Opa schickt Telegramm aus dem Kurheim: „Ich komme nicht zurück, ich lebe jetzt mit Gabi“ – Wie Oma Marlies endlich ihr Glück fand, nachdem der grantige Eisenbahner-Opa auszog

Du, ich muss dir einfach von einer Geschichte erzählen, die damals in meiner Familie passiert ist das ist so typisch deutsch! Also, meine Oma Marlene mit vollem Namen Marlene Schulze war immer die liebevollste und herzlichste Oma, die man sich vorstellen kann. Von meinem Opa, Kurt Schulze, hab ich nur so flüchtige Kindheitserinnerungen. Ich weiß noch, wie er immer nach schlechtem Tabak roch, nach Schweiß und wie seine Stimme so barsch und bestimmend klang. Oma hat nie ein gutes Wort über ihn verloren, ehrlich gesagt. Er soll sie sogar hin und wieder geohrfeigt oder rumkommandiert haben, ohne jeden Grund.

Opa Kurt hat bei der Deutschen Bahn gearbeitet, war Streckenläufer. Täglich ist er im strömenden Regen oder bei Schnee mit seinem Kollegen kilometerweit die Gleise entlang, um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Die Arbeit war wahnsinnig anstrengend du musst dir vorstellen, morgens um vier bei eisiger Kälte raus und durch die Pampa stapfen. Damals gabs für die Eisenbahner kostenlose Kuren von der Bahngewerkschaft Wellness im Schwarzwald oder so, und er hat immer abgelehnt. Keine Ahnung warum.

Aber dann, eines Winters ist sein lädiertes Knie richtig schlimm geworden und der Arzt hat ihm dringend eine Kur in einem Kurhaus in Bad Kissingen verordnet. Kurt hat einen Riesenschiss vor Ärzten gehabt, gleichzeitig aber einen Heidenrespekt. Also packt ihm Oma Marlene den alten, braunen Koffer mit dem klapprigen schwarzen Plastikgriff und schickt ihn los.

Und weißt du was? Oma hat sich gefreut wie ein Schneekönig. Endlich mal drei Wochen ohne ihre bessere Hälfte! Sie hat sich gleich abends eine riesige Schüssel Sonnenblumenkerne geröstet, ist mit den Nachbarinnen in der Siedlung auf den Gehweg und hat die Kerne verteilt, alle angesteckt mit ihrer guten Laune. Endlich drei Wochen keine muffigen Rauchschwaden, kein Gemeckere, keine Schläge und auch keine Suppe mehr in den Ausguss gekippt, nur weil sie zu viel oder zu wenig Petersilie enthalten hat.

Nach zwei Wochen bringt die Postbotin, Frau Fischer, eine Telegramm ins Haus: Ich komme nicht zurück, bleibe bei Gisela. Marlene hat den Zettel mehrmals gelesen, dann ist sie auf die Knie gefallen und hat gerufen: Lieber Gott, womit hab ich dieses Glück verdient?! Sie war wirklich überglücklich. Zuerst hat sie alle Hemden und Hosen von Opa rausgesucht, die sie sonst tagtäglich bügeln musste. Obendrauf kommen noch seine Dokumente alles zusammengepackt und ab in den Schuppen. Sie wollte einfach keinen Funken Kurt mehr im Haus haben.

Als die Kur vorbei war, kam Opa noch einmal nach Hause, hat alle Formalitäten bei der Arbeit geklärt, sich aus dem Melderegister austragen lassen, die Sachen und das Sparbuch geschnappt und ist kommentarlos ausgezogen. Er hat kein einziges Wort der Erklärung für Oma übrig gehabt sie war heilfroh, dass er nicht doch noch geblieben ist.

Am Wochenende sind Marlene und ihre Tochter dann gleich los in einen Baumarkt nach München, um Tapeten zu kaufen. Opa Kurt hatte immer streng verboten, Wände zu tapezieren, deswegen waren überall nur weiße, gekalkte Wände. Mit den Tapeten haben sie gleich noch Stoff für Vorhänge ausgesucht. Oma hat die Nähmaschine ausgepackt, vor sich hingesummt und endlich die langen Vorhänge genäht, von denen sie immer geträumt hat. Opa wollte immer nur diese komischen kurzen Lappen an den Fenstern haben, die Oma immer Schlüpfer genannt hat sie hat die gehasst!

Im Garten ist sie mit der Hacke dem ganzen wilden Tabak zu Leibe gerückt und hat stattdessen Erdbeerstauden gepflanzt. Die stachelige Himbeere wurde auch rausgeschmissen Opa hat nur die gemocht, alles andere Obst wie Kirschen, Zwetschgen oder Erdbeeren hat er verachtet. Marlene hat einfach alles gepflanzt, worauf sie Lust hatte. Im Haus hat sie dann alle alten, angeknabberten Teller rausgeworfen und das schöne Kaffeeservice vom 25-jährigen Jubiläum aus dem Küchenschrank geholt.

Und die uralte, klebrige Tischdecke mit grauen Blumenmuster die flog endlich auch raus. Sie hat die ewige, ewig brennende Sparflamme am Gasherd ausgemacht. Früher ist sie nie aus gewesen, weil Opa Streichhölzer sparen wollte! Jetzt lag da endlich eine duftende Erdbeerseife an der Spüle Opa meinte immer, Seife ist nur was für einmal die Woche im Waschkeller, Hände wäscht man nur mit Wasser.

Marlene ist richtig aufgeblüht ihre Falten wurden weniger, du konntest richtig sehen, wie sie jeden Tag jünger und fröhlicher wurde. Plötzlich hat sie wieder Gäste gehabt, die Nachbarinnen kamen zum Quatschen, sie haben Tipps ausgetauscht und Marlene war dauernd am Backen, jeden Sonntag gabs duftende Waldpilz-Piroggen.

Es war wie eine Frischzellenkur. Sogar ihre Haare wurden an den Wurzeln wieder dunkler! Natürlich wollte jeder Verwitwete in der Nachbarschaft ihr Herz gewinnen, aber Oma hat jedem Heiratsantrag und jedem Vorschlag zum Zusammenleben freundlich, aber bestimmt eine Abfuhr gegeben. Sie hat den Rest ihres Lebens mit ihren Kindern und Enkeln in Harmonie verbracht so glücklich wie nie zuvor.

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Homy
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Opa schickt Telegramm aus dem Kurheim: „Ich komme nicht zurück, ich lebe jetzt mit Gabi“ – Wie Oma Marlies endlich ihr Glück fand, nachdem der grantige Eisenbahner-Opa auszog
Jeden Tag gehe ich in die Schule meines Enkelsohns – nicht als Lehrer oder Mitarbeiter, sondern als Großvater mit Gehstock und einem Herzen, das nicht ruhen kann, wenn sein Enkel Unterstützung braucht. Mein Name ist Robert und ich tue dies für Mathis – meinen Stolz, meine Freude, meinen Lebenssinn. Das erste Mal, als ich ihn allein sah, saß er auf einer Bank unter der alten Kastanie. Die anderen Kinder rannten, lachten, spielten Fußball. Er beobachtete sie nur, die Hände auf den Knien, der sehnsüchtige Blick eines Kindes, das dazugehören möchte, aber nicht weiß wie. Als ich ihn an diesem Tag abholte, fragte ich: „Warum spielst du nicht mit deinen Klassenkameraden?“ Er zuckte mit den Schultern. „Sie wollen nicht, Opa. Sie sagen, ich bin zu langsam und verstehe die Regeln nicht.“ Diese Nacht habe ich kaum geschlafen. Am nächsten Morgen sprach ich mit der Schulleiterin. „Frau Monika, ich möchte um eine besondere Erlaubnis bitten. Ich möchte Mathis in den Pausen begleiten.“ Sie sah mich liebevoll an. „Herr Robert, ich verstehe Ihre Sorge, aber…“ „Es gibt kein ‘aber’. Dieser Junge ist mein Leben. Wenn die Schule ihn nicht integrieren kann, tue ich es.“ Seitdem betrete ich jeden Tag um halb elf das blaue Schultor. Anfangs sahen mich die Kinder neugierig an – ein alter Mann mit Strohhut und Gehstock zwischen ihnen. Mathis schämte sich. „Opa, du musst nicht kommen.“ „Schämst du dich, dass dein Opa dich liebt?“ Wir fingen langsam an. Ich brachte ein Dominospiel mit, dann ein Damespiel. Mathis lachte, wenn ich seine kleinen Schummeleien übersah. Eines Tages kam ein Junge auf uns zu. „Was spielt ihr?“ – fragte er. „Chinesische Dame“, antwortete ich. „Willst du mitspielen?“ Er hieß Daniel, war sechs Jahre alt und seine Zahnlücke ließ sein Lächeln besonders strahlen. Geduldig erklärte Mathis ihm die Regeln. Am nächsten Tag kam Daniel zurück und brachte eine Freundin mit, Lisa. Ab da wurde unsere Bank zum Treffpunkt voller Lachen und Freundschaft. Ich brachte ein Springseil mit und organisierte kleine Wettbewerbe. Mathis sprang langsam, aber die anderen passten sich seinem Tempo an. „Du schaffst das, Mati!“ rief Lisa. „Fünf Sprünge! Neuer Rekord!“ jubelte Daniel. Mit feuchten Augen und vollem Herzen beobachtete ich sie. Ein Nachmittag kam die Sportlehrerin zu mir. „Herr Robert, was Sie tun, ist bemerkenswert.“ „Ich bin nur ein Opa, der seinen Enkel liebt“, sagte ich. „Nein“, entgegnete sie lächelnd, „Sie lehren uns etwas, das wir manchmal vergessen: Jeder verdient einen Platz, egal wie schnell er ist.“ Drei Monate vergingen. Ich gehe immer noch. Nicht mehr, weil Mathis allein ist. Ich gehe, weil nun acht oder neun Kinder auf mich warten und beim Eintritt laut „Opa Robert!“ rufen. Weil mein Enkel jetzt Freunde hat, die ihn einladen, verteidigen und verstehen. Heute Morgen, beim Versteckspiel, umarmte Mathis mich fest. „Danke, Opa.“ „Wofür, mein Junge?“ „Dafür, dass du mich nicht allein gelassen hast. Dass du mir gezeigt hast, dass Anderssein okay ist.“ Ich kniete mich vor ihn und sagte: „Mathis, du hast mich belehrt. Du hast mir gezeigt, dass Liebe niemals müde wird, dass es nie zu spät ist, einen Unterschied zu machen, und dass wahre Courage bedeutet, da zu sein, wenn jemand dich braucht.“ Die Schulglocke klang. Die Kinder rannten in die Reihen. Mathis läuft nicht mehr mit gesenktem Kopf. Morgen komme ich wieder. Und übermorgen auch. Denn Opa sein heißt nicht nur sorgen – es bedeutet, Brücken zu bauen und der Welt zu zeigen, dass niemand, absolut niemand, im Pausenhof des Lebens allein sein sollte.