Verloren im Bann der Liebe – Katja, bitte überleg es dir gut! Er ist erst achtzehn, du schon sechsundzwanzig! Was für ein Paar – das wird was zum Anschauen. Was kann er dir bieten? Nur endlose Probleme, das ist klar. Deine Kollegen werden dich auslachen: Die Lehrerin verliebt sich in ihren Schüler, wo gibt’s denn sowas? Kündige lieber von selbst an deiner Schule, bevor man dich wegen Sittenlosigkeit rauswirft, malte meine Mutter das ganze Drama aus. Doch ich konnte nur heulen. Denn so kam es, dass Igor und ich uns verliebten. Ja, er ist deutlich jünger und außerdem mein Schüler. Aber in einem Jahr macht Igor sein Abitur, dann heiraten wir und keiner achtet mehr auf den Altersunterschied. Ich musste einfach nur warten. Ich konnte mich nicht von ihm trennen – Igor war meine erste Liebe. Die Sorge meiner Mutter, dass alle etwas von unserer Beziehung ahnten, war übertrieben. Igor und ich trafen uns heimlich. Trotzdem wusste ich: Wenn das rauskommt, weiß es die ganze Schule sofort. Aber ich konnte nicht anders, schmolz in seinen Armen dahin, genoss jeden seiner Blicke. Ich wusste – als Lehrerin gab ich ein schlechtes Vorbild ab. Gerade meine Mutter, selbst Pädagogin, verstand mein Verhalten nicht. Ich bereute es, ihr von meiner bittersüßen Freude erzählt zu haben – denn Unterstützung fand ich bei ihr nicht. Wie oft schon hatte ich mir in Gedanken eine Trennung von Igor ausgemalt. Doch sobald ich ihn sah, setzte mein Herz aus und der Verstand aus. Verbot hin oder her – ich liebte ihn. Igor war ein Einser-Schüler, sportlich, vernünftig. Die Mädchen aus seiner Klasse himmelten ihn an. Heimlich war ich eifersüchtig – glücklich, aber auch unsicher. Dann, am letzten Schultag, begann für Igor das Studium. Und ich … wurde schwanger. Meine Mutter bemerkte sofort die Veränderung an mir: „Na super, jetzt hast du dein Pärchen. Willst du das Kind etwa bekommen? Du hast nicht auf mich gehört, selbst schuld!“ – „Nein, ich will es behalten“, entgegnete ich. So kam unsere Tochter Swetlana zur Welt. Igor aber drückte sich vor der Verantwortung, das Studium war ihm wichtiger, und er ging auf Abstand. Schließlich trennten sich unsere Wege. Ich fiel aus allen Wolken und blieb mit der Kleinen allein zurück. Erzählen konnte ich davon niemandem – über die Lehrerin und ihren Schüler hätten doch sowieso alle getuschelt und mich ausgelacht. Meine Mutter tröstete mich: „Ich merke, mit Igor läuft es nicht mehr. Kopf hoch, Katja – auch im Aschenglut kann noch eine Funken glimmen. Alles wird gut, du wirst sehen.“ Zwei Jahre vergingen ohne Igor. Dann begegnete mir Alex, der Junge mit dem Dackel. Wir lernten uns beim Spazierengehen kennen – ich mit Kinderwagen, er mit seiner kleinen Hündin Hanni. Ein netter, humorvoller Typ mit besonderer Ausstrahlung. Mit Alex wurde alles leicht. Wir ließen Sweta und Hanni bei meiner Mutter, gingen zusammen ins Kino oder Café. „Geht ruhig aus, ich passe gern auf“, freute sich meine Mutter. Sweta und ich zogen bei Alex ein. Es war ruhig und schön mit ihm, frei von Aufregung. Irgendwann rief meine Mutter an, ganz durcheinander: „Katja, Swetas Vater war eben da. Hat getobt und eure Adresse verlangt. So ist er eben, dein ehemaliger Schüler – außen samtig, innen ein Kratzer.“ Bald stand Igor tatsächlich vor der Tür: „Du hast einen Mann gefunden, der mein Kind erzieht – mit welchem Recht?“ – „Igor, du hast Sweta freiwillig aufgegeben. Was willst du also?“ Igor versuchte die alte Zeit zurückzuholen, aber ich blieb hart: „Alex hat mir geholfen, dich zu vergessen. Danke für alles, aber es ist vorbei.“ Als Alex von Igors Besuch erfuhr, nahm er’s locker und machte mir beim Abendessen einen Heiratsantrag. Im Sommer feierten wir Hochzeit, Alex adoptierte Sweta und bald kam unser Sohn Maxim zur Welt. Igor hörten wir nur noch von Weitem – angeblich hatte ihn eine Kommilitonin, die er geheiratet hatte, mit Kind verlassen. Die Jahre vergingen wie im Flug, wir bekamen graue Schläfen. Sweta heiratete einen Italiener, nahm den Nachwuchs von Dackeldame Hanni mit: „Wenigstens ein Stück Heimat im Ausland.“ Unser Sohn Maxim, nun zweiundzwanzig, ist in seine Literaturdozentin verliebt – offenbar basiert das auf Gegenseitigkeit. Wiederholt sich da etwa meine Geschichte? Akzeptieren oder abraten? Aber aus Erfahrung weiß ich: Liebende sind nicht zu stoppen. „Maxim, entscheide selbst. Wichtig ist nur: Sei ehrlich zu ihr, mach sie nicht lächerlich. Überlege gut.“ – „Mama, ihr seid für mich das beste Vorbild. Danke, dass ihr keine Vorträge haltet“, meinte Maxim und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Maxim und Marina heirateten, schon bald kam ihre Tochter Zoya zur Welt. Der Liebe kann man einfach nicht entkommen…

SICH DER LIEBE FÜGEN

Anna, komm zur Vernunft! Dein Auserwählter ist gerade mal achtzehn, du bist sechsundzwanzig! Ein echtes Traumpaar, wie aus dem Märchen. Was kann er dir schon bieten? Jede Menge Probleme, das ist alles. Deine Kollegen werden dich auslachen. Die Lehrerin, die sich in einen Schüler verliebt! Wo gibts denn sowas? Kündige lieber an der Schule, solange du kannst, sonst schmeißen sie dich wegen Unmoral raus, meine Mutter sparte nicht mit deutlichen Worten.

Mir war nur zum Heulen zumute. Es ist einfach passiert: Tobias und ich haben uns ineinander verliebt. Ja, er ist viel jünger als ich und mein Schüler. Doch in einem Jahr würde er sein Abitur machen. Dann heiraten wir. Der Altersunterschied wird niemandem mehr auffallen, nur ein bisschen Geduld brauche ich noch. Die Vorstellung, ohne ihn zu sein, machte mich fertig. Tobias war meine erste große Liebe. Meine Mutter übertrieb maßlos, wenn sie behauptete, alle wüssten von unserer Beziehung. Wir trafen uns immer heimlich.

Natürlich wusste ich, dass so eine heiße Nachricht sich in der Schule wie ein Lauffeuer verbreiten würde es würden bloß die Tauben nichts hören. Trotzdem konnte ich mich nicht beherrschen, zerfloss jedes Mal, wenn Tobias mich berührte, wartete fieberhaft auf jeden seiner Blicke. Ich wusste genau, welch schlechtes Vorbild ich gab. Als Lehrerin sollte ich Vernunft und Güte säen.

Meine Mutter war selbst Lehrerin und für sie gab es keine Entschuldigung für mein Verhalten. Ich bereute, dass ich ihr mein aufgewühltes Glück anvertraut hatte. Unterstützung konnte ich nicht erwarten. Wie oft ich mich im Kopf schon von Tobias getrennt hatte unzählige Male! Doch jedes Mal, wenn ich ihn sah, setzte mein Herz aus, der Atem stockte, und mir war alles egal: Ich liebte ihn! Alle Gebote waren ausgelöscht, ich ging gegen jede Vernunft an.

Mit Tobias fühlte ich mich wie ein dummes, junges Mädchen. Er war ein Ass im Unterricht, sportlich, überlegt im Leben. Unter den Mitschülerinnen war er sehr beliebt und meine Eifersucht plagte mich heimlich, versteht sich. Trotz allem war ich gleichzeitig glücklich und voller Sorgen.

Das letzte Glockensignal der Schule ertönte. Tobias wurde an der Universität angenommen. Ich… war schwanger.

Meine Mutter bemerkte meine Veränderung sofort und konnte sich den Kommentar nicht verkneifen:
Na, ihr beiden Täubchen, jetzt habt ihr den Salat. Und was nun? Willst du das Kind loswerden? Du hast ja auf mich nicht gehört, jetzt darfst du es ausbaden, du Dummerchen.
Nein, ich werde das Kind behalten, sagte ich ruhig.

Unsere Tochter Luise wurde geboren. Tobias aber war nicht bereit, mein Ehemann zu werden. Sein Studium kam für ihn an erster Stelle. Überhaupt entfernte er sich immer mehr von mir, wich unseren Treffen aus, vergaß zu telefonieren. Das Studentenleben, die Kommilitoninnen… So trennten sich unsere Wege. Für mich endete ein Traum. Ich blieb allein mit Luise. Und niemandem konnte ich die Wahrheit sagen dass ich eine Affäre mit einem Schüler hatte. Es gäbe nur Spott und Verurteilung. Mein Herz war wie taub.

Meine Mutter versuchte, mich zu trösten, als sie meinen Kummer sah:
Ich merke schon, zwischen dir und Tobias stimmt was nicht mehr. Kopf hoch, Anna, im kalten Asche glimmt manchmal noch eine Glut. Hör auf, dich kaputtzumachen. Es wird alles wieder gut, du wirst sehen.

Zwei Jahre vergingen, ohne dass ich Tobias wiedersah. Im Park, wo ich mit dem Kinderwagen spazieren ging, lernte ich Philipp kennen ich nannte ihn immer den Mann mit dem Dackel, denn er war stets mit seinem Dackelwelpen Emil unterwegs. Wir kamen ins Gespräch

Philipp war ein angenehmer, warmherziger junger Mann, voller Witz, mit einer besonderen Ausstrahlung. Es entstand eine wunderbare Liebe zwischen uns. Luise und Emil ließen wir oft bei meiner Mutter und genossen gemeinsam Kinoabende oder Cafés. Meine Mutter war glücklich:
Geht nur, ihr jungen Leute, genießt euer Leben, solange ihr könnt. Ich passe gerne auf meine Enkelin und den Dackel auf.

Nach einer Weile zogen Luise und ich zu Philipp. Es war ruhig und harmonisch bei uns, keine unnötigen Dramen. Frieden und Zufriedenheit

Eines Tages rief meine Mutter sichtlich aufgeregt an:
Anna, der Vater von Luise war hier. Hat auf dem Treppenhaus geschrien, nach dir verlangt. Ich hatte Angst und gab ihm eure Adresse. Jetzt weißt du, was aus deinem Vorzugsschüler geworden ist: Nach außen charmant, aber Sorgen hat er auch zu bieten.
Keine Sorge, Mama, wir regeln das schon, versuchte ich sie zu beruhigen, auch wenn ich selbst nervös wurde. Was wollte Tobias plötzlich von mir?

Kurz darauf stand Tobias vor meiner Tür:
Hallo Anna. Ich sehe, du hast es dir gemütlich gemacht. Da ist ein Mann, der mein Kind erzieht… Mit welchem Recht?
Tobias, wo steht, dass Luise deine Tochter ist? Du hast dich freiwillig von ihr abgewandt. Warum beschwerst du dich jetzt?
Tobias wurde gleich ruhiger:
Anna, ich will ja nichts Böses… Vielleicht sollten wir wieder zusammenziehen. Wir haben uns doch geliebt. Erinnerst du dich nicht?
Lange habe ich mich erinnert. Aber Philipp hat mir geholfen, dich zu vergessen. Danke, Tobias für alles. Aber du hast mich verloren, du bekommst mich nicht zurück. Leb wohl, sagte ich kühl und schloss die Tür hinter dem unangekündigten Gast.

Als Philipp abends von der Arbeit kam, merkte er gleich, dass mich etwas beschäftigte:
Ist was passiert, Anna?
Ich erzählte ihm von Tobias Besuch.
Ach, das ist doch egal. Mach dir keine Sorgen. Wahrscheinlich hatte er nur Sehnsucht. So läuft das manchmal. Komm, ruf deinen Ehemann zum Abendessen, lachte Philipp und zog mich in die Küche.
Ehemann? Mein Pass ist immer noch leer, was das betrifft, erwiderte ich mit einem Augenzwinkern.
Anna, willst du meine Frau werden? Philipp ging auf ein Knie und hielt meine Hände.
Hast du Angst, dass mein Ex mich dir wegschnappt? Ich musste lachen.
Und ob! Also, bist du einverstanden? Philipp wurde ernst.
Ich lasse es mir durch den Kopf gehen, kokettierte ich, wusste aber längst, dass Philipp alles für mich tun würde.

Im Sommer heirateten Philipp und ich standesamtlich. Er adoptierte Luise. Ein Jahr später wurde unser Sohn Moritz geboren. Wir bauten uns ein liebevolles Zuhause.

Tobias ließ uns in Ruhe. Vom Hörensagen wusste ich, dass er eine Kommilitonin geheiratet hatte, die ihn aber mit einem dreimonatigen Baby sitzenließ und mit einem Offizier in eine Garnisonsstadt zog.

Die Jahre vergingen wie im Flug.
Philipp und ich sind mittlerweile grau an den Schläfen.
Luise heiratete einen Italiener und lebt nun in Italien. Den Enkel von Dackel Emil nahm sie mit:
Wenigstens ein Familienmitglied soll mir dort die Heimat ersetzen!

Eine Sorge blieb: Moritz. Mein Sohn ist zweiundzwanzig, studiert an der Akademie und ist hoffnungslos in seine Literaturdozentin verliebt. Offenbar erwidert sie seine Gefühle. Es scheint fast eine Art Familienmuster zu sein. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll: Diese verbotene Liebe akzeptieren oder ihn abhalten? Mich an mich selbst erinnernd weiß ich: Abhalten funktioniert nicht. Wie ich damals, liebt er mit ganzem Herzen, kopflos. Es gäbe vielleicht keinen Rat, und ohnehin hört niemand darauf. Jeder muss seine eigenen Fehler machen, eigene Wege gehen.

Moritz, entscheide du. Ich habe nur eine Bitte: Tu dieser Frau niemals weh. Setze sie nicht dem Spott aus. Sei ein Mann. Denk gut nach, bevor du diesen Schritt wagst. Das sind keine leichten Dinge, mehr konnte ich ihm nicht sagen.

Mama, du und Papa seid für mich das beste Vorbild. Danke, dass ihr keine Vorträge haltet, Moritz küsste mich auf die Wange.

Eine große Hochzeit gab es nicht. Die Dozentin, Marina, und Moritz heirateten still auf dem Standesamt. Nach einiger Zeit kam ihre Tochter Zoe zur Welt.

Gegen die Liebe ist niemand gefeit Mein Leben hat mir gezeigt: Manchmal muss man sich der Liebe einfach fügen.

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Homy
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Verloren im Bann der Liebe – Katja, bitte überleg es dir gut! Er ist erst achtzehn, du schon sechsundzwanzig! Was für ein Paar – das wird was zum Anschauen. Was kann er dir bieten? Nur endlose Probleme, das ist klar. Deine Kollegen werden dich auslachen: Die Lehrerin verliebt sich in ihren Schüler, wo gibt’s denn sowas? Kündige lieber von selbst an deiner Schule, bevor man dich wegen Sittenlosigkeit rauswirft, malte meine Mutter das ganze Drama aus. Doch ich konnte nur heulen. Denn so kam es, dass Igor und ich uns verliebten. Ja, er ist deutlich jünger und außerdem mein Schüler. Aber in einem Jahr macht Igor sein Abitur, dann heiraten wir und keiner achtet mehr auf den Altersunterschied. Ich musste einfach nur warten. Ich konnte mich nicht von ihm trennen – Igor war meine erste Liebe. Die Sorge meiner Mutter, dass alle etwas von unserer Beziehung ahnten, war übertrieben. Igor und ich trafen uns heimlich. Trotzdem wusste ich: Wenn das rauskommt, weiß es die ganze Schule sofort. Aber ich konnte nicht anders, schmolz in seinen Armen dahin, genoss jeden seiner Blicke. Ich wusste – als Lehrerin gab ich ein schlechtes Vorbild ab. Gerade meine Mutter, selbst Pädagogin, verstand mein Verhalten nicht. Ich bereute es, ihr von meiner bittersüßen Freude erzählt zu haben – denn Unterstützung fand ich bei ihr nicht. Wie oft schon hatte ich mir in Gedanken eine Trennung von Igor ausgemalt. Doch sobald ich ihn sah, setzte mein Herz aus und der Verstand aus. Verbot hin oder her – ich liebte ihn. Igor war ein Einser-Schüler, sportlich, vernünftig. Die Mädchen aus seiner Klasse himmelten ihn an. Heimlich war ich eifersüchtig – glücklich, aber auch unsicher. Dann, am letzten Schultag, begann für Igor das Studium. Und ich … wurde schwanger. Meine Mutter bemerkte sofort die Veränderung an mir: „Na super, jetzt hast du dein Pärchen. Willst du das Kind etwa bekommen? Du hast nicht auf mich gehört, selbst schuld!“ – „Nein, ich will es behalten“, entgegnete ich. So kam unsere Tochter Swetlana zur Welt. Igor aber drückte sich vor der Verantwortung, das Studium war ihm wichtiger, und er ging auf Abstand. Schließlich trennten sich unsere Wege. Ich fiel aus allen Wolken und blieb mit der Kleinen allein zurück. Erzählen konnte ich davon niemandem – über die Lehrerin und ihren Schüler hätten doch sowieso alle getuschelt und mich ausgelacht. Meine Mutter tröstete mich: „Ich merke, mit Igor läuft es nicht mehr. Kopf hoch, Katja – auch im Aschenglut kann noch eine Funken glimmen. Alles wird gut, du wirst sehen.“ Zwei Jahre vergingen ohne Igor. Dann begegnete mir Alex, der Junge mit dem Dackel. Wir lernten uns beim Spazierengehen kennen – ich mit Kinderwagen, er mit seiner kleinen Hündin Hanni. Ein netter, humorvoller Typ mit besonderer Ausstrahlung. Mit Alex wurde alles leicht. Wir ließen Sweta und Hanni bei meiner Mutter, gingen zusammen ins Kino oder Café. „Geht ruhig aus, ich passe gern auf“, freute sich meine Mutter. Sweta und ich zogen bei Alex ein. Es war ruhig und schön mit ihm, frei von Aufregung. Irgendwann rief meine Mutter an, ganz durcheinander: „Katja, Swetas Vater war eben da. Hat getobt und eure Adresse verlangt. So ist er eben, dein ehemaliger Schüler – außen samtig, innen ein Kratzer.“ Bald stand Igor tatsächlich vor der Tür: „Du hast einen Mann gefunden, der mein Kind erzieht – mit welchem Recht?“ – „Igor, du hast Sweta freiwillig aufgegeben. Was willst du also?“ Igor versuchte die alte Zeit zurückzuholen, aber ich blieb hart: „Alex hat mir geholfen, dich zu vergessen. Danke für alles, aber es ist vorbei.“ Als Alex von Igors Besuch erfuhr, nahm er’s locker und machte mir beim Abendessen einen Heiratsantrag. Im Sommer feierten wir Hochzeit, Alex adoptierte Sweta und bald kam unser Sohn Maxim zur Welt. Igor hörten wir nur noch von Weitem – angeblich hatte ihn eine Kommilitonin, die er geheiratet hatte, mit Kind verlassen. Die Jahre vergingen wie im Flug, wir bekamen graue Schläfen. Sweta heiratete einen Italiener, nahm den Nachwuchs von Dackeldame Hanni mit: „Wenigstens ein Stück Heimat im Ausland.“ Unser Sohn Maxim, nun zweiundzwanzig, ist in seine Literaturdozentin verliebt – offenbar basiert das auf Gegenseitigkeit. Wiederholt sich da etwa meine Geschichte? Akzeptieren oder abraten? Aber aus Erfahrung weiß ich: Liebende sind nicht zu stoppen. „Maxim, entscheide selbst. Wichtig ist nur: Sei ehrlich zu ihr, mach sie nicht lächerlich. Überlege gut.“ – „Mama, ihr seid für mich das beste Vorbild. Danke, dass ihr keine Vorträge haltet“, meinte Maxim und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Maxim und Marina heirateten, schon bald kam ihre Tochter Zoya zur Welt. Der Liebe kann man einfach nicht entkommen…
Ohne Option auf Nein – Eine Silvesternacht zwischen Pflichtgefühl, Familie und dem ewigen Spagat eines deutschen Taxifahrers, der zwischen Krankenhausfahrten, vermissten Kindern, Rentnern im Winter und dem eigenen Wohnzimmer versucht, zu retten, was zu retten ist, und dabei lernt, warum Ehrlichkeit zu Hause manchmal wichtiger ist als jeder Einsatz draußen