Du glaubst es nicht, aber Anna ist schon eifersüchtig auf Patienten, Pflegekräfte, Ärztinnen und sogar jeden Laternenpfahl da draußen. Das nimmt echt überhand… Und ehrlich? Ich bin einfach nur fertig.
Sebastian, was soll das hier? fragte mich Anna streng, während sie ein Hemd hochhielt. Was ist das für ein rosa Fleck? Lippenstift von irgendjemandem? Ach, deshalb hast du dich bei der Arbeit verspätet…
Anna, was redest du da? murmelte ich resigniert, während ich meine Kliniktasche auspackte. Ich komme gerade aus dem Nachtdienst. Welcher Lippenstift? Die Einzige im Team ist Schwester Gertrud und die ist 67. Wirklich… Ich bin platt.
Anna verzog die Lippen, knüllte das Hemd und marschierte ins Bad. Ich atmete schwer aus.
Seit über sechs Monaten sind wir jetzt zusammen. Eigentlich lief alles super bis auf Annas verdammte Eifersucht. Sie sieht Dinge, wo gar keine sind.
Schau doch mal”, stöhnt Anna. Er betrügt mich sicher! Guck mal hier.”
Sie reicht das Hemd ihrer Schwester und verschränkt die Arme, ganz geknickt.
Svenja das ist Annas Schwester schaut kurz aufs Hemd, schnuppert am Fleck und fängt so dermaßen an zu lachen.
Was ist denn so witzig?, fauchte Anna.
Das ist Marmelade, kein Lippenstift.
Anna reißt ihr das Hemd förmlich aus der Hand und schnuppert selbst dran. Sieht auch direkt total perplex und verwirrt aus.
Du musst dich mal entspannen. Diese ständige Verdächtigerei ist nicht normal, sagt Svenja, verständnislos.
Anna setzt sich ihr gegenüber.
Es war kein normaler Beziehungsstart, gesteht sie und schaut weg. Ich habe ihn quasi aus einer Beziehung geholt. Und ja… Eigentlich dachte ich, von mir würde er nie weggehen. Aber dann kam die Angst… Er könnte. Und…
Deshalb so ein Theater machen? Lern doch mal zu vertrauen!
Ich vertraue ihm, murmelt Anna. Trotzdem hab ich Angst, ihn zu verlieren.
Svenja schüttelt nur ratlos den Kopf.
—
Wo warst du so lange?, stellt Anna dann nachts die nächste Frage, Arme verschränkt. Es ist eins.
Ich seufze wieder nur.
Anna, du hast mich doch selbst mit den Jungs zum Fußballschauen gehen lassen. War ganz entspannt. Was ist los?
Jonas ist schon lange daheim, hab seine Freundin gefragt. Wo warst du also die letzten zwei Stunden?
Jonas musste eher weg, wegen seiner Frau. Ich bin mit Felix einfach noch geblieben. Anna, beruhig dich. Ich geh ins Bett.
Ich leg mich ins Schlafzimmer, will einfach nur abschalten, mal nicht über ihre Eifersucht nachdenken. Einfach wie früher. Aber Anna? Muss natürlich wieder Stress machen.
—
Ein paar Tage später, Anna kommt vom Supermarkt, läuft Richtung Wohnung, tippt am Handy und dann passierts: Plötzlich sieht sie auf der anderen Straßenseite, wie so eine Blondine Sebastian umarmt und sich offensichtlich über irgendwas freut. Er hält sie ganz ungeniert fest.
Anna sieht rot, wirft ihre Einkaufstasche auf den Boden und rennt los. Sie reißt die andere Frau von mir weg.
Ich habs gewusst!, schreit sie. Du betrügst mich! Die ganze Zeit schon! Ohne Scham hast du mich angelogen und jetzt das! Du Lügner!
Ich schaue Anna nur finster an, drücke die Fäuste so fest, dass die Knöchel weiß werden und werfe der verdutzten Frau einen hilfesuchenden Blick zu.
Anna…
Sprich mich nicht an! Die Ausreden will ich gar nicht hören!
Das ist meine Cousine. Lisa. Kennst du doch, oder? Tantes Tochter. Wir sind zusammen aufgewachsen.
Anna bleibt schockiert stehen.
Oh… Und nochmal: Oh.
Sie murmelt ein peinliches Entschuldigung zu Lisa, dann gehen beide getrennt nach Hause.
Abends komme ich später heim, total gekränkt. Wer mich kennt, weiß, normalerweise lächle ich immer, aber jetzt kein Blick für Anna.
Sebastian…
Ich kann einfach nicht mehr, sage ich leise. Diese Eifersucht zerstört alles. Tag für Tag, seit wir ein Paar sind, gibts nur noch Misstrauen und blöde Vorwürfe. Du bist eifersüchtig auf jeden, sogar auf die Laternen da draußen. Das ist nicht normal Ich bin einfach müde, ehrlich.
Sebastian!, fleht Anna. Willst du mich wirklich verlassen? Bitte ich liebe dich doch! Es tut mir so leid, ich weiß nicht, was mit mir los ist, aber ich schwöre, das passiert nie wieder. Bitte
Sie kniet fast schon vor mir und hält mich verzweifelt an den Händen fest. Ich habe sie echt gern sogar meine fünfjährige Beziehung damals für sie beendet, das hätte ich nie für möglich gehalten. Aber sie… Sie hat mein Herz erobert. Und trotzdem… Zerfrisst mich der Zweifel.
Ich liebe dich, flüstere ich und drücke ihre Hand. Aber was du da abziehst, ist einfach zu viel. Ich kann so nicht weiterleben
Es wird nie wieder vorkommen, schluchzt sie. Nie. Bitte bleib bei mir. Ohne dich… Ich kann das nicht.
Ich seufze, ziehe sie zu mir ich kann sie halt doch nicht verlassen, ganz gleich, wie sehr sies übertreibt.
—
Für ein paar Monate läufts super Annas alte Eifersucht scheint wie weg. Ich genieße unsere Zeit, gehe sogar nicht mehr früher zur Arbeit, bleibe gerne zuhause.
Aber dann kommt der Herbst, Krankheitswelle in der Klinik. Ich komme spät nach Hause, platt wie nie, will nur essen und schlafen.
Aber Anna… sie wird wieder misstrauisch. Erst hält sie sich noch zurück, fragt nicht, warum ich manchmal nach Parfüm rieche logisch, überwiegend Frauen im Team. Aber irgendwann kann sie nicht mehr, fängt an, nach meinen Sachen zu sehen, durchsucht Hemden, versucht was herauszufinden.
Eines Abends gehe ich direkt nach der Arbeit unter die Dusche diesmal bin ich echt schnell, will einfach nur ins Bett. Als ich rauskomme, erwische ich Anna am Handy, wie sie hektisch durch meine Nachrichten scrollt.
Anna Was machst du da?
Sie zuckt zusammen und legt mein Handy beiseite.
Ach, ich musste nur kurz telefonieren.
Ich deute auf ihr eigenes Handy im knallpinken Case liegt auf dem Bett.
Geht das mit deinem Handy nicht?
Der Akku ist leer.
In dem Moment leuchtet ihr Display auf, es kommt eine Nachricht.
Aha Wirklich komplett leer? Dann lügst du mich also auch noch an? fragte ich diesmal ganz ernst. Willst du mir sonst noch was sagen, Miss Marple?
Anna schüttelt betreten den Kopf.
Ich gehe wortlos zum Schrank und fange an, meine Sachen zusammenzupacken. Sie springt auf und hält mich am Arm fest.
Bitte nicht! Ich schwöre, ich hör damit auf. Ich vertraue dir doch, Sebastian!
Nein, Anna. Einmal verzeihe ich, aber nicht wieder. Ich hab es einfach satt. Ich will einfach leben. In Ruhe. Mit Vertrauen auf beiden Seiten. Alles andere ist doch kein richtiges Leben
Nach einer halben Stunde bin ich gepackt, Anna sitzt weinend auf dem Bett, die Knie an die Brust gezogen.
Ich habe dich lieb, wirklich. Aber so kann ich nicht mehr. Und du wirst dich auch nicht ändern.
Ich verlasse die Wohnung und fahre erstmal zu meinen Eltern. Ich bin wirklich fix und fertig.
—
Weißt du, Vertrauen ist das A und O in jeder Beziehung ohne das gehts einfach nicht. Vielleicht hatte Anna immer Angst, ich könnte sie verlassen, wie ich meine Ex für sie verlassen habe. Aber letztlich war das ihre Entscheidung. Ohne gegenseitiges Vertrauen, keine Liebe, keine Freundschaft, gar nichts.
Ach, Leute, was meint ihr dazu? Lasst mal eure Meinung da!




