Als Rita am Silvesterabend einsam zurückblieb, sollte sie nur für ihre beste Freundin Pauline während deren Winterurlaub in den Alpen die Blumen gießen und die Schildkröte füttern – doch als sie Paulines Wohnung mit dem Schlüssel betrat, brannte überall Licht, die Lichterkette am Tannenbaum glitzerte und aus dem Bad drangen seltsame Geräusche… Rita öffnete die Badezimmertür – und war sprachlos vor Überraschung!

Rita ging zu ihrer Freundin Helene nach Hause, um die Blumen zu gießen und Helenes Schildkröte zu füttern. Helene war mit ihrem Mann in den Urlaub gefahren. Mit dem Schlüssel, den Helene ihr dagelassen hatte, schloss sie die Tür auf, trat in den Flur ein und blieb wie angewurzelt stehen! Überall brannte Licht, der Weihnachtsbaum glitzerte mit bunten Lichterketten, und der Fernseher lief lautstark. Aus dem Badezimmer drangen seltsame Geräusche. Rita öffnete vorsichtig die Tür und klatschte erschrocken in die Hände.

Rita verbrachte die Silvestertage allein. Allein nein, eher bedrückt.

Ihre beste Freundin Helene war mit ihrem Mann fünf Tage vor Weihnachten in den Schwarzwald gefahren.

Helene hatte Rita, ihrer zuverlässigsten Freundin, die Verantwortung übertragen, ihre Zimmerpflanzen zu gießen und die Schildkröte regelmäßig zu füttern.

Sie wohnten im selben Mehrfamilienhaus, jedoch in unterschiedlichen Aufgängen.

Rita hatte ohne Zögern zugesagt. Zu dem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, welche Prüfung das Schicksal für sie bereithielt.

Eine Woche vor Silvester eröffnete ihr Freund Tobias, mit dem Rita zwei Jahre praktisch wie ein Herz und eine Seele zusammengelebt hatte, beim Abendessen eine unerwartete Nachricht: Er liebt eine andere!

Und diese andere war bereits im vierten Monat schwanger. Selbstverständlich, meinte er, fühle er sich als anständiger Mann verpflichtet, sie zu heiraten.

Darauf bestanden sie, ihre Mutter und auch die Großmutter. Tobias widersprach nicht und willigte sofort ein.

Und was ist mit mir?, fragte Rita konsterniert.

Tobias aß seelenruhig zu Ende, wischte sich den Mund mit einer Serviette ab und meinte: Du? Mach dir doch keinen Kopf. Mal ehrlich ich bin doch kein so großer Verlust. Wir beiden wissen doch längst, dass aus unserer Beziehung die Liebe verschwunden ist und nur noch Gewohnheit geblieben ist.

Sowas passiert. Sei froh, dass ich dich von mir erlöse.

Hilfst du mir, meine Sachen zu packen? Nein? Na gut, dann mach ichs alleine.

Ganz ungerührt begann er, seine Sachen einzupacken

Vier Tage lang verbrachte Rita weinend zu Hause. Sie verließ das Haus nicht, aß nichts und trank nur Kaffee. Dann kam ihre andere gute Freundin Katharina vorbei, und es stellte sich im Gespräch heraus, dass Rita seit Tagen keine Mahlzeit mehr zu sich genommen hatte.

Ursprünglich hatten Katharina, Rita und Tobias vorgehabt, gemeinsam mit Freunden ins neue Jahr zu feiern.

Das Restaurant war längst reserviert. Nun würde Tobias seine neue Ehefrau mitbringen.

Auf keinen Fall wollte Rita Silvester bei ihren Eltern verbringen. Die würden sie gleich bedauern und bemitleiden. Ihre Mutter hatte Tobias übrigens nie gemocht

Am 31. Dezember wartete Rita, wie so oft, auf ein Wunder. Warum? Wahrscheinlich aus Gewohnheit.

Rational weiß man, dass es keine Wunder gibt, aber wie Kinder wünscht sich jeder an Silvester etwas in der Hoffnung, dass das Leben es doch gut meint …

Der Tag ging langsam in den Abend über. Nichts passierte. Rita fiel ein, dass sie Tobias sein Geschenk nicht mehr überreichen konnte: Einen herrlich flauschigen Pullover aus Kornblumenwolle.

Er war nicht billig gewesen. Rita öffnete das Paket, probierte den Pullover an viel zu groß, auch an den Schultern.

Vermutlich wäre er selbst für Tobias zu weit gewesen, dachte sie und legte das Geschenk zurück in die Tüte.

Anschließend schminkte sie sich, schwor sich, nicht mehr zu weinen, und ging auf die Straße.

Sie war überzeugt davon, dass ein schöner Spaziergang durch die nächtliche Stadt besser sei, als zuhause allein Trübsal zu blasen. Schließlich sagt man: Wie man ins neue Jahr startet, so wird es verlaufen.

Es war nur noch anderthalb Stunden bis Mitternacht. Rita hoffte, sie würden schnell vergehen, und sie könne bald zurückkehren.

Sie fühlte sich traurig und einsam. Draußen regnete es in Strömen.

Rita bog in einen Supermarkt ein. In der Manteltasche fand sie Helenes Notizzettel: Zweiter Punkt Schildkröte füttern, zweimal pro Woche.

Rita erschrak plötzlich.

Ach du liebe Zeit! Wegen meiner Sorgen habe ich das total vergessen! Wenn Helenes Schildkröte etwas passiert, bekomme ich richtig Ärger!

Da hatte sich das mit Silvester erledigt!

Eilig lief Rita zu Helenes Wohnung, um die Schildkröte zu versorgen.

Sie schloss mit dem ihr anvertrauten Schlüssel auf, trat ein und war baff: Überall Licht, der Baum glitzerte bunt, Fernseher auf voller Lautstärke.

Aus dem Bad kam Lärm. Rita öffnete die Tür, da stand ein fremder Mann, der sich rasierte und dabei ein Liedchen trällerte.

Erster Gedanke: Ein Einbrecher!? Doch warum sollte der sich ausgerechnet rasieren?

Wer sind Sie?, fragte Rita streng.

Der Mann wusch sich schnell das Gesicht ab, drehte sich um und lächelte.

Keine Sorge, sagte er. Ich bin harmlos. Ich bin Paul, Helenes Cousin. Ich wohne und arbeite normalerweise in München und war für eine Konferenz da. Eigentlich wollte ich schon wieder los, aber es kam etwas dazwischen. Gut, dass ich einen Schlüssel meiner Cousine habe. Wir haben kurz telefoniert, und sie hat es mir erlaubt, für ein paar Tage hier zu bleiben.

Haben Sie vielleicht die Schildkröte gesehen?, fragte Rita abrupt.

Na klar, erwiderte Paul. Ich hab sie sogar schon gefüttert. Jetzt ist sie wieder da drüben hinter das Sofa verschwunden.

Paul streifte sich sein Hemd über.

Und jetzt wie wärs, wenn wir gemeinsam feiern? Es sind nur noch zehn Minuten bis Mitternacht.

Rita erwachte wie aus einem Traum, rannte ohne ein Wort hinaus und die Treppe hinunter. Paul lief ihr verwundert nach.

Warten Sie! Habe ich Sie erschreckt? Wo wollen Sie denn hin?

Rita stürmte in ihre Wohnung, schnappte sich das Paket und rannte zurück.

Als sie atemlos in Helenes Wohnung ankam die Tür stand immer noch offen schlug gerade die Uhr zwölf.

Paul reichte ihr ein Glas Sekt, und sie drückte ihm das Päckchen in die Hand.

Für Sie. Frohes neues Jahr!, sagte Rita.

Paul öffnete die Tüte. Darin lag der flauschige kornblumenblaue Wollpullover. Er probierte ihn direkt an perfekt! Sogar die Schultern passten.

Viele Silvesterüberraschungen hatte ich schon, aber diese ist die schönste, meinte Paul als sein erster Satz des neuen Jahres.

Ich hatte zwei Überraschungen die Trennung von Tobias und das Kennenlernen von Paul, dachte Rita, sagte aber nichts und lächelte nur.

Im nächsten Jahr feierten Rita, Paul und ihre kleine Tochter zu dritt Silvester bei Paul zu Hause.

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Homy
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Als Rita am Silvesterabend einsam zurückblieb, sollte sie nur für ihre beste Freundin Pauline während deren Winterurlaub in den Alpen die Blumen gießen und die Schildkröte füttern – doch als sie Paulines Wohnung mit dem Schlüssel betrat, brannte überall Licht, die Lichterkette am Tannenbaum glitzerte und aus dem Bad drangen seltsame Geräusche… Rita öffnete die Badezimmertür – und war sprachlos vor Überraschung!
Mein Ehemann und seine Geliebte haben während meiner Arbeit die Schlösser unserer Wohnung in Stuttgart gewechselt – doch sie ahnten nicht, welche Überraschung ich für sie bereithielt