Weißt du, ich bin jetzt 58 und habe eine Entscheidung getroffen, die mir mehr abverlangt hat, als sich die meisten Leute überhaupt vorstellen können: Ich habe aufgehört, meine Tochter finanziell zu unterstützen. Und das lag nicht daran, dass ich sie nicht liebe und auch nicht daran, dass ich plötzlich geizig geworden bin.
Meine Tochter Franziska hat einen Mann geheiratet, bei dem von Anfang an klar war, dass er keine große Lust aufs Arbeiten hatte. Er hat ständig den Job gewechselt immer gab es eine neue Ausrede: der Chef, die Arbeitszeiten, das Gehalt, das Betriebsklima Irgendwas war immer.
Sie hingegen hat gearbeitet, aber das Geld hat einfach nie gereicht.
Und jeden Monat stand er dann bei mir auf der Matte mit den immer gleichen Geschichten: Miete, Essen, Schulden, Schulsachen für die Kinder. Und ich? Ich habe dann doch immer geholfen.
Anfangs habe ich gedacht, es ist nur eine Phase. Dass er vielleicht mal zur Vernunft kommt, Verantwortung übernimmt, endlich mal ein Mann wird.
Aber weißt du was? Die Jahre sind vergangen, und es hat sich nichts, absolut gar nichts geändert.
Er gammelt zu Hause rum, schläft lang, trifft sich mit Kumpels und redet immer davon, dass er fast was gefunden hätte. Und das Geld, das ich meiner Tochter gegeben habe, ging für Dinge drauf, für die eigentlich er hätte aufkommen müssen oder noch schlimmer, für sein Bier beim Stammtisch.
Er hat sich keine Arbeit gesucht, weil er genau wusste: Egal, was passiert, am Ende bin ich ja doch wieder diejenige, die alles regelt.
Und Franziska? Sie hat ihm keinen Druck gemacht. Es war für sie einfacher, bei mir zu fragen, als sich mit ihm auseinanderzusetzen.
So hab ich Rechnungen bezahlt, die gar nicht meine waren. Ich habe eine Last auf meinen Schultern getragen, die eigentlich gar nicht auf mich gehört.
Der Tag, an dem ich die Reißleine gezogen habe, war der, an dem Franziska mich um Geld für einen Notfall gebeten hat und dann, ohne es zu merken, erzählt hat, dass das Geld gebraucht wird, weil ihr Mann beim Billardspielen mit seinen Freunden Schulden gemacht hatte.
Da hab ich sie gefragt:
Warum arbeitet er eigentlich nicht?
Und sie antwortet:
Ich will ihn nicht unter Druck setzen.
Da hab ich klar gemacht:
Ich bleib immer für sie und die Enkelkinder da aber Geld gibt es keins mehr, solange sie an einem Mann festhält, der nichts tut und keine Verantwortung übernimmt.
Franziska hat geweint. Sie war sauer, fast schon wütend. Hat mir vorgeworfen, ich würde sie hängen lassen.
Das war wirklich einer der härtesten Momente, die ich als Mutter erlebt habe.
Sag du mal ehrlich hab ich da falsch gehandelt?





