Als Marina sich in den Ehemann ihrer Freundin verliebte, wurde ihr Leben zur Qual – Tag und Nacht dachte sie nur noch an ihn. Warum musste sie Valentina überhaupt besuchen? Jahre zuvor hatte sie ihre Freundschaft als entbehrlich abgestempelt und den Kontakt einschlafen lassen. Doch nach einem zufälligen Wiedersehen auf einer Kunstausstellung ließ sie sich aus Neugier zu einem Besuch überreden – und war plötzlich besessen. Sie schlief ein und sah nur sein Gesicht vor sich, wachte auf und dachte wieder an ihn. Wie hatte es Valentina geschafft, diesen Mann – einen erfolgreichen Anwalt mit Stadtvilla und mehreren Autos (SUV fürs Wetter, Coupé für die City, Familienstretchlimousine und ein kleines rotes Audi-Cabrio für sie) – zu erobern, wo sie doch nur als Verkäuferin in einer Schuhboutique arbeitete und kaum zur schicken Münchner Gesellschaft zählte? Warum läuft bei Marina, trotz guter Position als Bankangestellte und eigener Wohnung, in Sachen Männer alles schief? Beim nächsten Besuch erzählt Valentina ihr die Geschichte eines jungen Mannes, der unsterblich in die Frau seines Freundes verliebt war, und wie er lernte, der Sehnsucht Herr zu werden. Während Marina zwischen Sehnsucht und Neid schwankt, findet sie in Valentinens inspirierender Künstlerwerkstatt endlich wieder Zugang zu ihrem alten Traum, dem Malen – und vielleicht einen Weg, selbst glücklich zu werden, ohne das Glück anderer zu beneiden.

Martina hat sich in den Ehemann ihrer Freundin verliebt, und ihr Leben ist seither ein Albtraum. Ihre Gedanken kreisen Tag und Nacht um ihn. Warum musste sie überhaupt zu dieser Freundin fahren? Vor einigen Jahren hatte Martina die Freundschaft zu Vera für überholt erklärt und meldete sich deshalb kaum noch. Nach einem zufälligen Treffen auf einer Vernissage unterhielten sie sich freundlich, und aus Neugier folgte Martina schließlich der Einladung und bereut es nun zutiefst.

Wenn sie einschläft, sieht sie sein Gesicht, und beim Aufwachen denkt sie sofort an ihn. Es ist ihr völlig unbegreiflich, wie jemand wie Vera, die weder besonders auffällig noch mit außergewöhnlichen Talenten gesegnet ist, sich so einen Mann Veras Ehemann sichern konnte.

Er ist ein erfolgreicher Anwalt, besitzt ein dreistöckiges Haus am Rande von München, mehrere Autos: einen SUV für schlechtes Wetter, ein Cabrio für die Stadt, eine lange Limousine für Familienausflüge und einen kleinen, schicken Audi für Vera. Wie konnte das nur passieren? Vera entspricht doch in keiner Weise seinem gesellschaftlichen Status. Sie hat nicht studiert, arbeitete als Verkäuferin in einer Münchner Boutique. Wieso läuft es bei Martina immer schief? Warum bleibt ihr das Glück verwehrt? In ihrer Umgebung gibt es nur seltsame Typen. Natürlich gönnt sie Vera das Glück irgendwie, aber einen weiteren Besuch will sie sich selbst verbieten. Sie fürchtet, dass sie sonst die Beherrschung verlieren und beginnen könnte, zu verführen.

Martina erinnert sich, wie sie Vera in der Schulzeit einen Freund ausgespannt hatte. Damals kam Vera aus dem Ferienlager zurück; dort hatte sie sich mit Konstantin angefreundet, einem attraktiven, höflichen Jungen aus einem anderen Stadtteil. An den Wochenenden kam er sie besuchen, war witzig und erzählte spannende Geschichten. Martina gefiel er auf Anhieb, doch sie verhielt sich zurückhaltend schließlich war er ja Veras Freund. Oder? Bald gingen die drei gemeinsam ins Kino, ins Café, spazierten durch den Englischen Garten, feierten Geburtstage von Klassenkameraden. Die Zeit verging wie im Flug.

Eines Tages erschien Konstantin mit Pralinen und Blumen vor Martinas Tür und bat um ein Treffen zu zweit.
Und was ist mit Vera? Sie ist meine Freundin ist das nicht unfair? fragte Martina.
Ach, Vera. Wir sind einfach nur Freunde! Aber du du hast es mir angetan.
Martina willigte ein. Vera war zunächst wochenlang sauer, doch dann kam sie eines Tages vorbei und sagte:
Danke, dass du Konstantin ausgespannt hast. Ich war verliebt, aber du hast mir gezeigt, dass er doch nicht treu ist.
Und mir vertraust du? fragte Martina.
Vera lachte, schwieg, aber ab diesem Tag war der Groll verschwunden. Konstantin langweilte Martina nach ein paar Monaten, und sie beendete die Sache, nachdem er sie eifersüchtig auf einen Klassenkameraden gemacht hatte. Doch das alles fühlt sich heute an wie aus einem anderen Leben.

Jetzt ist Martina fast dreißig, arbeitet als Filialleitung in einer Bank. Es wird Zeit, zu heiraten, aber es ist kein passender Mann in Sicht. Nach dem Abitur sah sie Vera nur noch sporadisch, die letzten Jahre gar nicht mehr. Plötzlich aber kam eine Einladung zu Vera und nicht mehr in die altbekannte Wohnung nebenan, sondern in eine großzügige Villa im Grünen bei Starnberg: Hausangestellte, Gärtner, Wachschutz. Schock beschreibt ihr Gefühl nicht ansatzweise

Die Geschichte des Kennenlernens klingt wie ein Märchen. Anton, einst im Regen aus dem Wagen gestiegen, trat in eine Pfütze. Da er dringend zu einem Termin musste, betrat er den nächsten hochwertigen Schuhladen Vera arbeitete dort, empfahl ihm schnell die passenden Schuhe. Liebe auf den ersten Blick. Dass sich Vera verliebte, war wenig überraschend, aber er? Martina wünscht sich einen solchen Ehemann: erfolgreich, gelassen, klug. Doch Prinzen finden scheinbar immer die anderen, nur nie sie selbst. Sie ist nicht dumm, besitzt ihre eigene Eigentumswohnung in München, verdient gut, sieht gepflegt aus. Warum nehmen normale Männer sie einfach nicht wahr?

Heute lädt Vera wieder zu sich ein, ihr Mann ist geschäftlich in Frankfurt unterwegs, und die Freundinnen könnten sich austauschen. Martina spürt das starke Verlangen, wieder das Haus zu betreten, weiß aber: besser nicht. Nach nur einem Besuch sind ihre Gefühle außer Kontrolle: eine wilde Anziehung und zugleich die Neugier, wie Vera es geschafft hat, so zu heiraten. Die Vernunft rät zur Distanz, aber die Neugier siegt. Vielleicht kennt Anton ja einen unverheirateten Freund.

Im Wohnzimmer sitzen sie zusammen. Die Wände sind mit Gemälden geschmückt, die einen verwunschenen Zauber ausstrahlen: Drachen, Burgen, Prinzessinnen beinahe lebendig wirken sie.
Wer hat die Bilder gemalt?
Ich, antwortet Vera.
Martina ist genauso verblüfft wie damals beim Anblick des Hauses.
Ich wusste nicht, dass du malst.
Ich erinnere mich, dass du früher sehr gern und gut gemalt hast. Warst immer die Kreative. Es wundert mich, dass du an der Uni BWL gewählt hast.
Meine Mutter fand Malen Zeitverschwendung. Die Eltern haben mein Studium und meinen Beruf bestimmt. Manchmal habe ich das Gefühl, ich lebe nach dem Drehbuch einer fremden Person.
Ich habe mit dem Malen angefangen, als Anton wollte, dass ich den Job aufgebe und mehr zu Hause bin.
Wer ist Anton?
Oh, das ist mein Kosename für ihn. Ich fühl mich in seinem Freundeskreis nie so richtig zugehörig. Es ist langweilig, ich gehe nur zu diesen Empfängen, wenn es gar nicht anders geht. Die Bilder sie sind meine Ausrede, zu Hause zu bleiben.
Sag mal, gibts in eurem Bekanntenkreis ledige Männer?
Klar, aber ob er dein Typ ist?
Wieso denn nicht?
Er sucht jemanden, der nicht auf einen reichen Mann aus ist. Er hat allerdings ein Problem: Wenn er zu viel trinkt, verschwindet er manchmal für einen Monat.
Wir erzählen ihm nichts von mir?
Da sind überall Frauen um ihn herum, aber
Aber?
Er liebt mich. Anton macht sich immer einen Spaß daraus, aber der Freund hat ihm mal direkt gesagt: Wenn du dich je von Vera trennst, heirate ich sie!
Und warum stehen solche Typen ausgerechnet auf dich?
Es gibt kein Geheimnis.
Und warum verlieben sich die seltsamsten Kerle in mich?
Man weiß nie, wann und wo man den Richtigen trifft.
Leicht gesagt
Soll ich dir eine wahre Liebesgeschichte erzählen?
Na los, erzähl.
Ein junger Mann, ein Kunde bei uns, stand abends oft noch im Laden, nur um mit mir zu reden. Ihm fehlte jemand zum Reden. Er war schwer verknallt in die Frau seines Freundes. Ihre Familie ist gebildet, der Großvater Literaturprofessor, der Vater Germanist. Mein Bekannter kam vom Land: Mutter Melkerin, Vater Hobby-Landwirt. Tagsüber streifte er träumerisch durch die Stadt und schrieb Gedichte, wertlos für andere, aber wichtig für ihn. Beeinflusst von seiner Liebe zur Frau seines Freundes, vertiefte er sich immer tiefer in Literatur. Doch nie hätte er seinem Freund dessen junge, hübsche Ehefrau ausgespannt. Er verdrängte die Liebe, so gut er konnte.
Warum erzählst du mir das? fragt Martina misstrauisch.
Du verstehst gleich. Er las irgendeine Theorie, an die er sich hielt: Liebe ist angeblich unbeherrschbar. Aber, so die Theorie, wenn man sie nicht ständig gießt und nährt, wächst sie nicht weiter, man kann sie sogar ersticken oder wenigstens eindämmen.
Hat es funktioniert?
Er stürzte sich in sein Studium, lernte Sprachen, fand seine Berufung. Fünf Jahre später, als er hörte, dass das Paar sich trennte, machte er ihr einen Antrag und sie nahm an.
Und was willst du mir damit sagen?
Nur dies: Es ist wichtig, im Leben etwas zu tun, das einen erfüllt. Wenn du für etwas brennst, füllt das dein Leben mit Sinn. Und die Liebe taucht auf, wenn du bereit bist.
Meinst du, ich bin nicht bereit? Hat dir die Arbeit im Geschäft gefallen?
Sehr sogar. Jeden Tag kamen andere Menschen, man tauschte sich aus. Wenn ich das Richtige für den Kunden gefunden hab, war das wie Magie.
Hast du das immer erraten?
Eigentlich schon! Alle waren dann immer glücklich. Ich fühlte mich wie eine Zauberin, wenn sie zufrieden waren. Manche kamen quer durch München nur zu mir weil ich nie etwas andrehe, sondern wirklich zuhöre.
Und wie oft wurde Ware zurückgebracht?
So gut wie nie, wenn man darauf achtet, was jemand wirklich will. Komm, ich zeig dir meine Atelier.
Sie gehen hinauf unters Dach. Überall Staffeleien, Leinwände und Farben. Eine kreative Oase. Martina bekommt Gänsehaut, wie lange hat sie sowas nicht mehr gespürt. Vera versteht es, den Lebensgeist zu wecken.

Darf ich was malen?
Vera befestigt einen großen Bogen Papier.
Welche Farben?
Aquarell.
Martina vertieft sich voller Begeisterung in die Malerei und ist erst wieder bei sich, als eine Vase mit Blumen auf dem Papier erblüht. Sie erinnert sich an ein Café, in dem sie eine solche Vase gesehen und bewundert hatte. Nun steht sie auf ihrem eigenen Gemälde.

Wahnsinn, du solltest mehr malen, staunt Vera. Und jetzt schau dich mal an.
Sie fotografiert Martina beim Malen. Von dem Bild strahlt eine vor Glück leuchtende junge Frau.
Du bist so schön, wenn du malst. Das musste ich einfach festhalten. Macht dir der Job in der Bank denn so viel Spaß wie das Malen?
Nein.
Das ist die Antwort auf deine Frage. Wenn ein Mensch glücklich ist, fühlt sich jeder zu ihm hingezogen und darunter wird der Richtige sein. Du wolltest das Geheimnis wissen, wie man den richtigen Mann findet vielleicht ist das alles: Erst selbst glücklich zu werden, und dann kannst du dieses Gefühl teilen.Martina schaut auf das Bild, dann in Veras lächelndes Gesicht. In diesem Moment spürt sie etwas in sich aufbrechen, einen warmen Strom, der durch ihre Glieder fließt. Sie atmet tief ein und beginnt zu lachen, hell und frei, sodass ihr Trübsinn leise verpufft wie Nebel in der Morgensonne.

Weißt du was?, sagt sie. Vielleicht muss ich gar nicht auf den Märchenprinzen warten. Vielleicht reicht es, wenn ich aufhöre, ständig danach zu suchen.

Vera nimmt sie in den Arm, und sie stehen gemeinsam vor den noch unberührten Leinwänden. Wir könnten zusammen malen, schlägt Vera vor. Vielleicht machen wir irgendwann eine Ausstellung deine Bilder und meine.

Martinas Augen glänzen. Und beim Vernissage-Buffet könnten wir dann lässig über Kunst philosophierten, anstatt über Ehemänner!

Beide lachen. Draußen glimmt das letzte Licht der Dämmerung, drinnen färbt es die Blumen auf Martinas Bild in warmes Rot und Gold.

Martina merkt plötzlich: Ihr Herz ist ruhig. Nicht leer sondern frei, neu, erwartungsvoll. Vielleicht wartet ihr Glück tatsächlich nicht hinter Villen und Statussymbolen, sondern genau hier in einem Dachatelier, beim Malen und im ehrlichen Gespräch mit einer alten Freundin. Plötzlich ist alles möglich, und das Leben fühlt sich wieder wie ein Versprechen an.

Sie legt einen Arm um Vera. Lass uns keine weiteren Ehemänner austauschen. Lass uns einfach Freunde bleiben. Und ein bisschen Zauber in die Welt bringen.

Die beiden Frauen blicken aus dem Fenster in die sternenklare Nacht. Irgendwo beginnt ein neues Kapitel und dieses Mal wird Martina es mit ihren eigenen Farben gestalten.

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Homy
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Als Marina sich in den Ehemann ihrer Freundin verliebte, wurde ihr Leben zur Qual – Tag und Nacht dachte sie nur noch an ihn. Warum musste sie Valentina überhaupt besuchen? Jahre zuvor hatte sie ihre Freundschaft als entbehrlich abgestempelt und den Kontakt einschlafen lassen. Doch nach einem zufälligen Wiedersehen auf einer Kunstausstellung ließ sie sich aus Neugier zu einem Besuch überreden – und war plötzlich besessen. Sie schlief ein und sah nur sein Gesicht vor sich, wachte auf und dachte wieder an ihn. Wie hatte es Valentina geschafft, diesen Mann – einen erfolgreichen Anwalt mit Stadtvilla und mehreren Autos (SUV fürs Wetter, Coupé für die City, Familienstretchlimousine und ein kleines rotes Audi-Cabrio für sie) – zu erobern, wo sie doch nur als Verkäuferin in einer Schuhboutique arbeitete und kaum zur schicken Münchner Gesellschaft zählte? Warum läuft bei Marina, trotz guter Position als Bankangestellte und eigener Wohnung, in Sachen Männer alles schief? Beim nächsten Besuch erzählt Valentina ihr die Geschichte eines jungen Mannes, der unsterblich in die Frau seines Freundes verliebt war, und wie er lernte, der Sehnsucht Herr zu werden. Während Marina zwischen Sehnsucht und Neid schwankt, findet sie in Valentinens inspirierender Künstlerwerkstatt endlich wieder Zugang zu ihrem alten Traum, dem Malen – und vielleicht einen Weg, selbst glücklich zu werden, ohne das Glück anderer zu beneiden.
„Würdest du dir nicht auch eine Tochter wünschen? Ich kann deine Tochter sein, wenn du es möchtest.“ Das Mädchen kam allein in unsere Familie