Er nannte mich vor seinen Freunden einfach “nur Friseurin”. Da habe ich ihm gezeigt, wie sich echte Demütigung anfühlt.

Damals, als ich siebzehn war, wurde mir schnell klar, dass ich nur auf mich selbst zählen konnte. Mein Vater verschwand, er zog ins Ausland, als meine Mutter schwer erkrankte. Ich, die Älteste, übernahm alles. So fand ich Arbeit als Assistentin im Friseursalon ganz in der Nähe. Ich wusch Haare, kehrte den Boden, servierte Kaffee. Es schien wenig, doch irgendwann wurde es mein ganzes Leben.

Mit mir wuchs auch meine Professionalität. Ich lernte von den Besten, gab jeden Tag mein Bestes, und nach ein paar Jahren hatte ich Stammkundinnen angesehene Frauen, Unternehmerinnen, Schauspielerinnen, Ehefrauen von Politikern. Bald war ich jene, bei der man einen Termin zwei Wochen im Voraus ausmachen musste.

Dann trat er in mein Leben Claus. Wir lernten uns auf einem Jazzfest in München kennen. Er, Jurist mit Abschluss an der Ludwig-Maximilians-Universität; ich, ein Mädchen aus einem Münchner Vorort, das sich alles selbst erkämpft hatte. Wir wirkten wie aus verschiedenen Welten, und doch entstand ein Liebesverhältnis. Anfangs bemerkte ich nicht, wie er manchmal gönnerhaft mein Berufsleben kommentierte. Wie er schmunzelte, wenn andere nach meiner Arbeit fragten. Aber nach der Verlobung wurde es immer schlimmer.

Claus kam immer öfter mit Sätzen wie: Du bist halt nur Friseurin, mein Schatz oder Solche Gespräche sind nichts für dich. Nie boshaft, eher als lockeren Spruch. Doch diese Scherze stachen ins Herz. In Gesellschaft vermied er es sogar, zu erwähnen, was ich tat. Als wäre es ihm peinlich.

Am schlimmsten war der Abend bei seinem Freundeskreis. Da saßen die Leute aus der Spitzenklasse Anwälte, Professoren, Banker. Ich schwieg die meiste Zeit, hörte zu wie sie über Reformen und internationale Abkommen redeten. Als jemand mir eine Frage stellte, unterbrach Claus mich sofort:

Quält sie nicht mit solchen Themen. Sie ist nur Friseurin, stimmts, Liebling?

Ich erstarrte. Ich wollte am liebsten verschwinden. Irgendetwas in mir zerbrach.

Am nächsten Tag handelte ich, ohne ein Wort zu verlieren.

Eine Woche später lud ich Claus zu einem kleinen Treffen mit meinen Freundinnen ein. Er sagte natürlich zu, ohne zu ahnen, wer anwesend sein würde.

In dieser Nacht saßen in meiner Wohnung meine Stammkundinnen: die Chefin einer Rundfunkanstalt, die Besitzerin einer Ladenkette, eine bekannte Schauspielerin und kaum zu glauben seine eigene Vorgesetzte, Frau Bergmann. Er erkannte sie nicht sofort, aber als es ihm dämmerte, wurde er blass. Mit jeder Geschichte über meine Arbeit, mit jedem aufrichtigen Dank dieser Frauen, wurde sein Blick verschlossener. Er hörte zum ersten Mal, dass ich nicht nur Haare schnitt und stylte, sondern Selbstvertrauen schenkte, Trost spendete und Inspiration gab.

Als er schließlich zu Frau Bergmann ging und über sich selbst sprach, lächelte sie erstaunt:

Ach, du bist also Anjas Verlobter? Sie hat mich schon mehrfach vor Live-Sendungen gerettet. Sie ist eine bemerkenswerte Fachfrau.

Ich trat hinzu und sagte lächelnd:

Ja, das ist Claus. Politik mag er nicht so, aber er liebt es, über Friseurinnen zu sprechen.

Er zog mich zur Seite in die Küche.

Willst du mich blamieren?!, zischte er wütend. Das ist ja demütigend!

So habe ich mich an deiner Tafel gefühlt, als du mich wie ein Dummchen hingestellt hast. Das hier ist keine Rache, Claus, sondern ein Spiegel.

Er schwieg.

Einige Tage später rief er an. Er bat um Entschuldigung. Sagte, er habe endlich verstanden. Er wolle einen Neuanfang.

Aber ich hatte meine Entscheidung gefällt.

Den Ring gab ich ihm zurück. Nicht aus Mangel an Liebe. Sondern weil mir klar wurde, dass ich mit niemandem zusammen sein möchte, der sich für mich schämt.

Ich bin nicht nur Friseurin. Ich bin eine Frau, die durchgehalten hat. Und ich verdiene Respekt.

Und Claus vielleicht erkennt er eines Tages, was er verloren hat.

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Homy
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Er nannte mich vor seinen Freunden einfach “nur Friseurin”. Da habe ich ihm gezeigt, wie sich echte Demütigung anfühlt.
Nach den Veränderungen