Finde dein Glück – Alles hat seine Zeit. Lass dir ruhig Zeit dabei Polina hatte eine ungewöhnliche Tradition: Jedes Jahr, kurz vor Silvester, suchte sie eine Wahrsagerin in ihrer Großstadt auf. Trotz aller Bemühungen, einen netten jungen Mann kennenzulernen, blieb sie alleine – anscheinend waren die sympathischen Herren schon vergeben… “Dieses Jahr findest du dein Glück”, verkündete die dunkeläugige Wahrsagerin, während sie in ihre glitzernde Kristallkugel blickte. “Und wo? Wann genau?” drängte Polina. “Immer heißt es dasselbe! Und die Jahre vergehen…” “Im Zug wird’s passieren”, sagte die Wahrsagerin schließlich. “Ein großer, attraktiver Blond, ein Märchenprinz…” Später kauft Polina ein Ticket nach Hamburg am 30. Dezember – Kupé-Wagen, versteht sich. Im Abteil sitzt statt des Traummanns eine freundliche ältere Dame: Frau Hildegard, die auf dem Heimweg zu ihrer Familie ist. Nach und nach erzählt Polina ihr von dem Wahrsagerei-Abenteuer. “Lass dich nicht verrückt machen – du findest dein Glück, aber alles hat seine Zeit”, sagt Hildegard liebevoll und lädt Polina spontan ein, Silvester bei ihrer Familie zu feiern, statt alleine am Bahnhof zu sitzen. Dort begegnet Polina Hildegards Sohn Alexander, dem attraktiven Blond. Und plötzlich scheint doch alles möglich – manchmal geschehen Wunder genau dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Glaubst du an Wunder zum neuen Jahr?

Du wirst dein Glück schon finden. Man darf nichts erzwingen. Alles zu seiner Zeit.

Früher war es so, dass meine gute Freundin Veronika eine etwas ungewöhnliche Tradition pflegte. Immer zu Silvester ging sie zur Wahrsagerin. Weil sie in einer großen Stadt wie München lebte, war es natürlich einfach, jedes Jahr eine neue Hellseherin zu finden.

Veronika war einsam. So oft sie auch versuchte, einen ehrlichen, kultivierten jungen Mann kennenzulernen, es blieb ohne Erfolg. Es schien, als seien alle anständigen Männer längst vergeben

Dieses Jahr wirst du deinem Schicksal begegnen! verkündete die dunkeläugige Wahrsagerin feierlich und blickte auf einen glitzernden Kristall.

Und wo? Wo werde ich ihn treffen? fragte Veronika ungeduldig. Jedes Jahr erzählen sie mir das Gleiche. Die Jahre vergehen und ich begegne meinem Schicksal einfach nicht.

Mir wurde gesagt, Sie seien die beste Wahrsagerin der Stadt. Ich verlange, dass Sie mir den genauen Ort nennen! Sonst mache ich Ihnen Werbung, die Sie nicht haben wollen drohte sie mit Nachdruck.

Die Wahrsagerin rollte mit den Augen, sie begriff, dass Veronika heute nicht so schnell lockerlassen würde. Sie wusste, wenn sie sich jetzt nicht irgendeine Geschichte ausdachte, würde Veronika die Warteschlange mit neugierigen Silvestergästen bis zum Abend aufhalten.

Im Zug wirst du ihn treffen! sagte sie mit geschlossenen Augen. Ich sehe ihn ganz deutlich ein großer, blonder, sehr attraktiver Mann. Wie ein Märchenprinz

Ach was! rief Veronika erfreut. Und in welchem Zug und wann genau?

Noch vor Neujahr! redete die Wahrsagerin weiter. Geh zum Bahnhof. Dein Herz wird dir sagen, wohin du das Ticket kaufen sollst

Danke! lächelte Veronika glücklich.

Sie verließ das Haus der Wahrsagerin, nahm ein Taxi und rauschte zum Hauptbahnhof. Beim Schalter für die DB-Tickets ließ ihr Elan jedoch nach. Ratlos starrte sie auf den Fahrplan und wusste absolut nicht, welches Ticket sie buchen sollte

Sagen Sie! rief der genervte Schalterbeamte und holte Veronika aus ihren Gedanken.

Nürnberg Für den 30. Dezember. Im Abteilwagen, stammelte sie.

Schon stellte sie sich vor, wie sie im gemütlichen Abteil sitzt, Tee trinkt und plötzlich geht die Tür auf und er kommt herein, ihr Zukünftiger

Zu Hause packte Veronika hastig die nötigsten Sachen für die Reise zusammen, denn ihr Zug fuhr spät abends ab

Sie dachte nicht über mögliche Folgen nach, was sie an Silvester in einer fremden Stadt machen würde. Sie wollte nur, dass die Prophezeiung der Wahrsagerin möglichst rasch in Erfüllung ging.

Es war schwer für sie, sich gerade an den Festtagen so übersehen zu fühlen. Jeder kaufte für seine Familie ein, deckte den Tisch für Silvester und schenkte sich gegenseitig Präsente. Alle, außer ihr

Wenige Stunden später saß Veronika im Zugabteil mit einem Glas Tee. Alles wie im Traum. Jetzt fehlte nur noch der Moment, in dem der Prinz zur Tür hereinspaziert.

Grüß Gott! grüßte eine ältere Dame und wuchtete einen riesigen Koffer ins Abteil. Wo ist der zweite Platz?

Da sagte Veronika verwirrt und deutete auf die gegenüberliegende Liege. Sind Sie sicher, dass das Ihr Wagen ist?

Aber natürlich, mein Kind! lächelte die Dame und ließ sich auf die freie Liege nieder.

Entschuldigung, dürfte ich mal vorbei? stotterte Veronika. Jetzt erkannte sie, dass sie gerade etwas sehr Dummes gemacht hatte. Lassen Sie mich raus, ich fahre doch nicht!

Moment, lass mich schnell die Tasche verstauen, murmelte die Oma und verstand gar nichts von Veronikas Panik.

Nun ja Der Zug fährt schon, seufzte Veronika schwer. Was jetzt?

Warum willst du auf einmal aussteigen? Hast du etwas vergessen? fragte die ältere Dame.

Veronika antwortete nicht und wandte sich zum Fenster. Sie wusste, dass die Frau nichts dafür konnte und dass sie sich das alles selbst eingebrockt hatte.

Inzwischen holte die ältere Dame sie hieß Frau Margarete selbstgemachte Mohnhörnchen aus der Tasche und bot ihrer Mitreisenden freundlich etwas an.

Ich war meine Tochter in Regensburg besuchen, erklärte sie. Jetzt muss ich nach Hause, mein Sohn und seine Verlobte kommen zu Besuch. Wir feiern alle zusammen Silvester.

Da haben Sie wirklich Glück Ich werde Silvester wahrscheinlich am Bahnhof verbringen, sagte Veronika traurig.

Schließlich erzählte sie der Dame von ihrer verrückten Reise und von der Wahrsagerin.

Ach du meine Güte, Kind! Warum läufst du zu diesen Scharlatanen? schimpfte Frau Margarete herzlich. Du wirst deinen Weg schon finden. Es bringt nichts, das Glück zu forcieren. Alles zu seiner Zeit

Am nächsten Morgen stieg Veronika auf dem Bahnsteig einer völlig fremden Stadt aus. Sie half ihrer Begleiterin freundlich mit dem Gepäck und blieb dann stehen sie hatte keine Ahnung, was sie jetzt tun sollte.

Vielen Dank, Veronika! Frohes neues Jahr! verabschiedete sich Margarete.

Ihnen auch alles Gute, lächelte Veronika traurig.

Margarete sah sie an, unsicher, wie sie Veronika aufmuntern könnte. Sie verstand, dass Silvester am Bahnhof kein guter Start ins Jahr war.

Veronika, komm doch mit zu mir! schlug Margarete plötzlich vor. Wir schmücken den Tannenbaum, bereiten ein schönes Essen vor

Ach nein, das geht doch nicht, stotterte Veronika nervös.

Was wäre denn besser? Am Bahnhof sitzen? schmunzelte die alte Dame. Komm mit. Das ist keine Frage!

Veronika nahm schließlich die Einladung ihrer neuen Freundin an. Frau Margarete hatte recht: Draußen tobte eine Schneesturm, und es hätte keinen Sinn gehabt, am Bahnhof herumzuhängen.

Sebastian und Anna sind schon zu Hause, lächelte Margarete zufrieden.

Sebastian hatte schon am Fenster auf seine Mutter gewartet, als sie im Taxi ankam. Er eilte ihr entgegen, nahm ihr die schwere Tasche ab und begrüßte sie herzlich.

Sebastian, Liebling, ich bin nicht allein, wir haben Besuch. Das ist die Tochter meiner alten Freundin, Veronika, zwinkerte Margarete verschwörerisch.

Wunderbar! antwortete Sebastian freundlich. Komm rein, Veronika!

Veronika sah den großen, attraktiven Blondschopf an und errötete. Genau so hatte sie ihn sich auf der Zugfahrt erträumt. Ob das Schicksal ihr wieder einen Streich spielte?

Wo ist denn Anna? fragte Margarete.

Mama, Anna ist nicht da und wird nie wiederkommen. Ich möchte darüber nicht sprechen. Ist das okay? wurde Sebastian ernst.

Schon gut murmelte Margarete verlegen.

Am Abend saßen alle am Tisch und verabschiedeten das alte Jahr.

Veronika, wie lange bleibst du bei uns? lächelte Sebastian und legte ihr Salat auf den Teller.

Nicht lange. Ich fahre morgen früh zurück, sagte Veronika und klang unerwartet traurig.

Sie wollte eigentlich gar nicht aus diesem gemütlichen Haus fort. Sie fühlte sich, als würde sie Margarete und Sebastian schon ewig kennen.

Warum denn so eilig? protestierte Margarete. Bleib doch noch ein bisschen, Veronika!

Stimmt, Veronika, bleib bei uns. Wir haben eine tolle Eislaufbahn, morgen Abend könnten wir hingehen. Bleib noch, bat Sebastian freundlich.

Ihr habt mich überredet, lachte Veronika. Gerne bleibe ich noch etwas länger.

Das nächste Silvester feierten wir dann schon zu viert: Margarete, Sebastian, Veronika und der kleine Emil

Und glauben Sie an Silvesterwunder?

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Homy
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