Ein folgenschwerer Fehler an Weihnachten: Wie Tamara Leonardowna, eine wohlhabende Mutter, entschlossen war, den Sohn vor einer raffinierten Studentin zu retten – und stattdessen im Kreis der kleinen Familie ihr unerwartetes Weihnachtswunder fand

Einen furchtbaren Fehler beging eine Frau kurz vor Weihnachten.
Zunächst war sie der festen Überzeugung, alles richtig zu machen. Sie zog ihre robusten Stiefel an, die an Armeeausrüstung erinnerten, warf sich einen dicken Wintermantel über und setzte die Pelzmütze auf. Dann stieg sie in ihren Mercedes-Geländewagen und fuhr los zu jener Person, die sie für eine berechnende Schmarotzerin hielt, um die Sache zu klären.

Die Frau hieß Gertrud Baumgartner, könnten wir annehmen. Sie hatte spät im Leben ihren einzigen Sohn zur Welt gebracht, nur für sich selbst. Dreißig Jahre lang hatte sie zusammen mit ihm allein gelebt.

Ihren Sohn liebte sie leidenschaftlich. Für ihn lebte und arbeitete sie, schuftete bis zur Erschöpfung. Den kleinen Wohlstand, den sie besaß, hatte sie sich nur ihm zuliebe aufgebaut. Doch dann lernte ihr Sohn eine junge Frau aus einem Studentenwohnheim kennen: Annegret. Und sie hatte schon ein Kind!

Gertrud Baumgartner kannte die Menschen. Sie war sich sicher: dieses Mädchen wie sie Annegret nannte war nur hinter ihrem Sohn und dessen Besitz her. Also beschloss Gertrud, dieser Sache auf den Grund zu gehen. Sie fand heraus, wo Annegret wohnte.

Gertrud war fest entschlossen, Annegret entweder einzuschüchtern oder zu bestechen, je nachdem, wie es laufen würde. Doch sie wollte ihren Sohn unbedingt vor dieser Schlange retten, der mehr und mehr auf seine Mutter nicht hören wollte und von Heirat sprach.

Gertrud Baumgartner hatte das Aussehen eines alten Bulldoggen: ein schweres, faltiges Gesicht mit strengen Zügen. Ihre Augen blitzten vor Ärger, fast wie die eines berüchtigten Wolfshundes. Eine große, respekteinflößende Frau am ehesten erinnerte sie an die Frau Bracke aus einem deutschen Volksstück.

Auf dem Weg kaufte Gertrud einige Äpfel und Birnen, dazu eine bunte Rassel für das Kind. Schließlich war es Weihnachten und irgendwo musste man doch das Gespräch beginnen. Wir sind schließlich keine Unmenschen!

Also klingelte sie, trat mit der Wucht eines Zyklopen ein, zog Stiefel und Mantel aus. Sie gratulierte Annegret zum bevorstehenden Fest, wollte gerade mit ihrer Rede beginnen da bemerkte sie das Kind im Laufstall.

Ein kleines, blasses Bürschchen.

Felix hieß er, flüsterte Annegret ängstlich. Sie stand zitternd da; denn Gertrud Baumgartner konnte einem das Fürchten lehren, glauben Sie mir!

Gertrud trat an den Laufstall, reichte dem Kleinen die Rassel. Hier, bitte schön! Und plötzlich brach das Kind in so herzerwärmendes Lachen aus, dass Gertrud erschrak.

Der Junge griff nach der Rassel, wippte auf den Zehenspitzen im Laufstall wie ein kleiner Tänzer und sah Gertrud mit großen blauen Augen an. Er quietschte vor Freude und winkte mit der Rassel.

Warum Felix gerade von Gertrud dermaßen begeistert war, bleibt ein Rätsel.

Er reckte die Arme nach ihr aus, kicherte und schrie vor Glück. Die Augen zu Schlitzen verengt, der zahnlose Mund grinste vor Entzücken.

In diesem Moment passierte Gertrud ihr Fehler sie nahm Felix auf den Arm, ganz instinktiv. Er schlang die kleinen Ärmchen fest um ihren Hals. Dann begann er, sanft ihr Gesicht zu betasten und klopfte mit der Rassel gegen ihre Stirn, dabei grunzte er zufrieden…

Auch Gertrud begann zu gurren. Mit einer ganz sanften, dummen Stimme flüsterte sie: Wer bist du denn für ein kleiner Kerl? Bist du unser Zuckerschnütchen? Unser süßer Goldschatz? Wie eine Närrin. Ihr Herz zog sich heiß und wohlig zusammen

Felix blickte sie mit verliebten Kinderaugen an und klammerte sich fest. Er wollte auf keinen Fall zu seiner Mutter zurück. Von ihm ging ein Duft aus: Glück. Liebe. Vielleicht riechen so Engel, falls Engel einen Duft haben.

Gertrud wollte Felix gar nicht mehr loslassen. Sie hätte in diesem Moment alles für ihn gegeben. Sie war auf einmal – völlig überraschend – von Liebe erfüllt. Bähm! Nichts mehr war wie zuvor.

Warme Tränen liefen ihr die Wangen hinunter

Alles Weitere ist wohl klar. Gertrud befahl ihrem Sohn zu heiraten! Wenn auch Befehle nichts nützten. Doch er heiratete schließlich liebte er Annegret und Felix. Mit List und Versprechungen lockte Gertrud die jungen Leute in ihr großes Haus.

Doch sie mischte sich nicht groß in ihr Leben ein, und sie leben bis heute in Frieden weiter. Gertruds ganze Aufmerksamkeit gehört Felix. Die beiden sind unzertrennlich sie lieben einander innig.

So beging eine Frau einen furchtbaren Fehler. Oder doch nicht? Wer weiß das schon? Und fand auf ungewöhnliche Weise ihr Weihnachtsgeschenk. Der Heiligabend das ist eben ein besonderer Tag. Und die Geschenke sind es auchUnd so sitzt Gertrud Baumgartner jetzt jedes Jahr am Weihnachtsabend mit Felix auf dem Schoß vor dem Tannenbaum. Sie lauschen gemeinsam den alten Liedern, die im Radio spielen, und betrachten das flackernde Licht der Kerzen. Wenn Felix müde wird, zieht er Oma Gertruds große, warme Hand an seine Wange, als wollte er sich vergewissern, dass sie auch wirklich bleibt.

Gertrud lächelt dann, nimmt ihn ein letztes Mal fest in den Arm und denkt bei sich: Ach, hätte ich doch früher gewusst, was für Wunder geschehen, wenn man sein Herz öffnet. Draußen vor dem Fenster tanzt leise der Schnee, und im Haus leuchten goldene Fäden aus Glück und Zuversicht.

So ist am Ende aus einem furchtbaren Fehler ein großes Glück geworden eines, das Jahr um Jahr wächst und alle dunklen Zweifel vergessen lässt. Und wer an diesem Abend durch das Fenster der Familie blickt, sieht etwas, das jedem klar macht: Das Schönste am Leben findet uns manchmal, wenn wir es am wenigsten erwarten.

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Homy
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Ein folgenschwerer Fehler an Weihnachten: Wie Tamara Leonardowna, eine wohlhabende Mutter, entschlossen war, den Sohn vor einer raffinierten Studentin zu retten – und stattdessen im Kreis der kleinen Familie ihr unerwartetes Weihnachtswunder fand
Ist deine Frau wirklich so, wie du denkst?