermütigen Erinnerungen. Ihre einst so gemütliche, märchenhafte Welt war langsam überflutet worden von kleinen Vorwürfen, Kränkungen, Tränen und der Verzweiflung des Nichtverstehens. Der immerzu erschöpfte Maxim, der in drei Jobs arbeitete, um sie und Sauli zu versorgen und unabhängig zu bleiben… Nijole hatte genug Zeit, über alles nachzudenken und zu begreifen, dass es ihr einfach an Geduld, weiblicher Flexibilität und Weisheit gefehlt hatte… Dabei waren sie irgendwann einmal unendlich glücklich gewesen. Und das war keine Einbildung einer überreizten Fantasie. Nijole sprang auf, sie wollte sich das unbedingt beweisen. Ihr Blick fiel auf Maxims Hand, die auf… ihrem Hochzeitsalbum lag, auf dem Foto, das sie beide strahlend glücklich zeigte… Ihre Hand zitterte, und die Fotos glitten leise auf den Boden. Als sie sich umsah, erstarrte sie… Maxim blickte sie an. – Nijole, du bist zurückgekommen? – Seine Augen leuchteten vor Freude, und Nijole wurde bei dem Gedanken fast übel, dass sie vor einer halben Stunde vielleicht für immer gegangen wäre…
Warum du dein Essen selbst mitbringen solltest? Fünf Jahre lang haben die Schwester und der Bruder meines Mannes mit ihren Familien jedes Weihnachten bei uns gefeiert. Ich habe alles allein gekocht, den Tisch gedeckt, mich um alles gekümmert und danach sauber gemacht. Sie haben einfach nur gefeiert. Letztes Jahr jedoch ist mir die Geduld ausgegangen und ich bin völlig ausgerastet – es war einfach zu anstrengend, körperlich, mental und finanziell. Deshalb habe ich dieses Mal vorgeschlagen, die Verantwortung auf alle zu verteilen. Doch neulich meinte meine Schwiegermutter, sie seien alle nicht mehr die Jüngsten, es sei eine schwere Zeit, und sie wünsche sich wieder ein gemeinsames Fest bei mir. Also habe ich den Bruder und die Schwester meines Mannes angerufen und ihnen erzählt, dass Mama sich ein gemeinsames Fest wünscht. Anfangs waren sie begeistert und meinten, wir sollten auf Mama hören und haben zugestimmt. Als ich ihnen dann mitteilte, dass wir die Gerichte aufteilen, wer was kocht und mitbringt, war die Begeisterung schnell verflogen. Ich bin bereit, die Hauptspeisen und eine Torte zu übernehmen. Sie sollten Salate, Fisch, Fleisch, Käse, Obst und Getränke mitbringen – jeder bringt etwas mit. Sobald ich alles aufgezählt habe, war die Stimmung dahin. Sie sagten, sie hätten keine Zeit zum Kochen, müssten einkaufen gehen und sehen nicht ein, warum sie etwas mitbringen sollten. Lieber würden sie zu Hause feiern. Ich fragte: Und was ist mit Mama? Ihre Antwort: Wir rufen sie einfach an und wünschen ihr alles Gute. Sie wollen weder Arbeit noch Einkäufe teilen. Meiner Schwiegermutter habe ich noch nichts gesagt und weiß nicht, wie ich es ihr erklären soll. Sie wird sehr enttäuscht sein. Was soll ich in dieser Situation tun? Soll ich am Ende doch wieder allein Weihnachten für alle ausrichten?