Da ist uns ein kleines Missgeschick passiert

**Ein kleines Missverständnis**

Das Taxi hielt nicht weit vom Eingang des Clubs entfernt, der in der Dunkelheit mit bunten Lichtern blinkte und leuchtete. Sabine öffnete die Tür, bedankte sich beim Fahrer und stieg aus. Sie trug enge Jeans und ein knappes Top mit Trägern, das ihre Figur perfekt betonte. High Heels waren nicht ihr Ding stattdessen bevorzugte sie bequeme Sneaker. Und daran hatte sie auch heute festgehalten, obwohl ihre Freundin sie inständig gebeten hatte, Sandalen und ein schickes Kleid zu tragen.

Drinnen war es voller junger Leute, und laute Musik dröhnte von draußen jedoch kaum zu hören.

*Hey, beste Freundin!*, rief die Geburtstagsgastgeberin und umarmte Sabine herzlich. *Bist du bereit für Glückwünsche und Geschenke?*, verkündete Anna strahlend und tanzte ein wenig auf der Stelle.

Anna liebte es, im Mittelpunkt zu stehen und feierte gerne ausgelassen ganz anders als Sabine, die sich im Gewusel bunter Lichter und halb erkennbarer Gesichter unwohl fühlte. Am liebsten hätte sie den Abend zu zweit in einem gemütlichen Café oder vor einem guten Film verbracht. Doch manchmal verlangt Freundschaft Opfer, und für die Liebsten stellt man sich auch an Orte, die man sonst meidet.

*Ich stelle dich gleich ein paar coolen Typen vor!*, rief Anna, packte Sabine am Handgelenk und zog sie zur Bar. Dort standen zwei große Kerle, die sich angeregt unterhielten und lachten. Der dunkelhaarige von beiden drehte sich um und sagte mit angenehm tiefen Stimme:

*Hallo! Ich bin Sebastian. Und das ist mein Bruder, Max.*

Sabine spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Sein dunkler Blick durchdrang sie förmlich, und für einen Moment schien der ganze Club um sie herum zu verschwinden.

*Freut mich sehr, dich kennenzulernen. Du bist wie ein Sonnenstrahl in diesem dunklen Reich*, sagte Sebastian und lächelte. Sabine lachte.
*Danke für das Kompliment! Ich glaube, wir werden uns gut verstehen.*
*Da bin ich mir sicher. Warts ab, Sabine der wird dich noch verrückt machen!*, scherzte Max und trank seinen Cocktail aus.

Der Abend mit Musik, Lachen, Tanz und klirrenden Gläsern verging wie im Flug. Sebastian erwies sich als charmant und brachte Sabine sogar bis vor ihre Haustür. Auf dem Weg lachten sie viel, und es fühlte sich an, als wären sie sich schon ewig bekannt. Die Leichtigkeit zwischen ihnen ließ jedes Gespräch natürlich wirken.

*Es ist schon spät. Danke für den schönen Abend!*, sagte Sabine, und plötzlich entstand eine peinliche Stille.
*Ich bin wirklich froh, dich kennengelernt zu haben. Du bist wunderbar, einfach großartig! Darf ich dich morgen anrufen?*, fragte Sebastian leicht verlegen.
*Ich werde ungeduldig warten!*, lachte Sabine, küsste ihn auf die Wange und verschwand in ihrer Wohnung.

Tief in der Nacht schlichen ihre Eltern längst schlafend durch die Wohnung sie waren nicht an späte Heimkehr ihrer Tochter gewöhnt. Sabine schlich leise ins Zimmer, kroch unter die Decke und konnte lange nicht einschlafen. Sebastians Lächeln brannte sich in ihre Gedanken.

Am nächsten Morgen wachte sie auf, ging in die Küche und merkte plötzlich, dass sie ununterbrochen grinste. Ein warmes Glücksgefühl breitete sich in ihrer Brust aus, und ihr flatterten Schmetterlinge im Bauch.

*Ich bin verliebt*, flüsterte sie vor sich hin und kicherte.

Der freie Tag verging mit Alltagsdingen, und abends traf sie sich mit Anna im Lieblingscafé. Die Freundinnen tauschten sich übers Wochenende aus und schwärmten von der Clubnacht.

*Ich hab genau gesehen, wie er dich angeschaut hat! Bald feiern wir eine Hochzeit!*, zwinkerte Anna.
*Ich glaube, ich habe mich zum ersten Mal richtig verliebt*, gestand Sabine und senkte den Blick.
*Glaubst du? Du bist doch völlig vernarrt, du Schnecke!*, lachte Anna.

Anna war bei Jungs immer beliebt gewesen, doch für sie waren Romanzen nur kurze Abenteuer. Sie kam und ging leicht, ohne sich festzubinden. Sabine war das genaue Gegenteil was ihrer Freundschaft aber keinen Abbruch tat. Anna neckte sie oft, dass die Zeiten sich geändert hätten und sie nicht auf einen Prinzen auf weißem Ross warten solle.

Montag verging, Dienstag auch doch bis Mittwoch kam kein ersehnter Anruf. Sabine überprüfte alle zwanzig Minuten ihr Handy auf Nachrichten, doch vergeblich.

*Vergessen? Bereut? Zu beschäftigt? Hat er eine andere?* ihr Kopf drehte sich vor Vermutungen.

Die letzte Vorlesung endete, und Sabine stürmte die Treppe hinab als sie plötzlich Sebastian mit einem riesigen Blumenstrauß entdeckte. Freude, Ärger und Erleichterung überfluteten sie.

*Entschuldige bitte! Alles ist so dazwischengekommen!*, begann er entschuldigend.

Am Wochenende hatte ihn ein Kumpel angerufen sein Auto war mitten im Nirgendwo liegengeblieben. Sebastian war sofort losgefahren, ohne jemandem Bescheid zu sagen. Doch das Abschleppen zog sich hin, und dann ging beiden das Handy aus.

*Ach, so einfach war das also! Und ich hab mir schon die wildesten Theorien ausgedacht!*, lachte Sabine.
*Ich will meine Schuld wiedergutmachen und lade dich heute Abend zum Essen ein!*, erklärte Sebastian mit charmantem Lächeln und half ihr höflich ins Auto.

Er brachte sie nach Hause und versprach, sie pünktlich abzuholen.

Am Abend saßen sie sich in einem gemütlichen Restaurant gegenüber, genossen das Essen und die Unterhaltung. Live-Musik spielte, und das Menü des Küchenchefs war hervorragend. Sabine schwirrte der Kopf vor Glück, und ihr Herz war voller Zuneigung.

Zwei Wochen waren seit ihrem Kennenlernen vergangen, und sie verbrachten jeden Tag zusammen. Sebastians Herz erwärmte sich bei ihrem zarten Lachen, das ihn zu verrückten Gesten trieb. Seine Fürsorge gab Sabine das Gefühl, geborgen zu sein als stünde sie hinter einer schützenden Mauer. Sie liebten Kinoabende, wo sie sich im Dunkeln zuzwinkerten und über dieselben Szenen lachten. Sie genossen nächtliche Spaziergänge, wenn die Stadt schlief und alles still wurde. Immer öfter blieb sie bis zum Morgen in Sebastians Wohnung, in seinen leidenschaftlichen Armen.

*Hey, Sabine! Kannst du mir bei einer delikaten Sache helfen?*, ertönte Max Stimme am Telefon. *Ich will Anna einen Heiratsantrag machen! Ich brauche einen Ring und Blumen. Du kennst sie doch am besten hilfst du mir?*
*Natürlich! Super, dass du den Mut hast!*, rief Sabine begeistert.

Sie trafen sich vor dem Juwelier und suchten lange. Am Ende entschieden sie sich für einen filigranen Ring mit kleinen Edelsteinen und einem Diamantherz in der Mitte. Der Verkäufer packte ihn in eine Samtschachtel, dann ging es zum Blumenladen.

Max wählte klassische rote Rosen das Symbol der Liebe. Dazu kam ein kuscheliger Teddy mit einem Herz in den Pfoten und der Aufschrift *Love*. Max strahlte vor Glück und Nervosität.

*Keine Sorge, sei mutig! Sieh ihr in die Augen, gesteh ihr deine Liebe und frag sie!*, ermutigte Sabine ihn, küsste ihn auf die Wange und umarmte ihn. Dann stiegen sie ins Auto…

Doch zur verabredeten Zeit tauchte Sebastian nicht auf. Sabine wurde unruhig. Spätabends piepte ihr Handy eine Nachricht. Die Buchstaben verschwammen, und erst langsam drang der Sinn zu ihr durch. Tränen stiegen ihr in die Augen.

*Leb wohl, das Theater ist vorbei! Ruf nicht an und such mich nicht!*

Sie las die Zeilen immer wieder, erstarrte. Warum?

Sabine wählte verzweifelt seine Nummer doch niemand ging ran. Die Nacht war endlos, ihr Kissen nass. Auch Anna konnte nichts über Sebastians plötzliche Abkehr sagen. Max war auf Dienstreise und unerreichbar. Die Ungewissheit war das Schlimmste.

Die nächsten Tage verbrachte sie wie im Nebel, übel und zittrig. Sie war in der vierten Schwangerschaftswoche doch noch wusste niemand davon

*Du kommst zu dir! Wie du uns erschreckt hast!*, sagte Anna an ihrem Krankenbett.

Leise klopfte es, und Sebastian betrat mit einem Strauß zartrosa Rosen das Zimmer. Hinter ihm folgte Max mit einem blauen Auge und einer Tüte Obst.

*Ich bin ein Idiot, ein eifersüchtiger Trottel! Als ich dich mit meinem Bruder sah und du ihn küsstest, bin ich durchgedreht!*, gestand Sebastian.
*Wir haben alles geklärt auch wenn es nicht einfach war!*, sagte Max grinsend.
*Du darfst dich nicht aufregen, ich bleibe jetzt immer bei dir! Unser Kleines soll gesund zur Welt kommen. Ich verspreche es, meine Einzige*, flüsterte Sebastian ihr ins Ohr.

In Beziehungen läuft nicht immer alles glatt. Ohne Vertrauen gibt es kein Glück. Eifersucht sägt an den Grundfesten der Liebe. Schützt die Menschen, die ihr liebt

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Homy
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