Ich war für meinen Sohn und seine Familie die kostenlose Babysitterin und Köchin, bis sie mich am Flughafen mit einem One-Way-Ticket sahen.
Nina, hallo! Störe ich gerade? Die Stimme meiner Schwiegertoechter, Katja, klang künstlich fröhlich am Telefon.
Ich rührte schweigend mit dem Löffel in der längst erkalteten Suppe herum. Nein, ich war nie zu beschäftigt, wenn sie etwas brauchten.
Ich höre, Katja.
Wir haben Neuigkeiten einfach der Hammer! Leo und ich haben Tickets gebucht, wir fliegen für zwei Wochen in die Türkei! All-Inklusive, stell dir das vor! Total spontan, ein Last-Minute-Deal!
Ich stellte es mir vor. Meer, Sonne, Leo und Katja. Und irgendwo außerhalb des Bildes ihr fünfjähriger Sohn Max. Mein Enkel.
Glückwunsch. Ich freue mich wirklich für euch, sagte ich mit einer monotonen, leblosen Stimme, als läse ich eine Packungsbeilage vor.
Genau! Du nimmst Max natürlich zu dir, ja? Er kann gerade nicht in den Kindergarten, da geht wieder die Windpochen um.
Dazu noch sein Schwimmkurs, den er nicht verpassen sollte. Und nächste Woche hat er einen Logopäden-Termin, ich schicke dir den genauen Plan.
Sie redete schnell, ließ mir keine Chance, ein Wort dazwischenzuwerfen, als fürchte sie, ich könnte nachdenken und Nein sagen. Dabei hatte ich noch nie Nein gesagt.
Katja, ich hatte eigentlich vor, für ein paar Tage in unser Wochenendhaus zu fahren, solange das Wetter noch gut ist, begann ich, ohne wirklich an meine eigene schwache Ausrede zu glauben.
Wochenendhaus? Ihre Stimme klang ehrlich überrascht, als hätte ich gesagt, ich wolle zum Mars fliegen. Mama, was soll das denn? Jetzt braucht Max dich, und du denkst an Gemüsebeete?
Hier geht es nicht um Spaß, sondern um unsere Gesundheit. Meerluft, Vitamine!
Ich blickte aus dem Fenster auf den grauen Hinterhof. Meine Meerluft. Meine Vitamine.
Und noch was, fügte Katja ohne Pause hinzu, am Mittwoch kommt das Katzenfutter, Premiumqualität, zwölf Kilo. Der Lieferant kommt zwischen zehn und sechs, also bleib zuhause, okay? Und gieß bitte unsere Blumen, besonders die Orchidee. Die ist empfindlich.
Sie zählte meine Pflichten auf, als wäre das selbstverständlich. Ich war keine Person, sondern eine Funktion. Eine kostenlose Serviceleistung für ihr bequemes Leben.
Alles klar, Katja. Kein Problem.
Super! Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann! Sie plapperte weiter, als hätte sie mir gerade den größten Gefallen getan. Okay, Küsschen, ich muss noch packen!
Es knackte in der Leitung.
Langsam legte ich das Telefon auf den Tisch.
Mein Blick fiel auf den Wandkalender. Da war ein Termin rot markiert ein Treffen mit Freundinnen, die ich seit fast einem Jahr nicht gesehen hatte.
Ich nahm ein feuchtes Tuch und wischte die rote Markierung weg. Als würde ich damit ein weiteres kleines Stück meines eigenen, ungelebt





