Ich habe mit 50 Jahren geheiratet, in der Hoffnung, endlich mein Glück gefunden zu haben aber ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukam…
Ich gehöre zu den Frauen, die spät heirateten. Leider ist meine späte Ehe gescheitert.
Schon immer nannten mich die Leute Klugscheißerin, aber ich mochte das Lernen wirklich. Nach meinem Masterstudium arbeitete ich als Bibliothekarin. Ein Freund stellte mir schließlich meinen zukünftigen Ehemann vor. Er hieß Klaus, war 59 Jahre alt, aber keineswegs resigniert er suchte noch immer nach einer Frau. Ich war neun Jahre jünger. Klaus hat mich sofort berührt. Ein gebildeter, höflicher Mann mit einer Schwäche für Lyrik und Literatur. Wir kamen ins Gespräch, und nach ein paar Monaten machte er mir einen Heiratsantrag.
Ich sagte zu ich hatte mir schon lange eine Familie gewünscht. Nach der Hochzeit zogen wir zu mir, denn seine Tochter und ihre Familie lebten noch in seinem Haus. Um ehrlich zu sein: Ich ahnte nicht, worauf ich mich einließ. Ich war immer allein gewesen, doch plötzlich änderte sich alles und ich war zunehmend genervt. Der Fleck auf dem Tischtuch, die zerknitterte Bettdecke, herumliegende Socken und viele merkwürdige Dinge, die einfach nicht zu meinem Plan gehörten… Eigentlich regte mich alles auf. Es fühlte sich an, als ob er in einem Hotel wohnte und ich für alle Aufgaben zuständig war. Auch mit Geld hatte er oft Schwierigkeiten. Meine Geduld verlor ich endgültig, als er beim Versuch, den Wasserhahn zu reparieren, ihn noch mehr beschädigte und erst danach einen Handwerker rief. Familienspiele, sozusagen.
An diesem Tag wurde mir klar, dass ich weder Geduld aufbringen noch mich selbst quälen wollte. Wir sind schließlich erwachsene Menschen mit unterschiedlichen Gepflogenheiten. Kurz danach sprachen wir offen miteinander; es stellte sich heraus, dass für ihn alles in bester Ordnung war. Ich selbst bin eine ruhige Person, ich hasse Streit und Dramen. Trotzdem fanden wir keinen friedlichen Ausweg. Seine Tochter hatte bereits das ganze Leben in der Wohnung ihres Vaters durchgeplant, in der Erwartung, dass er dauerhaft bei mir wohnt. Nach drei Monaten war Klaus dann endlich einverstanden mit der Scheidung. Er wollte seine Geschenke von mir zurückhaben. Das Zurückgeben des Mülleimers und einer Kette hat mich wenig gekostet.
Diese Erfahrung hat mich zum Nachdenken gebracht, ob es überhaupt möglich ist, nach dem fünfzigsten Lebensjahr noch ein wirklich glückliches Familienleben aufzubauen. Es bleibt die Erkenntnis: Ab einem gewissen Alter sollte man noch bewusster darauf achten, was man sich selbst und anderen zumuten möchte. Grenzen zu ziehen und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen das habe ich daraus gelernt.





