„Na, unsere Anastasia ist ja richtig eingebildet geworden! Da heißt es doch immer, Geld verdirbt die Menschen! – Ich wusste gar nicht, worum es geht und womit ich die Leute so enttäuscht habe. Früher hatte ich eine glückliche Ehe, einen liebevollen Mann und zwei Kinder. Doch eines Tages brach alles zusammen: Mein Geliebter hatte einen Autounfall auf dem Heimweg und starb. Ich dachte, ich würde diesen Schmerz nicht überleben, aber meine Mutter überzeugte mich, für die Kinder stark zu bleiben. Also nahm ich mein Leben selbst in die Hand und fing an, hart zu arbeiten. Als die Kinder größer wurden, ging ich nach Polen und später nach England, um zu arbeiten. Ich musste meinen Kindern eine Zukunft bieten, denn Unterstützung hatte ich keine. Über die Jahre wechselte ich viele Jobs, aber irgendwann verdiente ich endlich gut, schickte monatlich Geld nach Hause, kaufte den Kindern jeweils eine Wohnung und renovierte meine eigene Wohnung schön. Ich war stolz auf mich und wollte bald für immer zurück nach der Ukraine. Doch dann änderte sich mein Leben: Ich lernte einen Landsmann kennen, der schon 20 Jahre in England lebt. Wir kamen uns näher, doch Zweifel plagten mich – er wollte in England bleiben, ich zog zurück in die Heimat. Kaum zurück, traf ich meine Kinder und Eltern, aber keine Zeit blieb, die Schwiegereltern zu besuchen. Dann erzählte mir meine Freundin, die Verkäuferin: Deine Schwiegermutter ist richtig enttäuscht von dir! Sie sagt, du bist eingebildet, das Geld habe dich verdorben, und geholfen hast du ihnen nie. Das tat weh. Ich erzog meine Kinder allein, musste für uns beide sorgen – da blieb kein Geld für die Schwiegereltern. Nach langem Überlegen zwang ich mich doch, einzukaufen und sie zu besuchen. Das Gespräch kreiste nur um Hilfe und Geld, die sie von mir erwarteten. Ich verließ sie niedergeschlagen und frage mich nun: Muss ich wirklich meine Schwiegereltern finanziell unterstützen? Ich halte das nicht mehr aus!“

Nun, unsere Annalena ist aber ganz schön eingebildet geworden! Es heißt doch, Geld verdirbt den Charakter! Ich verstand erst gar nicht, worum es ging und womit ich die Leute überhaupt verletzt hatte.

Früher hatte ich eine wunderbare Ehe. Mein Mann und unsere zwei Kinder bedeuteten für mich alles. Doch eines Tages zerbrach meine Welt. Mein geliebter Mann kam von der Arbeit und hatte einen schweren Unfall. Ich dachte, ich würde diesen Schmerz nicht überstehen, doch meine Mutter überzeugte mich, dass ich für meine Kinder stark sein müsse. Also riss ich mich zusammen. Ich fing an, hart zu arbeiten und als die Kinder älter wurden, ging ich ins Ausland, um Geld zu verdienen. Denn Unterstützung bekam ich nirgendwoher; ich musste meine Kinder allein durchbringen.

Zuerst führte mich mein Weg nach Tschechien, dann nach England. Ich wechselte etliche Jobs, bevor ich endlich ein ordentliches Gehalt bekam. Monat für Monat schickte ich meiner Familie Geld nach Hause, kaufte meinen Kindern von meinem Ersparten schließlich je eine Wohnung und renovierte meine eigene Wohnung schön. Darauf war ich stolz. Ich plante schon, dauerhaft nach Deutschland zurückzukehren, doch vor einem Jahr änderte sich mein Leben grundlegend: Ich lernte einen Mann kennen. Thomas, auch aus Deutschland stammend, lebte allerdings schon seit 20 Jahren in England. Wir freundeten uns an und ich spürte, dass sich aus unserer Bekanntschaft mehr entwickeln könnte.

Zweifel ließen mich aber nicht los. Thomas wollte nicht zurück nach Deutschland, doch mein Herz sehnte sich nach Zuhause. Vor kurzem reiste ich nun zurück. Erst traf ich meine Kinder, dann meine Eltern. Nur meine Schwiegereltern konnte ich einfach nicht besuchen mir fehlte schlicht die Zeit, so viel hatte sich angesammelt.

Dann kam eines Abends meine Freundin Birgit zu mir sie arbeitete als Verkäuferin und erzählte mir etwas:

Deine Schwiegermutter ist ziemlich enttäuscht von dir.

Wie kommst du darauf?

Ich habe gehört, wie sie mit einer Bekannten sprach. Sie meinte, du wärst eingebildet geworden und das Geld hätte dich verdorben. Außerdem hättest du ihnen nie finanziell geholfen.

Es tat mir weh, das zu hören. Schließlich habe ich meine Kinder alleine großgezogen und alles für sie gegeben. Ich konnte meinen Schwiegereltern kein Geld schicken, ich musste auch ein wenig für mich behalten, versteht ihr?

Nach dieser Unterhaltung hatte ich eigentlich keine Lust mehr, meine Schwiegereltern zu besuchen. Doch ich überwand den inneren Widerstand, kaufte Lebensmittel und ging zu ihnen. Anfangs war alles freundlich, doch die Worte meiner Freundin gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Schließlich sprach ich es an:

Ihr müsst wissen, für mich waren die letzten Jahre alles andere als leicht. Ich habe alles für meine Kinder getan, denn ich hatte niemanden, der mir geholfen hätte.

Wir hatten auch niemanden, der uns unterstützte. Jeder hat Kinder, die helfen nur wir stehen alleine da. Auch wir sind wie Waisen! Du hättest kommen und uns helfen müssen.

Meine Schwiegermutter machte mir ein schlechtes Gewissen. Ich wagte nicht einmal zu sagen, dass ich in England nun einen Partner habe. Untröstlich ging ich nach Hause. Ich weiß nicht mehr weiter. Muss ich wirklich die Eltern meines verstorbenen Mannes unterstützen? Mir wird alles zu viel.

Am Ende habe ich begriffen: Man kann es nicht jedem recht machen. Oft wissen die Leute gar nicht, welchen Kampf man selbst im Leben geführt hat. Wahre Stärke besteht darin, sein Herz nicht zu verschließen und ehrlich zu bleiben aber auch darin, sich selbst nicht zu vergessen.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

„Na, unsere Anastasia ist ja richtig eingebildet geworden! Da heißt es doch immer, Geld verdirbt die Menschen! – Ich wusste gar nicht, worum es geht und womit ich die Leute so enttäuscht habe. Früher hatte ich eine glückliche Ehe, einen liebevollen Mann und zwei Kinder. Doch eines Tages brach alles zusammen: Mein Geliebter hatte einen Autounfall auf dem Heimweg und starb. Ich dachte, ich würde diesen Schmerz nicht überleben, aber meine Mutter überzeugte mich, für die Kinder stark zu bleiben. Also nahm ich mein Leben selbst in die Hand und fing an, hart zu arbeiten. Als die Kinder größer wurden, ging ich nach Polen und später nach England, um zu arbeiten. Ich musste meinen Kindern eine Zukunft bieten, denn Unterstützung hatte ich keine. Über die Jahre wechselte ich viele Jobs, aber irgendwann verdiente ich endlich gut, schickte monatlich Geld nach Hause, kaufte den Kindern jeweils eine Wohnung und renovierte meine eigene Wohnung schön. Ich war stolz auf mich und wollte bald für immer zurück nach der Ukraine. Doch dann änderte sich mein Leben: Ich lernte einen Landsmann kennen, der schon 20 Jahre in England lebt. Wir kamen uns näher, doch Zweifel plagten mich – er wollte in England bleiben, ich zog zurück in die Heimat. Kaum zurück, traf ich meine Kinder und Eltern, aber keine Zeit blieb, die Schwiegereltern zu besuchen. Dann erzählte mir meine Freundin, die Verkäuferin: Deine Schwiegermutter ist richtig enttäuscht von dir! Sie sagt, du bist eingebildet, das Geld habe dich verdorben, und geholfen hast du ihnen nie. Das tat weh. Ich erzog meine Kinder allein, musste für uns beide sorgen – da blieb kein Geld für die Schwiegereltern. Nach langem Überlegen zwang ich mich doch, einzukaufen und sie zu besuchen. Das Gespräch kreiste nur um Hilfe und Geld, die sie von mir erwarteten. Ich verließ sie niedergeschlagen und frage mich nun: Muss ich wirklich meine Schwiegereltern finanziell unterstützen? Ich halte das nicht mehr aus!“
Mama, lass sie doch ins Seniorenheim gehen – flüsterte die Tochter im Flur