Viktor stellt seine Verlobte Olya zum ersten Mal seinen Eltern vor – „Was, wenn ich ihnen nicht gefalle?“, sorgt sie sich beim Betreten des Gartens. „Das ist unmöglich! Du bist die Beste!“, beruhigt Viktor sie und öffnet die Haustür, wo schon seine Mutter, Frau Eugenia Vitalievna, wartet. „Mama, das ist Olya!“, sagt Viktor. – „Ich dachte, du würdest uns deine Verlobte vorstellen“, erwidert die erstaunte Mutter, Olya kritisch taxierend. – „Das ist sie doch!“, lächelt Viktor begeistert. – „Seltsam“, murmelt die Schwiegermutter misstrauisch. Doch das war erst der Anfang – der Kennenlerntag mit Viktors Eltern sollte für Olya unvergesslich bleiben.

Martin brachte seine Verlobte zum ersten Mal zu seinen Eltern nach München. Was, wenn ich ihnen nicht gefalle? fragte sich Anna nervös, als sie das gepflegte Reihenhaus betraten. Das ist unmöglich! Du bist die Beste, mein Schatz, beruhigte sie Martin und öffnete die Haustür.

Im Flur empfing sie Martins Mutter, Gertrud Schneider. Mama, das ist Anna!, stellte Martin freudig seine Freundin vor. Du wolltest doch deine Verlobte vorstellen?, erwiderte Gertrud überrascht und musterte Anna von Kopf bis Fuß. Ja, genau, das ist sie! grinste Martin breit. Gertrud zog verwundert die Augenbraue hoch. Na, das ist aber interessant, murmelte sie, doch das war nur der Anfang eines denkwürdigen Tages, der Anna ein Leben lang im Gedächtnis bleiben sollte.

Anna hatte sich sofort in Martin verliebt. Groß, blond, mit klaren blauen Augen sein ruhiges, überlegtes Wesen und seine Herzlichkeit hatten sie sofort eingenommen. Trotz zehn Jahren Altersunterschied, seiner gescheiterten Ehe und einem Kind zögerte sie keinen Moment, ihm ihr Ja-Wort zu geben.

Der Tag des Kennenlernens mit den Eltern blieb ihr jedoch unvergesslich. Kaum hatte sie die Schwelle überschritten, ließ Gertrud spürbar ihren Unmut durchblicken und wandte sich gleich an ihren Sohn: Du wolltest uns doch deine Verlobte vorstellen. Martin lachte: Das ist Anna, Mama!

Ach ja? Gertrud zuckte die Schultern. Ich dachte, du hast dir vielleicht eine Haushaltshilfe gesucht. Etwas sprachlos schaute Anna Martin an. Nicht hinhören, flüsterte Martin ihr zu. Mama kann eben nicht anders.

Den ganzen Abend schwärmte Gertrud in höchsten Tönen von Martins Ex-Frau, Simone. Simone ruft viel öfter an, fragt, wie es uns geht. Und neulich hat sie wieder so einen wunderbaren Apfelkuchen vorbeigebracht. Ich sag dir, Anna, sowas hast du noch nie gegessen! Simone konnte schon immer hervorragend backen!

Martin nahm Anna in den Arm und entgegnete: Anna ist auch eine tolle Köchin, Mama. Gertrud lächelte kühl: Aha. Und wo wollt ihr eigentlich wohnen? Ich habe das Gästezimmer, das du mit Simone hattest, jetzt zu meinem Ankleidezimmer gemacht nur, dass du Bescheid weißt

Mach dir keine Sorgen, Mama. Anna hat eine eigene Wohnung. Damit verabschiedeten sich Martin und Anna.

Martin, ich glaube, ich habe deinen Eltern nicht gefallen, meinte Anna auf dem Rückweg. Ach Quatsch. Simone ist einfach die Tochter von Papas bestem Freund, und unsere Eltern führen zusammen eine Firma. Wir wurden als Kinder praktisch schon verkuppelt. Unsere Ehe, die war wohl eher ein Fehler aus jugendlichem Leichtsinn. Nach der Geburt von unserer Tochter Leonie wurde mir klar, dass wir nicht zusammenpassen. Simone interessierte sich nur für Shopping und Ausgehen, nie für unser Kind. Ich dachte, die Scheidung würde sie freuen und sie würde mir das Kind lassen doch dann blockte sie komplett. Nach einem langen Sorgerechtsstreit blieb Leonie bei ihr.

Und warum hängt deine Mutter dann noch so an ihr? Simone war halt aus Sicht meiner Eltern eine gute Partie. Ich bin sicher, Mama gewöhnt sich an dich und merkt bald, was sie an dir hat!

Leider wurde es nach der Hochzeit nur schlimmer. Gertrud sparte nicht mit Seitenhieben, kritisierte Annas Haushaltskünste und ihr äußeres Erscheinungsbild.

Guck dich mal an, sagte sie mit hochgezogener Nase, Du musst dir unbedingt mal eine gescheite Frisur machen, etwas Make-up hilft auch weiter und neue Klamotten brauchst du sowieso. Wo bleibt bloß dein Gehalt, dass du so rumläufst?

Martin bekam das zum Glück mit und stellte seine Mutter zur Rede. Mama! Wenn ich noch ein einziges schlechtes Wort über Anna höre, breche ich den Kontakt ab! Basta! Und falls du meinst, sie weiter runtermachen zu müssen, sprich ich auch mit Papa! Anna ist die tollste Frau überhaupt!

Seit diesem Tag hielt sich Gertrud mit direkten Angriffen zurück, begann aber stattdessen Simone in den höchsten Tönen zu loben. Und plötzlich meldete sich Simone auch wieder regelmäßig bei Martin.

Martin, du kümmerst dich viel zu wenig um Leonie. Wollen wir am Wochenende mal alle zusammen was unternehmen?

Du lässt mich doch nie mit meiner Tochter allein! fuhr Martin sie an. Ich würde Leonie zu gern für das Wochenende nehmen, aber ohne dich.

Ich bin aber ihre Mutter! Wie soll ich sie da einfach gehen lassen?

Zu ihrem Vater, Simone! Und vergiss nicht: Anna ist eine wunderbare Frau, sie wird sich großartig um Leonie kümmern, da bin ich sicher. Martin legte auf und schaute Anna prüfend an. Anna lächelte: Ich freue mich, Leonie kennenzulernen!

Kurze Zeit später stand ein kleines Mädchen mit leuchtend roten Locken und blauen Augen vor Annas Tür und hielt sich schüchtern an Martin fest. Komm, wir trinken erst mal Tee!, schlug Anna freundlich vor. Sie schloss Leonie gleich ins Herz.

Zunächst war das Kind skeptisch, doch Anna gab alles, um Leonie’s Vertrauen zu gewinnen. Bald benahm sich das Mädchen wie jedes andere Kind auch. Simone brachte Leonie jetzt häufiger zu Martin mit der Begründung, Leonie langweile sich sonst.

Anna und Martin verbrachten immer mehr Zeit mit ihr, und Leonie erwiderte die Zuneigung offenherzig. Du, Anna?, sagte Leonie einmal leise, als Martin nicht da war, Mama redet nie mit mir, sondern schickt mich gleich ins Zimmer. Sie spielt nie mit mir, nimmt mich nirgends hin mit. Darf ich bei euch wohnen? Tränen schimmerten in Annas Augen, als sie das kleine Mädchen umarmte.

Das würde ich wirklich wollen, Leonie, aber ich fürchte, deine Mama wird das nicht wollen.”

Doch, denn sie braucht mich nicht!, schluchzte Leonie. Anna streichelte ihr über die Locken. Ich spreche mit deinem Papa. Er wird schon einen Weg finden.

Als Anna Martin von dem Gespräch erzählte, nickte er nachdenklich. Ich habe das schon oft überlegt aber Simone macht einfach dicht. Nicht, weil sie Leonie will, sondern weil sie es mir nicht gönnt. Aber ich gebe nicht auf!

Tage vergingen, ohne dass es Martin gelang, das Sorgerecht zu bekommen, obwohl Simone Leonie immer öfter bei ihm ließ.

Als Anna erfuhr, dass sie schwanger war, gab es kein Halten mehr vor Freude. Doch das Glück zerplatzte, als Simone wie gewohnt Leonie brachte. Das Mädchen wollte nicht bleiben, schaute traurig zu Boden. Du hast eine neue Familie und mich verraten!, zischte Simone zufrieden und rauschte aus der Wohnung.

Leonie stand stumm da, ehe sie Olas Hand wegschlug: Ihr braucht mich nicht mehr! Jetzt kommt euer eigenes Kind. Sie brach in Tränen aus. Anna und Martin sprachen ihr beruhigend zu, versicherten ihr, sie immer zu lieben egal, wie viele Kinder noch geboren würden. Nach und nach kehrte Leonie in sich zurück, aber blieb reservierter.

Als ihr kleiner Bruder Felix geboren wurde, verschwand Simone prompt in den Urlaub und ließ Leonie bei Martin. Du hast das doch so gewollt, flötete sie am Telefon, dann sieh zu, wie du klarkommst!

Martin schüttelte ärgerlich den Kopf. Oje, Anna, jetzt wirds stressig. Du bekommst das hin, oder? Anna berührte sanft seinen Arm. Mach dir keine Sorgen, Liebling. Leonie ist eine tolle Helferin. Zum Glück faszinierte Felix Leonie von Anfang an. Sie half Anna beim Wickeln, wiegte das Baby, redete mit ihm und nach dem Füttern tranken Anna und Leonie zusammen Tee wie alte Freundinnen.

Als Simone zurückkam, verabschiedete Anna sich nur schweren Herzens von Leonie.

Bald stand Silvester vor der Tür, und Gertrud lud die ganze Familie großspurig zum festlichen Abend nach Passau ein. Anna bekam schnell Zweifel, doch Martin bestand darauf: Mama wird sich schon benehmen, Papa ist auch da und du kannst mal durchschnaufen!

Vor Martins Vater, Heinrich Schneider, hatte Anna zwar Respekt, doch er war ein ruhiger, gerechter Mann, dessen freundlicher Kern sich nur hinter einer schroffen Fassade versteckte.

Natürlich ließ sich Gertrud eine neue Stichelei nicht nehmen: Sie hatte Simone eingeladen. Neben der übermüdeten, unausgeschlafenen Anna glänzte Simone in einem perfekt sitzenden, teuren Kleid mit Styling und Make-up sehr zur Freude und Bewunderung von Gertrud. Die Großmutter ignorierte Felix völlig; Anna erhielt Unterstützung von Martin, seinem Vater und Leonie, die von Gertrud beflissen übersehen wurde. Endlich schlief Felix ein, und Anna konnte in Ruhe essen.

Als die Männer in ein anderes Zimmer gingen, legte Gertrud erst richtig los, schwärmte von Simone, ihren Kinderfreundschaften mit Martin, von der perfekten Zeit damals, und lachte lauter als nötig. Felix wurde davon wach und fing an zu schreien. Gertrud schimpfte: Anna! Du kriegst ja gar nichts hin! Warum schreit dein Kind? Bei Simone gabs sowas nicht!

Anna rannte tränenüberströmt ins Kinderzimmer. Plötzlich erklang Leonies Stimme so laut, dass alle verstummten: Du bist eine furchtbare Oma! Und Mama, du auch! Ihr könnt nur lästern und shoppen. Du kannst gar nichts, Mama, nur Opas Geld ausgeben! Anna ich wünschte, du wärst meine Mama, sie weinte hemmungslos und floh aus dem Raum, vorbei an den erstaunten Männern.

Anna zog Felix an. Sie wollte keine Minute länger im Haus bleiben. Da schlang sich ein kleiner Arm um sie: Anna, darf ich mit dir mitkommen? Mein Schatz, davon halte ich nichts, das wird uns niemand erlauben. Anna umarmte das Mädchen mit Tränen in den Augen.

Doch dann stand Heinrich in der Tür: Leonie, wenn Anna nichts dagegen hat, darfst du gern mitgehen. Martin kam lächelnd hinzu: Ich komme auch.

So schob Martin die Schlitten durch die verschneiten Straßen Münchens. Vorn liefen lachend die Mädchen, die er von Herzen liebte.

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Homy
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Viktor stellt seine Verlobte Olya zum ersten Mal seinen Eltern vor – „Was, wenn ich ihnen nicht gefalle?“, sorgt sie sich beim Betreten des Gartens. „Das ist unmöglich! Du bist die Beste!“, beruhigt Viktor sie und öffnet die Haustür, wo schon seine Mutter, Frau Eugenia Vitalievna, wartet. „Mama, das ist Olya!“, sagt Viktor. – „Ich dachte, du würdest uns deine Verlobte vorstellen“, erwidert die erstaunte Mutter, Olya kritisch taxierend. – „Das ist sie doch!“, lächelt Viktor begeistert. – „Seltsam“, murmelt die Schwiegermutter misstrauisch. Doch das war erst der Anfang – der Kennenlerntag mit Viktors Eltern sollte für Olya unvergesslich bleiben.
Matröna – Eine starke Frau mit russischer Seele