Mein Leid, mein Glück – „Anna, wie lange willst du noch trinken? Ich bin erschöpft vom Retten. Was muss ich tun, damit du dem Alkohol für immer abschwörst? Sieh dich doch an – du bist nur noch ein Schatten deiner selbst!“, flehe ich meine Frau, mal wieder, in unserer Altbauwohnung mitten in Berlin an. Doch wann und wen hat das je aufgehalten? Anna wird mir gleich versprechen, nie wieder einen Tropfen zu trinken – bis alles von vorne beginnt… „Egon, du musst mich nicht retten. Reg dich nicht auf, ich hab doch nur ein bisschen getrunken. Meine Freundin hat angerufen, wir haben gequatscht und eine Kleinigkeit getrunken…“, lallt Anna. Sie kann kaum noch sprechen. Anna taumelt ins Schlafzimmer, stürzt erschöpft aufs Bett. Ich erinnere mich daran, wie ich sie schon oft wie einen nassen Sack in unser Bett getragen habe. Danach wandere ich meist einen Tag lang allein durch unsere Wohnung. Nach dem Aufwachen versucht Anna, sich zu entschuldigen: „Verzeih, Egon. Ich habe mich hinreißen lassen. Meine Freundin hat mich am laufenden Band zu absurden Trinksprüchen gezwungen…” Zuerst bin ich wütend, dann versucht Anna, die Wohnung zu putzen, kocht uns ein köstliches Essen, alles mit dem Charme einer echten Ehefrau. Das Mittagessen ein Fest, abends flanieren wir durch die Stadt, kaufen Leckereien, und nachts gehört sie wieder nur mir. Doch nach ein, zwei Wochen kehrt der Teufelskreis zurück: Anna wird launisch, gereizt und fällt wieder in alte Muster zurück. Dieses Ehe-Drama geht nun schon seit Jahren so. Wir kennen uns, seit wir sieben sind, haben jahrelang dieselbe Schule in Hamburg besucht. In der Oberstufe gestand ich Anna meine Liebe. Sie erwiderte sie. Ein Kind hätten wir haben können, aber Anna ging lieber an die Uni. Unsere Wege trennten sich für zehn Jahre. Beide gingen wir eigene Wege, heirateten andere Menschen. Wiedersehen bei einem Klassentreffen – das alte Feuer lodert sofort wieder. Doch es dauert fünf Jahre, bis unsere Leben sich erneut kreuzen. Anna ruft mich weinend an: „Egon, bitte triff dich mit mir. Ich habe mich scheiden lassen – mein Mann hat mich ständig wegen meiner Kinderlosigkeit gedemütigt.“ Ich tröste Anna, so gut ich kann, und bald ziehen wir zusammen in eine kleine Wohnung in Frankfurt. Mit einem guten Job gelingt es mir, Anna jeden Wunsch zu erfüllen, gemeinsam schaffen wir es zu Wohlstand, kaufen uns eine schicke Eigentumswohnung und einen Neuwagen. Anna muss nicht arbeiten, lebt ihr Leben zwischen Schönheitssalon und Küche – ich bin stolz auf meine gepflegte Frau. Doch dann beginnt sie zu trinken. Immer mehr. Die Familie droht zu zerbrechen. Freunde und Arbeit interessieren Anna nicht mehr, sie trinkt allein weiter. Hinzu kommt der frühe Tod ihres Bruders durch Drogen – ein Schicksalsschlag, von dem sie sich nicht erholt. Ich halte es zu Hause kaum noch aus, Anna weigert sich, sich behandeln zu lassen: „Mach mich nicht zur Alkoholikerin! Du hast wenigstens eine Tochter, aber ich bleibe kinderlos. Niemand versteht mich.“ Ich halte es nicht mehr aus und beginne schließlich eine Affäre mit einer 25-jährigen, lebensfrohen Frau. Zwei Jahre lang bleibe ich bei ihr, doch meine Gedanken und mein Herz sind bei Anna. Niemand außer mir kann sie vor dem Abgrund bewahren. In der Sehnsucht nach meiner zerbrechlichen Frau verlasse ich meine junge Geliebte und kehre zu Anna zurück. Anna ist mein Leid – und mein Glück.

MEIN UNGLÜCK, MEIN GLÜCK

Katrin, wie lange willst du denn noch trinken? Ich kann einfach nicht mehr, dich ständig zu retten. Was muss ich machen, damit du dich endlich für immer vom Alkohol verabschiedest? Schau dich mal an, du wirkst wie ein alter Baum ohne Blätter, habe ich meine Frau mal wieder angebettelt, ihr Verhalten zu ändern.

Aber ganz ehrlich wann hat das je etwas gebracht? Ich wusste ja, dass meine Worte nichts ausrichten. Katrin wird gleich wieder hoch und heilig schwören, nie wieder einen Tropfen anzurühren. Und nächste Woche läuft das Spiel von vorne ab

Lukas, du brauchst mich nicht zu retten. Sei doch nicht gleich so sauer! Ich habe nur ein bisschen mitgetrunken. Laura hat angerufen, wir haben gequatscht über dies und das, uns dann getroffen nuschelte Katrin schon halb lallend.

Du kannst kaum sprechen, Katrin! Geh jetzt schlafen.

Sie schaffte es noch, mir einen Kuss zu geben oder jedenfalls wollte sie, hat aber total danebengezielt. Ich bin erschrocken zurückgewichen, nur der Geruch von altem Alkohol im Raum. Katrin trottete seufzend ins Schlafzimmer. Ohne sich umzuziehen, fiel sie einfach aufs Bett und fing an zu schnarchen.

Früher habe ich sie manchmal wie eine gestrandete Nixe ins Bett getragen, direkt vom Wohnzimmerboden aufs Bett. Wirklich kein schöner Anblick.

Dann läuft mein Tag wieder ab wie immer: In der leeren Wohnung umherstreunen.

Nach dem Ausschlafen kommt Katrin mit gesenktem Kopf schüchtern zu mir:
Tut mir leid, Lukas. Ich hab übertrieben. Es war echt Lauras Schuld, sie hat einen absurden Trinkspruch nach dem anderen rausgehauen und mich immer wieder genötigt, mitzutrinken.

Ich bin still vor Wut. Katrin wirbelt dann hektisch durch die Wohnung, putzt jede Ecke, wäscht alle Hemden, schrubbt das Bad.

Lukas, was darf ich heute zum Mittag machen? Bestell, was du willst, ich koche dir alles, zwitschert sie dann richtig charmant und freundlich.

Das Mittagessen ist dann immer genial, sie gibt sich so Mühe richtig lecker, viel zu viel. Danach gehen wir zusammen raus, holen uns Leckereien, genießen das Leben wie zwei Kinder. Die Nacht die gehört dann wieder nur uns: leidenschaftlich, innig, einfach überwältigend. Ich merke dann immer, wie sehr mir Katrins Nähe gefehlt hat, ihre weiche Haut, die liebevollen Worte, ihr leises Kichern

Etwa eine Woche, manchmal zwei dann kippt wieder alles. Katrin wird gereizt, unberechenbar, tickt bei Kleinigkeiten aus. Und ich weiß dann sofort: Gleich ist es wieder so weit. Sie wird trinken. Dann kommen die Tränen, die Vorwürfe, das alte Theater.

So läuft das jetzt schon seit mehreren Jahren.

Katrin und ich kennen uns gefühlt ewig schon seit wir beide sieben waren. In der Grundschule saßen wir nebeneinander. In der zehnten Klasse hab ich ihr gestanden, dass ich sie wahnsinnig liebe. Katrin war auch verliebt in mich. Ein eigenes Kind wäre möglich gewesen. Sie wollte aber unbedingt erst studieren, Karriere machen. Und um ehrlich zu sein, ich war auch noch längst nicht bereit, Vater zu sein. War sogar erleichtert, als Katrin eines Tages strahlend aus dem Krankenhaus kam:

Es ist vorbei. Ich will uns nicht mit Wickeln und Fläschchen belasten. Wir haben noch das ganze Leben vor uns!

Und dann haben sich unsere Wege für zehn Jahre getrennt.

Katrin hat dann einen anderen geheiratet ich auch irgendwann.

Irgendwann, auf dem Abitreffen, hab ich Katrin wieder gesehen. Ihr Lachen, ihre Art ich war wieder völlig verzaubert, wie damals. Wir haben Nummern getauscht und uns danach wieder aus den Augen verloren ganze fünf Jahre lang.

In der Zeit hab ich immer wieder an sie gedacht, mir vorgestellt, wie ihr Leben so läuft. Ich hatte meine Familie, meine Tochter. Es lief irgendwie.

Bis dann eines Tages Katrin doch tatsächlich anrief panisch:

Lukas, lass uns treffen, bitte.

Ich habe nicht gefragt, warum, bin sofort losgerannt.

Katrin saß schon im Englischen Garten auf einer Bank, hat nervös überall herumgeschaut. Ich hab mich angeschlichen, ihr plötzlich die Augen zugehalten.

Lukas? Sie hat sofort meine Hände erkannt.
Richtig, hab ich grinsend gesagt und ihr einen Blumenstrauß überreicht. Was ist denn los, Katrin?

Sie fing sofort an zu weinen.

Ich habe mich scheiden lassen. Mein Mann hat mich dauernd gedemütigt, meinte, ich sei so unfruchtbar wie die Sahara. Er will Kinder, ich kann ihm keine geben Katrin brach völlig zusammen.

Ich hab sie versucht zu trösten. Dass sie jetzt keine Kinder bekommen kann, ist ja auch ein wenig meine Schuld.

Ende vom Lied: Wir haben geheiratet. Ich habe meine Familie verlassen. Da war echt viel Stress. Mein erster Schwiegervater, ein steinreicher Münchner Geschäftsmann, hat mich immer wissen lassen, dass ich aus seiner Sicht nix wert bin. Es fiel ihm ständig irgendein spitzer Spruch ein:

Lukas, du bist hier fehl am Platz. Meine Enkelin soll keine Billigeis am Kiosk schlecken und keine gebrauchten Klamotten tragen! Such dir lieber eine Frau aus deiner Liga.

Er war die reinste Plage. Kennst du den Spruch: “Vor reichen Schwiegervätern sollst du dich hüten wie vor dem leibhaftigen Teufel?” Meine Ex-Frau hat natürlich immer zu ihrem Vater gehalten. Ihr war irgendwie auch nie genug.

Kurze Zeit später habe ich meine Sachen gepackt und bin in eine kleine WG nach Schwabing gezogen. Die Möbel? Na ja, ein Schrank, ein Bett, ein Tisch. Ich war zufrieden.

Mit Katrin an meiner Seite wollte ich alles besser machen. Sie sollte sich richtig wohlfühlen, modisch angezogen sein einfach im Leben genießen. Ich hatte Glück: Mein Job in einer großen IT-Firma wurde gut bezahlt, ich konnte mich später als selbstständiger Berater durchschlagen.

Wir kauften eine Wohnung, stylten sie komplett durch, fuhren Deutsche Markenautos. Ich habe weiterhin meine Tochter gesehen, ihr aus dem Urlaub ausgefallene Sachen mitgebracht. Mein damaliger Schwiegervater spottete nur:

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Lustigerweise blieb meine Ex für sich war wohl auch nicht so leicht, nach mir nochmal jemanden zu finden.

Katrin sollte nicht arbeiten den Haushalt schmiss ich, sie war fürs Kochen, Putzen zuständig. Sie hat es geliebt, neue Rezepte zu zaubern, alles schön anzurichten. Und sie hatte immer Zeit für sich selbst: Friseur, Maniküre, Kosmetik. Fand ich super ich war mächtig stolz auf meine gepflegte Frau, wenn die Männer uns nachschauten. Ich wollte ihr das Leben zu Füßen legen.

Aber das Glück hielt nicht lange. Katrin fing an, immer öfter zu trinken. Anfangs habe ich nichts gemerkt, aber irgendwann war es nicht mehr zu übersehen. Zu Hause gab es plötzlich keine richtige Harmonie mehr.

Um sie abzulenken, habe ich ihr einen Job in meinem alten Büro organisiert. Aber nach wenigen Wochen hat man sie gebeten, zu gehen. Keiner wollte mit jemandem zusammenarbeiten, der ständig einen im Tee hat.

Sie hat auch keine Freundinnen zum Mittrinken gebraucht. Katrin hat sich oft alleine betrunken, und zwar so richtig. Ihr kleiner Bruder ist übrigens vor der Wohnung an einer Überdosis gestorben.

Nach der Arbeit hatte ich immer weniger Lust, nach Hause zu kommen du kannst ja verstehen, warum. Reden half überhaupt nicht mehr.

Therapie wollte sie keine:

Hör auf, aus mir so eine Säuferin zu machen! Du verstehst nichts, Lukas. Ich bin gefangen im Kopf! Wir werden nie Kinder haben. Nie! Du hast wenigstens deine Tochter

Das tat innen so richtig weh. Ich hatte irgendwann einfach keine Kraft mehr. Und so habe ich tatsächlich eine Affäre angefangen. War nichts Ernstes. Sie war 25, jung, süß, schwärmte von mir. Zwei Jahre lang habe ich aus der Ferne zugeschaut, wie Katrin immer weiter abrutschte. Für sie schien es nur noch bergab zu gehen. Aber weißt du, in solchen Momenten merkt man eben: Am Ende bist du doch mit niemandem so eng verbunden wie mit dem Menschen, mit dem du durch Dick und Dünn gegangen bist.

Ich habe Katrin so sehr vermisst, habe mir selber die Schuld für alles gegeben. Denn, ehrlich, ich liebe diese voller Widersprüche steckende Frau immer noch.

Ich habe mich von meiner neuen Freundin verabschiedet freundlich, aber bestimmt und bin zu Katrin zurückgekehrt.

Sie ist trotz allem mein Unglück, mein GlückUnd diesmal war es anders. Ich habe nicht mehr gepredigt, nicht mehr gebettelt, nicht mehr Vorwürfe gemacht. Stattdessen saß ich einfach neben ihr, wenn sie getrunken hatte, hielt ihre Hand, selbst wenn sie sich in sich selbst verlor. Irgendwann, nach einem besonders dunklen Tag, hat sie leise gesagt:

Lukas, vielleicht brauche ich doch Hilfe. Aber nur, wenn du da bleibst. Mit mir.

Mir wurden die Knie weich. Wir sind am nächsten Morgen gemeinsam in eine Klinik gefahren. Ich habe sie zu den ersten Gesprächen begleitet, blieb stundenlang im Wartezimmer, immer mit der Frage im Kopf, ob das diesmal halten würde.

Es war harte Arbeit, Tage voller Tränen, Rückfälle, Geständnisse. Neben den Schmerz kehrte langsam auch das Lachen zurück. Wir redeten wieder über früher, über Pläne, über all das, was hätte sein können.

Es sind jetzt zwei Jahre vergangen. Katrin trinkt nicht mehr. Vielleicht ist sie deshalb manchmal nervös, manchmal traurig. Aber sie ist da und ich auch. Wir haben keine Kinder, dafür aber einen kleinen Hund, der uns ständig auf Trab hält. Manchmal, wenn die Sonne durch unser Fenster in die Küche scheint und der Duft von Katrins Kaffee durchs Haus zieht, setzt sie sich neben mich und flüstert:

Mein Unglück war vielleicht immer auch mein Glück, weißt du? Denn daran habe ich erkannt, wie groß deine Liebe ist.

Dann lachen wir beide und wissen, dass Dinge nicht perfekt sein müssen, damit sie echt sind.

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Homy
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Mein Leid, mein Glück – „Anna, wie lange willst du noch trinken? Ich bin erschöpft vom Retten. Was muss ich tun, damit du dem Alkohol für immer abschwörst? Sieh dich doch an – du bist nur noch ein Schatten deiner selbst!“, flehe ich meine Frau, mal wieder, in unserer Altbauwohnung mitten in Berlin an. Doch wann und wen hat das je aufgehalten? Anna wird mir gleich versprechen, nie wieder einen Tropfen zu trinken – bis alles von vorne beginnt… „Egon, du musst mich nicht retten. Reg dich nicht auf, ich hab doch nur ein bisschen getrunken. Meine Freundin hat angerufen, wir haben gequatscht und eine Kleinigkeit getrunken…“, lallt Anna. Sie kann kaum noch sprechen. Anna taumelt ins Schlafzimmer, stürzt erschöpft aufs Bett. Ich erinnere mich daran, wie ich sie schon oft wie einen nassen Sack in unser Bett getragen habe. Danach wandere ich meist einen Tag lang allein durch unsere Wohnung. Nach dem Aufwachen versucht Anna, sich zu entschuldigen: „Verzeih, Egon. Ich habe mich hinreißen lassen. Meine Freundin hat mich am laufenden Band zu absurden Trinksprüchen gezwungen…” Zuerst bin ich wütend, dann versucht Anna, die Wohnung zu putzen, kocht uns ein köstliches Essen, alles mit dem Charme einer echten Ehefrau. Das Mittagessen ein Fest, abends flanieren wir durch die Stadt, kaufen Leckereien, und nachts gehört sie wieder nur mir. Doch nach ein, zwei Wochen kehrt der Teufelskreis zurück: Anna wird launisch, gereizt und fällt wieder in alte Muster zurück. Dieses Ehe-Drama geht nun schon seit Jahren so. Wir kennen uns, seit wir sieben sind, haben jahrelang dieselbe Schule in Hamburg besucht. In der Oberstufe gestand ich Anna meine Liebe. Sie erwiderte sie. Ein Kind hätten wir haben können, aber Anna ging lieber an die Uni. Unsere Wege trennten sich für zehn Jahre. Beide gingen wir eigene Wege, heirateten andere Menschen. Wiedersehen bei einem Klassentreffen – das alte Feuer lodert sofort wieder. Doch es dauert fünf Jahre, bis unsere Leben sich erneut kreuzen. Anna ruft mich weinend an: „Egon, bitte triff dich mit mir. Ich habe mich scheiden lassen – mein Mann hat mich ständig wegen meiner Kinderlosigkeit gedemütigt.“ Ich tröste Anna, so gut ich kann, und bald ziehen wir zusammen in eine kleine Wohnung in Frankfurt. Mit einem guten Job gelingt es mir, Anna jeden Wunsch zu erfüllen, gemeinsam schaffen wir es zu Wohlstand, kaufen uns eine schicke Eigentumswohnung und einen Neuwagen. Anna muss nicht arbeiten, lebt ihr Leben zwischen Schönheitssalon und Küche – ich bin stolz auf meine gepflegte Frau. Doch dann beginnt sie zu trinken. Immer mehr. Die Familie droht zu zerbrechen. Freunde und Arbeit interessieren Anna nicht mehr, sie trinkt allein weiter. Hinzu kommt der frühe Tod ihres Bruders durch Drogen – ein Schicksalsschlag, von dem sie sich nicht erholt. Ich halte es zu Hause kaum noch aus, Anna weigert sich, sich behandeln zu lassen: „Mach mich nicht zur Alkoholikerin! Du hast wenigstens eine Tochter, aber ich bleibe kinderlos. Niemand versteht mich.“ Ich halte es nicht mehr aus und beginne schließlich eine Affäre mit einer 25-jährigen, lebensfrohen Frau. Zwei Jahre lang bleibe ich bei ihr, doch meine Gedanken und mein Herz sind bei Anna. Niemand außer mir kann sie vor dem Abgrund bewahren. In der Sehnsucht nach meiner zerbrechlichen Frau verlasse ich meine junge Geliebte und kehre zu Anna zurück. Anna ist mein Leid – und mein Glück.
Jeden Tag kam meine Tochter aus der Schule nach Hause und sagte: „Bei meiner Lehrerin gibt es ein Kind, das genauso aussieht wie ich.“ Heimlich begann ich, dem nachzugehen – und entdeckte eine bittere Wahrheit, die mit der Familie meines Mannes zusammenhängt.