Eine Falle für den Stiefvater: Als Nikita, der Sohn aus Ksenias erster Ehe, versucht, mit kompromittierenden Fotos seinen Stiefvater Eugen Hartwig zu erpressen und diesen so zum Kauf eines Autos zu nötigen, gerät das scheinbar ruhige Familienleben ins Wanken. Doch Eugen, der sich nach seiner gescheiterten ersten Ehe in eine neue Familie gewagt hat, steht plötzlich im Mittelpunkt einer Intrige, bei der Ksenias Geheimnisse, Nikitas Erpressungsversuch und die eigentlichen Absichten der jungen Büroangestellten Lina dramatisch miteinander verknüpft sind. In einer Mischung aus emotionaler Erpressung, Verrat und dem Kampf um ein glückliches Leben muss Eugen entscheiden, wie weit er für Liebe, Gerechtigkeit und seinen eigenen Seelenfrieden gehen will.

Mittwoch, 21. Februar

Na, rede schon. Alles.

Und was, wenn nicht? versuchte mein Stiefsohn aufsässig zu reagieren.

Sonst erzähle ich, dass du mir aus dem Tresor zu Hause hunderttausend Euro gestohlen hast. Und ich kann das beweisen, glaub mir. Dann landest du für mehrere Jahre im Gefängnis. Na los!

Timos Blick huschte nervös umher. Offenbar hatte er mit seiner Mutter immer wieder kleinere Summen aus meinem Tresor genommen. Seine Fingerabdrücke kleben noch sicherlich immer daran.

Mein erster Versuch mit der Ehe dauerte sechs Jahre. In den ersten drei war ich geradezu begeistert von Veras Ausstrahlung, ihrem Schwung und ihrer Art, alles zu organisieren. Ich liebte sie einfach, mehr als alles. Damals.

Erst später fiel mir auf, dass Vera nicht nur im Büro (wir führten gemeinsam ein Geschäft), sondern auch zu Hause die Leitung übernahm. Sie kritisierte mich ständig, verlangte dieses und jenes. Ich ertrug es still, wollte die Familie nicht zerstören.

Aber dann verabschiedete sie sich freiwillig.

Zu schwach für mich, Jens. Ich hab mich getäuscht, sagte sie unverblümt.

Die Trennung verlief seltsam friedlich Vera hätte das Drama durchaus ins Unermessliche treiben können. Doch wir teilten alles gerecht, auch das Geschäft, und verloren uns danach aus den Augen.

Ich blieb allein zurück in meiner alten Zweizimmerwohnung, gründete eine eigene kleine Firma und stürzte mich in die Arbeit.

Fast ein Jahr mied ich Frauen gänzlich, dann gab es ein paar kurze Affären, aber nie etwas Ernstes. An Heirat verschwendete ich keinen Gedanken.

Bis eines Tages Katja in unser Mietshaus einzog. Schlank, braune Haare, grüne Augen, stets ein trauriger Blick. Sie kam zusammen mit ihrem Sohn Timo, damals acht Jahre alt. Wir liefen uns ständig im Treppenhaus über den Weg.

Irgendwann lud ich sie in ein Café ein, anfangs mehr aus Mitleid. Zwei Monate später war sie mit Timo bei mir eingezogen.

Mir war klar, dass Katja keine Intellektuelle war. Doch sie sah zu mir auf und kümmerte sich liebevoll um mich, stellte nie eine kritische Frage.

Hausarbeiten erledigten die Putzkräfte, die ich mir als Inhaber eines kleinen mittelständischen Betriebs leisten konnte. Katja musste nur für sich selbst sorgen und für mich da sein.

Mit Timo versuchte ich das Miteinander schlug Ausflüge in den Zoo oder ins Kino vor, doch immer blickte Timo erst fragend zu seiner Mutter. Stimmte Katja stumm zu, gingen wir, sonst nicht. Wirklich warm wurde er mit mir nie.

Und als ich ihn einmal wegen einer schlechten Note in Mathematik zurechtwies, rastete Timo völlig aus.

Katja stand daneben, blickte mich traurig an und weinte schließlich. Ich ließ es bleiben sollten sie das unter sich klären.

Die nächsten zwölf Jahre verliefen gefühlt ruhig und zufrieden, wenn auch fast langweilig. Mein Leben war in geordneten Bahnen, bis Lina in meinem Büro als Office-Managerin anfing.

Lina war sehr engagiert, erledigte alles flink und warf mir manchmal verstohlene Blicke zu. Oder ich bildete es mir ein? Nein, es war wirklich so.

Auf der Weihnachtsfeier kam sie plötzlich zu mir, bat mich schüchtern zum Tanz. Ich schlug nicht aus, brachte sie danach noch nach Hause. Kurz bevor sie in ihr Haus ging, umarmte ich sie, sie küsste mich leicht auf die Wange.

Bitte kündigen Sie mich nicht! sagte sie leise und verschwand ins Haus.

Ich hatte nicht vor, ihr zu kündigen, aber bedauerte, dass ich ein verheirateter Mann war und nicht einfach alles aufgeben konnte.

Schon am nächsten Abend suchte mich Timo auf jetzt Anfang Zwanzig, mitten im Studium, aber noch zu Hause wohnend. Wir hatten wenig Kontakt.

Was gibts?, fragte ich erstaunt.

Kommt drauf an, grinste Timo und reichte mir sein Handy. Auf dem Foto umarmte ich Lina.

Und?

Ganz einfach: Du kaufst mir einen Wagen und das Foto bleibt geheim. Sonst zeig ichs Mama, platzte es aus ihm heraus.

Du bist ja Timo, für Erpressung reicht das nicht. Ich kann das Katja erklären, glaub mir, sagte ich ruhig.

Mit einem Kopfschütteln verließ ich das Zimmer. Was für ein kreativer Bursche! Erzählen wollte ich Katja erstmal nichts das gäbe nur unnötigen Kummer.

Doch ganz verdauen konnte ich die Sache nicht. Eine Woche später verkündete Katja freudig, Timo hätte eine Freundin.

Sie kommt aus einem anderen Bundesland, wohnt erst mal bei uns ok?, zwitscherte meine Frau.

Ist doch in Ordnung, sagte ich, immerhin hatten wir inzwischen eine großzügige Dreizimmerwohnung.

Am gleichen Abend brachte Timo sie mit: Das ist Lina, sagte er grinsend und warf mir einen vielsagenden Blick zu. Sie arbeitet doch bei dir, stimmts?

Guten Abend, murmelte Lina und wich meinem Blick aus.

Das Abendessen verlief ruhig, Lina sprach kaum, Katja schwärmte weiter von der Zukunft und einer großen glücklichen Familie.

Ich sagte nichts, fragte Katja, als wir allein waren bloß: Stört es dich nicht, dass Lina vier Jahre älter als Timo ist?

Komm, das spielt doch keine Rolle. Hauptsache, Timo liebt sie, erwiderte Katja. Ich diskutierte nicht weiter.

Nach den Feiertagen war viel im Betrieb zu tun, ein Großprojekt stand an. Zuhause war ich fast nur über Nacht, Lina lief mir selten über den Weg.

Eines Abends saß sie spät in der Küche offensichtlich wartete sie auf mich.

Hallo! Wo sind die anderen?

Katja ist bei einer Freundin irgendwas Dringendes. Timo bringt einen Freund zum Flughafen.

Aha, du bist also allein langweilig?

Sie schwieg.

Ich stellte den Wasserkocher an, da griff Lina überraschend nach meiner Hand und bedeutete mir, ihr zu folgen ins Badezimmer.

Ich muss Ihnen etwas sagen, begann sie leise. Bitte unterbrechen Sie mich nicht

Ich wartete.

Timo hat mich gedrängt, Sie zu verführen!, platzte es aus ihr heraus. Er hat mir mit einer Kündigung gedroht Sie kennen die Fotos Er wollte, dass ich mit Ihnen schlafe, damit Sie und Katja sich trennen. Außerdem war Geld versprochen. Ich brauche die Arbeit, meine Mutter ist schwer krank!

Wieso erzählst du mir das?, fragte ich.

Weil ich das nicht richtig finde! Und außerdem Ich mag Sie wirklich, Herr Bachmann. Timo und ich hatten nie etwas miteinander. Das sollten Sie wissen.

Ich verstand zwar noch nicht alles, aber ich würde Licht ins Dunkel bringen.

Ruf sofort Timo an. Sag, bei dir gibt es ein Problem. Irgendwas mit der Kamera er hat bestimmt welche installiert.

Lina nickte, griff nach ihrem Handy.

Wir saßen eine halbe Stunde schweigend in der Küche, bis Timo stürmte wütend aus dem Flur herein.

Was ist los? Es hat doch alles funktioniert!

Er stockte, als er mich sah. Lina hatte ihm gesagt, sie sei allein.

Verfluchte Kuh!, fauchte er Lina an. Sie blickte aus dem Fenster, ohne zu blinzeln.

Vorsicht mit deinem Ton, sagte ich ruhig. Jetzt wird geredet. Alles.

Und wenn nicht? Timo baute sich trotzig auf.

Dann erzähle ich, wie du hunderttausend Euro aus dem Tresor gestohlen hast. Und, glaube mir, ich kann das beweisen. Fünf Jahre Knast, mindestens.

Sein Blick flatterte hektisch. Offenbar hatte er zusammen mit Katja schon öfter Geld genommen

Das war Mutters Idee!, rief er schnell. Sie wollte dich beim Fremdgehen erwischen, damit du beim Scheidungsverfahren nicht aufmuckst. Dann würde sie ordentlich was abbekommen. Und Arthur würde sie auch nur mit Geld nehmen

Timo biss sich abrupt auf die Zunge. Ich starrte ihn an.

Also: Katja hat einen Geliebten, und der ganze Plan war, damit sie wohlhabend bleibt und dich verlässt?, stellte ich trocken fest.

Timo nickte.

Du weißt, wo sie jetzt ist?

Wieder ein Nicken.

Dann los.

Im Restaurant sah ich Katja tatsächlich mit diesem Arthur. Kein Drama, ich sprach sie nicht einmal an.

Am nächsten Tag erklärte ich Katja, dass ich die Scheidung wollte, und zog erst mal aus.

Natürlich wird sie etwas bekommen. Doch ich habe nicht mehr vor, sie glücklich zu machen. Das möchte ich lieber für jemanden tun, der es verdient vielleicht Lina. Aber sie weiß davon noch nichts.

Nicht alles im Leben lässt sich steuern oder planen. Man sollte lernen, frühzeitig Grenzen zu setzen und sich selbst treu zu bleiben egal, wie kompliziert Familie wird.

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Homy
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Eine Falle für den Stiefvater: Als Nikita, der Sohn aus Ksenias erster Ehe, versucht, mit kompromittierenden Fotos seinen Stiefvater Eugen Hartwig zu erpressen und diesen so zum Kauf eines Autos zu nötigen, gerät das scheinbar ruhige Familienleben ins Wanken. Doch Eugen, der sich nach seiner gescheiterten ersten Ehe in eine neue Familie gewagt hat, steht plötzlich im Mittelpunkt einer Intrige, bei der Ksenias Geheimnisse, Nikitas Erpressungsversuch und die eigentlichen Absichten der jungen Büroangestellten Lina dramatisch miteinander verknüpft sind. In einer Mischung aus emotionaler Erpressung, Verrat und dem Kampf um ein glückliches Leben muss Eugen entscheiden, wie weit er für Liebe, Gerechtigkeit und seinen eigenen Seelenfrieden gehen will.
„Ich habe meine Geliebte hier einziehen lassen, du kannst auf der Küche übernachten“, erklärte mein …