UNDANKBARE TOCHTER — „Svetlana, wir haben Hunger! Hör auf zu faulenzen!“, nörgelt ihr Mann Viktor ihr ins Ohr. Ihr Kopf dröhnt, der Hals brennt, die Nase ist zu – sie fühlt sich wie ausgelaugt. Kein Wunder, dass sie krank wurde, nachdem es die ganze Woche heiß war und dann plötzlich Schnee über den Regen kam. Taxis fuhren bei diesem Wetter nicht, sie musste mit dem überfüllten Bus heim und dann noch den weiten Weg laufen. Sie hatte Viktor sogar gebeten, sie mitzunehmen, doch wie immer war er mit Sohn Artjom lieber zur Schwiegermutter gefahren. So kam sie spät, durchnässt und frierend, erschöpft nach Hause. Samstags um acht Uhr morgens fleht sie: „Viktor, hol bitte das Fieberthermometer!“ „Was? Bist du krank? Und was ist mit dem Frühstück?“ „Macht euch doch selbst was…“, flüstert sie heiser. „Wie, wir selbst? Was ist mit Artjom?“ „Er ist zehn – und du ein erwachsener Mann. Macht euch Rührei, ich habe es Artjom beigebracht.“ Doch Viktor tobt: „Jungen müssen nicht kochen lernen, das ist Frauensache! Wir fahren dann zu meinen Eltern. Wir sehen dich dann, wenn du mehr Zeit für uns hast.“ Svetlana bleibt erschöpft zurück, misst Fieber – 39,2. Ihre Mutter ruft besorgt an, holt sie ab, umsorgt sie liebevoll. Derweil feiert Viktor mit Artjom bei seiner Mutter und schaut Fußball. Am nächsten Morgen beschimpft er Svetlana per Handy als undankbar, schlechte Mutter und Frau – und will Geld. Sie lügt, sie hätte alles für Medikamente ausgegeben, woraufhin die Schwiegermutter sie als „faule Kuckucksmutter“ beschimpft. Schließlich, als Svetlanas Vater die Schlösser der Wohnung austauscht und Viktors Sachen zur Schwiegermutter bringt, fällt Svetlana die Entscheidung: Sie will die Scheidung. Trotz Beleidigungen, sie sei eine „undankbare Tochter“ und „familienfeindliche Kuckucksmutter“, blüht sie endlich auf. Schnell geht die Scheidung über die Bühne, der Mann landet samt seinem Sohn bei seiner Mutter, welche ihn nun selbst im Haushalt einteilt, und Svetlana kauft sich ein eigenes Auto – für ein besseres Leben, in dem sie sich endlich selbst liebt. Quelle: https://gotovim-samy.ru/rasskazy/neblagodarnaya.html

UNDANKBARE
Lena, wir haben Hunger! Hör auf, im Bett zu vergammeln! ertönte die nörgelnde Stimme ihres Mannes direkt über ihrem Ohr.
Der Kopf dröhnte, der Hals brannte wie ein Vulkan, die Nase war so dicht, als hätte jemand Mörtel reingespachtelt. Aufstehen war ungefähr so einfach wie eine Lawine rückwärts rollen zu lassen. Kein Wunder, dass sie krank wurde.
Die ganze Woche herrschte herrliches Sommerwetter, und gestern, pünktlich zum Feierabend, kam erst Platzregen, dann Schneematsch. April eben Ein Taxi war natürlich so begehrt wie Spargel im Dezember also musste sie mit dem Bus fahren. Dreißig Minuten stand sie frierend an der Haltestelle, der Bus schon randvoll, aber Lena schob sich irgendwie dazwischen. Wenigstens das. Dann noch ein halber Kilometer zu Fuß durchs nasse Wiesbaden.
Dabei hatte sie ihren Mann gebeten, sie abzuholen.
Lena, ich fahr mit Lukas noch kurz zu meiner Mutter. Wird später. hatte Bernd ihr beiläufig mitgeteilt.
Wie immer…
So kam Lena pitschnass, durchgefroren und gereizt nach Hause und jetzt war es Samstag, 8 Uhr morgens.
Bernd, bring mir bitte das Fieberthermometer! flehte Lena matt.
Was ist los? Hast du dich etwa erkältet? stutzte Bernd. Und was ist dann mit Frühstück?
Macht euch doch einfach selbst was? bat sie leise.
Wie, selbst? Bernd verstand natürlich wieder gar nichts. Und Lukas?
Der Junge ist 10! Und du bist ein erwachsener Mann. Macht euch ein Rührei, lasst den Kleinen ran. Ich hab ihm das Kochen doch beigebracht, er kann das.
Du hast unserem Sohn das Kochen beigebracht?! Bernd klang entsetzt.
Ja, na und? Er sitzt doch eh nur am Handy, macht sonst nix. Lena zuckte müde mit den Schultern.
Sag mal, hast du Fieber? Das ist doch Frauensache! Ein Mann steht doch nicht am Herd! regte sich Bernd auf. Weißt du was? Wir fahren zu meiner Mutter. Du hast ja wohl anderes im Kopf als deine Familie. Wir kommen morgen Abend wieder.
Und schon düsten Bernd und Lukas zur Schwiegermutter.
Lena quälte sich aus dem Bett, suchte das Thermometer, startete den Wasserkocher und dachte nach
Wann ist eigentlich der Punkt verpasst worden, an dem Bernd noch selbstverständlich gekocht hätte? Oder sich um mich gekümmert hätte, wenn ich krank war? Warum sind plötzlich alle Hausarbeiten ausschließlich meine Aufgabe geworden?
Das Thermometer piepste: 39,2 Grad.
Die junge Frau schluckte ein paar Tabletten und döste wieder weg.
Natürlich klingelte später das Telefon. Ihre Mutter war dran:
Lena, warum meldest du dich nicht? Ich bins gewohnt, dass du früh anrufst. Hab mir schon Sorgen gemacht! Hildegard war sofort in Alarmbereitschaft.
Mama, ich hab mich nur erkältet. Hab Medikamente genommen und bin wieder eingeschlafen. krächzte Lena.
Hah, nur erkältet! Und Bernd? Hockt mit Lukas wieder bei seiner Mutter? die Mutter war kaum zu halten.
Sind abgedampft, damit sie sich nicht anstecken. Lena klang wie ein nasser Lappen.
Ach ja, nicht anstecken Sag gleich, sie hatten keinen Bock, den Abwasch zu machen! Hildegard wetterte weiter.
Ach, Mama
Stell dich nicht so an! Ich hab dich verheiratet, nicht verkauft! Temperatur gemessen?
Ja, war hoch heute früh. Jetzt gehts etwas besser. Nur total schlapp. Lena klagte leise.
Bleib liegen! Dein Vater holt dich gleich ab. So geht das nicht, dass du alleine krank daheim hockst! Hildegard legte schon wieder auf, bevor Lena protestieren konnte.
Lena schleppte sich ins Bad, packte die nötigsten Sachen samt Laptop, und stand schon halb schlafend an der Tür, als ihr Vater eintraf.
Donnerwetter! ergriff Otto sich gleich ans Herz bei ihrem Anblick.
Was ist denn los? Was hast du? erschrak Lena.
Ach Kind, ich dachte schon, der Sensenmann steht vor mir! So blass bist du. sagte Otto und warf sich Lena den Rucksack über die Schulter. Setz dich ins Auto, bevor dich der nächste Windstoß ins Nachbardorf weht!
Kein Widerspruch Lena war komplett erledigt.
Zuhause bei den Eltern war es gemütlich, warm, lecker und friedlich. Hildegard kümmerte sich sofort um Lena, sodass es ihr am Abend schon etwas besser ging.
Ein Anruf von Bernd durfte aber natürlich nicht fehlen. Er meldete sich müde aus dem Wohnzimmer, im Hintergrund lief Sportschau:
Was gibts? Medikamente kann ich dir jetzt nicht bringen. Hab mit Papa ein Bier getrunken. Ist ja schließlich Samstag! bevor er auflegte, gab er das Handy an seine Mutter weiter.
Lena! Du bist doch eine Frau! Da kann man sich doch nicht einfach hängenlassen und die eigenen Männer hungrig lassen! Was ist wichtig in einer Familie, hm? Männer wollen was Warmes essen, ein ruhiges Plätzchen Kümmern darfst DU dich! predigte Schwiegermutter Ursula ihr spitz.
Hildegard, die gerade vorbeikam, hörte das und schnappte sich prompt das Telefon:
Liebe Ursula, sag mal, ist Bernd jetzt ein Kleinkind? Ein Patient? Oder wie hilflos muss er sein, damits gerecht ist, dass er nichts kann? blaffte sie ins Handy.
Nein, aber Hausmann ist auch kein Beruf für einen Mann, weißt du nuschelte Ursula zurück, sichtlich verdutzt, dass Hildegard überhaupt widersprechen würde.
Und wie gehts euch so? versuchte sie abzulenken.
Wie wohl! Ich pflege mein Kind wieder gesund, weil ein richtiger Kerl keinen Tee kochen kann. Ein Jammer! warf Hildegard trocken zurück.
Noch so eine Extrawurst! Kümmern, Medikamente jetzt übertreibt sies aber. schwieg Ursula und brummte beleidigt.
Hildegard schnaubte bloß und sagte dann zu Lena: Lass gut sein, Kind. Brauchst sie doch nicht!
Plötzlich ploppte eine Nachricht von Bernd auf:
»Lena, kannst du mir mal Geld überweisen? Bis zum Gehalt reichts nicht. Musste für Lukas alles bezahlen, alle Kurse, alle Klamotten!«
»Und die Nebenkosten und der gesamte Wocheneinkauf? Hab ich komplett bezahlt. Schon vergessen?« dachte Lena empört.
»Na klar. Die Wohnung ist doch auch deine! Jetzt los, überweis endlich, geh noch einkaufen!« drängelte Bernd.
»Kein Geld. Alles für Medikamente ausgegeben.« log Lena kurzerhand.
»Wie, kein Geld? Deine Krankheit kostet uns ein Vermögen! Frag eben deine Eltern!« kam prompt als ungefragter Ratschlag.
»Frag deine Mutter.« schrieb sie zurück.
»Klar, die fragt gleich, wo mein Gehalt geblieben ist!« Bernd.
»Na das wundert mich aber auch« Lena zurück.
»Ich bin ein erwachsener Mann, ich muss mich vor keiner Frau rechtfertigen! Bin jetzt einkaufen. Überweis endlich!« tippte Bernd grimmig.
»Wird nix.« Lena kurz angebunden.
Daraufhin kamen die üblichen Standards: geizig, undankbar, schlechte Mutter, schlechte Ehefrau, und noch einiges mehr. Lena antwortete einfach nicht mehr.
Den ganzen Abend wechselten sich Bernd und Ursula mit Nachrichten ab. Mal war Bernd wütend, dann wieder bekam Lena von Ursula Erziehungstipps. Da schaltete Lena den Ton einfach ab.
Am Sonntagmorgen, während des Familienfrühstücks, rief Bernd an:
Lena, wir bleiben erstmal bei Mama. Sie liebt uns wenigstens und sorgt für uns! Sie hat damals gesagt, wir hätten mit der Hochzeit noch warten sollen und sie hatte so recht. Du bist wirklich eine schlechte Mutter! Bernd legte auf.
Och, prima! Endlich Ruhe! Sag, Lena, und jetzt? fragte Otto ruhig in die Runde.
Ich seh das nur noch als Scheidung. Ich will nicht mehr. Lena starrte auf das flauschige Kräuteromelett. Sie hatte ihre Entscheidung getroffen.
Einfach war das nicht
Großartig! Ich fahr dann los, bin später wieder zurück, vielleicht nicht pünktlich zum Mittagessen! rief der Vater schon im Hinausgehen.
Schatz, nimms jetzt nicht schwer. Trink deine Medizin, Handy auf stumm, ab ins Bett. Du musst gesund werden. sagte Hildegard liebevoll.
Gesagt, getan. Heute war Sonntag. Morgen wieder Arbeit. Schlafen war Luxus!
Lena schlief bis mittags durch. Pünktlich kam der Vater nach Hause.
Hier. Die sind für dich. Die alten kannst du wegwerfen! reichte er ihr einen frischen, klirrenden Schlüsselbund.
Hä? Was ist das? Lena war noch viel zu matschig für Scherze.
Hab die Schlösser an deiner Wohnung ausgetauscht, Bernds und Lukas Kram aussortiert. Den Rest gibste später zurück. Bleib einfach erstmal bei uns, ok? Und geh bloß nicht ans Handy. Zu gefährlich. grinste er verschmitzt.
In der Küche werkelte eine glückliche Hildegard. Die Eltern hatten lange davon geträumt, aber nie eingegriffen Lena musste selbst darauf kommen.
Lena reichte die Scheidung ein.
Was sie alles zu hören bekam: Du bist schuld am Familienunglück!, Rabenmutter!, Undankbare!, das war noch das Freundlichste.
Aber sie war glücklich. Zum ersten Mal seit Jahren!
Die Scheidung? Ein Kinderspiel sie hatten kein gemeinsames Kind, kein Haus, kein Goldhamster, nichts.
Tja, ein Jahr nach der Hochzeit hatte Bernd beschlossen, es sei günstiger, seinen Sohn Lukas zu sich zu holen, statt Unterhalt zu zahlen. Seiner Ex-Frau wars recht nur Lena wurde nie gefragt. Gekümmert hat sich Bernd eh nicht: Kein Wort zu Lena, kein Gedanke daran, wie der Junge sich fühlt. Dass Lena und Lukas sich nie verstanden, dass der Junge alles torpedierte: zwangsläufig egal. Und die Wohnung? Die gehörte Lena. War Bernd ziemlich schnuppe so praktisch war das alles! Männer halt. Väter!
Und Lena? Ja, sie war eben undankbar! Na und?
Das Gericht hat zum Glück alles geregelt.
Nun wohnt Bernd mit Lukas wieder bei Ursula die kontrolliert jede Ausgabe und bringt den Herren endlich den Abwasch bei. Drei Männer auf engem Raum das ist Suppenkoma pur!
Lena ist, was? Glücklich!
Sie hat sich ein Auto gekauft! Damit sie bei Schietwetter nie wieder Bus fahren muss.
Was bleibt ihr auch anderes übrig mit 27 und Frischgeschiedene?
Genau! Sich selbst lieben!

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Homy
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UNDANKBARE TOCHTER — „Svetlana, wir haben Hunger! Hör auf zu faulenzen!“, nörgelt ihr Mann Viktor ihr ins Ohr. Ihr Kopf dröhnt, der Hals brennt, die Nase ist zu – sie fühlt sich wie ausgelaugt. Kein Wunder, dass sie krank wurde, nachdem es die ganze Woche heiß war und dann plötzlich Schnee über den Regen kam. Taxis fuhren bei diesem Wetter nicht, sie musste mit dem überfüllten Bus heim und dann noch den weiten Weg laufen. Sie hatte Viktor sogar gebeten, sie mitzunehmen, doch wie immer war er mit Sohn Artjom lieber zur Schwiegermutter gefahren. So kam sie spät, durchnässt und frierend, erschöpft nach Hause. Samstags um acht Uhr morgens fleht sie: „Viktor, hol bitte das Fieberthermometer!“ „Was? Bist du krank? Und was ist mit dem Frühstück?“ „Macht euch doch selbst was…“, flüstert sie heiser. „Wie, wir selbst? Was ist mit Artjom?“ „Er ist zehn – und du ein erwachsener Mann. Macht euch Rührei, ich habe es Artjom beigebracht.“ Doch Viktor tobt: „Jungen müssen nicht kochen lernen, das ist Frauensache! Wir fahren dann zu meinen Eltern. Wir sehen dich dann, wenn du mehr Zeit für uns hast.“ Svetlana bleibt erschöpft zurück, misst Fieber – 39,2. Ihre Mutter ruft besorgt an, holt sie ab, umsorgt sie liebevoll. Derweil feiert Viktor mit Artjom bei seiner Mutter und schaut Fußball. Am nächsten Morgen beschimpft er Svetlana per Handy als undankbar, schlechte Mutter und Frau – und will Geld. Sie lügt, sie hätte alles für Medikamente ausgegeben, woraufhin die Schwiegermutter sie als „faule Kuckucksmutter“ beschimpft. Schließlich, als Svetlanas Vater die Schlösser der Wohnung austauscht und Viktors Sachen zur Schwiegermutter bringt, fällt Svetlana die Entscheidung: Sie will die Scheidung. Trotz Beleidigungen, sie sei eine „undankbare Tochter“ und „familienfeindliche Kuckucksmutter“, blüht sie endlich auf. Schnell geht die Scheidung über die Bühne, der Mann landet samt seinem Sohn bei seiner Mutter, welche ihn nun selbst im Haushalt einteilt, und Svetlana kauft sich ein eigenes Auto – für ein besseres Leben, in dem sie sich endlich selbst liebt. Quelle: https://gotovim-samy.ru/rasskazy/neblagodarnaya.html
Eine Mutter beschließt, ihre Wohnung an ihren Sohn abzugeben und zu ihrer Tochter zu ziehen, ohne auf die Meinung ihrer Kinder zu hören.