Unerwartete Enthüllung: Die Entdeckung des Betrugs meines Mannes
Wie so oft sind Ehefrauen die Letzten, die von der Untreue ihrer Männer erfahren. Erst im Nachhinein versteht Anna die seltsamen Blicke ihrer Kolleginnen und das Tuscheln hinter ihrem Rücken. Es war längst kein Geheimnis mehr, dass Annas beste Freundin, Katharina, etwas mit Martin hatte. Anna selbst schöpfte keinen Verdacht.
Alles kam ans Licht an jenem Abend, als Anna plötzlich nach Hause zurückkehrte. Seit vielen Jahren arbeitet Anna als Ärztin in einem Krankenhaus in München. An diesem Tag sollte sie eigentlich Nachtschicht haben. Doch am Ende ihres Dienstes sprach sie ihre junge Kollegin Lena an:
Anna, könntest du heute Nacht mit mir die Schicht tauschen? Ich übernehme für dich heute, und du arbeitest am Samstag für mich. Meine Schwester heiratet am Samstag, und ich möchte wirklich dabei sein.
Anna sagte sofort zu. Lena war stets hilfsbereit und sympathisch, und eine Hochzeit war ein guter Grund.
An diesem Abend kehrt Anna gut gelaunt zurück sie möchte Martin überraschen. Doch am Ende trifft die Überraschung sie selbst.
Kaum betritt sie die Wohnung, hört sie Stimmen aus dem Schlafzimmer. Sie erkennt Martins Stimme und auch die andere es ist ihre beste Freundin Katharina. Anna braucht keine weiteren Hinweise, um zu begreifen, was zwischen den beiden läuft.
So leise wie sie gekommen ist, verlässt sie die Wohnung wieder. Die Nacht verbringt sie schlaflos im Krankenhaus. Wie sollte sie den Kolleginnen jetzt begegnen? Alle haben es längst gewusst, nur sie war blind vor Liebe und hat Martin uneingeschränkt vertraut. Er war der Mittelpunkt ihres Lebens. Für ihn hatte sie viel aufgegeben. Sogar den Traum vom eigenen Kind. Immer wenn Anna das Thema anschnitt, winkte Martin ab: Noch nicht. Wir haben doch Zeit, genießen wir erst noch das Leben. Jetzt versteht Anna, dass er nie Kinder wollte, weil ihm ihre Familie nie wichtig war.
In dieser schlaflosen Nacht trifft Anna eine Entscheidung, die ihr als einzig richtiger Weg erscheint. Am nächsten Morgen beantragt sie Urlaub und reicht ihre Kündigung ein. Während Martin arbeitet, packt sie ihre Sachen und fährt zum Münchner Hauptbahnhof. Von ihrer Großmutter hat sie ein kleines Haus auf dem Land in Bayern geerbt. Anna glaubt nicht, dass Martin sie dort suchen wird.
Am Bahnhof kauft sie sich eine neue SIM-Karte und wirft die alte weg. Anna bricht alle Brücken zu ihrem alten Leben ab und wagt mutig den Schritt in einen Neuanfang.
Bereits am nächsten Tag steigt Anna in einem kleinen Dorf aus dem Zug. Das letzte Mal war sie hier vor etwa zehn Jahren zur Beerdigung der Großmutter. Alles ist so ruhig und friedlich wie damals. Genau das brauche ich jetzt, denkt Anna.
Zu Fuß macht sie sich auf den Weg ins Dorf, die letzten Kilometer bringt sie ein freundlicher Autofahrer mit. Das Grundstück der Oma ist so zugewachsen, dass sie kaum zur Haustür gelangt.
Wochenlang bringt Anna Haus und Garten auf Vordermann. Ganz allein könnte sie es nie schaffen aber die Nachbarn helfen. Alle erinnern sich an Frau Grete, Annas Großmutter, die mehr als vierzig Jahre als Lehrerin an der Dorfschule tätig war. Viele Generationen von Kindern haben bei ihr Lesen und Schreiben gelernt. Jetzt wollen viele Anna helfen zu Ehren der verehrten Grete.
Mit solch herzlicher Unterstützung hat Anna nicht gerechnet. Sie ist sehr dankbar für jede helfende Hand beim Renovieren und Einleben.
Die Nachricht, dass Anna Ärztin ist, macht schnell die Runde im Dorf. Eines Tages kommt die Nachbarin Marina aufgeregt zu ihr:
Anna, entschuldige, heute kann ich nicht helfen. Meine jüngste Tochter ist krank. Sie hat Magenweh, wahrscheinlich etwas Falsches gegessen.
Lass mich nach ihr sehen bietet Anna an, greift nach ihrer Arzttasche und folgt Marina.
Die kleine Lena hat eine Magen-Darm-Infektion. Anna legt einen Zugang, erklärt Marina, worauf zu achten ist.
Danke, Anna. Wir sind hier ziemlich aufgeschmissen die nächste Arztpraxis ist fast sechzig Kilometer entfernt. Unser Pfleger war schon über ein Jahr in Rente, Ersatz kam nie.
Von diesem Tag an sucht das ganze Dorf bei gesundheitlichen Problemen Annas Hilfe. Und sie kann niemanden abweisen schließlich war die Unterstützung bei ihrer Ankunft so überwältigend.
Wenig später lädt die Gemeindeverwaltung sie ein, in der Landarztpraxis der Region zu arbeiten.
Vielen Dank, aber das möchte ich nicht sagt Anna entschlossen. Aber wenn ich hier im Dorf die Praxis übernehmen kann, mache ich das gerne.
Die Verwaltung ist skeptisch: Eine bestens ausgebildete Ärztin aus der Stadt will ausgerechnet hier im Dorf bleiben? Aber Anna lässt sich nicht umstimmen, und kurz darauf öffnet die Dorfpraxis wieder mit Anna als Ärztin.
Eines Abends klopft es spät an Annas Haustür. Sie wundert sich nicht, denn Krankheit kümmert sich nicht um Tageszeiten.
Ein Mann aus der Nachbarschaft steht zögernd vor der Tür. An seinem Gesicht erkennt Anna sofort den Ernst der Lage.
Frau Doktor Anna, ich bin aus Schliersee, fünfzehn Kilometer entfernt. Meine Tochter ist schwer krank. Erst dachte ich, es sei nur eine Erkältung, aber das Fieber hält seit drei Tagen an. Bitte, kommen Sie mit und helfen Sie!
Während sie ihre Tasche packt, fragt Anna den Mann nach Symptomen.
Im Haus angekommen, sieht sie sofort das blasse Mädchen völlig kraftlos liegt es im Bett, atmet schwer, die Lippen trocken, die Haare verklebt. Die Lider flattern leise im Rhythmus der Atmung.
Es ist kritisch sagt Anna nach der Untersuchung. Wir müssten ins Krankenhaus.
Der Mann schüttelt resigniert den Kopf.
Ich bin allein mit ihr. Die Mutter ist direkt nach der Geburt gestorben. Meine Tochter ist alles, was ich noch habe. Ich darf sie nicht verlieren.
Aber im Krankenhaus wird man ihr besser helfen können. Mir fehlen hier wichtige Medikamente.
Sagen Sie mir nur, was Sie brauchen, ich besorge es! Aber bitte, nehmen Sie sie nicht mit ich kann sie nicht allein lassen, auch nur für eine Minute. Die nächste Apotheke hat Nachtschicht, ich fahre sofort, aber ich habe niemanden zum Aufpassen.
Anna erkennt die Angst und Liebe in seinen Augen. Jetzt sieht sie ihn zum ersten Mal richtig: etwa in ihrem Alter, groß, schlank, das dunkle Haar fällt wunderschön auf die Schultern. Seine grünen Augen und die langen Wimpern würden jede Frau neidisch machen.
Ich bleibe bei ihr sagt Anna ruhig. Wie heißt deine Tochter?
Luisa antwortet der Mann liebevoll. Und ich bin Thomas. Danke, Frau Doktor!
Anna schreibt das Rezept, Thomas fährt los.
Luisas Fieber hält an, sie wimmert und ruft im Delirium nach ihrem Vater. Anna nimmt sie sanft in den Arm, summt ein Wiegenlied und wiegt sie durchs Zimmer, bis Luisa etwas ruhiger wird.
Einige Stunden später bringt Thomas das Medikament. Anna spritzt das Notfallpräparat, lächelt erschöpft:
Jetzt können wir nur noch abwarten.
Die beiden wachen die ganze Nacht am Bett. Am Morgen schließlich sinkt die Temperatur, Schweißperlen treten auf die Stirn des Mädchens.
Das ist ein gutes Zeichen sagt Anna müde, aber erleichtert.
Vielen Dank, Frau Doktor! wiederholt Thomas immer wieder.
Ein Jahr vergeht. Anna arbeitet weiterhin in der Landpraxis, versorgt die Menschen des Ortes und der Umgebung. Inzwischen lebt sie in Thomas schöner, geräumiger Bauernhaus-Villa, seit einem halben Jahr ist sie seine Ehefrau. Damals, in jener Schicksalsnacht, als Luisa fast an der Krankheit gestorben wäre, sind sie einander nähergekommen.
Luisas Genesung dauert mehrere Wochen, doch sie wird wieder ganz gesund. Das Mädchen kann nicht mehr ohne Anna. Anna wiederum liebt Luisa wie ihre eigene Tochter. Und doch denkt sie oft, während sie das Mädchen umarmt, wie sehr sie die eigene Chance auf ein Kind verloren hat.
Jeden Abend kehrt Anna müde, aber glücklich nach Hause zurück, wo die Menschen warten, die sie am meisten liebt. Eines Abends empfängt Thomas sie an der Haustür und fragt:
Na? Haben sie deinen Urlaub genehmigt? Ich habe schon eine Route ausgearbeitet, wir machen endlich Urlaub zu dritt.
Anna lächelt geheimnisvoll und erwidert:
Sie haben ihn genehmigt, aber wir fahren zu viert.
Thomas blickt sie erst verwundert an, dann umarmt er sie strahlend und dreht sie im Hof voller Freude im Kreis.




