WEDER MIT DIR, NOCH OHNE DICH… -Niemals schwören. Niemals. Schwörst du ewige Liebe, und das Leben bringt eine neue Liebe, der du dich nicht entziehen kannst. Das Leben ist eben unberechenbar. Also: Liebe einfach, freue dich, lebe einfach – meinte Vera Andresen, dass sie kluge Lebensweisheiten an ihre Tochter weitergibt. – Neue Liebe? Mama, wie soll das gehen? Für mich ist das Verrat am geliebten Menschen, – entgegnete Anna überrascht ihrer Mutter. – Anna, vielleicht ist es Verrat, Betrug. Aber… Wie soll ich es dir erklären? Die Liebe verschwindet. Man kann sie nicht aufhalten. Nicht festhalten. Man wird gleichgültig gegenüber dem Menschen, den man einst so sehr geschätzt, verehrt hat. Einen zurückliegenden Zustand wiederherstellen zu wollen, ist wie Wasser auf Sand in der Wüste zu gießen. Zwecklos. So ist das manchmal, Anna… Dann kommt ein neues Gefühl. Kann wie Stromschlag sein. Die alte Liebe ist vorbei, die neue beginnt zu fließen. Und man versteht nicht, warum. Warum plötzlich der Funke überspringt. Es ist schmerzlich und süß zugleich. Wie mit einer zerstörerischen Leidenschaft umgehen? Man trifft den Menschen, der das Eigene ist, und alles andere wird fad. Es ist Chemie der Gefühle. Wie beschreibt man zum Beispiel die Farbe Rot? Unmöglich. Es gibt keine Worte. Mit Gefühlen ist es genauso, – seufzte Vera schwer. Anna betrachtete ihre Mutter aufmerksam. Es schien ihr, als spricht die Mutter von sich selbst, von einer geheimen Liebe. – Seltsame Dinge sagst du, Mama. Aber ich werde versuchen, dich zu verstehen, – murmelte Anna und verließ den Raum. – Ich hoffe es… – Vera umarmte ihre Tochter liebevoll. …Wie soll ich meiner Tochter, wie mir selbst erklären, dass es nicht zählt, wie lange du mit deinem Mann oder deiner Frau zusammen warst – ein Jahr oder zwanzig… Wie viele Schicksalsschläge ihr gemeistert habt… Wie viele Kinder ihr gemeinsam habt… Es spielt keine Rolle… Plötzlich erscheint dieser eine Mensch. Und du fällst freiwillig in sein Leben hinein. Und du denkst: Wie konnte ich so lange ohne ihn leben? Wie nur? Vera blickte irgendwie resigniert aus dem Fenster. Wie geht es nun weiter? Diesen Mann konnte sie nicht vergessen. Er war da, und das ließ sich nicht ändern. Er war wie ein Splitter im Herzen. Nicht wegzudenken. Keine Psychologen der Welt könnten helfen. Es ist eben Liebe… „Ich bin an nichts schuld. Ich habe niemanden gesucht. Erik hat mich gefunden. Er lässt mich nicht los. Ich bin oft vor ihm weggelaufen. Zwecklos. Seine Berührungen verursachen Gänsehaut. Es ist wohl das Schicksal. Es soll so sein.“ Vera beschloss, ihrem Mann nichts von der Trennung zu sagen. Sie würde heimlich ihre Sachen packen und zu Erik in eine andere Stadt ziehen. Dort würden sie sich ein gemeinsames Nest bauen. Erik bittet sie schon lange zu kommen. Die Liebe ist gereift… Ihr Mann würde vermutlich den Grund für ihre Flucht ahnen. Seit einem halben Jahr legt Vera abends das Handy unter das Kopfkissen, nimmt es sogar mit unter die Dusche, lässt es nie aus der Hand… Ihr Mann ist klug, er wird es verstehen… „Meine Tochter ist korrekt. Sie hat sich ihren Mann ausgesucht, und damit basta. Früh geheiratet. Und sie drängt nicht nach links und rechts. Sie ist wie ein Fels in der Brandung. Anna hängt an ihrem Mann wie das Fädchen an der Nadel. Eine Familie ohne Schönheitsfehler. Sie hat einen Sohn geboren und all ihre Liebe in ihn gesteckt. Er ist zwar weniger nach ihr, eher ein Unruhegeist. Aber das Leben wird ihn schon formen, alles zurechtrücken.“ Vera Andresen machte sich schließlich auf den Weg – zu ihrer großen Liebe. Für immer. Doch das Leben machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Hart, unwiderruflich. Als hätte es sie mit Brennesseln geschlagen. Ihr Mann erlitt einen Schlaganfall und war nun hilflos wie ein kleines Kind. Früher war jedes Unglück mit ihm nur halb so schlimm… Vera schwankte zwischen Geliebtem und Ehemann. Erik konnte sie nur anrufen. Es gab Momente bitterer Verzweiflung, völliger Lähmung. Sie hatte keinen Kopf mehr für Liebe, Leidenschaft, für gar nichts… Das Leben stand Kopf… Der Ehemann tat ihr unendlich leid, Erik konnte sie jedoch nicht vergessen (ihre Gefühle für ihn wurden nicht schwächer, im Gegenteil, sie nahmen zu). Die Tochter, die das seelische Leid ihrer Mutter beobachtete, sagte: – Mama, ich kümmere mich um Papa. Du sollst dein Leben leben… Vera weinte, umarmte Anna und flüsterte: – Danke, Anni. Du bist so klug. Noch am selben Abend stand Vera am Bahnhof, wartete auf den Zug. …Das Wiedersehen mit Erik. Tränen der Freude, hungrige Küsse, belanglose Gespräche. – Hallo, mein Schatz, – klammerte sich Vera an Erik, ließ ihn lange nicht los. – Veronika, ich habe so auf dich gewartet, – Erik küsste die Hand seiner Geliebten heiß. …Die Nacht war märchenhaft. Bodenlos. Leidenschaft, Zweisamkeit, Gänsehaut, unstillbare Sehnsucht… Die Laken kennen ihre Seufzer… Wo ist der Himmel? Wo die Erde? Als wäre es das letzte Mal… Ach, wie sehr war dieses flüchtige Treffen nötig! …Doch drei Tage später saß Vera am Bett ihres reglosen Mannes… Wischte ihm und sich selbst die Tränen ab…

WEDER MIT DIR, NOCH OHNE DICH

Schwöre niemals etwas. Auf gar keinen Fall.
Schwörst du ewige Liebe, und das Leben stellt dir doch eine neue Liebe in den Weg, vor der du nicht davonlaufen kannst.
Das Leben ist da sehr unberechenbar. Also: Lieb einfach, freu dich einfach, leb einfach das war der Rat, den meine Mutter, Ingrid Weber, mir immer mitzugeben versuchte, ganz überzeugt davon, dass es einfache Wahrheiten sind.

Neue Liebe? Mama, wie meinst du das? Für mich klingt das nach Verrat an dem Menschen, den man doch liebt, fragte ich, Sabine, erstaunt nach.

Sabinchen, vielleicht ist es Verrat, vielleicht sogar Untreue. Aber Wie soll ich dir das erklären? Die Liebe vergeht. Und man kann sie nicht aufhalten. Du wirst gleichgültig gegenüber dem Menschen, den du noch vor kurzem auf den Händen getragen hast. Zu versuchen, das Vergangene zurückzuholen, ist, als würde man Sand in der Wüste gießen. Völlig sinnlos. So etwas gibt es, Sabine …
Es kommt ein neues Gefühl. Nenn es Stromschlag. Die alte Liebe löscht sich aus, die neue bahnt sich ihren Weg. Du verstehst selbst nicht, warum es so ist. Warum plötzlich dieses Prickeln da ist. Es schmerzt und ist gleichzeitig zuckersüß. Wie soll man dieser zerstörerischen Leidenschaft widerstehen?
Du triffst jemanden, der deins ist, und alles andere erscheint fad. Nennen wir es das chemische Gefühl.
Wie erklärt man zum Beispiel die Farbe Rot? Es gibt keine passenden Worte. Mit Gefühlen ist es genauso, meinte meine Mutter, und man sah einen schweren Seufzer auf ihren Lippen.

Ich blickte meine Mutter an und dachte plötzlich, sie spricht wohl von sich selbst. Von einer heimlichen Liebe vielleicht?

Merkwürdige Dinge sagst du, Mama. Aber ich werde versuchen, dich zu verstehen, sagte ich, und verließ das Wohnzimmer.

Ich hoffe es… drückte mich meine Mutter fest an sich.

…Wie erklärt man seiner Tochter, wie auch sich selbst, dass es nicht darauf ankommt, wie viele Jahre du mit Ehemann oder Ehefrau verbracht hast ein Jahr, zwanzig Jahre…
Wie oft man gemeinsam durch schwere Zeiten gegangen ist
Wie viele Kinder man hat…
Es zählt letztlich nicht…
Plötzlich taucht genau dieser eine Mensch auf. Und du bist ihm ausgeliefert, landest ganz freiwillig in seiner Welt.
Du fragst dich: Wie konnte ich so lange atmen, leben ohne ihn? Wie nur?
Meine Mutter Ingrid starrte mit solch einer Hoffnungslosigkeit aus dem Fenster. Was nun?
Sie konnte diesen Mann nicht vergessen. Er war da, überall, und ließ ihr Herz nicht los. Ein Dorn, tief eingebohrt. Keine Therapie hilft dagegen. Es ist eben Liebe
Ich bin nicht schuld daran. Ich habe niemanden gesucht. Bernd hat mich gefunden. Er wird mich nicht gehen lassen. Ich bin schon oft vor ihm davongelaufen. Es hat nie funktioniert. Seine Berührung jagt mir Gänsehaut über die Haut. Es ist wohl Schicksal. Das ist einfach so.

Ingrid beschloss, meinem Vater nichts von ihrer Entscheidung zu sagen. Sie würde heimlich ihre Koffer packen und zu Bernd in eine andere Stadt ziehen. Dort würden sie gemeinsam ihr neues Familiennest aufbauen.
Bernd lud sie schon lange ein. Die Liebe war gereift
Mein Vater würde vielleicht schon ahnen, was los ist. Das letzte halbe Jahr nahm Ingrid abends ihr Handy immer mit ins Bad, versteckte es unter dem Kopfkissen, gab es kaum aus der Hand
Er ist schlau, er wird es verstehen…

Meine Tochter denkt Ingrid ist anständig. Hat ihren Mann gewählt und Schluss. Auch wenn sie rasch geheiratet hat, aber sie blieb immer treu. Keine Ausreißer, kein Nach-links-und-nach-Rechts-Schauen. Ein Fels. Sabine ist wie das Garn zur Nadel hinter ihrem Mann her. Familie ohne Makel. Sie bekam einen Sohn, ihre ganze Liebe steckte sie in ihn. Er ist allerdings kein typischer Mamasöhnchen. Ein Lausbub. Aber das Leben wird ihn schon richten, alles fügt sich irgendwann.

Endlich war Ingrid bereit für die Reise. Zum Geliebten. Für immer.
Doch dann änderte das Leben alles. Hart und unerbittlich. Es kam wie ein Schlag ins Gesicht.

Mein Vater lag plötzlich krank am Boden hilflos wie ein kleines Kind. Schlaganfall.

Früher war jedes Problem nur halb so groß, solange wir zusammenhielten
Jetzt war alles anders.

Ingrid wusste nicht mehr, wohin. Zwischen Bernd und meinem Vater hin- und hergerissen. Sie konnte Bernd nur noch anrufen. Momente der Verzweiflung und Leere folgten. Sie wollte weder Liebe noch Leidenschaft, einfach nichts mehr
Das Leben war komplett aus den Fugen geraten
Sie hatte Mitleid mit meinem Vater, konnte Bernd aber nicht vergessen (ihre Gefühle für ihn wurden nur noch stärker, nicht schwächer).

Ich, ihre Tochter, sah ihre Qualen und sagte:
Mama, ich kümmere mich um Papa. Du sollst auch an dein Leben denken…
Da weinte Ingrid, umarmte mich, und flüsterte:
Danke, meine Sabine. Du bist so eine kluge Tochter.

Am selben Abend stand Ingrid auf dem Bahnsteig und wartete auf den Zug.
…Das Wiedersehen mit Bernd. Tränen der Freude, gierige Küsse, belangloses Geplauder.
Na, mein Schatz, Ingrid hing an Bernd, ließ ihn lange nicht mehr los.
Inge, ich habe dich so sehr vermisst, und Bernd küsste liebevoll ihre Hand.

Die Nacht war wie ein Märchen. Bodenlos Leidenschaft, die alles zerriss, ersehntes Einssein, Genuss bis zur Gänsehaut, unstillbar
Die Laken kannten keine Ruhe mehr…

Wo ist der Himmel?
Wo die Erde?
Wie zum letzten Mal…

Oh, wie wichtig war dieses flüchtige Treffen!

…Drei Tage später saß Ingrid wieder am Bett ihres unbeweglichen Mannes…
Sie tupfte sich und ihm die Tränen aus dem Gesicht…

Heute, als ich am Fenster stehe und zurückblicke, weiß ich: Das Leben zwingt dich manchmal zu Entscheidungen, die richtig und falsch zugleich sind. Du kannst nicht immer alles planen, die Gefühle sind stärker. Aber niemand sollte zum Gefangenen seines eigenen Herzens werden. Letztlich bezahlt man für alles im Leben seinen Preis in Euro wie in Tränen.

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Homy
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WEDER MIT DIR, NOCH OHNE DICH… -Niemals schwören. Niemals. Schwörst du ewige Liebe, und das Leben bringt eine neue Liebe, der du dich nicht entziehen kannst. Das Leben ist eben unberechenbar. Also: Liebe einfach, freue dich, lebe einfach – meinte Vera Andresen, dass sie kluge Lebensweisheiten an ihre Tochter weitergibt. – Neue Liebe? Mama, wie soll das gehen? Für mich ist das Verrat am geliebten Menschen, – entgegnete Anna überrascht ihrer Mutter. – Anna, vielleicht ist es Verrat, Betrug. Aber… Wie soll ich es dir erklären? Die Liebe verschwindet. Man kann sie nicht aufhalten. Nicht festhalten. Man wird gleichgültig gegenüber dem Menschen, den man einst so sehr geschätzt, verehrt hat. Einen zurückliegenden Zustand wiederherstellen zu wollen, ist wie Wasser auf Sand in der Wüste zu gießen. Zwecklos. So ist das manchmal, Anna… Dann kommt ein neues Gefühl. Kann wie Stromschlag sein. Die alte Liebe ist vorbei, die neue beginnt zu fließen. Und man versteht nicht, warum. Warum plötzlich der Funke überspringt. Es ist schmerzlich und süß zugleich. Wie mit einer zerstörerischen Leidenschaft umgehen? Man trifft den Menschen, der das Eigene ist, und alles andere wird fad. Es ist Chemie der Gefühle. Wie beschreibt man zum Beispiel die Farbe Rot? Unmöglich. Es gibt keine Worte. Mit Gefühlen ist es genauso, – seufzte Vera schwer. Anna betrachtete ihre Mutter aufmerksam. Es schien ihr, als spricht die Mutter von sich selbst, von einer geheimen Liebe. – Seltsame Dinge sagst du, Mama. Aber ich werde versuchen, dich zu verstehen, – murmelte Anna und verließ den Raum. – Ich hoffe es… – Vera umarmte ihre Tochter liebevoll. …Wie soll ich meiner Tochter, wie mir selbst erklären, dass es nicht zählt, wie lange du mit deinem Mann oder deiner Frau zusammen warst – ein Jahr oder zwanzig… Wie viele Schicksalsschläge ihr gemeistert habt… Wie viele Kinder ihr gemeinsam habt… Es spielt keine Rolle… Plötzlich erscheint dieser eine Mensch. Und du fällst freiwillig in sein Leben hinein. Und du denkst: Wie konnte ich so lange ohne ihn leben? Wie nur? Vera blickte irgendwie resigniert aus dem Fenster. Wie geht es nun weiter? Diesen Mann konnte sie nicht vergessen. Er war da, und das ließ sich nicht ändern. Er war wie ein Splitter im Herzen. Nicht wegzudenken. Keine Psychologen der Welt könnten helfen. Es ist eben Liebe… „Ich bin an nichts schuld. Ich habe niemanden gesucht. Erik hat mich gefunden. Er lässt mich nicht los. Ich bin oft vor ihm weggelaufen. Zwecklos. Seine Berührungen verursachen Gänsehaut. Es ist wohl das Schicksal. Es soll so sein.“ Vera beschloss, ihrem Mann nichts von der Trennung zu sagen. Sie würde heimlich ihre Sachen packen und zu Erik in eine andere Stadt ziehen. Dort würden sie sich ein gemeinsames Nest bauen. Erik bittet sie schon lange zu kommen. Die Liebe ist gereift… Ihr Mann würde vermutlich den Grund für ihre Flucht ahnen. Seit einem halben Jahr legt Vera abends das Handy unter das Kopfkissen, nimmt es sogar mit unter die Dusche, lässt es nie aus der Hand… Ihr Mann ist klug, er wird es verstehen… „Meine Tochter ist korrekt. Sie hat sich ihren Mann ausgesucht, und damit basta. Früh geheiratet. Und sie drängt nicht nach links und rechts. Sie ist wie ein Fels in der Brandung. Anna hängt an ihrem Mann wie das Fädchen an der Nadel. Eine Familie ohne Schönheitsfehler. Sie hat einen Sohn geboren und all ihre Liebe in ihn gesteckt. Er ist zwar weniger nach ihr, eher ein Unruhegeist. Aber das Leben wird ihn schon formen, alles zurechtrücken.“ Vera Andresen machte sich schließlich auf den Weg – zu ihrer großen Liebe. Für immer. Doch das Leben machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Hart, unwiderruflich. Als hätte es sie mit Brennesseln geschlagen. Ihr Mann erlitt einen Schlaganfall und war nun hilflos wie ein kleines Kind. Früher war jedes Unglück mit ihm nur halb so schlimm… Vera schwankte zwischen Geliebtem und Ehemann. Erik konnte sie nur anrufen. Es gab Momente bitterer Verzweiflung, völliger Lähmung. Sie hatte keinen Kopf mehr für Liebe, Leidenschaft, für gar nichts… Das Leben stand Kopf… Der Ehemann tat ihr unendlich leid, Erik konnte sie jedoch nicht vergessen (ihre Gefühle für ihn wurden nicht schwächer, im Gegenteil, sie nahmen zu). Die Tochter, die das seelische Leid ihrer Mutter beobachtete, sagte: – Mama, ich kümmere mich um Papa. Du sollst dein Leben leben… Vera weinte, umarmte Anna und flüsterte: – Danke, Anni. Du bist so klug. Noch am selben Abend stand Vera am Bahnhof, wartete auf den Zug. …Das Wiedersehen mit Erik. Tränen der Freude, hungrige Küsse, belanglose Gespräche. – Hallo, mein Schatz, – klammerte sich Vera an Erik, ließ ihn lange nicht los. – Veronika, ich habe so auf dich gewartet, – Erik küsste die Hand seiner Geliebten heiß. …Die Nacht war märchenhaft. Bodenlos. Leidenschaft, Zweisamkeit, Gänsehaut, unstillbare Sehnsucht… Die Laken kennen ihre Seufzer… Wo ist der Himmel? Wo die Erde? Als wäre es das letzte Mal… Ach, wie sehr war dieses flüchtige Treffen nötig! …Doch drei Tage später saß Vera am Bett ihres reglosen Mannes… Wischte ihm und sich selbst die Tränen ab…
Widerstrebend packe ich meine Koffer und fahre mit meinem Sohn zu meiner Mutter – weil mein Mann Felix kurzerhand seine Cousine Anna, deren Mann Tobias und ihre beiden Kinder, Lina und Ben, ohne Absprache in unser Schlafzimmer einquartiert hat