Mit noch nassen Händen stöhnte sie wegen ihrer Rückenschmerzen, als sie zögernd zur Tür ging, um sie zu öffnen.

Mit noch nassen Händen stöhnte ich leise über die Rückenschmerzen und ging zur Tür.
Ich, Hannelore, war gerade dabei, die Fenster zu putzen, als es zum dritten Mal zaghaft an der Haustür meines kleinen Hauses in Göttingen klingelte. Ich war nicht schnell genug zum Abtrocknen gekommen und musste seufzend den Lappen liegen lassen. Draußen stand ein junges Mädchen, sichtbar erschöpft, aber mit einem warmen Lächeln.
Frau Hannelore, man hat mir gesagt, Sie vermieten Zimmer?
Ach, die Nachbarn! Die schicken doch jeden hierher, aber ich habe nie Zimmer vermietet. Wirklich nicht.
Mir wurde gesagt, Sie hätten drei freie Zimmer
Und? Warum sollte ich sie vermieten? Ich genieße meine Ruhe, so ganz allein.
Verzeihung. Man sagte mir auch, Sie seien sehr gläubig, deshalb
Das Mädchen wandte sich ab, wollte schon die Treppe runtergehen. Sie wirkte den Tränen nahe.
Komm zurück, Mädchen! Ich habe dich doch nicht fortgeschickt. Die heutige Jugend ist aber auch wirklich empfindlich gleich fließen die Tränen. Also, komm rein und setz dich erst mal. Wie heißt du?
Gretchen.
Schöner Name Hast du einen Vater auf See wie in den alten Geschichten?
Nein, ich habe keine Eltern. Ich bin im Heim aufgewachsen, man fand mich als Baby in einem Hauseingang und brachte mich zur Polizei.
Ach, Kind. Darüber reden wir später. Jetzt gibts erst mal einen Tee. Möchtest du etwas essen?
Nein, danke. Ich habe eine Brezel unterwegs gegessen
Nur eine Brezel! Kein Wunder, dass die Jugend Magenprobleme bekommt mit dreißig. Setz dich und iss erst mal eine heiße Gemüsesuppe. Den Tee machen wir danach. Ich habe noch Marmelade vom letzten Sommer, als mein Mann vor fünf Jahren gestorben ist. Und wenn wir gestärkt sind, kannst du mir ruhig beim Fensterputz helfen.
Frau Hannelore, darf ich etwas anderes machen? Mir ist etwas schwindelig, ich möchte nicht stürzen ich bin schwanger.
Schwanger?! Na das fehlt mir gerade noch! Bist du wenigstens verheiratet?
Ja, ich mein Mann heißt Lukas, wir kennen uns aus dem Heim. Jetzt ist er beim Bund. Die Vermieterin hat mich rausgeschmissen, als sie von der Schwangerschaft erfahren hat. Ich hatte eine Woche Zeit, mir was Neues zu suchen Ich wusste nicht mehr weiter.
Schwere Zeiten Tja, was fang ich jetzt mit dir an? Wahrscheinlich kannst du im Gästezimmer bleiben. Und komm mir bloß nicht mit Miete das verbitte ich mir. Hol deine Sachen.
Die sind gleich nebenan, im Nachbarhaus. Hab sie heute früh dort im Treppenhaus abgestellt, weil ich keine Bleibe mehr hatte.
So lebten wir fortan zusammen. Gretchen lernte Modedesign, während ich längst in Rente, seit dem Bahnunfall Klöppelarbeiten machte und sie auf dem Wochenmarkt verkaufte. Das, was wir aus dem Garten ernteten, brachte auch etwas Geld. Samstags arbeiteten wir gemeinsam im Garten, sonntags ging ich in die Kirche und Gretchen blieb zu Hause, schrieb Briefe an Lukas, auf die sie immer sehnsüchtig wartete.
An einem kühlen Samstag, während wir Beete für den Winter vorbereiteten, wurde Gretchen plötzlich blass und musste ins Haus. Ich war noch dabei, Äste zu verbrennen, als sie plötzlich rief: Mama! Schnell, ich brauche dich! Mein Herz schlug wie verrückt, die Schmerzen in den Beinen waren vergessen. Gretchen hielt sich den Bauch, hatte große Schmerzen wohl zu früh für die Geburt.
Mit Hilfe eines Nachbarn fuhren wir sie ins Krankenhaus in seinem klapprigen alten Golf. Gretchen stöhnte und hatte Angst, dass es zu früh sei.
Im Krankenhaus holte man sie schnell mit der Trage ab. Ich verbrachte die Nacht betend auf einer Bank. Am Morgen rief das Krankenhaus an: Mutter und Kind gingen es gut, aber beide müssten noch einige Wochen bleiben.
Während dieser Zeit erfuhr ich viel über Lukas in langen Gesprächen mit Gretchen. Mit Stolz zeigte sie mir sein Foto, und ich musste schmunzeln meine Brille ist uralt, aber der Junge machte einen sympathischen Eindruck.
Zu Weihnachten bereiteten wir gemeinsam die Feier vor, sprachen über das Christkind, während wir auf den ersten Stern am Himmel warteten. Gretchen wurde unruhig, immer müder und bat schließlich, einen Krankenwagen zu rufen das Baby war unterwegs.
Am 6. Januar, am Dreikönigstag, kam ein kleines Mädchen zur Welt. Mein Herz wollte zerspringen vor Freude. Ich schickte sofort ein Telegramm an Lukas. Unsere kleine Prinzessin nannten sie Hannelore nach mir! Ich war zu Tränen gerührt.
Die folgenden Wochen waren anstrengend, voller Liebe und Unruhe wegen schlafloser Nächte und Sorgen um die Kleine. Doch ich spürte neue Kraft ich kümmerte mich mit Freude um Haus und Enkelin.
Eines milden Wintertags ging ich auf den Markt. Als ich zurückkam, sah ich Gretchen mit dem Kinderwagen im Garten spazieren. Ich ließ die beiden frische Luft schnappen und bereitete das Mittagessen zu. Im Wohnzimmer fiel mein Blick auf ein altes Foto meines verstorbenen Mannes, in einem Rahmen auf dem Tisch. Ich wunderte mich, wie es dorthin kam.
Gretchen, wie bist du an dieses Bild von meinem Karl gekommen?
Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen, Frau Hannelore.
Das Foto dort auf dem Tisch.
Oh, das ist von Lukas. Ich habe ihn gebeten, mir ein größeres Bild zu schicken, wenn er wiederkommt.
Verblüfft nahm ich den Rahmen in die Hand. Jetzt erst fiel mir auf, wie ähnlich sich Lukas und mein verstorbener Mann sahen das gleiche Lächeln, die dunklen Haare. Ich begann zu ahnen, dass der Zufall womöglich doch keiner war.
Gretchen, hol mal das Fotoalbum
Wir blätterten die alten Bilder durch, und Gretchen sah es selbst: Lukas und mein Karl ähnelten sich auf unglaubliche Weise. Ist das wirklich Lukas?, fragte sie leise.
Ich erzählte ihr zitternd, dass wir vielleicht doch über unerklärliche Wege miteinander verwandt seien. Gretchen war völlig überwältigt, doch wir umarmten uns zwei Frauen, verbunden durch Schmerz und Hoffnung, und das leise Wunder, das das Leben manchmal schenkt. So entstand eine Familie, ohne dass wir es ahnten.

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Homy
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Mit noch nassen Händen stöhnte sie wegen ihrer Rückenschmerzen, als sie zögernd zur Tür ging, um sie zu öffnen.
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