Du bist ein Verräter – Die Hochzeit fällt aus!

Du hast mich verraten die Hochzeit findet nicht statt.

Meine Liebe, was erzählst du denn da für einen Unsinn? Sebastian warf kaum einen Blick auf das Foto. Ich liebe nur dich und brauche niemanden sonst. Das ist bestimmt eine Fotomontage.

Ach ja? Wer hätte denn einen Grund dazu? dass Sebastian so gleichgültig auf alles reagierte, verletzte Annemarie zutiefst. Er rechtfertigte sich nicht einmal richtig, sondern wirkte irgendwie gelangweilt.

Der Schönheitssalon, den Annemarie von ihrer Großmutter geerbt hatte, interessierte sie eigentlich wenig.

Viel lieber brachte sie Kindern das Zeichnen in einer kleinen Kunstschule bei. Auf das Erbe verzichten wollte sie trotzdem nicht.

Der Salon war eine solide Einkommensquelle, professionell geführt von ihrer langjährigen Geschäftspartnerin.

So konnte Annemarie ihrer Leidenschaft nachgehen und musste sich um Geld keine Sorgen machen. Nur eine Familie fehlte ihr zum Glück.

Nach dem Tod der Großmutter fühlte sich die 27-jährige Annemarie sehr einsam bis sie ein Jahr später auf einer Vernissage Sebastian kennenlernte.

Der sympathische Mann mit seinem leicht verlegenen Lächeln überzeugte sie durch seine Höflichkeit, Warmherzigkeit und Aufmerksamkeit.

Zwei Monate nachdem sie ein Paar geworden waren, lud Sebastian sie zu sich nach Hause ein, um sie seinem Stiefvater, Herrn Jürgen Fischer, vorzustellen.

Mein leiblicher Vater ist gestorben, als ich vier war, erzählte Sebastian. Meine Mutter hat erst zehn Jahre später wieder geheiratet. Jürgen nenne ich zwar nicht Papa, aber wir verstehen uns gut. Nach dem Tod meiner Mutter vor zwei Jahren bin ich bei ihm geblieben.

Annemarie mochte Herrn Fischer sofort. Gepflegt, aufmerksam, kultiviert er wirkte deutlich jünger als seine 56 Jahre.

Es schien, als habe Annemarie auch gleich einen guten Eindruck hinterlassen.

Unser Sebastian hat aber Glück, meinte Herr Fischer verschmitzt und küsste ihr galant die Hand.

Wieso denn Glück, Herr Fischer? Sebastian tat gespielt empört.

Na ja, ein echter Kerl arbeitet nicht als Hobbyartikel-Verkäufer! lachte sein Stiefvater. Wie auch immer immerhin hast du bei der Braut Glück gehabt!

Annemarie war erst ein wenig verlegen, dann brachten sie die Späße des Stiefvaters zum Lachen Sebastian wurde sogar ein kleines bisschen eifersüchtig.

Ein halbes Jahr später macht Sebastian ihr einen Antrag. Sie war so verliebt, so glücklich, so voller Hoffnung für ihr gemeinsames Leben, dass sie gar nicht gleich begriff, was für Fotos sie da im Messenger erhalten hatte.

Als sie es schließlich verstand, blieb ihr fast das Herz stehen.

Sebastian umarmte auf den Fotos zärtlich eine Frau und küsste sie. Sein schüchternes Lächeln unverkennbar.

Das Datum der Bilder zeigte, dass sie erst vor ein paar Wochen gemacht worden waren.

Was soll das denn, was willst du mir vorwerfen? fragte Sebastian gleichgültig und warf kaum einen Blick auf die Fotos. Ich liebe nur dich. Das kann nur eine Montage sein.

Ach ja? Wem sollte das etwas nützen? fragte Annemarie bitter, tief getroffen von Sebastians Gleichgültigkeit.

Keine Ahnung, entgegnete er seelenruhig. Es gibt so viele Bekloppte.

Annemarie wurde wütend. Ein anderer hätte beteuert, alles erklären wollen, dem Unbekannten nachforschen wollen, der seine Verlobte so verletzt! Doch Sebastian nicht nur hatte er sie betrogen, schuldgeständig wirkte er keinesfalls.

Du bist ein Verräter! Die Hochzeit ist abgesagt! sie lief weinend aus seiner Wohnung, Sebastian schaute nur konsterniert hinterher.

Drei Tage lang lag sie daheim, weinte, dann blieb sie eine Woche zu Hause auf Krankschreibung, ging auch nicht nach draußen. Sie durchdachte die Situation von vorn bis hinten. Übrigens Sebastian meldete sich kein einziges Mal. Schließlich riss Annemarie sich zusammen.

Was, wenn die Fotos tatsächlich gefälscht waren? In Zeiten der KI lassen sich ja ziemlich realistische Bilder basteln… Vielleicht wollte jemand sie einfach auseinander bringen? Sie, Annemarie, hatte gleich alles geglaubt.

Zu ihrer Überraschung existierte die Frau auf dem Foto tatsächlich. Internetrecherche belegte, dass sie in gleich drei sozialen Netzwerken vertreten war. Die Konkurrentin hieß Viktoria, und war sogar bereit, sich auf einen Kaffee zu treffen.

Ach, das sind doch alte Bilder, grinste Viktoria, nachdem Annemarie ihr den Sachverhalt geschildert hatte. Ist schon über ein Jahr her.

Aber… hier steht doch das Datum.

Mein Gott! Ein Datum zu fälschen ist das Einfachste der Welt, sagte Viktoria mit einem bedauernden Lächeln. Wenn man unbedingt will …

Warst das du?

Quatsch! Warum sollte ich? Mit Sebastian ist schon lange Schluss, wir waren eh nur ein paar Monate zusammen. Ich heirate übrigens demnächst.

Echt? Auf deinem Profil sieht man keinen Freund …

Das Glück liebt die Stille, winkte Viktoria ab. Aber nach der Hochzeit gibts natürlich auch Fotos.

Annemarie erkannte, dass sie Sebastian womöglich zu Unrecht beschuldigt und vorverurteilt hatte. Das musste sie unbedingt wieder gutmachen.

Aber ihre Nachrichten und Anrufe ignorierte Sebastian. Also suchte Annemarie ihn zwei Tage später abends zu Hause auf.

Dort sah sie, wie er aus dem Wagen ihrer Jugendfreundin Karin ausstieg. Beide waren in einem Viertel aufgewachsen, hatten als Kinder gespielt, doch Annemarie fand Karin mit ihrer forschen, extrovertierten Art immer anstrengend.

Mit der Zeit beschränkten sie sich aufs Grüßen, der Kontakt wurde erst nach dem Tod von Annemaries Großmutter wiederhergestellt, als Karin immer wieder vorschlug, Annemarie solle ihr den Schönheitssalon verkaufen angeblich für ihre Massagepraxis. Sie besaß schon zwei, aber die Lage war einfach zu verlockend.

Annemarie wusste, was in Karins Studios wirklich los war. Sie konnte den Salon gut selber gebrauchen! Karin hatte sie mehrfach abgewimmelt. Und jetzt wollte sie ihr offenbar auch noch den Mann ausspannen?

Während Annemarie noch darüber nachdachte, verabschiedeten sich Karin und Sebastian herzlich, dann fuhr Karin davon.

Was hab ich dir gesagt? Dass Sebastian nichts taugt, hörte sie plötzlich hinter sich die Stimme von Jürgen Fischer.

Guten Abend, Herr Fischer!, sie erschrak.

Guten Abend! Sebastian bleibt jedenfalls nicht allein. Willst du nicht lieber mich heiraten, hm? sagte er halb im Spaß, aber sein Blick war ernst.

Entschuldigen Sie, ich muss los, stammelte Annemarie und lief davon.

Karin zu finden war leicht. Als sie am Hof ankam, parkte diese gerade den Wagen.

Du machst also jetzt auf Verlobte-Klau? funkelte Annemarie ihre Rivalin an. Aber mit den Fotos hast dus vermasselt! Ich weiß alles.

Welche Fotos? Karin war ehrlich entsetzt. Wovon redest du überhaupt?

Willst du sagen, die Bilder von Sebastian und einer anderen hättest du mir nicht geschickt? Nichts mit Erpressung versucht?

Fühlst du dich überhaupt gut? Ich habe dir nichts geschickt. Sebastian kam erst letzte Woche auf mich zu. Ich dachte, ihr seid getrennt

Annemarie spürte, dass Karin die Wahrheit sagte. Zu Hause in Ruhe musste sie das alles überdenken.

Ich dachte schon, du willst doch verkaufen!, rief Karin ihr noch nach, aber Annemarie antwortete nicht.

Wieder daheim, wartete Annemarie ab, bis sie ruhiger war, dann rief sie Sebastian an. Zu ihrer Überraschung hob er ab.

Kannst gern vorbeikommen, sagte Sebastian matt. Bin krank, fühl mich nicht so gut.

Annemarie ließ sich nicht zweimal bitten.

Sebastian, ich habe einen Fehler gemacht. Bitte, verzeih mir. Ich liebe dich einfach sehr. Alles sah so glaubhaft aus … vergib mir.

Schon okay, zuckte er mit den Schultern. Kommt vor.

Du bist so wundervoll! Annemarie fiel ihm um den Hals. Ich kann nicht ohne dich!

Doch Sebastian schob sie sanft von sich weg.

Lass uns Freunde bleiben.

Wie, was? Wir wollten doch heiraten?

Anna, sagte er gequält, ich heirate Karin.

Wie bitte? Aber du hast mir die Liebe geschworen?

Bitte keine Dramen. Deine… Empfindlichkeit hat mir die Entscheidung leicht gemacht. Ich brauche keine weiteren Gefühlsausbrüche. Außerdem läuft Karins Geschäft besser; ich muss auch an meine Zukunft denken.

Annemarie war wie gelähmt, kein Wort kam über ihre Lippen. Dann verließ sie Sebastians Wohnung und rannte die Stufen hinab. Draußen knickten ihr die Beine weg, sie sank auf eine Bank.

Nach ein paar Minuten setzte sich Herr Fischer neben sie.

Du arme, sagte er sanft und strich ihr übers Haar. Mach dir keinen Kopf besser, dass es jetzt rausgekommen ist …

Aber ich verstehe nicht, wer das alles angezettelt hat! brach es aus Annemarie heraus.

Ich … sagte Herr Fischer leise.

Sie?! Warum? sie vergaß fast zu weinen.

Ich habe mich damals, beim ersten Treffen, in dich verliebt. Ich hatte gehofft, ich könnte dich für mich gewinnen aber für dich gab es nur Sebastian. Da dachte ich zuerst, ich müsste ihn in ein schlechtes Licht rücken aber als ich hörte, wie er vorm Freund prahlte, dass er eine vermögende Braut gefunden hat, wusste ich, er wird dich sowieso nicht gehen lassen. Und da habe ich die Sache laufen lassen

Sie haben mein Leben ruiniert!, rief Annemarie aus.

Nein, ich habe dir das Leben gerettet. Du hättest mit ihm noch viel mehr gelitten. Willst du nicht doch mich heiraten, Anna?

Sie sind verrückt! Annemarie stand abrupt auf und lief nach Hause.

Sie verließ die Stadt, aber Herr Fischer fand sie, und sie verband schließlich eine vorsichtige Freundschaft.

Nach einem Jahr starb Herr Fischer und hinterließ Annemarie alles; wirklich freuen konnte sie sich darüber aber nicht sie hatte sich längst an den Papa ihres Ex-Verlobten gewöhnt.

Sebastian tobte wegen der verlorenen Wohnung, doch das war Annemarie egal sie wusste längst, dass ihr Glück nicht im Besitz, sondern in der Ehrlichkeit der Menschen liegt, denen man sein Herz schenkt. Man darf nicht jedem alles sofort glauben, sondern sollte den Dingen auf den Grund gehen und auf sein Herz hören, nicht nur auf Gerüchte und Bilder.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Du bist ein Verräter – Die Hochzeit fällt aus!
Kater stolpert zufällig über ein Smartphone… Der Gegenstand roch nach Mensch und war überraschend warm. Gemütlich machte er es sich darauf bequem, umklammerte das Handy mit den Pfoten, legte sich obenauf – und plötzlich schaltete sich das Smartphone von einer sanften Katzenberührung ein. Rita hatte sich kaum über ihr neues Smartphone gefreut, da stellte es sich auch schon als Montagsgerät heraus: Es wurde bei jeder Berührung heiß. Und dann hat sie es auch noch verloren. So schade… Das Handy war super: großes Display, starker Akku – doch gerade der wurde ihr zum Verhängnis. Doch umtauschen? Unmöglich – das Gerät ist ja weg. Rita schimpfte sich selbst eine „dumme Gans“, griff zu ihrem alten Nokia-Knochen und wählte ihre eigene Nummer. Es klingelte, aber niemand hob ab. Nach ein paar Tropfen Baldrian legte sich Rita hin und versuchte zu überlegen, wo sie heute überall gewesen war. Vielleicht findet sie das Handy, wenn sie den Weg nochmal abläuft. Plötzlich vibrierte etwas unter ihrer Hand – jemand rief an. Auf dem Display erschien ihre eigene Nummer. „Hallo? Wer ist da?“ Nur ein Rascheln, kurze Atemzüge… und plötzlich: „Miau…“ Rita legte entsetzt auf. „Da treibt doch jemand seinen Schabernack“, dachte sie gereizt. Leider hatte sie keine Displaysperre eingerichtet – jetzt spielt jemand mit ihrem Handy. Doch der nächste Anruf ließ nicht lange auf sich warten. Schon wieder Atemgeräusche, wieder ein „Miau“, sobald sie sich meldete. „Hören Sie auf, mich anzurufen!“, platzte es aus ihr heraus. Aber die Anrufe hörten nicht auf. Schließlich war Rita alles egal – sie zog sich an und ging hinaus. Das Klingeln kam eindeutig von draußen – der „Spaßvogel“ musste also noch am Fundort sein. Sie marschierte ihre heutige Route ab, während sie immer wieder ihre Nummer wählte. Plötzlich hörte sie ganz in der Nähe ihren Klingelton. Entschlossen ging sie dem Ton nach, bereit, den frechen Finder zur Rede zu stellen. Währenddessen saß der Kater zufrieden an das warme Gerät gekuschelt und beobachtete fasziniert, wie das Ding „lebendig“ wurde und sprach. Er beschnupperte es, und das Handy murmelte weiter vor sich hin. Also antwortete der Kater höflich. Das Smartphone verstummte. Als der Kater es mit der Pfote nochmals antippte, begann es erneut zu reden – und wurde dabei noch wärmer. Draußen war es kalt, und dieses seltsame Gerät war wie eine kleine Wärmflasche. Wieder ein Pfotenstupser, und plötzlich erklang ein Lied. Erschrocken hieb der Kater kräftig darauf, aber das Handy sang einfach weiter. Im Kampf mit dem „singenden“ Gegenstand bemerkte er erst gar nicht, dass er nun nicht mehr alleine unter dem Baum war. Ritas Entschlossenheit verflog auf einen Schlag, als sie den „Übeltäter“ sah: Unter dem Baum saß ein roter, etwas verwahrloster Kater, der das Smartphone eifrig mit den Pfoten traktiert, um es zum Schweigen zu bringen. Doch noch ehe Rita reagieren konnte, stürzte sich der Kater wie ein alter Freund auf sie. Er schnurrte, schmiegte sich an ihre Hände und gab sich ihrer Zuneigung so hemmungslos hin, dass Rita vor lauter Überraschung ganz gerührt war. Der Kater rieb seinen Kopf an ihre Wangen, als ob er sie küssen wollte. Sie spürte, wie kalt er war – kein Wunder, dass er sich am heißen Handy gewärmt hatte. Mit dem Handy in der Tasche und dem Kater im Arm schlenderte Rita langsam nach Hause und dachte über Liebe auf den ersten Blick nach. Wie sehr sie dieses rote Fellknäuel mochte! Nach diesen liebevollen Gesten hätte sie ihn niemals unter dem Baum zurücklassen können. Und der Kater, bis über beide Ohren glücklich, schmiegte sich immer wieder an ihre Lippen und ihr Kinn, auch wenn Rita versuchte, auszuweichen – wobei sie angeben musste, dass es ihr insgeheim sehr gefiel. Wer hätte gedacht, dass ein Straßenkater so verschmust sein kann? Die Erklärung war denkbar einfach… Der Kater war völlig benebelt vom Baldriangeruch, den Rita sich eine Stunde zuvor zur Beruhigung auf die Haut geträufelt hatte.