Mein Schwiegervater glaubte immer, wir würden ihn weiter unterstützen.
Mein Mann wuchs in einer fröhlichen, liebevollen Familie auf. Doch als sein Vater 57 war, verstarb seine Ehefrau leider viel zu früh. Es war für meinen Schwiegervater eine schwere Zeit, an die ich mich noch gut erinnere. Also beschlossen wir damals, seine Wohnung in München zu verkaufen, das Geld gerecht aufzuteilen und meinen Schwiegervater vorerst zu uns nach Augsburg zu holen, damit er die erste Trauerphase nicht allein durchstehen musste. Diese Lösung schien für uns damals vernünftig. Die Familie rückte zusammen.
Wir rechneten damit, dass er etwa ein halbes Jahr bei uns wohnen würde, bis er sich ein eigenes Zuhause suchen und wieder Fuß fassen konnteaber es kam anders. Ihm gefiel das Leben bei uns ausgesprochen gut. Er steuerte keinen Euro zu Haushaltskosten oder Einkäufen bei. Ich kochte für ihn, wusch seine Wäsche, räumte sein Zimmer auf. Er ging nur zur Arbeit und hatte praktisch das Leben eines Urlaubers.
So lebte er tatsächlich ganze elf Jahre mit uns. Mit der Zeit begann er, uns ständig zu erklären, wie wir die Dinge handhaben sollten, stellte eigene Regeln auf, und wir spürten, dass unsere Geduld mit ihm am Ende war. Schließlich fassten wir den Entschluss, ihm ein kleines Haus am Stadtrand von Augsburg zu kaufen. Er war körperlich gesund und im besten Alterer konnte sehr wohl allein leben.
Wir kümmerten uns um alles Notwendige, damit er sich in seinem neuen Heim wohlfühlen konnte. Doch mein Schwiegervater begann, Geschichten zu erfindenmal klagte er über Herzschmerzen, mal über andere Beschwerden. Im Grunde dachte er sich ständig etwas Neues aus, nur um wieder zu uns zurückzukommen. Aber ich konnte das nicht mehr weiterführen. Ich wollte endlich zur Ruhe kommen, mit meiner engsten Familie allein sein. Die jahrelange Belastung hatte mich ausgelaugt. Was soll ich nur tun?





