Wir waren gerade mal acht Tage zusammen, als der ganze Zirkus begann. Ich heiße Dieter, bin Kfz-Mechatroniker in München und schraube allein in meiner kleinen Werkstatt. An dem besagten Tag hatte Johanna ja, typisch bayerischer Name Geburtstag, und die große Sause war für 19 Uhr bei ihr daheim angesetzt. Seit dem Frühstück ahnte ich schon, dass es sportlich werden würde, aber ich hatte ihr fest versprochen, pünktlich zu erscheinen. Das war mir wichtig besonders, weil es ihr Geburtstag war und wir erst frisch zusammen waren.
Natürlich kam es, wies kommen musste: Pünktlich zum Feierabend rollte um kurz vor sechs noch ein Kunde mit einem Auto an, das definitiv nicht einfach nur die Batterie leer hatte. Ganz im Gegenteil ein richtiger Notfall, wie man ihn sich zum Feierabend wünscht. Ich haderte, aber konnte nicht ablehnen; es war eine Sache, die man nicht einfach bis Montag liegen lässt. Der Fehler war hartnäckiger als gedacht, die Uhr tickte unbarmherzig weiter und als ich endlich fertig war, wars fast schon 18:30 Uhr.
Nun hatte ich die Wahl: Erst heimrennen, duschen, frisch machen und definitiv zu spät kommen oder direkt zu Johanna, leicht geölt, aber immerhin pünktlich.
Ich entscheid mich, zu ihr zu fahren. Schnell noch das Gesicht abgewaschen, Hände ordentlich geschrubbt, frisches Hemd übergeworfen aber die blaue Arbeitslatzhose verriet meine Herkunft doch ziemlich eindeutig. Punkt sieben stand ich bei ihr vor der Tür. Blumen in der einen, Nervosität in der anderen Hand. Begrüßt, Geburtstagskuss, Glückwünsche und Johanna musterte mich von oben bis unten. Kein Kommentar, vorerst.
Drin hab ich ihre Familie und ein halbes Dutzend Freunde begrüßt, doch kaum fünf Minuten später zog sie mich beiseite. Und dann gings los. Ob ich denn wirklich ernst meine, SO auf ihren Geburtstag zu erscheinen? Ob mir eigentlich klar sei, wie peinlich das wäre? Ich erklärte ihr ganz ruhig, dass ich aus der Werkstatt komme und lieber pünktlich und ein bisschen verbeult erscheine, als noch eine Stunde später. Da meinte sie nur, ich hätte lieber ganz absagen oder wenigstens ein Foto aus der Werkstatt schicken sollen, damit sie selbst entscheidet, ob ich kommen darf oder nicht. Sie fühlte sich durch meinen Auftritt wohl blamiert.
Da hats auch bei mir langsam gekocht. Ich sagte ihr, dass es doch wohl zählt, dass ich mir Mühe gegeben habe, mein Wort zu halten. Dass ich nach Arbeit kam, nicht von der Kneipe, und dass ich gar nicht aufgetaucht wäre, wenn’s mir egal wäre. Sie bestand darauf, dass für sie der äußere Eindruck wichtiger ist als alles andere und dass sie auf so jemanden wie mich nicht stehen kann.
Tja, dann eskalierte es. Stimmen wurden lauter, einer beleidigter als der andere, bis endlich diese charmante Stille eintrat, die in Bayern fast so unangenehm ist wie lauwarmer Kaffee.
Ich blieb nicht mehr lang, verabschiedete mich höflich und ging. Noch am selben Abend schrieb sie mir, ich solle mal drüber nachdenken. Am nächsten Tag kam die finale Nachricht: Sie spüre, dass wir einfach nicht passen. Ich hab nicht gebettelt, keine Fragen gestellt ich nahms einfach hin.
Wahr ist: Ich habe sie nicht mehr kontaktiert. Denn jemand, der sich daran stört, dass du ordentlich geschuftet hast und dich abhetzt, um pünktlich zu sein, der wertschätzt nicht, was zählt. Ich ändere mich nicht für andere und schäme mich schon gar nicht für ehrliche Arbeit. Wenn so was reicht, um nach acht Tagen Schluss zu machen, spart man sich eh besser ein weiteres Oktoberfest-Bier zusammen.
Was meint ihr? War das die richtige Reaktion, dass ich nicht noch hinterhergerannt bin?





