Er isst für drei, denkt aber nur an sich Ich habe zu Hause den Kühlschrank durch einen Ehemann ersetzt.
Manchmal frage ich mich, ob ich eigentlich Ehefrau bin oder bloß ein wandelndes Vorratslager.
Früher habe ich gedacht, diese Kühlschrankschlösser seien ein Scherz. So ein albernes Bild aus dem Internet. Bis ich dann wirklich in einem Baumarkt stand und so ein echtes Eisentürschloss mit Schlüsselloch in der Hand hielt. Ich blieb völlig verdattert davor stehen und zum ersten Mal dachte ich mir: Soll ich das vielleicht wirklich kaufen? Nicht zum Schutz vor irgendwelchen Langfingern oder den Kindern. Nein sondern vor meinem eigenen Mann
Ich heiße Friederike, bin 30 Jahre alt und lebe mit meinem Mann und unserer Tochter in München. Ich rödele den ganzen Tag wie eine Ameise auf Koks, wie wir hier gern sagen. Aber am Ende ist nicht die Arbeit oder unser Kind das Anstrengendste sondern der Mann, mit dem ich meine vier Wände teile. Mein Ehemann, Holger, sieht außer seinem Teller gar nichts und niemanden. Er isst. Ohne Unterlass. Ohne Nachdenken, ohne Maß, ohne Reue.
Ich komme müde nach Hause und weiß: Im Kühlschrank wartet noch was fürs Abendessen ein Stück Braten, etwas Käse, vielleicht ein Joghurt für meine Tochter. Aber sobald ich die Kühlschranktür öffne: gähnende Leere. Nicht nur ein kleines Häppchen fehlt nein, gar nichts ist mehr da. Lautlos, fast magisch, hat er alles weggeputzt. Nachts. Wurst, Käse, sogar die Himbeeren, die ich für das Kind gekauft hatte alles wie vom Erdboden verschluckt.
Neulich habe ich für die Kleine Erdbeeren gekauft. Wissen Sie eigentlich, was deutsche Erdbeeren im März kosten? Aber das Kind hat sie auf dem Markt gesehen und gewünscht da sagt man nun mal nicht nein. Zu Hause hat sie sie voller Wonne und Zärtlichkeit genossen und extra habe ich noch welche für den nächsten Tag zurückgelegt. Morgens: Die Schale war leer. Bis auf den letzten Krümel. Holger hatte ALLES gefressen. Und dann noch: Ach, kauf halt neue! Wir haben doch Geld, wo liegt das Problem? meinte er grinsend.
Das Problem, Holger, ist: Du denkst nicht nach! Nicht an deine Tochter, nicht an mich! Kein Fragenschild, keine Empathie, nur schwupps! alles inhaliert, als stünde dir alles per Grundgesetz zu. Und ich lauf durch den Supermarkt, stehe am Herd, fülle immer nur nach. Der letzte Leberkäs ist weg? Tja, kein Bedauern, kein Versuch, etwas wieder gutzumachen.
Seine Mutter hat ihn aufgezogen wie eine bayerische Weihnachtsgans immer und überall Nachschlag, Süßes im Überfluss. Früher war er sportlich (angeblich!), aber die Essgewohnheiten blieben. Ich dagegen predige Sparsamkeit und Achtsamkeit. Das möchte ich auch meiner Tochter beibringen ohne Exzesse, sondern mit Gefühl. Aber mit ihrem Vater lernt sie das genaue Gegenteil: Alles immer gleich reinschaufeln.
Geldmangel haben wir wahrlich keinen ich arbeite in einer Werbeagentur, er bei einem Spediteur, alles solide. Aber es geht um Respekt, ums Miteinander. Siehst du etwas im Kühlschrank, frage dich: Gehört das vielleicht wem anderen? Wollte das die Tochter? Oder hat die Frau das zurückgelegt? Wie schwer kann das sein?
Und hier stehe ich nun wieder vorm leeren Kühlschrank. Und die Wut steigt in mir auf, ganz lautlos, aber brennend. Ich hab die Nase voll. Ich habe nicht geheiratet, um Quartiermeisterin zu werden. Ich wollte geliebt werden! Frau sein, Mutter sein, Partnerin sein. Nicht bloß Essenslieferantin für einen Mann, der MEIN Zuhause als Drive-in-Restaurant missversteht.
Ich habe es ihm gesagt: Du lebst nicht wie ein Familienvater, sondern maximal wie ein Single mit All-Inclusive-Buffet. Sein Kommentar? Schulterzucken: Gute Ehefrauen sorgen halt dafür, dass immer was da ist. Sonst bist du schlecht organisiert. Ach ja, klar, und als Nächstes stelle ich mir eine Waschmaschine ins Bett als Ersatzfrau.
Immer öfter frage ich mich: Vielleicht brauche ich kein Schloss für den Kühlschrank, sondern eher einen Schlüssel für ein neues Leben. Eines, in dem ich nicht nur diene und schmiere, sondern in dem meine Wünsche für jemanden zählen. Ein Leben, in dem ich mehr bin als Ehefrau, sondern ein Mensch, dem man zuhört. Und vielleicht irgendwann einmal: ein Kühlschrank, der auch für mich gefüllt bleibt.




