Ich sitze gerade am Küchentisch in unserer kleinen Wohnung in München, klammere mich an meine mittlerweile kalte Tasse Kamillentee und spüre, wie mir vor Wut und Hilflosigkeit die Tränen hochsteigen. Mit meinem Mann Sebastian habe ich eigentlich immer davon geträumt, eine kleine Familie zu gründen und nach außen hin siehts auch so aus: gemütliches Zuhause, ein Golf vor der Tür, beide festangestellt. Aber unser Glück zerbröckelt, und das liegt vor allem an seinem siebzehnjährigen Sohn aus erster Ehe, Jonas, der inzwischen immer häufiger bei uns wohnt. Eigentlich ist er zur Hälfte bei seiner Mutter, aber in letzter Zeit bleibt er lieber bei uns und seitdem ist mein Alltag zum reinen Albtraum geworden.
Jonas ist wie ein kleiner Splitter im Herzen, der jeden Tag mehr weh tut. Ich bin für ihn offenbar nur das Hausmädchen, räume seine Sachen hinterher, er lässt benutztes Geschirr einfach stehen und wenn ich ihn um Hilfe bitte, kommt höchstens ein genervtes Augenverdrehen zurück. Am schlimmsten finde ich, dass er meinen vierjährigen Sohn Moritz immer wieder anstänkert letztens zum Beispiel hat er ihm einfach eine gelangt, nur weil Moritz mal kurz an sein Handy gekommen ist. Meine kleine Tochter, Greta, muss mittlerweile bei uns im Schlafzimmer schlafen, weil für ein eigenes Bett im Kinderzimmer schlicht kein Platz ist das wäre anders, wenn Jonas wieder mehr bei seiner Mutter wohnen würde.
Aber daran denkt er gar nicht. Die Berufsschule ist direkt um die Ecke und er hängt einfach lieber mit seinem Vater ab. Den ganzen Tag sitzt er vorm Rechner, schreit ins Headset während irgendwelcher Spiele und Moritz findet kaum Ruhe zum Schlafen. Ich bin komplett am Ende: Kochen, Putzen, Kinder und er macht nicht einen Handschlag. Seine Anwesenheit ist wie eine Gewitterwolke über allem Schönen bei uns zu Hause.
Ich hab schon zigmal mit Sebastian gesprochen, gebettelt sogar, dass er Jonas dazu bringt, zurück zu seiner Mutter zu gehen. Seine Ex, Katharina, lebt allein in einer großzügigen Drei-Zimmer-Wohnung nahe Schwabing. Und wir? Wir stapeln uns zu viert auf 60 Quadratmetern, da fällt einem die Decke auf den Kopf. Ist das fair? Es wäre ja halb so wild, wenn Jonas nett zu meinen Kindern wäre. Aber stattdessen macht er sie nur nach und behandelt sie respektlos. Moritz fängt schon an, genauso pampig zu werden. Ich hab wirklich Angst, dass er sich davon was abguckt und ähnlich gefühllos und frech wird.
Sebastian blockt aber jedes Mal ab. Das ist mein Sohn, ich kann ihn nicht vor die Tür setzen, sagt er immer wieder und sieht gar nicht, wie sehr ich leide. Wegen Jonas gibts fast jeden Abend Stress zwischen uns. Ich komm mir längst vor wie ein Gaul, der den ganzen Laden allein zieht, während mein Mann einfach wegsieht bei allem, was Jonas treibt. Ich hab genug von seinen Rechtfertigungen und von dieser kindischen Loyalität, die nur die Harmonie bei uns zerstört.
Neulich konnte ich dann nicht mehr ruhig bleiben. Jonas hat schon wieder Moritz angeschrien, nur weil beim Trinken ein bisschen Apfelsaft auf den Tisch getropft ist, und ich bin regelrecht ausgerastet:
Jetzt reichts! Du bist hier nicht im Hotel! Wenns dir nicht passt, dann geh halt zu deiner Mutter!
Und er? Er hat nur höhnisch gelacht.




