Ich habe lange nicht verstanden, wohin das von meiner Frau zubereitete Essen verschwand. Dann erzählte uns meine Schwiegermutter die Wahrheit.
Anfangs war ich froh, dass meine Schwiegermutter bei uns war, weil sie uns wirklich sehr unterstützte. Unser Sohn ist häufig krank, deshalb haben wir beschlossen, ihn nicht in den Kindergarten zu schicken. Meine Frau bat ihre Mutter Hildegard, auf unseren Sohn aufzupassen.
Hildegard stimmte zu, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie jeden Tag zu uns kommen könne und abends wieder nach Hause geht. Sie wollte sich in ihrer eigenen Wohnung ausruhen und ihre Ruhe haben.
Manchmal hatten wir abends wichtige Termine oder wollten einfach mal ausgehen. In diesen Fällen baten wir meist eine Nachbarin um Hilfe, und meine Schwiegermutter ging heim, um sich zu entspannen. Wir hatten kein Bedürfnis, sie noch mehr zu beanspruchen.
Zu Beginn lief alles problemlos. Wir hetzten nach Hause zurück, das Kind war versorgt und sauber, und alles war in Ordnung. Doch dann blieb Hildegard nicht mehr, bis wir zurückkamen. Sie machte sich auf den Heimweg, bevor wir zuhause waren.
Meine Frau kocht immer größere Mengen, sodass das Essen für ein bis zwei Tage reicht. Jeden Monat geben wir meiner Schwiegermutter einen Umschlag mit Euros dafür, dass sie auf unseren Sohn aufpasst. Wir wissen zu schätzen, dass sie sich Zeit für uns nimmt, und möchten ihr so unsere Dankbarkeit zeigen.
Dennoch fiel mir auf, dass das gesamte Essen meiner Frau spurlos verschwand. Hildegard isst nicht viel, unser Sohn noch weniger… Also fragte ich sie direkt danach. Sie erklärte mir, dass mein Schwiegervater Nachmittags vorbeikommt. Sie lässt ihn bei uns essen, weil sie abends keine Lust mehr zum Kochen hat. So isst mein Schwiegervater also auch bei uns.
Ich wusste zuerst gar nicht, was ich darauf sagen sollte. Hildegard fährt abends nach Hause ist es wirklich zu viel verlangt, dann noch kurz etwas zu kochen? Dass mein Schwiegervater gelegentlich zum Abendessen zu uns kommt, wäre in Ordnung, aber doch nicht an jedem Tag!
Das Problem ist, dass für unser eigenes Abendessen kaum noch etwas übrig bleibt. Meine Frau schweigt dazu. Wenn ich es durchrechne, wäre es wahrscheinlich günstiger, eine Tagesmutter einzustellen.
Mir gefällt das Verhalten meiner Schwiegermutter und meines Schwiegervaters ehrlich gesagt überhaupt nicht. Meine Frau bittet mich, das Thema nicht anzusprechen. Aber ich habe noch eine weitere Frage: Verstehen sie nicht, dass auch wir auf das Geld angewiesen sind? Wir zahlen jeden Monat für die Betreuung unseres Kindes, und dennoch essen die beiden regelmäßig auf unsere Kosten mit. Ist jemand schon einmal in einer ähnlichen Situation gewesen?





